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«Ein belebendes Gefühl»

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung (NW) der Frühjahresrunden 2019 statt. Dafür konnten auch zwei Ehemalige der Edition Unik gewonnen werden, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben ihrer Bücher berichtet haben.

In Zürich war Bruno Glaus zu Gast, der der Edition Unik seit dem Pilotprojekt von 2015 treu verbunden ist und inzwischen sechs Bücher geschrieben hat. In Basel war Joseph Weibel zu Gast, der in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat und ein drittes plant.

Was die Ehemaligen sagen
Beide haben sie von ihrem Erleben beim Schreiben berichtet, von ihrer Motivation, von den Herausforderungen und Schwierigkeiten. Und sie haben den aktiven Teilnehmenden Tipps und Tricks an die Hand gegeben, die sie in der Fertigstellung des Buches unterstützen sollen. Beide betonen sie, dass das Schreiben des Buches vor allem auch ein Geschenk an sich selbst ist. Joseph Weibel sagt dazu: «Das erste Buch entgegen zu nehmen ist ein belebendes Gefühl.»

Bruno Glaus führt verschiedenste Gründe für das Aufschreiben von Lebenserinnerungen an, etwa den Wunsch nach Standortbestimmung, nach Interpretation von Ereignissen, das Interesse an der Vertiefung, an der Orientierung, aber auch das Auf- und Verarbeiten von Ereignissen und auch die blosse Freude am Schreiben. Gerade Bruno Glaus weist auf die Gefahren in der Erinnerungskultur hin und ermahnt die Teilnehmer/innen etwa zur Authentizität oder warnt vor einer Abrechnung mit der Vergangenheit. «Erklären Sie statt abzurechnen, legen Sie Fährten!»

Was die Aktiven beschäftigt
Wenn die zweite NW ansteht, steht auch der Wechsel von Etappe 2 zu Etappe 3 an. In dieser Phase beschäftigen die Schreibenden vor allem Fragen in Bezug auf Bilder und Buchgestaltung, aber es werden auch andere Themen angesprochen, teilweise werden sie nur gestreift, teilweise ausführlich diskutiert.

So machen einige die Erfahrung, dass die Meldung Ich schreibe ein Buch auf das persönliche Umfeld eine merkwürdige Wirkung haben kann: «Willst du einen Bestseller schreiben?» Dabei sei es doch so wie mit dem Lernen eines Instruments: Beginne man, Blockflöte zu lernen, so werde man beglückwünscht und keiner frage, ob man gedenke, die Konzerthallen dieser Welt zu füllen. Allerdings, so die Teilnehmerin, gäbe sie nicht zu viel auf diese Voten, sie schreibe das Buch für sich und habe Vergnügen daran. Wir vom Projektteam pflichten ihr bei! Andere hingegen erleben das Gegenteil, das persönliche Umfeld bestärke sie darin, das Buch zu schreiben und freue sich darauf, es lesen zu dürfen.

Erklären statt abrechnen.
— Bruno Glaus

Drei Teile
Die NW sind jeweils in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil erzählen Gäste den aktiven Teilnehmer/innen von ihrem Schreiben, im zweiten Teil tauschen sich die Aktiven untereinander in Kleingruppen aus und im dritten Teil nach der Pause werden die gesammelten Fragen aus den Kleingruppen beantwortet und der Etappenübergang in der «Edition Unik App» demonstriert. Viele Fragen wiederholen sich in den Veranstaltungen, sie betreffen oft Layout und Design des Buches.

Beides ist in der Edition Unik automatisiert, so dass sich die Schreibenden nicht um die Gestaltung zu kümmern brauchen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, auf das Schreiben. Die meisten Teilnehmenden empfinden dies denn auch als Befreiung, sie seien damit von der Verantwortung befreit, auch noch visuelle Leistungen erbringen zu müssen. Einigen wenigen ist das Korsett der Edition Unik zu eng, so dass sie sich mehr Freiheiten wünschen. Die Erfolgsquote einer jeden Runde – 9 von 10 Teilnehmenden schliessen ihr Buch in einer Runde erfolgreich ab – bestätigt uns dennoch darin, dass wir mit dem Konezpt der Edition Unik nicht allzu falsch liegen können.


