Café im Erkerzimmer

An einem Samstagnachmittag im Frühjahr fand in gemütlicher Runde das erste Edition Unik Café 2019 im Karl der Grosse statt.

Text und Bild: Silvana Huwiler (Karl der Grosse)

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Isabelle Zenhäusern las gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrem autobiografisch geschriebenen Buch vor. Sie nimmt die Zuhörer/innen mit nach Montreux, wo sie damals eine Schreibblockade erlebt hat und mysteriöse Ereignisse im Villenquartier erforschte.

Marianne Schwab las gemeinsam mit ihrer Tochter aus ihrem Buch widen your world vor, in dem sie von ihrer zehnmonatigen Marokkoreise vor vielen Jahren berichtet. Die Abenteuer der jungen Frau sind sprühen vor Lebenslust und sind mit Heiterkeit gespickt. 

Moderiert wurde das Café von der Schriftstellerin Tabea Steiner. In Gesprächen hat sie die beiden Autorinnen dem Publikum noch näher gebracht.


«Interessiert mich, könnte was sein»

Ein Erfahrungsbericht von Ursula Netthoevel. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Im Unternehmen Mitte, dem Basler «Zuhause» der Edition Unik.

Im Unternehmen Mitte, dem Basler «Zuhause» der Edition Unik.

Irgendwann habe ich eine Seite aus dem «Bund» gerissen und auf meinen Arbeitstisch gelegt. Interessiert mich, könnte was sein … Und dann, einige Zeit später, habe ich mich bei der Edition Unik angemeldet.

Was ich schreiben wollte? Keine Ahnung. Ganz sicher keine Biographie. Aber schreiben wollte ich!

Dann kam das erste Treffen. Erste Begegnungen und erste Informationen. Das Geschichten sammeln anhand der «Kacheln oder post-it», die Empfehlung täglich mindestens 45 Minuten dran zu bleiben, ohne Korrektur, ohne präzise Formulierung, die 17 Wochen-Vorgabe waren für mich der Türöffner zum Schreiben. Oft kam ich in einen Flow, der beinahe körperlich spürbar wurde. Na ja, meinem Vorsatz meine Biographie nicht in den Text einzubinden konnte ich nicht ganz gerecht werden. Hat viel ausgelöst dieses «unkontrollierte» Schreiben. Stream of consciousness …

Der Übergang in die zweite Etappe geschah eigentlich fliessend. Geschichten entstanden, die «Kacheln» vernetzten sich manchmal wie ungewollt. Korrekturen folgten, orthographische als auch inhaltliche. 

Oft kam ich in einen Flow, der beinahe körperlich spürbar wurde.
— Ursula Netthoevel, Teilnehmerin der Edition Unik

Die letzten Wochen, näherrückender Termin.

Die Gestaltung des Buches war total spannend und ich war überrascht, wieviel die doch relativ enge Vorgabe zulässt.

Der «Rote Knopf», das Loslassen … um zwei Wochen später mein Buch in die Hand nehmen zu können!

Ich danke der Edition Unik, dass Ihr mir nicht nur diese Erfahrung ermöglicht sondern sie auch mit Herzblut und professionell begleitet habt! Wenn ich den Anfangssatz eines weiteren Buches gefunden habe, werde ich mich wieder bei Euch melden.

Wir freuen uns drauf ;) (Anm. der Edition Unik)

Ein Fragment aus dem Buch von Ursula Netthoevel finden Sie hier: Beginn


Hat Ursula Netthoevel zum Schreiben inspiriert? Nur zu! Noch sind Plätze in der Basler und der Zürcher Herbstrunde frei!


Stimme aus der Edition Unik

Bild: Joëlle Kost

Bild: Joëlle Kost

Das Projekt der Edition Unik ist eine überaus wertvolle Idee und bewährt sich in der Praxis wie die bisherigen literarischen Ergebnisse zeigen.

Es gibt kaum Alternativen – ausser sehr kostspieliger mehr oder weniger seriöser Verlagshäuser –, die Menschen wir Dir und Mir die Möglichkeit bieten, ein Buch für einen engen, aber geschätzten Kreis herauszugeben.

