Schreiben

Vom Umgang mit Pseudonymen und Zitaten

Letzte Woche fanden die ersten Netzwerkveranstaltungen (NW) der Herbstrunden statt. In Zürich ging sie im Kosmos über die Bühne, wobei unser Gast Katharina Gerber – Teilnehmerin der Edition Unik – den Auftakt machte. In Basel fand sie im Unternehmen Mitte statt, dort begann der Nachmittag mit Teilnehmer Joseph Weibel. Beide lasen aus ihren Büchern vor, die bereits in der Edition Unik entstanden sind, und berichteten vom eigenen Schreiben und den daraus resultierenden freudigen Momenten.

Reger Austausch in der «Mitte».

Reger Austausch in der «Mitte».

Danach folgte der persönliche Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nebst dem Austausch von persönlichen Erlebnissen, die den bisherigen Schreibprozess geprägt haben, wurden dabei auch Fragen rege diskutiert: Wie geht man um mit fremdem Material, etwa mit zitierten Texten oder mit Bildern, die nicht aus dem persönlichen Fundus stammen? Wie stark dürfen Drittpersonen erkennbar respektive identifizierbar sein? Soviel vorweg: Allgemeingültige Antworten geschweige denn Regeln im Bezug auf diese beiden Fragen gibt es so nicht. Dafür aber wurden die Schreibenden mit wertvollen Tipps versorgt.

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Zum Umgang mit fremdem Eigentum
Da die Edition Unik kein Verlag ist, der Bücher publiziert, ist der Umgang mit fremden Quellen jedem Autor, jeder Autorin selbst überlassen. Aus Gründen der Fairness ist es aber sicherlich nicht verkehrt, die Verwendung von fremden Material erkennbar zu machen. Man will sich ja schliesslich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken. In welcher Form man fremdes Eigentum schlussendlich kennzeichnet, bleibt dann aber den Schreibenden überlassen. Letztlich ist es ihr eigenes Buch.

Zur Anonymisierung und Verwendung von Pseudonymen
Ab wann und ob überhaupt auftauchende Charaktere unkenntlich gemacht werden sollen, bleibt ebenfalls der Schreiberschaft überlassen. Gerade in Bezug auf Bücher mit autobiographischem Charakter sind die vorkommenden Personen relevant und müssen überhaupt nicht zwingend anonymisiert werden.

 
Muss man Drittpersonen anonymisieren? Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?
— Edition Unik
 

Als Faustregel lässt sich sagen: Je positiver über eine Person berichtet wird, desto geringer die Notwendigkeit einer Verschleierung derselben. Zudem kann auch der Rahmen, in welchem das Buch «erscheinen» soll, ausschlaggebend sein.: Denn je öffentlicher der Inhalt gehandhabt wird, desto eher besteht die Chance, dass sich die beschriebenen Personen erkennen und sie zur Rechenschaft ziehen will. Mehr dazu lesen Sie auch im Bundesgerichtsentscheid vom 25. September 2008.

Während des Schreibprozesses sollte man sich auch ab und an in die Rolle der beschriebenen Personen versetzen: Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?


Mehr zum Thema «Persönlichkeitsverletzung»
Frage aus einer Runde: «Wie offen und schonungslos darf man sein? Ich rechne mit einer Nachbarin ab.»

Antwort seitens der Edition Unik: Abgesehen davon, dass mit den Rechten auch die Pflichten bei den Teilnehmenden liegen und wir deshalb keine verbindliche Aussage zur Anonymisierung machen können, gibt es keine universell gültige Antwort auf die Frage, da die Beurteilung der Rechtslage von vielen Faktoren abhängt.

Das Bundesgericht hat dazu einige Leitentscheide veröffentlicht, die einsehbar sind.


«I Could Write A Book»

Weshalb es letztlich doch verlockender war, ein Buch zu schreiben, statt ein Netzwerk aufzubauen, das anderen Menschen den Weg zum Musizieren erleichtern könnte. Eine Betrachtung von Franz Neff, er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Kontrabass-Klinik am Jazzworkshop Interlaken 2019 (Foto: zvg.)

Kontrabass-Klinik am Jazzworkshop Interlaken 2019 (Foto: zvg.)

Von der Musik zu erzählen, wenn sich Freunde und Bekannte nach dem Befinden erkunden, ist eine gute Möglichkeit, im Gespräch von Berichten über den Gesundheitszustand und den damit verbundenen Nebenerscheinungen abzulenken. Es ist auch eine Möglichkeit, die von Teresa von Avila verfassten «Vorsätze eines älter werdenden Menschen» umzusetzen – und «young at heart» zu bleiben. Aber vor allem bereitet es mir Freude, meine Begeisterung für das Musizieren mit anderen zu teilen.

Nicht selten erwidern die Gesprächspartner, wie gerne auch sie wieder oder endlich einmal ein Musikinstrument spielten. Sie könnten sich aber nicht vorstellen, wie das anzustellen sei. Diesen Menschen einen individuell sinnvollen Ratschlag zu geben, ist schwierig. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, zu gross die Auswahl der Möglichkeiten sich musikalisch zu betätigen. Es müsste dafür ähnlich wie die Berufsberatung eine Art Musikberatung geben.

Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los, ich versuchte ihn weiterzuspinnen und schrieb vor einiger Zeit folgende Ideenskizze mit dem Titel «Evergreen»:

Wer im dritten Lebensabschnitt musiziert, bleibt länger jung und gesund, findet Freude, Zufriedenheit und soziale Kontakte. Für Kinder und Jugendliche ist der Zugang zum Musizieren institutionalisiert. Wollen aber Menschen mit grosser Lebenserfahrung ein Instrument neu bzw. wieder spielen oder richtig singen lernen, müssen sie sich selber helfen. Möchten sie zudem die gehörten Harmonien auch verstehen, ist meist das Selbststudium die einzige Option. Wer zusammen mit anderen Erwachsenen Musik machen will, muss unterschiedliche Erwartungen, Vorkenntnisse und Lebensumstände und persönliche Erfahrungen mit Musik zusammenbringen. All diese Hindernisse sind in der Regel für eine Person zu hoch. Die einzige leicht zugängliche Möglichkeit bleibt oft der Chorgesang. «Evergreen» sollte neue Türen zur Welt der Musik öffnen.

Als Erstes plante ich, ein Netzwerk von Musiker/innen aufzubauen und hoffte, diese würden ihrerseits mit In- halten und Anregungen zum Konzept beitragen. Sicher mit von der Partie wären meine Singlehrerin Barbara La Faro und der Basslehrer Housi Ermel. Ich hatte telefonisch Kontakt mit Frank Sikora, Autor des Buches «Neue Jazz-Harmonielehre». Er hatte mich sehr ermutigt, am Projekt weiterzumachen, und eingeladen, mit konkreten Ideen wieder anzuklopfen.

Nun liegen meine Stärken eher beim Entwickeln und Beschreiben von Ideen als bei der Organisation um Umsetzung von Projekten. Ich benötige dafür einen klaren Auftrag und Unterstützung, sonst bin ich empfindlich gegenüber kritischen Einwänden. Darum wurde ich von der heftigen Ablehnung der Idee durch meinen ehemaligen Klavierlehrer so überrumpelt, dass ich das Projekt gar nicht angemessen verteidigen konnte. An Musikschulen gäbe es bereits solche Angebote für Erwachsene. Es sei Aufgabe der Lehrpersonen, solche Bedürfnisse zu erkennen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Ich solle diese Arbeit den Profis überlassen. Diese Standpauke reichte, um das Projekt kleinlaut wieder zu begraben.

Ab und zu taucht die Idee in Gesprächen mit Freunden wieder auf. Oder ich erinnere mich wieder daran, wenn ich in der NZZ (27.1.2018) einen Artikel mit dem Titel lese «Warum Klavierspiel den Geist fit hält», worin genau diese Schwierigkeiten und Hemmungen dargestellt sind, sehr spät noch ins Musizieren zu kommen. Auch Marie-José und Barbara versuchten mich neu zu motivieren. Doch die Selbstzweifel waren stärker.

Tatsächlich gibt es an Musikschulen Angebote für Erwachsene. Das Konservatorium Bern zum Beispiel bietet eigens Musikkurse für Erwachsene an. Allerdings klagt die Fachbereichsleiterin im Vorwort der entsprechenden Broschüre, dass noch immer nicht allgemein bekannt sei, dass das «Konsi» nicht nur Kindern und Jugendlichen offenstehen, sondern genauso Erwachsenen. Ist das nicht ebenfalls ein Hinweis, dass der Zugang auf einer tieferen Schwelle erfolgen müsste? Als unerfahrener Interessent muss man doch zuerst auf die Idee kommen, dass Schulen für angehende Berufsmusiker auch Angebote für Laien haben.

