Netzwerk

Vom Umgang mit Pseudonymen und Zitaten

Letzte Woche fanden die ersten Netzwerkveranstaltungen (NW) der Herbstrunden statt. In Zürich ging sie im Kosmos über die Bühne, wobei unser Gast Katharina Gerber – Teilnehmerin der Edition Unik – den Auftakt machte. In Basel fand sie im Unternehmen Mitte statt, dort begann der Nachmittag mit Teilnehmer Joseph Weibel. Beide lasen aus ihren Büchern vor, die bereits in der Edition Unik entstanden sind, und berichteten vom eigenen Schreiben und den daraus resultierenden freudigen Momenten.

Reger Austausch in der «Mitte».

Reger Austausch in der «Mitte».

Danach folgte der persönliche Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nebst dem Austausch von persönlichen Erlebnissen, die den bisherigen Schreibprozess geprägt haben, wurden dabei auch Fragen rege diskutiert: Wie geht man um mit fremdem Material, etwa mit zitierten Texten oder mit Bildern, die nicht aus dem persönlichen Fundus stammen? Wie stark dürfen Drittpersonen erkennbar respektive identifizierbar sein? Soviel vorweg: Allgemeingültige Antworten geschweige denn Regeln im Bezug auf diese beiden Fragen gibt es so nicht. Dafür aber wurden die Schreibenden mit wertvollen Tipps versorgt.

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Zum Umgang mit fremdem Eigentum
Da die Edition Unik kein Verlag ist, der Bücher publiziert, ist der Umgang mit fremden Quellen jedem Autor, jeder Autorin selbst überlassen. Aus Gründen der Fairness ist es aber sicherlich nicht verkehrt, die Verwendung von fremden Material erkennbar zu machen. Man will sich ja schliesslich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken. In welcher Form man fremdes Eigentum schlussendlich kennzeichnet, bleibt dann aber den Schreibenden überlassen. Letztlich ist es ihr eigenes Buch.

Zur Anonymisierung und Verwendung von Pseudonymen
Ab wann und ob überhaupt auftauchende Charaktere unkenntlich gemacht werden sollen, bleibt ebenfalls der Schreiberschaft überlassen. Gerade in Bezug auf Bücher mit autobiographischem Charakter sind die vorkommenden Personen relevant und müssen überhaupt nicht zwingend anonymisiert werden.

 
Muss man Drittpersonen anonymisieren? Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?
— Edition Unik
 

Als Faustregel lässt sich sagen: Je positiver über eine Person berichtet wird, desto geringer die Notwendigkeit einer Verschleierung derselben. Zudem kann auch der Rahmen, in welchem das Buch «erscheinen» soll, ausschlaggebend sein.: Denn je öffentlicher der Inhalt gehandhabt wird, desto eher besteht die Chance, dass sich die beschriebenen Personen erkennen und sie zur Rechenschaft ziehen will. Mehr dazu lesen Sie auch im Bundesgerichtsentscheid vom 25. September 2008.

Während des Schreibprozesses sollte man sich auch ab und an in die Rolle der beschriebenen Personen versetzen: Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?


Mehr zum Thema «Persönlichkeitsverletzung»
Frage aus einer Runde: «Wie offen und schonungslos darf man sein? Ich rechne mit einer Nachbarin ab.»

Antwort seitens der Edition Unik: Abgesehen davon, dass mit den Rechten auch die Pflichten bei den Teilnehmenden liegen und wir deshalb keine verbindliche Aussage zur Anonymisierung machen können, gibt es keine universell gültige Antwort auf die Frage, da die Beurteilung der Rechtslage von vielen Faktoren abhängt.

Das Bundesgericht hat dazu einige Leitentscheide veröffentlicht, die einsehbar sind.


Vorlesetag: «Première und Dernière»

Am 22. Mai wurde (vor-)gelesen, und zwar schweizweit im Rahmen des Vorlesetags. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik haben mit dem Jungen Schauspielhaus Zürich eine Vorlesereihe erarbeitet und in verschiedenen Lesungen aus ihren persönlichen Büchern vorgelesen.

Muss ich reisen, um schreiben zu können?
— Claudia Kümin, Ehemalige der Edition Unik

Die Lesungen im Jungen Schauspielhaus seien Première und Dernière zugleich, sagte Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, zu Beginn der Veranstaltungen.

«Eine Première deshalb, weil sie in dieser Form noch nicht stattgefunden haben; eine Dernière deshalb, weil sie – mindestens – in diesem Bühnenbild nicht nochmal stattfinden werden.» So ist etwa im Foyer vom Schiffbau ein Bühnenbild für ein neues Stück bereits aufgebaut, das nach der Spielzeit wieder abgebaut wird.