Was bisher geschah …
Wollen Sie wissen, was in früheren NW beschäftigt hat? Hier finden Sie alle Erlebnisberichte aus den NW seit der Herbstrunde 2017.

Selbst an einer NW teilnehmen?
Als aktive/r Teilnehmer/in einer Runde können Sie an beiden NW teilnehmen und sich mit Ihren Mitschreibenden über die Erfahrungen beim Schreiben und mit der App austauschen, können uns vom Projektteam Fragen stellen und Ihre Ideen an einem Gegenüber «testen». Melden Sie sich für die nächste Runde an!

Als ehemalige/r Teilnehmer/in können Sie sich für einen Gastauftritt an einer NW bewerben. Wir sind gerne per Mail oder via Kontaktformular zu erreichen.


Austausch und Vernetzung

In den Frühjahresrunden der Edition Unik haben die ersten Netzwerkveranstaltungen stattgefunden. Dabei geht es vor allem um den Austausch der Schreibenden untereinander, aber auch mit dem Projektteam und je einem Gast.

Es wird nicht ohne Sie, die Teilnehmenden, gehen.
— Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik an der NW

An der Zürcher Netzwerkveranstaltung (NW) war Edition Unik Mentorin Seraina Kobler zu Gast, an der Basler Runde die Mentorin Jacqueline Beck. Beide sind freischaffende Autorinnen und Journalistinnen und haben Erfahrung mit der Begleitung von Schreibenden.

Die Mentorinnen eröffnen jeweils die Veranstaltung und lesen auch aus eigenen Texten vor. Danach erzählen sie vom eigenen Erleben beim Schreiben, von den Erfahrungen in den Mentoraten und auch sonst aus ihrer Berufspraxis. Daran anschliessend stehen sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Fragen, die die Schreibenden beschäftigen, sind immer mehr inhaltlicher Natur, etwa zur Erzählperspektive, zu den Zeitformen, zur allgemeinen Textarbeit. Auch im anschliessenden Austausch in Kleingruppen sind diese Fragen prägend. Aus den Antworten der Mentorinnen, des Projektteams und einzelner Teilnehmender wird schnell deutlich: Allgemein gültige Aussagen gibt es nicht, denn jeder Text, jedes Buchprojekt ist so individuell, wie sein/e Urheber/in.

Aus den Antworten lassen sich trotzdem Tipps ableiten:

Wechseln Sie die Perspektive: Wenn aus der auktorialen Perspektive plötzlich eine Ich-Perspektive wird, ändert sich nicht nur die Distanz:

 

«Lauf, mein Kleiner!» rief die junge Mutter, drehte sich um und breitete die Arme aus. Der Junge drehte sich um, sah, wie sie die Schatten abhielt, sah, wie sie zu gewinnen schien, sah, wie die Schatten sie übermannten …

«Lauf, mein Junge!» rief ich ihm zu, breitete meine Arme aus und kehrte ihm den Rücken. Mein Kleiner wollte mich nicht alleine lassen und musste mitansehen, wie ich die Schatten erst abhielt und dann doch nicht stand halten konnte …

 
Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Fragen Sie sich auch mal, was Sie mit Ihrem Buch nicht erreichen möchten. Möchten Sie Ihren Liebsten etwas aus Ihrem Leben erzählen? So fragen Sie sich, wie Sie bestimmte Episoden auf keinen Fall erzählt haben möchten. Oder schreiben Sie eine Negativliste: Notieren Sie das Gegenteil zu dem, was Sie eigentlich sagen wollen.