Hat man bereits eine Präferenz für ein bestimmtes Instrument, kann man nach Privatlehrern «googeln» oder in einem Musikgeschäft nach Anlaufstellen fragen. Es braucht dann etwas Glück, eine Lehrperson zu finden, die auf individuelle Wünsche und Vorkenntnisse eingehen kann. Seine Bedürfnisse zu kennen und auch darstellen zu können, ist dafür allerdings eine wichtige Voraussetzung. Das «Evergreen»-Projekt hätte dabei Unterstützung bieten sollen. Allzu lange trauerte ich ihm nicht nach. Schliesslich hatte und habe ich mit meinen verschiedenen Musikprojekten genug zu tun.

Ein Buch über meine eigenen Erfahrungen zu schreiben, versprach grösseren Lustgewinn als der Aufbau eines Netzwerkes und die dafür wohl unvermeidlichen Aktivitäten in sozialen Medien. Das wunderschöne Liebeslied «I Could Write A Book» spielte ich bei Jürg in der Klavierstunde. Später lernte ich den Song auch auf der Gitarre zu spielen und zu singen. Nun ist geplant, das Lied mit Begleitung am Bass an Barbaras nächstem Schülerkonzert vorzutragen. Am Tag darauf werde ich ja die ersten zwei gedruckten Exemplare dieses Buches erhalten.


Auftakt im August

Letzte Woche haben die Auftaktveranstaltungen für die beiden Herbstrunden der Edition Unik stattgefunden. Diese Veranstaltung markiert den Start zu den 17 Schreibwochen, in denen wiederum rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Bücher schreiben.

Die Auftaktveranstaltungen sind eigentlich immer gleich: Aufbau, Beginn, Dauer, Ort. Aber sie sind eben nur «eigentlich» gleich, denn trotz fast identischen Aufbaus und identischer Struktur sind sie immer anders. Das kommt, weil die Teilnehmer/innen, die sie prägen und die den Ton angeben, in der Regel andere sind als beim letzten Mal. Zwar gibt es in jeder Projektrunde Menschen, die ein zweites, drittes, viertes, fünftes oder – ja – sechtes Buch schreiben, aber die meisten sind neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit neuen Anliegen, neuen Fragen, neuen Geschichten. 

Ich schreibe mein zweites Buch und ich freue mich darauf, mich auch mit den alten Texten auseinanderzusetzen!
— Eine Teilnehmerin der Herbstrunde
Auftakt der Basler Herbstrunde im Unternehmen Mitte, Basel (Foto: Edition Unik)

Auftakt der Basler Herbstrunde im Unternehmen Mitte, Basel (Foto: Edition Unik)

Vieles ähnelt sich dennoch, ganz besonders zu Beginn einer Runde: die Fragen, die die App betreffen, oder die Sorgen, in den 17 Wochen nicht fertig zu werden zum Beispiel. Oder Unsicherheiten in Bezug auf Rechte und Pflichten: Wem gehört das Urheberrecht, wer ist in Bezug auf die Wahrung von Persönlichkeitsrechten in der Pflicht? Die Auftaktveranstaltung dient denn neben dem ersten Kennenlernen auch der Beantwortung eben dieser Fragen und Unsicherheiten.

Was verändert sich? In 17 Wochen sind Sie glücklicher!
— Dr. Brigitte Gasser, Begleitforschung (Digital Humanities Lab)

Die Erfolgsquoten unserer Ehemaligen (2 von 3 Personen stellen die Bücher jeweils fertig) beruhigen die neuen Teilnehmenden und bestätigen uns darin, dass 17 Schreibwochen zum Schreiben eines Buches ausreichen. Mehr lesen Sie auch in den Erfahrungsberichten unserer Autor/innen. Zu den Rechten und Pflichten finden Sie hier Hinweise: Fragen & Antworten 

Wir vom Projektteam stellen am Ende eines jeden Auftakts übrigens wirklich die immer gleiche Frage: «Wenn Sie jetzt nach Hause gehen: Fühlen Sie sich befähigt, mit dem Schreiben zu beginnen?» 

Auftakt zur Zürcher Herbstrunde im Kulturzentrum Kosmos, Zürich (Foto: Edition Unik)

Auftakt zur Zürcher Herbstrunde im Kulturzentrum Kosmos, Zürich (Foto: Edition Unik)

Sammeln: Man kommt auf Gedanken, auf die man sonst nicht gekommen wäre.
— Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik
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Anmeldung für den Herbst 2019 verpasst?
Kein Problem! Die
Anmeldung für Frühjahr und Herbst 2020 ist schon geöffnet!



Wir lesen uns!

Evernote, Seniorweb und jede Menge Blumen und Pralinés – diese Dinge haben aus meiner Sicht das Pilotprojekt der Edition Unik geprägt. Natürlich neben den Menschen, die im Frühjahr 2015 ihre Bücher geschrieben haben. Die Menschen sind sowieso das, die aus der Edition Unik das machen, was sie ist: Eine einzigartige, lehrreiche (Arbeits-) Umgebung mit viel Abwechslung und jeder Menge Glücksgefühlen. Ein Rückblick mit Ausblick von Janine Meyer.

Buchlieferung ins Büro: Fast der schönste Moment in einer Projektrunde. (Foto: Edition Unik)

Buchlieferung ins Büro: Fast der schönste Moment in einer Projektrunde. (Foto: Edition Unik)

«Wenns de Tüüfel mol gseh het ...» Das ist eines meiner Lieblingszitate aus fast fünf Jahren Edition Unik. Gehört habe ich es im Pilotprojekt, und zwar als die Frage aufkam, wie ehrlich und schonungslos man in seinem Buch sein dürfe. Das ist eine nicht ganz einfache Frage – und die Person mit dem Beelzebub hat sich dazu entschlossen, zwar schonungslos zu sein, dabei aber auf Anonymisierungen und Verfremdungen zurückzugreifen. Es ging ihr nicht um eine Abrechnung, sondern um eine Aufarbeitung. Das Zitat begleitet mich seither und ist mir zum guten Berater geworden: «Will ich, dass das von mir bleibt? Und will ich, dass es so bleibt?»

Die Edition Unik und vor allem die Menschen, die sie zu dem machen, was sie ist, haben mich überhaupt viel gelehrt: mit mir selbst gnädig zu sein, zum Beispiel. «Mis Lebe lang hani müesse perfekt sii. Ez dörfi endli Fehler mache!» So brachte es jemand ebenfalls aus dem Pilotprojekt auf den Punkt.

Der Zufall als Jobvermittler
Zu diesem Pilotprojekt bin ich durch Zufall gekommen: 2014 hat mir eine Freundin erzählt, dass an der Uni Zürich ein Projekt vorgestellt würde, das sich das Motto «Erinnerungen Schreiben und Schenken» gegeben hatte und dessen Ziel es sei, Menschen ohne Schreiberfahrung zum Schreiben ihrer Geschichten anzuhalten. Und nicht nur das: Am Ende des Pilotprojekts sollten aus diesen Erinnerungen gedruckte und gebundene Bücher entstehen. Die Freundin meinte: «Das ist wie für dich gemacht.» Und so habe ich im Januar 2015 mit der Teilnehmerbetreuung begonnen. Gerade in der Anfangszeit der Edition Unik sind wir vom Projektteam mit Blumen, Pralinés und anderen Geschenken wahrlich überhäuft worden, was uns natürlich gefreut hat, was uns aber auch darin bestätigt hat, mit der Edition Unik auf dem richtigen Weg zu sein.

Nach dem Pilotprojekt standen die Evaluation an und die Einschätzung, ob es genügend Nachfrage geben würde, regelmässige Projektrunden durchzuführen. Gab und gibt es. Und so haben wir 2016 die erste offizielle Runde der Edition Unik starten dürfen. Dafür haben wir mit verschiedenen Partnern Anpassungen vorgenommen, so haben wir etwa die Schreibsoftware «Edition Unik App» entwickeln lassen, die den Onlinedienst Evernote ersetzt. Inzwischen sind über 350 Bücher entstanden. Die Chance ist gross, dass nach dem Abschluss der nun laufenden Basler und Zürcher Herbstrunden 400 Bücher von fast so vielen Autorinnen und Autoren in unserem Buchregal stehen werden.

Es ist ein schönes Gefühl, so viele Menschen beim Schreiben ihrer persönlichen Bücher begleiten zu dürfen. Meine Zeit bei der Edition Unik neigt sich nun aber dem Ende. Ab Oktober 2019 werde ich hauptsächlich als stellvertretende Chefredaktorin bei der Onlineplattform «Hallowil» tätig sein und habe damit die grosse Chance, ein neues journalistisches Produkt in meiner Ostschweizer Heimat zu prägen. Auf die neue Aufgabe freue ich mich und bin gleichzeitig auch ein bisschen traurig, dass ich nicht mehr so nah an der Edition Unik dran sein werde. Aber ich habe die Ehre und das grosse Vergnügen, die Veranstaltungen der Herbstrunden 2019 noch begleiten zu dürfen. Und ich werde als Mentorin weiterhin zur Verfügung stehen. Ganz verlassen mag ich die Edition Unik nämlich nicht.

