Vom Pilotprojekt an die Leipziger Buchmesse

Ein Beitrag von Norbu-Madelaine Faltin. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben und inzwischen beim Triga-Verlag veröffentlicht.

An der Leipziger Buchmesse (Bild: zvg)

An der Leipziger Buchmesse (Bild: zvg)

Als ich 2015 am Pilotprojekt der Edition Unik teilnahm, konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, innerhalb von drei Monaten ein Buch zu schreiben. Ich als technisch unbegabtes Wesen was PC betrifft bekam aber so viel Unterstützung vom Team der Edition Unik, sodass ich – wie alle andern Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch – alles, was mir eingefallen ist, gesammelt, sortiert und dann zusammengefasst habe.

In drei Monaten zum Buch
Es ist mir tatsächlich gelungen nach drei Monaten mein Buch in den Händen zu halten. Ich habe über meine Krebserkrankung, die Erfahrung mit den Tuareg und einen Teil meiner Lebensgeschichte geschrieben – vor allen Dingen für meine Enkel. Voller Stolz habe das Buch auch Freunden zu lesen gegeben, deren Feedback dann lautete: «Überarbeiten und veröffentlichen.»

Bild: zvg.

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Lesung an der Leipziger Buchmesse
Im September 2015 war es dann soweit und ich verschickte ein paar Manuskripte. Im Oktober 2016 hat mich ein Verlag nach Deutschland eingeladen. In guter Zusammenarbeit wurde mein Buch gestaltet und schlussendlich war es zur Leipziger Buchmesse fertiggestellt. Mit klopfendem Herzen bin ich nach Leipzig gefahren und durfte dort vor viel Publikum eine Lesung halten. Es war ein starkes Erlebnis.

Zum einen soll mein Buch Menschen zur Besinnung bringen und stärken, aber auch zeigen, dass man sich nicht einfach unterwerfen muss, wenn man eine schlimme Diagnose bekommt. Zum anderen sollte man niemals den Mut verlieren, auch wenn nicht alles im Leben happy enden kann.

Allen, die in Zukunft ihre Geschichten bei der Edition Unik niederschreiben, wünsche ich viel Spass und Erfolg!

 

Angaben zum Buch

Titel: Mit Krebs im Rucksack durch die Wüste
Autorin: Norbu-Madelaine Faltin
ISBN: 9783958281332
Verlag: Triga, der Verlag

 

Schreiben wider das eigene Vergessen

Ein Erfahrungsbericht von Jürg Vogel. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Mein Buchprojekt Vogel-Perspektiven begann ich, ohne dass ich es merkte. Auslöser waren zwei bedeutende Ereignisse in meinem Leben: mein 60. Geburtstag und die geplante, vorzeitige Pensionierung. Diese Erfahrungen waren geeignet, um über das eigene Leben, das Erreichte und die noch offenen Pläne nachzudenken. Das machte ich gerade ausgiebig, als ich in der NZZ einen Artikel zum Projekt Edition Unik las. Ich war so fasziniert von der Idee, die eigene Lebensgeschichte niederzuschreiben, dass ich mich umgehend anmeldete.

 
Bild: Joëlle Kost

Bild: Joëlle Kost

Ich schrieb meine Geschichte, nur so für mich.
Was ich so machte, an und für sich.
Was mir passierte und was ich so wollte
und auch das, was ich immer schon sollte.
Als es beendet war, hab ich's gefunden:
Mein Leben als Buch in Karton gebunden.

Jürg Vogel

 

Mein Leben verlief gradlinig. Ich hatte weder eine schwierige Vergangenheit aufzuarbeiten noch musste ich mit bestimmten Personen abrechnen. Es ging mir darum, das Erlebte für mich als Erinnerungsstütze oder für meine Nachkommen festzuhalten. Somit war auch klar, dass ich die Geschichte klar strukturieren sowie kurz und knackig schreiben wollte.