Statt: «Es war ein sonniger Tag, die Wärme tat gut …» schreiben Sie etwa: «Es war ein grässlicher Tag. Die Sonne knallte vom Himmel, ich schwitzte, alles klebte ...» Eine solche Herangehensweise kann helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen und neue Ideen zu entwickeln.

Denken und lesen Sie laut
Oft äusserst gewinnbringend ist es, wenn Sie sich mit anderen über Ihre Texte austauschen: Zeigen Sie sie im privaten Umfeld, sprechen Sie mit jemandem darüber, testen Sie Ihre Ideen beim Gespräch. Sind die Texte zu persönlich oder noch nicht ausgereift genug, so lesen Sie sie laut. Dafür brauchen Sie keine Zuhörer/innen, das laute Lesen alleine hilft, Holperndes und Stolperndes im Text zu erkennen.

Bleiben Sie dran
Die Arbeit am und mit dem eigenen Text ist manchmal aufwändig, manchmal entnervend und manchmal gar mühsam. Aber wir versprechen Ihnen: Es lohnt sich! Unzählige Stimmen aus der Edition Unik bestätigen immer wieder den gewinnbringenden, heilsamen, inspirierenden Aspekt beim Schreiben.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Vertrauen Sie der Technik
Fragen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Frühjahresrunden umtreiben, betreffen auf der anderen Seite auch technische Aspekte: Kann man dem Buch Bilder hinzufügen? Oder: Lassen sich die bisher gesammelten Notizen ablegen, ausdrucken und versenden? Müssen die Texte immer wieder gespeichert werden und empfiehlt sich eine zusätzliche Sicherung?

Bilder: Ja, man kann dem Buch Bilder hinzufügen, aber nur eingeschränkt. Das Layout ist gesetzt, die Bilder werden stets oben an der Seite angeschlagen. Pro Kapitel kann ab einem bestimmten Projektzeitpunkt eine Bilddatei hinzugefügt werden; die Bilder werden schwarzweiss gedruckt. Einen Eindruck der Bücher vermittelt der Bericht: «Die Bücher»

Ausdrucken & Co.: Sowohl die Notizen der ersten Etappe als auch die Kapitel der zweiten Etappe lassen sich als PDF speichern. Dieses PDF kann beliebig oft erzeugt werden und es lässt sich wie bei PDFs üblich ablegen, ausdrucken, versenden usw.

Speichern: Die Texte werden in einer Cloud gespeichert, und zwar sobald eine erste manuelle Speicherung vorgenommen wurde. Und solange die Internetleitung stabil ist. Dennoch entscheiden sich einige für eine doppelte Sicherung der Texte, dagegen hat die Edition Unik nichts einzuwenden. Urheber- und Verwertungsrechte sind stets bei den Teilnehmenden.


2. Netzwerkveranstaltung der Herbstrunde

Pro Schreibrunde gibt es je vier interne Veranstaltungen, dazu gehören auch die beiden Netzwerkveranstaltungen. Die erste findet in der ersten Hälfte der Runde statt, die zweite in der zweiten. Dabei stehen stets die Anliegen und Fragen der Teilnehmenden im Zentrum.

Bilder, Fotos, Grafiken: Welche Vorgaben gibt es dafür? Wie stelle ich sicher, dass die Qualität stimmt? Wie bearbeite ich die Bilder?

Die Edition Unik ist ein Schreibprojekt, wir legen das Hauptaugenmerk auf Inhalte und Texte. Trotzdem ist es möglich, dem eigenen Buch Bildmaterial hinzuzufügen. Grundsätzlich kann pro Kapitel eine Bilddatei (.jpg oder .png) gespeichert werden; diese Dateien werden stets oben an der Seite angeschlagen und erscheinen immer auf der linken Seite vor Beginn des jeweiligen Kapitels im Buch. Man kann, muss aber keine Bilder hochladen.