Merci!
An dieser Stelle bedanke ich mich bei Ihnen allen, die sich für die Edition Unik interessieren, die mit ihr ihre Bücher geschrieben haben und die Sie dafür gesorgt haben, dass ich höchst interessante und lehrreiche Jahre hier verbringen durfte. Und ich danke dem Team von Heller Enterprises, das hinter der Edition Unik steht, für die berührenden Begegnungen, die einzigartigen Erfahrungen und die mannigfaltigen Möglichkeiten auf allen Ebenen – Merci! <3

Wir lesen uns!

Ihre Janine Meyer,
Projektmitarbeiterin und Teilnehmerbetreuung


Mehr zum Pilotprojekt von 2015


Schweizweit schreiben

Arbon, Binningen, Castagnola: Die Edition Unik Autoren schreiben ihre Bücher in allen Ecken der Schweiz. Und sie schreiben in Österreich (Linz) und seit 2019 auch in Deutschland (Hamburg).

Die Edition Unik ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt (Quelle: Google Maps)

Die Edition Unik ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt (Quelle: Google Maps)

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik kommen schon seit dem Pilotprojekt von 2015 aus der ganzen (Deutsch-)Schweiz. Noch immer ist ein Grossteil der Schreibenden in der Deutschschweiz zu Hause, aber es gibt immer mehr «Ausreisser», so etwa im Tessin, in der Romandie und im Ausland.

Man ist in der Edition Unik nicht an einen Ort gebunden, ganz im Gegenteil, Teilnehmerinnen und Teilnehmer schreiben von dort, wo sie Inspiration finden und wo sie sich wohl fühlen. Entweder verfügen sie dabei über einen Internetanschluss sowie einen zeitgemässen Computer und fügen die Texte direkt in die exklusive Schreibsoftware «Edition Unik App» ein – oder sie schreiben von Hand oder in externen Programmen und übertragen die Texte danach in die App.

Die Sprache
In der Vergangenheit sind bereits englische, französische und italienische Bücher entstanden, die Autorinnen und Autoren sind in der Sprachwahl frei. Die Rahmenangebote der Edition Unik – etwa die Veranstaltungen, das Handbuch und die Angaben in der App – sind in Deutsch gehalten.

Die App
Sie brauchen kein Programm herunterzuladen, denn die Edition Unik App ist browserbasiert. Das bedeutet, dass Sie über eine stabile Internetverbindung sowie einen zeitgemässen Computer mit aktuellem Browser verfügen müssen. Mit Ausnahme der beiden Microsoft-Produkte «Internet Explorer» und «Edge» sind die gängigen Browser mit der App kompatibel.

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

  • Weitere Antworten erfahren Sie in der Rubrik Fragen.

  • Weitere Angaben und einen Film finden Sie in der Rubrik Projekt.

  • Sind Ihre Fragen noch nicht beantwortet? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir sind gerne für Sie da.


 

Legende zu den Karten (Teilnahmen bis
und mit Herbstrunden 2018)
Weinrot: Pilotprojekt 2015
Orange: Frühjahr 2016
Gelb: Herbst 2016
Grasgrün: Frühjahr 2017
Wassergrün: Herbst 2017
Nachtblau: Frühjahr 2018
Hellgrün: Herbst Zürich 2018
Lila: Herbst Basel 2018

 

Die Wurzeln, die bleiben

Ein Erlebnisbericht von Erika Kneubühl. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Es war als würde ich Szene für Szene eines Film aufschreiben, den ich einmal gesehen hatte und in dem ich die Hauptrolle spielte.

Nach Abschluss des Buches war alles gut, ich hatte alles, was mich während 35 Jahren belastete und freute niedergeschrieben und wusste, nun wird meine Geschichte niemals vergessen gehen!

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)


Aufschreiben und bewahren
Möchten auch Sie Ihre Geschichte(n) festhalten, am besten zwischen zwei Buchdeckeln? Dann kontaktieren Sie uns. Die
Anmeldung für die Herbstrunden 2019 in Basel und Zürich sowie für die Frühjahresrunde 2020 ist geöffnet!


«Und es hat doch geschadet…»

Ein Erfahrungsbericht von Rebekka Rossmann. Sie hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben und im Februar-Café im Berner Generationenhaus daraus vorgelesen.

Die Edition Unik hat es mir ermöglicht mein Buch zu schreiben, ohne vorheriges Studium oder Vorwissen. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Alle meine Texte und Gedanken, von Jugend an bis heute zwischen zwei magische Buchdeckel zaubern zu können war unbeschreiblich aufregend.

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Wollte ich doch schon so lange meinen Schmerz, aber auch meine Befreiung festhalten für meine Kinder, meine Freunde und letztendlich auch für mich selbst.

Wer mich heute kennt wird sich schlecht vorstellen können unter welchen rigiden Weltvorstellungen ich gross geworden bin. Daher ist die Versuchung gross zu behaupten es habe mir nicht geschadet. Doch genau das hat es getan und eben aus dieser Verschleierung möchte ich aufdecken aus Sicht des Kindes, einer Jugendlichen und einer schliesslich erwachsenen Frau, wie tiefgreifend sektenähnliche Glaubensgemeinschaften eine menschliche Seele zerstören können.

Gebrochen im Namen der Liebe
Im Namen der Liebe und des Glaubens wurde ich gebrochen und verunsichert, so nachhaltig, dass ich mir als kleines Mädchen schon wünschte der Weltuntergang möge doch bald kommen um das Leben nicht mehr ertragen zu müssen in das ich geboren wurde.

Bis heute sehe ich den biblischen Isaak das Messer erheben über seinen Sohn, geduldig wartend ob Gott der Herr ihm befehlen wird, ihn zu töten. Ich spürte schon als Kind, dass mein Vater innerlich bereit war alles zu opfern für seinen Gott wenn dieser es, auch von ihm, verlangen würde.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.
— Rebekka Rossmann, Teilnehmerin der Edition Unik

Mit keiner Faser meiner kindlichen Unschuld hätte ich auch nur eine Sekunde gewagt darüber nachzudenken, wenn Isaaks Sohn sich gewehrt hätte, geflüchtet wäre. Meine Seele speicherte nur einen einzigen Befehl: Ja, Papa, ich bin bereit, verharre still, wenn dein Gott es von dir verlangt, dann töte mich, denn nur durch absoluten Gehorsam wirst du in den Himmel kommen, und ich mit dir. Es ging nicht um das irdische Leben sondern, ausschliesslich um unser Seelenheil im Jenseits, im Paradies. Aber ein Kind kann das nicht trennen, nicht verstehen und ist sich auch niemals sicher ob der Engel wirklich kommen wird um Isaak abzuhalten den Sohn zu töten. Daher brauchte es fast 30 Jahre bis ich den Dolchhieb nicht mehr erwartete…mich frei fühlte…den Opferblock zu verlassen.

Absolute Selbstaufgabe
Absolute Selbstaufgabe, bedingungslose Unterwerfung schlugen tiefe Wurzeln in meiner Jugend, so war ich irgendwann hoffnungsvoll überzeugt zu den Söhnen und Töchtern Abels zu gehören. Doch mit dem Erwachsenwerden frass die harte Realität mich systematisch auf, konfrontierte meinen Alltag mit unaussprechlichen Sehnsüchten, Lüsten, Ideen, Hoffnungen die mir nicht gelehrt wurden, eigentlich normalen jugendlichen Emotionen. Panische Angst erfüllte mich als attackierten mich Dämonen aus der tiefsten Hölle. Denn eigentlich durfte es all das nicht geben in mir, war ich doch unschuldig gefolgt, beherzigte alles was man mir anerzogen hatte…wäre da nicht die Erbsünde…der Zweifel doch besudelt zu sein, irgendwo in der Tiefe meines Inneren.

Die Hirnwäsche trug ihre Früchte voller Selbsthass, Selbstmordgedanken, innerer Lähmung, Selbstkasteiung, Selbstverletzungen und einer Zerrissenheit die man nicht wirklich in Worte fassen kann.

Erlösendes Schreiben
In diesem Alptraum entstanden meine Texte die mir anfangs Angst machten und doch aus mir heraus mussten. Sie erlösten mich langfristig von den Prophezeiungen eines charismatischen Systems der bedingungslosen Unterwerfung im Namen einer religiös geprägten bedingungslosen Liebe zu einem erbarmungslosen Schöpfer, einer rachsüchtigen Gott Vaterfigur, die dich systematisch innerlich vernichtet.

Mein winziges Ich heimlich doch zu fragen, das Niederschreiben meiner Not rettete meine Hoffnung auf ein Leben, begleitet von unbeschreiblichen Schuldgefühlen und Panik dass «der da oben» mich dafür verdammen wird in alle Ewigkeit…oder schlimmer noch, meine eigenen Kindern oder Mitmenschen die mir etwas bedeuteten, strafen oder vernichten könnte…ein Teufelskreis ohne Ausweg, ein inneres Fegefeuer der Furcht.