Die Unterstützung – sofern man diese nutzen will – ist während der ganzen Projektzeit vorhanden.
— Joseph Weibel, Teilnehmer der Edition Unik

Beginn

Ein Fragment von Ursula Netthoevel. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Die Autorinnen an der Vernissage (Foto: zvg.)

Die Autorinnen an der Vernissage (Foto: zvg.)

Es ist still im Haus. Gestern ist Max mit den Kindern für eine Woche in die Ferien gefahren. Sie haben das so vereinbart, sie hat ihm gesagt, dass sie zuhause bleibt. Keine Erklärungen wie: Ich brauche mal Zeit, will runterkommen, nachdenken oder so. Kein Nachhaken seinerseits. Solche Entscheidungen haben Platz in ihrer Beziehung. Die Kinder sind ja auch nicht mehr anstrengend, ziemlich selbständig. «Mama, schade, dass du nicht mitkommst. Warum eigentlich? Darf ich deine Reisetasche nehmen, die mit den Schmetterlingen?”»

Schmetterlinge.

Schmetterlinge im Bauch? Hat sie das jetzt? Kitsch! Ein ästhetisch intellektueller Ausdruck im Gegensatz zu moralischen Aussagen wie «Begehren» zum Beispiel.

Begehrt sie?

Den Hund hat sie der Nachbarin gebracht, so für zwei Tage, sagte sie.

Das Klicken des Anrufbeantworters wird in der Stille hörbar. Nur das Klicken, denn sie will nicht hören, sie will die Stille.

Sie bleibt weiterhin auf der Treppe zum oberen Stockwerk sitzen. Hinauf, hinunter? Die Richtung spielt beim Warten keine Rolle. Beim Denken würde man wohl von Vergangenheit und Zukunft sprechen. Sie bleibt in der Gegenwart sitzen. Wagt oder will sie nicht vorwärts, in die Zukunft denken? Die Zukunft, die auch dem Begehren Raum geben würde.

Schon wieder meldet sich der Anrufbeantworter. Bald muss sie fahren.

Das Ziel für die erste gemeinsame längere Fahrt mit Julian hat sie vorgeschlagen. Davos, das Kirchner-Museum. Über die seidige Betonhaut des Gebäudes streichen, sich in den Farben der Bilder verlieren. Zusammen die inneren Bilder benennen und die sichtbare Wirklichkeit vergessen.

Nach dem Museumsbesuch würde sie die Wirklichkeit daran erinnern, dass der Rückweg in ihre Stadt gleichentags wohl zu lange dauert. Ob Julian auch daran gedacht hatte, als sie ihm Davos vorschlug? Bewusst vorschlug.

Die Türglocke klingelt. Der Postbote bringt ein Telegramm. «Kann dich telefonisch nicht erreichen. Muss Mutter ins Spital bringen. Nachtessen ist aber möglich. Melde dich bitte.»

Später.

Beim Einnachten die Fahrt entlang dem See. Die Lichter der im Regen entgegenkommenden Autos sind wie leuchtende Perlenschnüre. Sie fragt ihn, ob er das Chanson Ne me quitte pas von Jacques Brel kennt. Sie rezitiert leise, etwas scheu, die Zeilen: «Moi je t’offrirai des perles de pluie venues de pays où il ne pleut pas.» Und immer wieder der Refrain: «Ne me quitte pas.»

Am Morgen danach steht in ihrem ersten Brief an ihn: Wenig Schlaf, damit das Getrenntsein nicht zur Gewohnheit wird. Wenn mein Körper nach dir fragt, geht die Antwort im Geräusch des vorbeifahrenden Zuges unter. Weisses Morgenlicht spiegelt sich im Nachtfrost.


Den Erfahrungsbericht von Ursula Netthoevel lesen Sie hier: Interessiert mich, könnte was sein


Edition Unik Café: Ein spannendes Format

Seit April 2019 bietet die Kantonsbibliothek Liestal (KBL) den Edition Unik Cafés ein Zuhause. Christa Zuber von der KBL hat die Lesung organisiert.

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

Das Format der Edition Unik Cafés ist interessant und passt wunderbar in unser offenes Konzept. Wir von der KBL freuen uns darauf, im November ein weiteres Café anbieten zu dürfen!
— Christa Zuber von der KBL
In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)

In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)


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