Der Schreibprozess
Während des Schreibprozesses erinnerte ich mich immer wieder an amüsante Begebenheiten, die sich in meinem Leben ereigneten. Ich wollte diese Geschichten ebenfalls festhalten. Die Biografie eignete sich dafür aber schlecht, weil die einzelnen Lebensabschnitte ein falsches Gewicht erhalten hätten. Ich schrieb die Anekdoten daher in einem zweiten Teil des Buchs.

So fasziniert ich in das Projekt einstieg, so interessant waren auch die vier Monate, die mir für die Abfassung zur Verfügung standen. Der Austausch mit den anderen Projektteilnehmenden in den Netzwerkveranstaltungen brachte mich mit unbekannten Menschen zusammen, die sehr offen über ihre teils eindrücklichen Geschichten sprachen. Wir konnten aber auch ganz praktische Punkte besprechen, denen wir bei der Schreibarbeit begegnet sind.

Der Mehrwert
Für mich war die Tatsache aufschlussreich, dass ich in kurzer Zeit die mir bekannten Fakten aus meiner Vergangenheit präzis in Worte fassen musste. So bekam ich die Gelegenheit alle meine Lebensabschnitte einander gegenüberzustellen und neu in einem bereits sechzigjährigen Leben einzuordnen. Viele Ereignisse erhielten so eine neue Bedeutung. Unscheinbares entpuppte sich auf einmal als zentrale Erlebnisse. Ich begann gewisse Entscheide in einem anderen Licht zu sehen und somit auch besser zu verstehen.

Und es stellten sich Fragen. Fragen, die ich weder mir noch anderen Personen je gestellt hatte. Fragen, die ich zuvor gar nicht kannte. Einige konnte ich selber beantworten, andere diskutierte ich in meinem Umfeld. Dankbar bin ich, dass ich auch meinen betagten Vater zu meiner Kindheit befragen konnte. Dabei wollte ich vor allem die Hintergründe für bestimmte Entscheidungen erfahren. Bei zahlreichen Treffen bekam ich alle Antworten. Dass mir diese Fragen rechtzeitig bewusst wurden und ich sie auch noch ohne Umschweife beantwortet bekam, erachte ich als den grössten persönlichen Gewinn des Projekts.

450 Gramm Lattich

Eine heitere Mundartanekdote von Ueli Johner-Etter. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

We me z Märit geit, lehrt me mit dr Zyt verschiedeni Chundinne u Chunde kenne. Di Einte si komplizierter, Angeri weniger; di Einte hei gärn abwächsligsrychi Choscht, angeri si uf irgend äs Gmües oder Salat iigschosse u chöi de absolut nid begryfe we das einisch nid vorhande isch. I jedem Fau isch aber „der Kunde König“ u mir probiere di verschiedene Wünsch vo üsere Klientele ds erfüue. So e Chundin isch d Frou Mumetaler gsy. Si isch sicher fasch zwänzg Jahr lang a jedem Samstigmorge regumässig a üse Gmüesstang cho für ihre Ychouf ds tätige. D Frou Mumetaler isch e chlyneri Frou gsy mit chlyne, churze Häng, ganz äs unschynbars Pärsönli; si isch mit churze Schrittli cho derhär z loufe. Im Herbscht, Winter bis i Früelig het si e scho ziemli abtreite brune Mantu aagha, am Arm ihri auti Märittäsche mit em abgwetzte rote Portmonnai. We mer si hei gseh cho dür Strass uche loufe, hei mer scho gwüsst was sie gärn hätti… u üser Ching hei gchüschelet: „lue dört chunnt ds Lattlech“… U de isch si vor em Stang gstange, het d Uslag u Uswau gmuschteret u gseit: „dier wüss ja Herr Johner wi gäng, 450 Gramm Lattlech, aber äs chunnt nid so drufa…“