Es gibt keine speziellen Anforderungen an das Bildmaterial, grundsätzlich gilt aber: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endresultat. Das Druckverfahren wurde so gewählt, dass auch Material nicht optimaler Qualität gut verarbeitet wird und im fertigen Buch überzeugt.

Umgang mit Personen und Quellen: Wie schütze ich Personen, ohne dabei die Erzählung zu «zensieren»? Weise ich Quellen überhaupt aus und wie?

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von uns nicht verlegt. Dennoch gilt es, einen sorgfältigen Umgang mit Personen, Quellen und Werken zu pflegen. So ist etwa Vorsicht geboten, wenn Geschichten erzählt werden, in denen bestimmte Personen, Institutionen o.ä. schlecht wegkommen. In vergangenen Runden haben sich Teilnehmende etwa zu Anonymisierung und Verfremdung entschieden, wieder andere haben sich beim Feinschliff des Buches dazu entschlossen, von der betreffenden Schilderung abzusehen usw.

Auch taucht die Frage nach dem Umgang mit Quellen auf, etwa, wenn Zeitungsberichte zitiert oder Gedichte anderer Autoren verwendet werden. In der Vergangenheit haben sich Teilnehmende etwa zu einem «Quellenverzeichnis» entschlossen: So haben sie am Ende des Buches ein entsprechendes Kapitel angelegt, auch schon hat es Glossare u.ä. gegeben.

Wir empfehlen sowohl im Umgang mit Personen als auch mit Quellen, fair zu bleiben und wo immer möglich auf diffamierende Schilderungen zu verzichten sowie die Quellen zu nennen. Die Bücher der Edition Unik sind zwar für den privaten Gebrauch bestimmt, dennoch ist ein sorgfältiger Umgang mit entsprechenden Daten angezeigt.

Erzählweise: Welche Art von Erzähler wähle ich? In welcher Zeit halte ich die Erinnerungen fest? Wie schaffe ich Distanz?

Sowohl inhaltlich als auch in der Erzählweise sind die Schreibenden frei. Die Zugänge sind denn auch sehr individuell, es entstehen Geschichten in Mundart, in romanartigem Stil mit fiktiven Elementen, aber auch Tatsachenberichte und autobiographische Erzählungen.

Bei der Wahl von Erzählweise und -zeit, Fragen zu Distanz und Nähe oder auch zur Wirkung der Texte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Gegenüber. Einige Teilnehmenden organisieren sich im persönlichen Umfeld, andere nutzen die Kontakte untereinander und wieder andere buchen eine/n Mentor/in aus unserem Mentorenprogramm.

Auch das laute Vorlesen der eigenen Texte oder der Wechsel des Mediums können hilfreich sein, wenn es darum geht, Fluss und Rhythmus, Sprache und Stil eines Textes zu beurteilen. Schreibprofis empfehlen zudem, Abstand zu den eigenen Texte zu gewinnen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Linguisten und Beirat der Edition Unik Daniel Perrin.

Wir präsentieren Ihnen eine kleine Auswahl an Gesichten, so dass Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt der Geschichten machen können, die in den inzwischen 300 Büchern versammelt sind.

Geschichten von Ehemaligen


Weitere Fragmente und Erlebnisberichte finden Sie auch in unserem Journal. Wenn Sie Lust auf ein eigenes Buch bekommen haben – über unser Anmeldeformular melden Sie sich für die kommenden Runden an. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung, Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder via E-Mail.


Rückblick: Erste Netzwerkveranstaltung im Herbst

Lustvoll sei es, das tägliche Sammeln und Schreiben von Erinnerungen. Auch befreiend, manchmal bedrückend, im Grossen und Ganzen aber vor allem bereichernd, sind sich die Teilnehmer/innen einig, die letzte Woche die erste Netzwerkveranstaltung der aktuellen Runden besucht haben.