Insgesamt fanden sechs Lesungen mit 19 Autorinnen und Autoren der Edition Unik statt. Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, und Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, haben die Veranstaltungen moderiert; die Namen der Alumni, die teilgenommen haben, können im Flyer nachgelesen werden.

Das Interview aus der Vorbereitung mit Petra Fischer lesen Sie hier: Vorfreude auf den Vorlesetag


Vorlesetag verpasst?
Schade! Aber seien Sie unbesorgt, es finden weitere öffentliche Lesungen statt! Konsultieren Sie unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter und bleiben Sie informiert!

Beiträge von aktiven und ehemaligen Teilnehmer/innen und unseren Partner/innen finden Sie im Journal:
Fragmente & Auszüge
Erlebnisberichte

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.


«Ein belebendes Gefühl»

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung (NW) der Frühjahresrunden 2019 statt. Dafür konnten auch zwei Ehemalige der Edition Unik gewonnen werden, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben ihrer Bücher berichtet haben.

In Zürich war Bruno Glaus zu Gast, der der Edition Unik seit dem Pilotprojekt von 2015 treu verbunden ist und inzwischen sechs Bücher geschrieben hat. In Basel war Joseph Weibel zu Gast, der in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat und ein drittes plant.

Was die Ehemaligen sagen
Beide haben sie von ihrem Erleben beim Schreiben berichtet, von ihrer Motivation, von den Herausforderungen und Schwierigkeiten. Und sie haben den aktiven Teilnehmenden Tipps und Tricks an die Hand gegeben, die sie in der Fertigstellung des Buches unterstützen sollen. Beide betonen sie, dass das Schreiben des Buches vor allem auch ein Geschenk an sich selbst ist. Joseph Weibel sagt dazu: «Das erste Buch entgegen zu nehmen ist ein belebendes Gefühl.»

Bruno Glaus führt verschiedenste Gründe für das Aufschreiben von Lebenserinnerungen an, etwa den Wunsch nach Standortbestimmung, nach Interpretation von Ereignissen, das Interesse an der Vertiefung, an der Orientierung, aber auch das Auf- und Verarbeiten von Ereignissen und auch die blosse Freude am Schreiben. Gerade Bruno Glaus weist auf die Gefahren in der Erinnerungskultur hin und ermahnt die Teilnehmer/innen etwa zur Authentizität oder warnt vor einer Abrechnung mit der Vergangenheit. «Erklären Sie statt abzurechnen, legen Sie Fährten!»

Was die Aktiven beschäftigt
Wenn die zweite NW ansteht, steht auch der Wechsel von Etappe 2 zu Etappe 3 an. In dieser Phase beschäftigen die Schreibenden vor allem Fragen in Bezug auf Bilder und Buchgestaltung, aber es werden auch andere Themen angesprochen, teilweise werden sie nur gestreift, teilweise ausführlich diskutiert.

So machen einige die Erfahrung, dass die Meldung Ich schreibe ein Buch auf das persönliche Umfeld eine merkwürdige Wirkung haben kann: «Willst du einen Bestseller schreiben?» Dabei sei es doch so wie mit dem Lernen eines Instruments: Beginne man, Blockflöte zu lernen, so werde man beglückwünscht und keiner frage, ob man gedenke, die Konzerthallen dieser Welt zu füllen. Allerdings, so die Teilnehmerin, gäbe sie nicht zu viel auf diese Voten, sie schreibe das Buch für sich und habe Vergnügen daran. Wir vom Projektteam pflichten ihr bei! Andere hingegen erleben das Gegenteil, das persönliche Umfeld bestärke sie darin, das Buch zu schreiben und freue sich darauf, es lesen zu dürfen.

Erklären statt abrechnen.
— Bruno Glaus

Drei Teile
Die NW sind jeweils in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil erzählen Gäste den aktiven Teilnehmer/innen von ihrem Schreiben, im zweiten Teil tauschen sich die Aktiven untereinander in Kleingruppen aus und im dritten Teil nach der Pause werden die gesammelten Fragen aus den Kleingruppen beantwortet und der Etappenübergang in der «Edition Unik App» demonstriert. Viele Fragen wiederholen sich in den Veranstaltungen, sie betreffen oft Layout und Design des Buches.

Beides ist in der Edition Unik automatisiert, so dass sich die Schreibenden nicht um die Gestaltung zu kümmern brauchen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, auf das Schreiben. Die meisten Teilnehmenden empfinden dies denn auch als Befreiung, sie seien damit von der Verantwortung befreit, auch noch visuelle Leistungen erbringen zu müssen. Einigen wenigen ist das Korsett der Edition Unik zu eng, so dass sie sich mehr Freiheiten wünschen. Die Erfolgsquote einer jeden Runde – 9 von 10 Teilnehmenden schliessen ihr Buch in einer Runde erfolgreich ab – bestätigt uns dennoch darin, dass wir mit dem Konezpt der Edition Unik nicht allzu falsch liegen können.