Bild: Pexels.com

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Sicher han i das gwüsst, u scho vorhär ä passendi Stude Lattlech i ds Oug gfasset gha. Isch einisch aber kei passends Lattlech i dere Grösse im Chischtli umewäg gsi, hets fasch äs Drama gäh; „wüsster Herr Johner mit vierhunder Gramm han i eifach nid gnu gässe u mit föifhundert äbe ging e tumme Räschte vürig…, eh lueget doch no einisch, wüsster 450 Gramm, aber äs chunnt ja nid so drufa…“ Meischtens isch es de scho gange; i ha are grössere Stude mit em Mässer unger chley abhoue oder zwüschedüre hets de für di Ässesration vor Frou Mumetaler mängisch zwö chlyneri Stüdeli brucht; oder de han i scho vorhär so äs dunkugrüens Gwächs uf dWaag gleit, derbi eis Blatt oder zwö wäggnoh das ds gwünschte Gwicht de stimmt, u ungerem Tisch parat gleit. Bim Wäge vo däm preparierte Exemplar sägen i bylöifig: „e lueget da Frou Mumetaler genau öies Gwicht…“ de het si mi aagluegt, gschtrahlet u git aus Antwort: “Jetz hei mer aber Glück gha, eigetlich wärs ja nid so drufa cho, eifach ungfähr 450 Gramm, dier wüssets ja Herr Johner.”

Usnahmswys hei mer amene Samschtig einisch eifach kei Lattlech gha; da het sech d Frou Mumetaler tatsächlech entschlosse de haut i Gottsname äs Bluemchöli z choufe; aber na dere Entscheidig isch glych no ds obligate Sprüchli derzuecho: „gäuet Herr Johner, wi gäng ungefähr 450 Gramm, aber äs chunnt ja nid so drufa…“ I ha äs pfüdigs Exemplar gwoge, dr Schnitzer gno u chley am Storze abghou u Frou Mumetaler isch glücklech gsy, we scho ke Lattlech de wenigschtens 450 Gramm… Jahre später het sie üsem Chrischtoph einisch gseit si hätti no e auti Miuchchanne im Chäuer ober mer di wetti für Sunneblueme iizsteue; si warti bi däm und däm Husnummero ar Strass. Klar hei mer das wöue u si d Strass dürab zu däm Nummero gfahre. Won i mit em Chrischtoph parkiere seit sie: „dier syt genau richtig da, hie i mym Chäuer isch di Channe, wüsst dr Herr Johner das hie isch drum my Liegeschaft…” Dr Chrischtoph u ig luege enang verdutzt a; dr Frau Mumetaler ihre Liegeschaft isch äs Nünfamiliehus wo si säuber ir schönschte Wohnig wohnt. Jetz isch das Märitgschichtli tatsächlech imene Büechli ufgschrybe. I ha drum dr Frou Mumetaler einisch gseit wen ig de myni Memoire vom Märit aufschriibi sig si de uf Syte 101 aus Frou M. erwähnt. Si het mi den gross aagluegt u gfragt: „werum grad uf dr Syte 101?“ Druf sägere mit emen Ougezwinkere: „eh ungfähr, das chunnt ja de nid so drufa, i ha nume chlei lut dänkt…“

 

Ueli Johner-Etter gibt sein Buch im Eigenverlag heraus. Es ist auch in der Papeterie Kerzers  sowie in der Altstadtbuchhandlung Murten erhältlich. Es kostet CHF 25.--, kontaktieren Sie uns, wenn Sie Interesse an einem Buch haben.

Fünf Fragen an: Hannes Schwarz

Bild: Pexels.com

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1. Was ist Ihre Rolle in der Edition Unik?
Ich bin IT-Projektleiter und betreue die Schreibsoftware der Edition Unik auf technischer Seite.

2. Braucht es die Edition Unik?
Ja, und zwar weil viele tolle Geschichten und Biografien festgehalten werden. Engagement und Motivation der Teilnehmer/innen sind sehr inspirierend.

3. Was raten Sie den Schreibenden?
Lassen Sie sich nicht entmutigen! Und erreichen Sie Ihr Ziel Schritt für Schritt.

4. (Wie) soll es mit der Edition Unik weitergehen?
Das Angebot sollte auch in anderen Städten bekannt werden.

5. Was lesen Sie am liebsten?
Geschichten, die das Leben schreibt.

Hannes Schwarz ist Projektleiter bei FEINHEIT und betreut dort die u.a. die «Edition Unik App», die exklusive Schreibsoftware für Ihr Buch.