Die Netzwerkveranstaltungen sind Teil des Basisprogramms der Edition Unik und dienen dem Austausch zwischen den aktiven Teilnehmer/innen. Für einen Gastauftritt an diesen ersten beiden Netzwerkveranstaltungen in Zürich und Basel konnten zwei Ehemalige aus der Edition Unik gewonnen werden. Die beiden Alumni haben die 17 Schreibwochen erfolgreich hinter sich gebracht und ihre Bücher geschrieben. So können sie von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten, teilen Tipps und Tricks mit den aktuellen Teilnehmenden und lesen auch aus ihren Büchern vor. Diskutiert wurden sowohl inhaltliche wie auch technische Fragen.

Kosmos, Zürich.

Kosmos, Zürich.

Inhaltliche Überlegungen
Inhaltliche Fragen wurden vor allem gestellt in Bezug auf Form und Art des Textes: Lineare (Auto-)Biographie? Oder doch lieber Roman, Erfahrungsanalyse oder ganz etwas anderes wie etwa ein Rezeptbuch? In der Edition Unik sind bisher rund 300 Bücher erschienen, die so unterschiedlich sind wie deren Urheber. Die Schreibenden sind inhaltlich frei und bestimmen selbst über ihre Inhalte. Einige wählen eine faktentreue Biographie, andere entscheiden sich für einen Roman mit fiktiven und realen Elementen und wieder andere schreiben Gedichtbände, Kunstkritiken oder Kinderbücher.

Die Ehemaligen empfehlen: Lassen Sie Ihrer Kreativität in der ersten Etappe, dem Sammeln, freien Lauf, so kann Neues, Unerwartetes entstehen. Schreiben Sie frei von der Leber weg, Sie haben bis zum Redaktionsschluss die Möglichkeit, an den Texten zu feilen, Änderungen und Korrekturen anzubringen usw.

Zeitmanagement und Rhythmus
Ein ebenfalls wichtiges Thema ist das Zeitmanagement. Die Empfehlung des Projektteams lautet, sich jeden Tag 45 Minuten Zeit für das Buchprojekt zu nehmen. Aber auch hier sind die Teilnehmer/innen völlig frei: einige schreiben mehrere Stunden am Stück, dafür mehrere Tage lang nicht, andere nur wenige Minuten, dafür öfters am Tag. Den Rhythmus bestimmen die Schreibenden selbst.

Die Ehemaligen empfehlen: Betrachten Sie das Raster als Hilfestellung, nicht als starre Richtlinien. Finden Sie Ihren Rhythmus, geben Sie sich dem Fluss Ihrer Erinnerungen hin.

Unternehmen Mitte, Basel.

Unternehmen Mitte, Basel.

Technische Fragen
Die technischen Aspekte betrafen vor allem den Umgang mit der Edition Unik App. In ihr schreiben die Teilnehmer/innen ihre Texte, die zu fertigen Büchern werden. Die Edition Unik App ist ein Texteditor, der in unserem Fall nur einige wenige Formatierungen ermöglicht, etwa den Fett- oder Kursivdruck von Texten. Vieles ist eingeschränkt, da vor allem Layout und Design automatisiert sind. Die Bücher werden damit den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht, ohne in der Erscheinung zu verlieren.

Die Ehemaligen empfehlen: Versuchen Sie, mit den Strukturen der App zu spielen. Sie unterbindet etwa im Gegensatz zu Microsoft Word zwar viel, lässt Ihnen aber gleichzeitig viel kreativen Freiraum. Verlassen Sie sich auf die Konzeption der Edition Unik.

Auch diskutiert wurden Fragen zur Textlänge und zur Anzahl Zeichen pro Buchseite. Hier sei auf den Artikel «Was ist eigentlich eine Normseite» verwiesen. Soviel sei gesagt: Die Edition Unik gibt keine Mindest- oder Maximalzahl Zeichen oder Worte vor, das gilt grundsätzlich auch für den Seitenumfang. Bei letzterem ist aber zu beachten, dass die Druckmaschinen nur eine bestimmte Menge solcher Normseiten verarbeiten können, und zwar 600. Ab einem bestimmen Zeitpunkt in den Projektwochen sind die Zeichen- und Wörterzahlen einzusehen.