Und gerade trotzdem lebe, liebe und hoffe ich heute wieder- und fand meine eigene Erlösung die ich weitergeben möchte an alle die, welche noch immer gefangen sind in einem unmenschlichen, dogmatischen System der Hoffnungslosigkeit. Allen, die heute in solch einem Teufelskreis gefangen sind möchte ich Mut machen zu hinterfragen, sich Hilfe zu suchen bei vertrauten Menschen die man gern hat. Macht euch auf, traut euch, das Gefängnis des bedingungslosen Glaubens, der Indoktrination zu verlassen. Das Leben ist Liebe, Hoffnung und Vertrauen, in euch selbst, eure Kräfte und all das Gute das man euch abgesprochen, aberzogen hat.

Erwacht, entdeckt euch neu, befreit euch aus der Geisel der Gewalt. Niemand von dort oben im Himmel wird euch vernichten! Niemand!

Niemand wird euch bestrafen wenn ihr euch selbst sucht in eurem Ursprung, eurem Kindsein. Habt den Mut euch auf den Weg zu machen, zu euch selbst, erlöst das Opfer von allen Flüchen eurer Erziehung. Entdeckt was Liebe, Freiheit und Demut vor den eigenen Bedürfnissen wirklich ist, Liebe die euch selbst ebenso gilt wie jedem anderen.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.


Selber schreiben? Unbedingt!
Um ein Buch in der Edition Unik zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge: Lust und Zeit. Eine Projektrunde dauert 17 Wochen, dabei empfiehlt die Projektleitung täglich 45 Minuten für die Arbeit am Buchprojekt zu reservieren. In der Edition Unik ist jede Geschichte willkommen, Schreiberfahrung braucht es keine, den Umgang mit Computer und Internet sollte man für ein erfolgreiches Arbeiten aber gewohnt sein.

Mehr erfahren in den Rubriken:
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«Ein belebendes Gefühl»

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung (NW) der Frühjahresrunden 2019 statt. Dafür konnten auch zwei Ehemalige der Edition Unik gewonnen werden, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben ihrer Bücher berichtet haben.

In Zürich war Bruno Glaus zu Gast, der der Edition Unik seit dem Pilotprojekt von 2015 treu verbunden ist und inzwischen sechs Bücher geschrieben hat. In Basel war Joseph Weibel zu Gast, der in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat und ein drittes plant.

Was die Ehemaligen sagen
Beide haben sie von ihrem Erleben beim Schreiben berichtet, von ihrer Motivation, von den Herausforderungen und Schwierigkeiten. Und sie haben den aktiven Teilnehmenden Tipps und Tricks an die Hand gegeben, die sie in der Fertigstellung des Buches unterstützen sollen. Beide betonen sie, dass das Schreiben des Buches vor allem auch ein Geschenk an sich selbst ist. Joseph Weibel sagt dazu: «Das erste Buch entgegen zu nehmen ist ein belebendes Gefühl.»

Bruno Glaus führt verschiedenste Gründe für das Aufschreiben von Lebenserinnerungen an, etwa den Wunsch nach Standortbestimmung, nach Interpretation von Ereignissen, das Interesse an der Vertiefung, an der Orientierung, aber auch das Auf- und Verarbeiten von Ereignissen und auch die blosse Freude am Schreiben. Gerade Bruno Glaus weist auf die Gefahren in der Erinnerungskultur hin und ermahnt die Teilnehmer/innen etwa zur Authentizität oder warnt vor einer Abrechnung mit der Vergangenheit. «Erklären Sie statt abzurechnen, legen Sie Fährten!»

Was die Aktiven beschäftigt
Wenn die zweite NW ansteht, steht auch der Wechsel von Etappe 2 zu Etappe 3 an. In dieser Phase beschäftigen die Schreibenden vor allem Fragen in Bezug auf Bilder und Buchgestaltung, aber es werden auch andere Themen angesprochen, teilweise werden sie nur gestreift, teilweise ausführlich diskutiert.

So machen einige die Erfahrung, dass die Meldung Ich schreibe ein Buch auf das persönliche Umfeld eine merkwürdige Wirkung haben kann: «Willst du einen Bestseller schreiben?» Dabei sei es doch so wie mit dem Lernen eines Instruments: Beginne man, Blockflöte zu lernen, so werde man beglückwünscht und keiner frage, ob man gedenke, die Konzerthallen dieser Welt zu füllen. Allerdings, so die Teilnehmerin, gäbe sie nicht zu viel auf diese Voten, sie schreibe das Buch für sich und habe Vergnügen daran. Wir vom Projektteam pflichten ihr bei! Andere hingegen erleben das Gegenteil, das persönliche Umfeld bestärke sie darin, das Buch zu schreiben und freue sich darauf, es lesen zu dürfen.

Erklären statt abrechnen.
— Bruno Glaus

Drei Teile
Die NW sind jeweils in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil erzählen Gäste den aktiven Teilnehmer/innen von ihrem Schreiben, im zweiten Teil tauschen sich die Aktiven untereinander in Kleingruppen aus und im dritten Teil nach der Pause werden die gesammelten Fragen aus den Kleingruppen beantwortet und der Etappenübergang in der «Edition Unik App» demonstriert. Viele Fragen wiederholen sich in den Veranstaltungen, sie betreffen oft Layout und Design des Buches.

Beides ist in der Edition Unik automatisiert, so dass sich die Schreibenden nicht um die Gestaltung zu kümmern brauchen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, auf das Schreiben. Die meisten Teilnehmenden empfinden dies denn auch als Befreiung, sie seien damit von der Verantwortung befreit, auch noch visuelle Leistungen erbringen zu müssen. Einigen wenigen ist das Korsett der Edition Unik zu eng, so dass sie sich mehr Freiheiten wünschen. Die Erfolgsquote einer jeden Runde – 9 von 10 Teilnehmenden schliessen ihr Buch in einer Runde erfolgreich ab – bestätigt uns dennoch darin, dass wir mit dem Konezpt der Edition Unik nicht allzu falsch liegen können.


Was bisher geschah …
Wollen Sie wissen, was in früheren NW beschäftigt hat? Hier finden Sie alle Erlebnisberichte aus den NW seit der Herbstrunde 2017.

Selbst an einer NW teilnehmen?
Als aktive/r Teilnehmer/in einer Runde können Sie an beiden NW teilnehmen und sich mit Ihren Mitschreibenden über die Erfahrungen beim Schreiben und mit der App austauschen, können uns vom Projektteam Fragen stellen und Ihre Ideen an einem Gegenüber «testen». Melden Sie sich für die nächste Runde an!

Als ehemalige/r Teilnehmer/in können Sie sich für einen Gastauftritt an einer NW bewerben. Wir sind gerne per Mail oder via Kontaktformular zu erreichen.


Aus meinem 10-Minuten-Tagebuch

Ein Bericht von Katrin Sterki. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Meine erste bewusste Begegnung mit Wort und Schrift erlebte ich so: Abends, wenn die Küche aufgeräumt war, sass meine Mutter noch am Küchentisch und schrieb in ein dickes Heft alle Ausgaben des Tages. Ich ging noch nicht zur Schule, schaute gerne zu, wie sorgfältig sie alles aufschrieb, ihre verbundene Schrift war gleichmässig, für meine Augen damals einfach schön. Diese regelmässigen Schleifen nach oben und unten! Werde ich auch einmal so schreiben können? So genau verstand ich diese Arbeit der Mutter nicht, aber dass sie wichtig war, das spürte ich. Es waren stille und friedliche Momente zu zweit.

Offline und Online: In der Edition Unik verschmelzen beide Komponenten (Fotos: zvg.)

Offline und Online: In der Edition Unik verschmelzen beide Komponenten (Fotos: zvg.)

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In der ersten Klasse lernte ich langsam alle Buchstaben kennen, kurze Wörter lesen und in ein kleines Heft schreiben. Wir Kinder im Quartier schrieben einander auf kleine Zettelchen das, was wir eben konnten. Wir vereinbarten einen Ort bei den jeweiligen Wohnhäusern, wo wir die Briefchen in eine Mauerritze oder in eine Holzspalte stecken konnten. Daraus wurde ein spannendes Spielchen. Hat mir jemand geschrieben? Warum schreibt sie nicht? Wem schreibe ich jetzt? Was wir uns schrieben, das weiss ich nicht mehr, sicher nur wenige Worte, etwa: «Sälü, wie geht es dir? Mir geht es gut? Was machst du?»

Nach einiger Zeit entdeckte die Mutter unser unbekümmertes Spiel und verbot es. Die Freude war weg. Was hatten wir denn Unerlaubtes getan? Es war eines der vielen Verbote meiner Mutter im Lauf der Kindheit: Das gehört sich nicht. Was denken die andern? Tief haben sie sich im Laufe der Zeit in mein Leben eingegraben, erstickten meine Lebensfreude, bis ich sie entdeckte und mich nach vielen Jahren davon befreite.

