Fünf Fragen an: Pia Tschupp

  Bild: Pexels.com

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1. Was ist Ihre Rolle in der Edition Unik?
In die Rolle einer Schreibenden zu schlüpfen.

2. Braucht es die Edition Unik?
Ja. Geschichten bleiben in Büchern länger erhalten als auf Zetteln.

3. Was raten Sie den Schreibenden?
Es gibt Menschen, denen wurde als Kind gesagt, sie könnten nicht singen. Oder nicht schreiben. Denken Sie nicht darüber nach!

4. (Wie) soll es mit der Edition Unik weitergehen?
Es sollen immer mehr Menschen ein immer besseres Angebot von Edition Unik nützen können.

5. Was lesen Sie am liebsten?
Autorinnen und Autoren, die es verstehen, mit Gedanken, Bildern, Rhythmen, Farben und Lauten zu jonglieren, mag ich.

Pia Tschupp ist Ehemalige der Edition Unik.

Erlebnis Schreiben

Schreiben ist nicht gleich schreiben. Das zeigt sich auch in den verschiedenen Rückmeldungen immer wieder.

Das Projekt der Edition Unik hat mich motiviert, anstatt über andere über mich zu schreiben.
— Monika Fischer, Teilnehmerin
  An den Netzwerkveranstaltungen tauschen sich die Teilnehmenden persönlich aus (Fotos: Joëlle Kost)

An den Netzwerkveranstaltungen tauschen sich die Teilnehmenden persönlich aus (Fotos: Joëlle Kost)

Da ich von Natur aus strukturiert und organisiert bin, hat es mich erstaunt, dass beim zweiten Buch – ein Roman – alles anders abläuft. Ich schreibe diesen Roman in der dritten Person und habe dadurch mehr Abstand zur Geschichte. Ich nehme die Geschichte aus einer anderen Perspektive wahr. Ich bin nun Aussenstehende – ausserhalb des Kuchens – und bin dadurch viel weniger verletzlich.
— Isabelle Zenhäusern, Teilnehmerin
Jedes einzelne der Bücher, die in der Edition Unik entstehen, berührt durch Mut, Neugier und Einzigartigkeit.
— Martin Heller
Völlige Freiheit im Schreibprozess!
— Flavio Canonica, Teilnehmer
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In der Edition Unik, die weder Verlag noch Schreibkurs ist, schreiben Menschen persönliche Texte und gestalten daraus ihr eigenes Buch. Ohne inhaltliche Vorgaben bringen sie zu Papier, was für sie von Bedeutung ist: Meist sind es Erinnerungen und Erfahrungen aus ihrem Leben.
— Aus dem «Bund»

Den ganzen Bericht im Bund finden Sie hier: Ein Buch mit und über Olga

Das Buch als Medium der Wahl

Ein Auszug aus dem Vorwort von Benjamin Arnold. Er hat gemeinsam mit weiteren Schreibenden in der Edition Unik «das Hochzeitsbuch» erarbeitet; ein langlebiges Geschenk für ein befreundetes Brautpaar.

«Mit Erinnerungen ist es leider so, dass sie eine gewisse Grundflüchtigkeit aufweisen. Kombiniert man diese mit unaufhaltsam fortschreitendem Alter, Lebensstil und zu allem Überfluss auch noch genetischen Voraussetzungen, kann das sozusagen in einem houdinimässigen Abgang ebendieser enden und das wäre äusserst bedauerlich.

  Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das vorliegende Buch ist ein kleines Geschenk von euren Trauzeugen, welches wir mit Hilfe verschiedener Verwandter und Freunden zusammengestellt haben.

Ein gedrucktes Buch ist für mich ein Symbol für Beständigkeit. Für etwas, das schon lange da war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Es ist immer noch das Medium der Wahl, wenn es darum geht etwas für die Ewigkeit festzuhalten, «Ewigkeit» zumindest aus der Perspektive eines Menschenlebens.