Die Ehemaligen empfehlen: Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt, lassen Sie sich auf den Prozess der Edition Unik ein und rücken Sie die Fragen nach dem Umfang des Buches nicht in den Fokus. Wichtiger als der Umfang ist das, was das Schreiben anstösst. Geniessen Sie es.


Von der ersten zur dritten Person

An der zweiten Netzwerkveranstaltung der laufenden Runde war die Ehemalige Isabelle Zenhäusern zu Gast, die von ihren Erfahrungen in der Edition Unik berichtet.

Sie hat zwei ganz unterschiedliche Bücher in der Edition Unik geschrieben und konnte so von ganz verschiedenen Erlebnissen und Erkenntnissen erzählen. Bei ihrem ersten Buch handelt es sich um eine mehr oder weniger chronologisch aufgebaute Autobiographie, die in der ersten Person – also mit einer Ich-Erzählerin – verfasst ist. Das zweite Buch hingegen ist ein Roman, der in der dritten Person verfasst ist und neben wahren Begebenheiten auch erfundene Elemente enthält.

Abstand gewinnen
Isabelle Zenhäusern erzählt, wie es ihr beim ersten Buch wesentlich schwerer fiel, Änderungen vorzunehmen, etwa Absätze umzuschreiben oder gar zu löschen, wenn sie einmal in einer Notiz angelegt waren. Beim zweiten Buch habe sie mehr Distanz entwickelt und konnte den «Schritt zurück» besser machen. Das habe geholfen, um den roten Faden zu erkennen und bei Bedarf neu zu spinnen.

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Abstand zum eigenen Text zu gewinnen, ist denn auch etwas Wichtiges, das versierte Schreibprofis immer wieder betonen. So sagt etwa Daniel Perrin, Linguist und Beirat der Edition Unik, im Interview: «Bevor ich mein Geschriebenes überarbeiten kann, brauche ich Abstand dazu. Unmittelbar nach dem Schreiben sieht man die eigenen Fehler nicht, denn man sieht nur, was man schreiben wollte. Unser Kopf hat keine Delete-Taste.»

Austausch mit Dritten
Auch wenn in der Edition Unik keine Fotobücher entstehen, so gibt es die Möglichkeit, einige Bilder hinzuzufügen. Isabelle Zenhäusern weist darauf hin, dass die Bilder beim Sortieren der einzelnen Notizen zu fertigen Kapiteln helfen können, wenn man sie wie Orientierungshilfen nutze. Eine solche Orientierungshilfe können aber auch Leitfragen sein, etwa:

 
  • Erzähle ich chronologisch?

  • Erinnere ich mich anhand bestimmter Stichworte?

  • Zieht sich ein bestimmtes Thema durch meine Erzählungen?

 

Zu der Arbeit an ihren Büchern habe auch der Austausch mit Dritten gehört, insbesondere mit ihren Geschwistern. «Nicht alle teilen die gleichen Erinnerungen», und so nahm sie die Rückmeldungen alle dankend an – auch wenn sie nicht alle umsetzte. Der Austausch mit Dritten kann für die Textarbeit gewinnbringend sein, man sollte sich diese Personen aber gut aussuchen, immerhin handelt es sich meist um sehr persönliche Texte.

Ein fixer Start und ein fixes Ende
Sie habe auch gemerkt, dass ihr Start und Ende der 17 Projektwochen beim Dranbleiben weitergeholfen habe, denn sie habe stets gewusst: «Alles, was ich machen muss, ist, mich an den Zeitplan zu halten.» Zwei Mal hat Isabelle Zenhäusern schon rechtzeitig auf den «roten Knopf» gedrückt und ihre Bücher abgeschlossen – Wann legen Sie los?