Aufsätze schreiben in den weiteren Schuljahren? Da sass ich freudlos vor dem leeren Papier und nichts kam mir in den Sinn, keine Idee, keine Worte. Auf Kommando schreiben, das ging kaum. Das Spielerische war weg, es musste alles so vernünftig, so sachlich sein. In den Augen der Lehrkräfte hatte ich kein Talent, einen anständigen Aufsatz zu Papier zu bringen. Also wuchs in mir die Überzeugung: Ich bin nicht fähig, einen Aufsatz zu schreiben.

Und in der beruflichen Ausbildung? Mit dem, was ich schrieb, genügte ich der Deutschlehrerin nicht. Von anderen Fach-Lehrkräften fühlte ich mich zum Glück wahr genommen. Sie lernten eine andere Seite von mir kennen, eine offene, interessierte. Da spürte ich: Ich hatte einen Wert. In meinen Berufsjahren war der sprachliche Ausdruck zwar wichtig, aber freie Texte schrieb ich keine, höchstens Reisetagebücher, ab und zu Briefe.

Erst nach der Pensionierung erwachte mein schlummerndes Bedürfnis wieder: Ich wollte schreiben. Ich besuchte Kurse, wurde mutiger, mich auszudrücken. Viele Texte entstanden, Anerkennung tat gut. Ich lernte Menschen kennen, die auch erst in späten Jahren wieder zu schreiben begannen. Ein befruchtender Austausch entstand. Nach langem Hin und Her in meinem Kopf wagte ich, mich für eine Teilnahme an der Edition Unik anzumelden mit dem Titel: «Erinnerungen Schreiben und Schenken»*.

Der lange verborgene Schatz kam nun endgültig ans Licht: Schreiben aus mir heraus, ohne grosse Vorgaben, ein Buch entstand, MEIN Buch! Überglücklich war ich: Ein grosses Geschenk von mir für mich! Meine Freunde und Bekannten staunten: «Du hast ein Buch geschrieben? Kann ich es lesen?»


* Seit 2017 heisst es in der Edition Unik übrigens «Schreib dein Buch». Botschafter für das neue Motto haben wir auch gefunden, und zwar gleich vier Ehemalige der Edition Unik!
(Anm. Team Edition Unik)


Austausch und Vernetzung

In den Frühjahresrunden der Edition Unik haben die ersten Netzwerkveranstaltungen stattgefunden. Dabei geht es vor allem um den Austausch der Schreibenden untereinander, aber auch mit dem Projektteam und je einem Gast.

Es wird nicht ohne Sie, die Teilnehmenden, gehen.
— Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik an der NW

An der Zürcher Netzwerkveranstaltung (NW) war Edition Unik Mentorin Seraina Kobler zu Gast, an der Basler Runde die Mentorin Jacqueline Beck. Beide sind freischaffende Autorinnen und Journalistinnen und haben Erfahrung mit der Begleitung von Schreibenden.

Die Mentorinnen eröffnen jeweils die Veranstaltung und lesen auch aus eigenen Texten vor. Danach erzählen sie vom eigenen Erleben beim Schreiben, von den Erfahrungen in den Mentoraten und auch sonst aus ihrer Berufspraxis. Daran anschliessend stehen sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Fragen, die die Schreibenden beschäftigen, sind immer mehr inhaltlicher Natur, etwa zur Erzählperspektive, zu den Zeitformen, zur allgemeinen Textarbeit. Auch im anschliessenden Austausch in Kleingruppen sind diese Fragen prägend. Aus den Antworten der Mentorinnen, des Projektteams und einzelner Teilnehmender wird schnell deutlich: Allgemein gültige Aussagen gibt es nicht, denn jeder Text, jedes Buchprojekt ist so individuell, wie sein/e Urheber/in.

Aus den Antworten lassen sich trotzdem Tipps ableiten:

Wechseln Sie die Perspektive: Wenn aus der auktorialen Perspektive plötzlich eine Ich-Perspektive wird, ändert sich nicht nur die Distanz:

 

«Lauf, mein Kleiner!» rief die junge Mutter, drehte sich um und breitete die Arme aus. Der Junge drehte sich um, sah, wie sie die Schatten abhielt, sah, wie sie zu gewinnen schien, sah, wie die Schatten sie übermannten …

«Lauf, mein Junge!» rief ich ihm zu, breitete meine Arme aus und kehrte ihm den Rücken. Mein Kleiner wollte mich nicht alleine lassen und musste mitansehen, wie ich die Schatten erst abhielt und dann doch nicht stand halten konnte …

 
Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Fragen Sie sich auch mal, was Sie mit Ihrem Buch nicht erreichen möchten. Möchten Sie Ihren Liebsten etwas aus Ihrem Leben erzählen? So fragen Sie sich, wie Sie bestimmte Episoden auf keinen Fall erzählt haben möchten. Oder schreiben Sie eine Negativliste: Notieren Sie das Gegenteil zu dem, was Sie eigentlich sagen wollen.

Statt: «Es war ein sonniger Tag, die Wärme tat gut …» schreiben Sie etwa: «Es war ein grässlicher Tag. Die Sonne knallte vom Himmel, ich schwitzte, alles klebte ...» Eine solche Herangehensweise kann helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen und neue Ideen zu entwickeln.

Denken und lesen Sie laut
Oft äusserst gewinnbringend ist es, wenn Sie sich mit anderen über Ihre Texte austauschen: Zeigen Sie sie im privaten Umfeld, sprechen Sie mit jemandem darüber, testen Sie Ihre Ideen beim Gespräch. Sind die Texte zu persönlich oder noch nicht ausgereift genug, so lesen Sie sie laut. Dafür brauchen Sie keine Zuhörer/innen, das laute Lesen alleine hilft, Holperndes und Stolperndes im Text zu erkennen.

Bleiben Sie dran
Die Arbeit am und mit dem eigenen Text ist manchmal aufwändig, manchmal entnervend und manchmal gar mühsam. Aber wir versprechen Ihnen: Es lohnt sich! Unzählige Stimmen aus der Edition Unik bestätigen immer wieder den gewinnbringenden, heilsamen, inspirierenden Aspekt beim Schreiben.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Vertrauen Sie der Technik
Fragen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Frühjahresrunden umtreiben, betreffen auf der anderen Seite auch technische Aspekte: Kann man dem Buch Bilder hinzufügen? Oder: Lassen sich die bisher gesammelten Notizen ablegen, ausdrucken und versenden? Müssen die Texte immer wieder gespeichert werden und empfiehlt sich eine zusätzliche Sicherung?

Bilder: Ja, man kann dem Buch Bilder hinzufügen, aber nur eingeschränkt. Das Layout ist gesetzt, die Bilder werden stets oben an der Seite angeschlagen. Pro Kapitel kann ab einem bestimmten Projektzeitpunkt eine Bilddatei hinzugefügt werden; die Bilder werden schwarzweiss gedruckt. Einen Eindruck der Bücher vermittelt der Bericht: «Die Bücher»

Ausdrucken & Co.: Sowohl die Notizen der ersten Etappe als auch die Kapitel der zweiten Etappe lassen sich als PDF speichern. Dieses PDF kann beliebig oft erzeugt werden und es lässt sich wie bei PDFs üblich ablegen, ausdrucken, versenden usw.

Speichern: Die Texte werden in einer Cloud gespeichert, und zwar sobald eine erste manuelle Speicherung vorgenommen wurde. Und solange die Internetleitung stabil ist. Dennoch entscheiden sich einige für eine doppelte Sicherung der Texte, dagegen hat die Edition Unik nichts einzuwenden. Urheber- und Verwertungsrechte sind stets bei den Teilnehmenden.


Die mit den Büchern sprechen

Ein Erfahrungsbericht von Regula Amacher. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Die Autorin an der Buchvernissage nach Abschluss (Bild: zvg.)

Die Autorin an der Buchvernissage nach Abschluss (Bild: zvg.)

Ach ja, das Buch ist jetzt da. Mein Buch. Ich halte es in den Händen. Fast alle halten ein Buch in den Händen, das sie selber geschrieben haben und das gerade frisch aus der Druckerei gekommen ist oder – ein anderes Buch, das vom Handel sanktioniert und hier verkauft wird, denn wir sind in einer Buchhandlung. Die Menschen stehen dicht gedrängt und sprechen wild durcheinander. Einige versuchen sich einen Weg zu bahnen durch die Menge, schauen nach einem bekannten Gesicht, einem besseren Platz und kämpfen sich rund um die bücherlastigen Tische, um mit neuen Menschen anzustossen: Auf das Buch!