Von Video-Codecs und Buzzwords
Filme oder PowerPoint-Präsentationen mögen den Inhalt unterhaltsamer, moderner oder kurzweiliger präsentieren, jedoch ist ein solches Erinnerungsstück gebunden an Produktlebenszyklen, Backup-Strategien und digitale Pflege. Da passt man ein paar Jahre nicht auf und, schwupps, existiert kein Video-Codec mehr für Amazons 128-Bit Fire-Plattform, welche nahezu alle Haushalte dominiert, die Buzzwords kann man beliebig durch andere Zahlen und Firmennamen ersetzen, die Kernaussage bleibt: Daten brauchen Pflege. Nicht so schlimm wie Pflanzen, Kätzchen oder gar Einhörner, aber doch mehr als nichts. Das Buch hingegen ist schon ziemlich glücklich, wenn es zu seinen Lebzeiten kein Wasser und kein Feuer sieht. Geht man von Zeit zu Zeit noch mit dem Staubwedel drüber oder schlägt es sogar auf und liest ein wenig darin, dann ist das schon fast ein Nirvana, Shangri-La, Eldorado, Bücherhimmel, et cetera.

Ich verliere mich in Erklärungen, etwas Kreativsaft wäre von Nöten, aber in diesem ICE gibt es offenbar keine Elvetino Railbar. Gibt es die überhaupt noch? Ich wünschte, ich hätte ein Buch, in dem so was steht...»


Hinweis
Die Edition Unik hat mit Benjamin Arnold auch ein Interview führen dürfen: Von einem, der schrieb, um zu verschenken

Von einem, der schrieb, um zu verschenken

In der Edition Unik entstehen nicht ausschliesslich lineare Lebensgeschichten. Es sind schon Kinderbücher und Romane geschrieben worden und auch ein Werk mit mehreren Autorinnen und Autoren ist entstanden: Das Geschenk «Hochzeitsbuch» von Benjamin Arnold und Janine Meyer*.

 

Edition Unik: Schreibst du ausserhalb der Edition Unik auch?
Benjamin Arnold: Nein, jedenfalls nicht im dem Sinne, wie man es bei einem Buch erwarten würde. Ich halte aber im Urlaub witzige Momente und besondere Erlebnisse in einem Reisetagebuch fest.

  Im Zug schreibt sichs am besten, sagt Benjamin Arnold. (Foto: zvg.)

Im Zug schreibt sichs am besten, sagt Benjamin Arnold. (Foto: zvg.)

In meinem Berufsalltag als Software-Ingenieur verfasse ich hin und wieder Dokumentationen und Test-Berichte. Dabei handelt es sich um technische Dokumente und diese werden idealerweise unverspielt und präzise geschrieben, denn im Vordergrund steht die Informationsvermittlung und nicht das Lesevergnügen.

Wie seid ihr darauf gekommen, ein Buch zu verschenken?
Es war eigentlich die Idee der Trauzeugin, aber mich hat die Idee sofort begeistert, unter anderem wegen der folgenden Überlegungen: Häufig hat man als Erinnerung an die Hochzeit ein Gästebuch und Bilder, diese können die Stimmung des Abends gut einfangen und wecken auch Jahre später beim Betrachten vergessen geglaubte Erinnerungen. Was Bildern jedoch fehlt ist das Gesprochene. Was hat der Trauzeuge in der Ansprache genau gesagt, was war die Geschichte vom Sketch und wie ging nochmals der witzige Dialog aus dem Video? Das sind alles Inhalte, die man super in einem Buch festhalten und somit auch noch Jahre später geniessen kann. Das war für mich das Hauptargument, zum Glück liest das Brautpaar auch gerne.