Ich trage den Mantel auf dem Arm und den Schirm in einer Hand, die grosse Tasche umgehängt und mein Buch in der anderen Hand. Irgendwie kommt ein volles Wasserglas zu mir, das ich vorerst einmal vorsorglich zwischen die Bücherstapel stelle und dann gezwungen werde, mich gefährlich gegen den Tisch zu lehnen und mit den unsicheren Füssen das Gleichgewicht zu suchen, weil irgendwelche Leute sich entschieden haben, vorbeizudrängeln. Ich werfe das Glas um, der Schirm fällt zu Boden, ich stehe in einer Wasserlache und wage es nicht mich zu bücken, weil ich fürchte nicht mehr aufstehen zu können. Ein Gast mustert mich entrüstet von unten bis oben und nach einer peinlichen Minute, kniet er vor mir nieder und bringt das leere Glas  wieder nach oben. Er ist doch der Begleiter jener Frau, die eben noch vorgelesen hat, denke ich und die ich unbedingt sprechen möchte. Aber der Gast läuft jetzt hinter ihr her, denn sie gehören offensichtlich zusammen und verschwinden zwischen den Leuten, nachdem er mir noch einen Blick zugeworfen hat, den ich so schnell nicht verdauen kann. 

Überhaupt, warum habe ich nicht vorgelesen, warum? In diesem Moment reut es mich, es war mir alles wieder einmal zuviel, noch mit meinem kranken Mann zu Hause. Doch was für eine intensive Zeit habe ich mit Schreiben verbracht. Mein Thema war meine Sprachlosigkeit und ich durchfühlte noch einmal den schmerzhaften Prozess bis zum Finden meiner eigenen Stimme und Sprache. Ich erfand dafür  eine poetische Geschichte, die meinen Seelenzuständen am nächsten kam und jetzt – diese Unfähigkeit zu feiern! Diese Unsicherheit, ob mein Buch für andere verständlich sei....

Im August 2018 kommt die Einladung von Unik und dem Jungen Schauspielhaus für ein dreimaliges Treffen für Interessierte zum Thema Zwischen Buch und Bühne. In der Zwischenzeit habe ich verschiedenen Menschen mein Buch zum Lesen gegeben. Ihre Rückmeldungen haben mir geholfen, mir einiges bewusster zu machen. Ich entdeckte, dass es ein grosser  Unterschied ist, ob ich über mein fertiges Buch spreche oder vom Erleben des Schreiben selbst. Es erfordert einen Perspektivenwechsel, von einer Innenposition zu einer Aussenposition, mit der man erst vertraut werden muss. Das erste Treffen im Oktober 2018 ist eine vielstimmige Lektion zu eben diesem Thema. Wir beginnen eher zögernd über unsere Erfahrungen zu sprechen, es fällt fast niemandem leicht. Oft sind es berührende Momente, spürbar die Unvertrautheit, spürbar auch der Wunsch, sich zu öffnen und mitzuteilen. Erstaunlich die gemeinsame Erfahrung, dass das Buch uns tatsächlich zum Geschenk werden kann, unser Leben vertieft und weitet durch neues Erleben, neue Sichtweisen und Gedanken.

Beim zweiten Treffen im Dezember 2018 diskutieren wir in Gruppen zu bestimmten Begriffspaaren, was uns das eigene Buch bedeutet, ein Loslassen und Öffnen oder eher ein Aufräumen und Ablegen? ein Weitergeben, ein Mitteilen? Es gibt in den Gruppen verschiedene Positionen, persönliche Statements und anregende Überlegungen. Das eigene Zuhören wird mir jedesmal wichtiger. Man lernt sich kennen, das Verständnis füreinander wächst und das Schreiben unserer Bücher beflügelt uns immer noch.

Mein grösster Eindruck am Abend ist das anschliessende Theater, inszeniert nach einer Geschichte von Jürg Schubiger. Mein Mann und ich waren befreundet mit ihm. Mit seiner Frau sind wir weiter nah verbunden. Ich kenne die Geschichte schon, Jürg hat sie uns einmal vorgelesen. Ich frage mich gespannt, ob ich die Geschichte wohl wiedererkenne? Wie sie das Junge Schauspielhaus inszeniert hat, die Frage mit den Figuren gelöst, ob der Text vollständig oder empfindlich gekürzt ist und wie die Schauspieler spielen!? Und – was würde Jürg dazu sagen, wenn er noch lebte?

Nach dem Stück glaube ich, es hätte Jürg gefallen. Eine Frage ist mir wie ein Blitz durch den Kopf gefahren: Was heisst es, einen Text auf die Bühne zu bringen? Was passiert da? Mir wird warm und ich sage mir fast ein wenig aufgeregt: Ein Text hat ein eigenes Schicksal. Im Theater erhält er einen Raum, die Figuren einen Körper, die Sprache eine Stimme. Der Text wird lebendig! Ja, vor unseren Augen transformiert er sich.

Ich prüfe zu Hause meine Geschichte auf Theatertauglichkeit und gesprochene Dialoge. Ich weiss plötzlich dass die Gedichte in meiner Geschichte gesungen werden sollen, die Stimme aus dem Dunkel des Raumes kommen muss. Meine Fantasie ist angekickt. Leider habe ich beim nächsten Treffen nicht gefragt, ob andere auch auf diese Idee gekommen sind.

Es ist mir gar nicht bewusst, dass ich mich schon mit dem Kernthema beschäftigt habe: Wie kommt ein Text aus dem Buch auf die Bühne? Das war die Fragestellung beim dritten Treffen, im Januar 2019. Am Schluss bildeten wir kleine Gruppen, um vorerst alleine, ohne Dabeisein von Frerk von Unik und Petra vom Jungen Schauspielhaus, über unsere Bücher zu diskutieren und ein Projekt zu entwickeln für eine später geplante Unik-Lesung.

Ein Text hat ein eigenes Schicksal.
— Regula Amacher

Einige Tage später sitze ich im Tram neben einem Schauspieler, der in der Nachbarschaft wohnt und erzähle ihm von unseren Treffen und den gemeinsamen Besuchen von Theateraufführungen. Ich erzähle ihm, wie es mich fasziniert,  was mit einem Text geschieht, wenn er auf die Bühne gebracht wird. Darauf meint der Schauspieler, gerade dies sei sein tiefster Wunsch beim Spiel, Sprache lebendig zu machen. Wir bedanken uns beide für den Austausch, der drei Haltestellen kurz und intensiv war. Für ihn, sagt er noch, habe dieser Morgen gut angefangen.


Leinengebunden und senfgelb

Muss auf einer Biographie immer ein illustrer, bekannter Name stehen? Wir von der Edition Unik sagen: «Nein!» Denn wir möchten Menschen mit oder ohne Promi-Status zum Aufschreiben ihrer Erinnerungen und Geschichten befähigen – Menschen wie Gudrun Löffler.

Senfgelb: Die Einbandfarben ändern in jeder Runde (Bild: pexels.org)

Senfgelb: Die Einbandfarben ändern in jeder Runde (Bild: pexels.org)

Gudrun Löffler hat in der Edition Unik ihr Buch «Gast, schaff‘ Leben – Vom Fliegenlernen» geschrieben. Sie erzählt darin von dem Herder-Verlag, sie spricht über ihre Kindheit und ihre Emanzipation; sie hat sich mit ihrem Buch freigeschrieben. Nach Abschluss der 17 Schreibwochen hat Gudrun Löffler ihren geschriebenen Befreiungsschlag als in senfgelbes Leinen gebundenes Buch in Empfang nehmen dürfen.

Gesprochen hat Gudrun Löffler über ihre Erfahrungen beim Schreiben auch mit der Christoph Merian Stiftung, die die Edition Unik 2018 finanziell unterstützt. Dabei ist ein berührender Bericht entstanden, der diesen Winter im Magazin «Radar» erschienen ist.

Den vollständigen Bericht lesen Sie hier: «Schreibt euer Buch!»

Selber schreiben? Unbedingt!
Ob es das befreiende Gefühl beim Schreiben ist, das Vergnügen am Geschichten (auf-)schreiben oder der Wunsch danach, etwas zu Bleibendes zu hinterlassen – Gründe, um ein eigenes Buch zu schreiben gibt es viele. Egal, was Sie zu uns bringt, wir freuen uns darauf, Ihnen während der 17 Schreibwochen unterstützend zur Seiten zu stehen! Noch sind Plätze in allen Runden 2019 frei.


Am ersten Advent live: Die Edition Unik bei Radio Stadtfilter

Am Sonntag 2.12.18, war die Edition Unik live in der Sendung «Seniorama» vom Winterthurer Radio Stadtfilter zu Gast.

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Hanna Meister, Autorin der Edition Unik, und Janine Meyer, Mitarbeiterin der Edition Unik, sind bei Christine Kolb zu Gast. In der Sendung «Seniorama – Grauzone» von Radio Stadtfilter sprechen Hanna und Janine zwischen 13 und 14 Uhr über die Erfahrungen beim Schreiben des eigenen Buchs und jene, des Projektteams.

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Hanna hat zudem aus ihrem Buch «Spurrillen» vorgelesen. Die Sendung können Sie hier nachhören.


Möchten Sie Ihr eigenes Buch schreiben? Dann nichts wie los! Die Anmeldung für die Frühjahresrunde ist noch offen und freie Plätze vorhanden.


Schreiben lehrt uns Schreiben

Erlebnisbericht über das und Tipps zum Schreiben von Autorin Isabelle Zenhäusern Fischli. Sie hat in der Edition Unik schon mehrere Bücher geschrieben.

Was ich beim Schreiben am allerliebsten mag, ist die Etappe 1«Erinnerungen Sammeln», in der ich meiner Fantasie freien Lauf lasse, Ideen entwickle, Fotos knipse und mir Notizen mache. Ich schreibe dabei alles auf was mich interessiert – unterwegs in mein Notizbuch, zuhause an meinem Laptop –, bis sich all diese unterschiedlichen und fragmentarischen Inspirationen langsam zusammenfügen.

Wichtig für mich ist, die Ideen nicht auszufeilen, sondern ihnen zuerst Raum zu geben, sie frei umherschweifen zu lassen. Ich bin noch völlig frei von dem Anspruch, die «richtigen Worte» oder den «richtigen Titel» finden zu müssen, noch ist alles möglich und es ist völlig offen ist, wohin die Reise mich letztlich führt.

Schlüsselsatz: Alles zulassen und fliessen lassen was kommt. Trage immer ein Notizbuch mit dir mit (unterwegs, auf dem Nachttisch).

Sortieren: Haltung beziehen und intensivieren
In der Etappe 2 «Geschichten Sortieren» lasse ich die Notizen Gestalt annehmen und zu einer Geschichte heranreifen. Ich beginne, Notizen zurechtzustutzen, Fotos, die ich einfach mal ins Notizbuch gesteckt habe, zu sortieren oder auszustauben; alle Themen, die zwingend im Buch stehen müssen, zu kennzeichnen, und alle Themen, die eventuell ins Buch kommen, einfach liegenzulassen für später. Ich mache mir Gedanken über die Methodik (Biographie chronologisch, strukturiert, nur ein Lebensabschnitt, etc.) und vertrete schlussendlich einen Blickwinkel.

Ich suche immer noch nicht nach einem Buchtitel, der kommt von allein! Das, was ich zu sagen habe, bringe ich auf Papier. Dies kann unter Umständen bedeuten, das ganze Buch-Projekt um einen kleinen Übergang herum umzustrukturieren, der sich plötzlich als zentrales Thema herauskristallisiert. Mein Debütroman «Südliches Feuer» endet plötzlich sehr herzlich – und nicht gekränkt und zornig wie am Anfang des Schreibprojektes. Bei meinem jetzigen Roman «Das Haus mit Blick auf Salagnon» inspirieren mich Fotos, Objekte und Erinnerungen, die mir ihre Geschichte erzählen.

Schlüsselsatz: Haltung / Stellung gegenüber dem Thema beziehen. Dann vertiefe das zentrale Thema und intensiviere es. Achte auf Einheitlichkeit und verwende Synonyme.

Gestalten: Ausfeilen und überarbeiten
Erst in der Etappe 3 «Buch Gestalten» konzentriere ich mich auf die Rechtschreibung, die Grammatik, das Layout und auf den Feinschliff. Ich lese das Buch mit frischer Objektivität immer wieder laut vor. So spüre ich, wie sich der Text anfühlt und ob er stimmig ist.   

Schlüsselsatz: Ausfeilen, Redigieren. Achte auf die Wörter, den Stil, den Fluss, die Aktion.

Wichtig ist, dass man schreibt und dass man sich durch nichts und niemand von seiner Schreibpraxis abbringen lässt.

Der wichtigste Schlüsselsatz: Schreiben lehrt uns Schreiben.

Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)

Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)


Lebenserfahrung fürs Ohr

Kommenden Sonntag ist die Edition Unik live bei Radio Stadtfilter.

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Hanna Meister, Autorin der Edition Unik, und Janine Meyer, Mitarbeiterin der Edition Unik, sind bei Christine Kolb zu Gast. In der Sendung «Seniorama – Grauzone» von Radio Stadtfilter sind Hanna und Janine am Sonntag, 2. Dezember 2019, zwischen 13 und 14 Uhr zu hören.

Hanna berichtet über das Schreiben Ihres Buches und liest auch daraus vor; Janine erzählt mehr zum Projekt und zu den Fragen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an das Projektteam richten.

Schalten Sie ein und hören Sie mit!

Und wenn Sie Lust aufs Schreiben Ihres eigenen Buches haben, dann nichts wie los! Die Anmeldung für die Frühjahresrunde ist noch offen und freie Plätze vorhanden.


Zwei Lesungen am Sonntag

Wir freuen uns sehr, Sie gleich auf zwei Lesungen aufmerksam machen zu dürfen, die von Ehemaligen aus der Edition Unik organisiert und durchgeführt werden. Beide finden statt am kommenden Sonntag, 25.11.18.

Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

In der Edition Unik sind wir stets darum bemüht, die Bücher und deren Inhalte auch einem grösseren Publikum bekannt und zugänglich zu machen. Wir ermutigen dazu auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Edition Unik – und so freuen wir uns, Ihnen heute gleich zwei Lesungen zu empfehlen. Beide sind auf Eigeninitiative der Ehemaligen entstanden, wofür wir uns herzlich bedanken!

Schriftbilder und Illustrationen
Romi Cash lädt am 25.11.18 im Kulturzentrum Eichen in Schänis zur Ausstellungsbesichtigung und zur Lesung. Die Illustrationen stammen ebenfalls von Romi Cash, gelesen wird von ihr selbst und von Judith Annen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.

1968 und danach
Bruno Glaus lädt ebenfalls am 25. November zur Lesung, und zwar ab 16.30 Uhr im Museum Zeitfalten in Uznach. Eine weitere Teilnehmerin der Edition Unik wird auch aus ihrem Buch vorlesen. Im Anschluss an die Lesung erwartet Sie am «Roundtable» eine unterhaltsame Diskussion mit zusätzlichen Gästen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.


Was ist eigentlich der Unterschied zwischen «Lesung» und «Café»?
Schon während des Pilotprojekts von 2015 haben wir vom Projektteam die Teilnehmenden zum (Vor-)Lesen ihrer Geschichten motiviert. Dabei ist uns eine grosse Resonanz entgegengeschlagen und so führen wir mit Partnern seit 2016 die Edition Unik Cafés durch. An vier Veranstaltungsorten finden pro Jahr je zwei öffentliche Cafés statt, an denen Teilnehmer/innen und Ehemalige aus ihren Büchern vorlesen. Diese Cafés führen wir gemeinsam mit den entsprechenden Veranstaltungspartnern durch.

Die Lesungen hingegen werden selbstständig und von uns unabhängig von Teilnehmenden und Ehemaligen organisiert und durchgeführt. Wir unterstützen die Organisierenden auf Anfrage mit Material und auch mit Aufrufen zur Lesersuche u.ä. Die Teilnehmenden sind vollkommen frei: Inhaltlich in ihren Büchern und natürlich auch im Umgang mit diesen Büchern und ihren Inhalten.


2. Netzwerkveranstaltung der Herbstrunde

Pro Schreibrunde gibt es je vier interne Veranstaltungen, dazu gehören auch die beiden Netzwerkveranstaltungen. Die erste findet in der ersten Hälfte der Runde statt, die zweite in der zweiten. Dabei stehen stets die Anliegen und Fragen der Teilnehmenden im Zentrum.

Bilder, Fotos, Grafiken: Welche Vorgaben gibt es dafür? Wie stelle ich sicher, dass die Qualität stimmt? Wie bearbeite ich die Bilder?

Die Edition Unik ist ein Schreibprojekt, wir legen das Hauptaugenmerk auf Inhalte und Texte. Trotzdem ist es möglich, dem eigenen Buch Bildmaterial hinzuzufügen. Grundsätzlich kann pro Kapitel eine Bilddatei (.jpg oder .png) gespeichert werden; diese Dateien werden stets oben an der Seite angeschlagen und erscheinen immer auf der linken Seite vor Beginn des jeweiligen Kapitels im Buch. Man kann, muss aber keine Bilder hochladen.

Es gibt keine speziellen Anforderungen an das Bildmaterial, grundsätzlich gilt aber: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endresultat. Das Druckverfahren wurde so gewählt, dass auch Material nicht optimaler Qualität gut verarbeitet wird und im fertigen Buch überzeugt.

Umgang mit Personen und Quellen: Wie schütze ich Personen, ohne dabei die Erzählung zu «zensieren»? Weise ich Quellen überhaupt aus und wie?

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von uns nicht verlegt. Dennoch gilt es, einen sorgfältigen Umgang mit Personen, Quellen und Werken zu pflegen. So ist etwa Vorsicht geboten, wenn Geschichten erzählt werden, in denen bestimmte Personen, Institutionen o.ä. schlecht wegkommen. In vergangenen Runden haben sich Teilnehmende etwa zu Anonymisierung und Verfremdung entschieden, wieder andere haben sich beim Feinschliff des Buches dazu entschlossen, von der betreffenden Schilderung abzusehen usw.