Wie hat sich die Arbeit am Buch angefühlt?
Es fühlte sich ein wenig an wie das Schreiben der Dokumentation einer Projektarbeit im Studium. Nun, was bedeutet das? Es machte mir Spass zu schreiben, schliesslich schrieb ich über eine Sache in der ich involviert war und die mich interessierte. Jedoch neige ich erfahrungsgesmäss dazu, Schreibarbeiten hinauszuzögern. Ideen zu Textabschnitten brodelten während der gesamten Projektdauer in meinem Hinterkopf; teilweise notierte ich diese auch. Effektiv zu schreiben begann ich aber erst etwa ab der Hälfte – und so richtig ab ging es dann in den letzten zwei Wochen. Es gibt für mich einfach zu viel Ablenkung im Alltag. Am produktivsten war ich auf längeren Zugfahrten. Sollte ich also wieder einmal etwas schreiben wollen, muss ich mir wohl zuerst ein GA besorgen.

Am produktivsten war ich auf längeren Zugfahrten. Sollte ich also wieder einmal Buch schreiben, muss ich mir zuerst ein GA besorgen.
— Benjamin Arnold, Teilnehmer der Edition Unik

Wie war die Reaktion der Beschenkten auf das Buch?
Die Reaktion war den Umständen entsprechend sehr freudig und überrascht. Die Umstände waren Folgende: Das Buch wurde aufgrund der fixen Drucktermine erst drei Monate nach der Hochzeit fertig. Das ist nicht das eigentliche Problem, oder überhaupt ein Problem. Jedoch hat sich der Ehemann kurz vor dem Übergabetermin mit einer Erkältung oder Grippe angesteckt und war nicht wirklich fit.

Wir wollten die Übergabe aber unbedingt vor Weihnachten durchführen, es war so schon schwierig genug einen Termin zu finden, über die Festtage wäre das komplett unrealistisch gewesen. Also haben wir den Weihnachtsmarkt durch die Wohnung des Brautpaars und den Glühwein durch Tee ersetzt und die Übergabe im Wohnzimmer gemacht. Zu Freudensprüngen war der Ehemann demnach nicht in der Lage, wenn auch beide sich sehr über das besondere und durchaus einzigartige Geschenk gefreut haben.

Und zu guter Letzt: Wirst du wieder Mal ein Buch schreiben?
Sollte ich ein Thema finden, über das ich schreiben könnte und wollte, würde ich. Ich müsste aber definitiv eine oder zwei meiner anderen Freizeitbeschäftigungen während der Schreibzeit pausieren.

 
 

*Janine Meyer ist Mitarbeiterin der Edition Unik.

In eigener Sache: Start in die Herbstrunden

Anfangs dieser Woche sind die beiden Herbstrunden der Edition Unik gestartet. Vor den Schreibenden liegen intensive Wochen und auch wir vom Projektteam dürfen uns auf eine spannende Zeit freuen.

Am Montag durften wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstmals in Basel begrüssen, und zwar im Unternehmen Mitte.

Am Dienstag fand die Auftaktveranstaltung der Zürcher Runde statt. Die internen Veranstaltungen finden wiederum im Kulturhaus Kosmos statt.

Wir befähigen die Menschen zum Schreiben des eigenen Buchs. Dabei ist die «Edition Unik App», also unsere exklusive Schreibsoftware, eine grosse Unterstützung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
— Projektleiter Frerk Froböse während der Begrüssung

Selbst ein Buch schreiben?
Möchten auch Sie Teil der Edition Unik werden? Dann melden Sie sich an! Die Anmeldung für die Frühjahresrunde 2019 ist geöffnet. Ob wir eine weitere Runde in Basel oder gar in anderen Städten anbieten können, können wir erst nach Abschluss und Evaluation des Basler Pilotprojekts gegen Ende Jahr sagen.

Die Veranstaltungen sind allerdings nicht obligatorisch und es entsteht niemandem ein Nachteil, sollten die Veranstaltungen nicht besucht werden können. Die Teilnehmenden schreiben autonom von Zuhause aus, Unterstützung erhalten Sie von uns aus der Ferne. Details zum Basisprogramm finden Sie auch im Bericht zum Angebot. Oder kontaktieren Sie uns unkompliziert und unverbindlich: Kontakt.