Auch taucht die Frage nach dem Umgang mit Quellen auf, etwa, wenn Zeitungsberichte zitiert oder Gedichte anderer Autoren verwendet werden. In der Vergangenheit haben sich Teilnehmende etwa zu einem «Quellenverzeichnis» entschlossen: So haben sie am Ende des Buches ein entsprechendes Kapitel angelegt, auch schon hat es Glossare u.ä. gegeben.

Wir empfehlen sowohl im Umgang mit Personen als auch mit Quellen, fair zu bleiben und wo immer möglich auf diffamierende Schilderungen zu verzichten sowie die Quellen zu nennen. Die Bücher der Edition Unik sind zwar für den privaten Gebrauch bestimmt, dennoch ist ein sorgfältiger Umgang mit entsprechenden Daten angezeigt.

Erzählweise: Welche Art von Erzähler wähle ich? In welcher Zeit halte ich die Erinnerungen fest? Wie schaffe ich Distanz?

Sowohl inhaltlich als auch in der Erzählweise sind die Schreibenden frei. Die Zugänge sind denn auch sehr individuell, es entstehen Geschichten in Mundart, in romanartigem Stil mit fiktiven Elementen, aber auch Tatsachenberichte und autobiographische Erzählungen.

Bei der Wahl von Erzählweise und -zeit, Fragen zu Distanz und Nähe oder auch zur Wirkung der Texte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Gegenüber. Einige Teilnehmenden organisieren sich im persönlichen Umfeld, andere nutzen die Kontakte untereinander und wieder andere buchen eine/n Mentor/in aus unserem Mentorenprogramm.

Auch das laute Vorlesen der eigenen Texte oder der Wechsel des Mediums können hilfreich sein, wenn es darum geht, Fluss und Rhythmus, Sprache und Stil eines Textes zu beurteilen. Schreibprofis empfehlen zudem, Abstand zu den eigenen Texte zu gewinnen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Linguisten und Beirat der Edition Unik Daniel Perrin.

Wir präsentieren Ihnen eine kleine Auswahl an Gesichten, so dass Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt der Geschichten machen können, die in den inzwischen 300 Büchern versammelt sind.

Geschichten von Ehemaligen


Weitere Fragmente und Erlebnisberichte finden Sie auch in unserem Journal. Wenn Sie Lust auf ein eigenes Buch bekommen haben – über unser Anmeldeformular melden Sie sich für die kommenden Runden an. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung, Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder via E-Mail.


Alles halb so wild!

Gedanken zum heutigen Digitaltag von Janine Meyer.

Zeigen, Tatschen und Schmieren, das können schon ganz kleine Kinder. Das können sie sogar schon, bevor sie sich verbal so artikulieren können, dass sie auch von Erwachsenen verstanden werden, die nicht zufällig ihre Eltern sind. Mit den Smartphones sind die Bewegungsabläufe auch für die Grösseren wieder von Bedeutung. Wenn ich mich allerdings an meine ersten Versuche erinnere, als ich mit dem Smartphone zu schreiben versuchte, dann sehen die Erinnerungen etwa so aus:

 

wie und ob neue te hllnologien “unser” Leben verßndern, qill ich an dirser Stelle nicht beantworten, fas kann ivj auchbgat nicht das muss dich nämlich erst zeigen. Eas ich aber kann ist einerseits davob erzählen, wie jeue Technologien, namentluch ein Smartphone mit Touchscreen, “mein” Leben verändern und ich will zwei thesen aufstellen: Man erkennt sofort, was sich vrrändett, die Savhe mit der Orthographie nämlich. Was mich übrigens zu een Thesen bringt: 1. “Durch die regelmässige Nutzung wird die Handhabung einfacher, flüsdiger” 2. “Gegen Ende dieses Textes werden meine Fehler weniger, das Schreiben geht flüssiger” Zweites sich sich beteits zu bestätigen – oder auch nicht -.-

 

Und trotzdem gilt es, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen und sich mit ihr anzufreunden. Sonst kann man das mit der Zukunft auch gleich vergessen. Und zum Auseinandersetzen und Anfreunden gehören nun mal die Mühen der Umgewöhnung. Das Schreiben von Hand habe ich irgendwann gelernt. Diese Kulturtechnik hat sich in mein Gehirn und meinen Körper eingeschrieben. So tief, dass es nicht selbstverständlich ist, sie hinter sich zu lassen.

Bildgebende Verfahren bestätigen heute, was schon lange Zeit vermutet wurde: Die Handschrift schreibt sich tatsächlich ins Gehirn ein, sie hinterlässt Spuren, sie verändert unsere Hirnstruktur und unser Denken. Gilt das auch für das Schreiben auf einem Touchscreen, das ja auch irgendwie ein Schreiben von Hand ist? Sind die Bewegungen so intuitiv, so natürlich, dass sich unser Denken gar nicht so sehr verändern wird? Ist alles halb so wild? Oder droht tatsächlich, wie uns so manche Zeitgenossen glauben machen möchten, die digitale Demenz?

Es gibt Untersuchungen und Studien, die darauf hindeuten, dass die Lese- und Schreibkompetenz bei Kindern beeinträchtigt würde, übten sie den Umgang mit neuen Technologien zu früh und zu oft. Es gibt aber auch Untersuchungen und Studien, die das Gegenteil behaupten. Noch weiss die Hirnforschung nicht mit Sicherheit, was die neuen Technologien und die damit höchstwahrscheinlich verbundene Veränderung der Bewegungsabläufe mit unseren Gehirnen anstellen werden; irgendetwas werden sie unzweifelhaft auslösen.

Was man mit Sicherheit weiss: Je nachdem, was der Mensch tut oder nicht tut, werden Gehirnareale aktiviert oder deaktiviert. Unser Gehirn verändert sich also, auch ohne das Zutun neuer Geräte und Technologien. Wäre das nicht so, würden wir vermutlich noch heute in kalten, finsteren Höhlen leben, weil noch niemand auf die Idee gekommen wäre, den Göttern das Feuer zu stehlen.

Online und offline verbinden sich in der Edition Unik. (Foto: Tibor Nad)

Online und offline verbinden sich in der Edition Unik. (Foto: Tibor Nad)

«Die Feder ist mächtiger als die Tastatur», titelte die Fachzeitschrift Psychological Science im Frühjahr 2014 anlässlich der Publikation einer Studie der Princeton University. Forscher stellten darin fest, dass Studierende, die ihre Notizen digital erfasst hatten, im Gegensatz zu jenen, die ihre Notizen von Hand erfasst hatten, zwar mehr notiert, aber weniger von den eigentlichen Zusammenhängen verstanden hatten. Einige Tage später waren die Handschreiber zudem deutlich besser in der Lage, sich an den Inhalt der Vorlesungen zu erinnern als ihre digital arbeitenden Kommilitonen.

Das bedeutet nun aber nicht, dass wir uns zwischen dem Alten (der Handschrift) und dem Neuen (den digitalen Geräten) entscheiden müssen. Vielmehr können neue Technologien eine Ergänzung oder gar eine Chance sein. Und das weiss auch die Edition Unik: Hier werden Komponenten online und offline zu einem ganzheitlichen Schreibprojekt verbunden.

Verlassen auch Sie bekannte Wege und hinterlassen Sie neue Spuren – warum nicht als in Leinen gebundenes Buch?

Möchten Sie schreiben? Gerne! Die Anmeldung für die Runden 2019 ist geöffnet.


Der Text ist leicht verändert das erste Mal 2014 in der Publikation «Schreiben über Schreiben» der ZHdK erschienen.

Zwei Generationen schreiben Geschichte

Ankündigung: Edith Leibundgut hat die Geschichte ihrer Nachbarin Olga aufgeschrieben und mithilfe der Edition Unik zum Buch gemacht. Am 20. Oktober liest sie in Bümpliz daraus vor, die Lesung ist öffentlich.

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Der zweite Weltkrieg hat auch die Frauen betroffen. Sie wurden eingezogen, um Kriegsarbeit in Fabriken, Lazaretten und auf dem Feld zu leisten. Olga ist eine heute 92 Jahre alte Frau, die im Krieg gross geworden ist, Dienst leistete und bei Kriegsende Dank einer Diplomatenfamilie den Weg in die Schweiz gefunden hat.

Olga hat mir an langen Abenden beim Teetrinken ihre Geschichte erzählt. Daraus und aus intensiver Recherche ist das Buch «Olga» entstanden, das Leben, Leid und Liebe der Frauen über fünf Generationen beleuchtet.

Sie sind herzlich eingeladen die Lesung anlässlich des Generationenfestes in der Quartierbibliothek Bümpliz am Samstag, 20. Oktober 2018 um 17 Uhr zu besuchen. Umrahmt wird die Lesung durch ein Querflötenquartett mit Musik von Tschaikowsky.


Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.