Was bisher geschah …
Wollen Sie wissen, was in früheren NW beschäftigt hat? Hier finden Sie alle Erlebnisberichte aus den NW seit der Herbstrunde 2017.

Selbst an einer NW teilnehmen?
Als aktive/r Teilnehmer/in einer Runde können Sie an beiden NW teilnehmen und sich mit Ihren Mitschreibenden über die Erfahrungen beim Schreiben und mit der App austauschen, können uns vom Projektteam Fragen stellen und Ihre Ideen an einem Gegenüber «testen». Melden Sie sich für die nächste Runde an!

Als ehemalige/r Teilnehmer/in können Sie sich für einen Gastauftritt an einer NW bewerben. Wir sind gerne per Mail oder via Kontaktformular zu erreichen.


Austausch und Vernetzung

In den Frühjahresrunden der Edition Unik haben die ersten Netzwerkveranstaltungen stattgefunden. Dabei geht es vor allem um den Austausch der Schreibenden untereinander, aber auch mit dem Projektteam und je einem Gast.

Es wird nicht ohne Sie, die Teilnehmenden, gehen.
— Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik an der NW

An der Zürcher Netzwerkveranstaltung (NW) war Edition Unik Mentorin Seraina Kobler zu Gast, an der Basler Runde die Mentorin Jacqueline Beck. Beide sind freischaffende Autorinnen und Journalistinnen und haben Erfahrung mit der Begleitung von Schreibenden.

Die Mentorinnen eröffnen jeweils die Veranstaltung und lesen auch aus eigenen Texten vor. Danach erzählen sie vom eigenen Erleben beim Schreiben, von den Erfahrungen in den Mentoraten und auch sonst aus ihrer Berufspraxis. Daran anschliessend stehen sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Fragen, die die Schreibenden beschäftigen, sind immer mehr inhaltlicher Natur, etwa zur Erzählperspektive, zu den Zeitformen, zur allgemeinen Textarbeit. Auch im anschliessenden Austausch in Kleingruppen sind diese Fragen prägend. Aus den Antworten der Mentorinnen, des Projektteams und einzelner Teilnehmender wird schnell deutlich: Allgemein gültige Aussagen gibt es nicht, denn jeder Text, jedes Buchprojekt ist so individuell, wie sein/e Urheber/in.

Aus den Antworten lassen sich trotzdem Tipps ableiten:

Wechseln Sie die Perspektive: Wenn aus der auktorialen Perspektive plötzlich eine Ich-Perspektive wird, ändert sich nicht nur die Distanz:

 

«Lauf, mein Kleiner!» rief die junge Mutter, drehte sich um und breitete die Arme aus. Der Junge drehte sich um, sah, wie sie die Schatten abhielt, sah, wie sie zu gewinnen schien, sah, wie die Schatten sie übermannten …

«Lauf, mein Junge!» rief ich ihm zu, breitete meine Arme aus und kehrte ihm den Rücken. Mein Kleiner wollte mich nicht alleine lassen und musste mitansehen, wie ich die Schatten erst abhielt und dann doch nicht stand halten konnte …

 
Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Austausch im Unternehmen Mitte, Basel.

Fragen Sie sich auch mal, was Sie mit Ihrem Buch nicht erreichen möchten. Möchten Sie Ihren Liebsten etwas aus Ihrem Leben erzählen? So fragen Sie sich, wie Sie bestimmte Episoden auf keinen Fall erzählt haben möchten. Oder schreiben Sie eine Negativliste: Notieren Sie das Gegenteil zu dem, was Sie eigentlich sagen wollen.

Statt: «Es war ein sonniger Tag, die Wärme tat gut …» schreiben Sie etwa: «Es war ein grässlicher Tag. Die Sonne knallte vom Himmel, ich schwitzte, alles klebte ...» Eine solche Herangehensweise kann helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen und neue Ideen zu entwickeln.

Denken und lesen Sie laut
Oft äusserst gewinnbringend ist es, wenn Sie sich mit anderen über Ihre Texte austauschen: Zeigen Sie sie im privaten Umfeld, sprechen Sie mit jemandem darüber, testen Sie Ihre Ideen beim Gespräch. Sind die Texte zu persönlich oder noch nicht ausgereift genug, so lesen Sie sie laut. Dafür brauchen Sie keine Zuhörer/innen, das laute Lesen alleine hilft, Holperndes und Stolperndes im Text zu erkennen.

Bleiben Sie dran
Die Arbeit am und mit dem eigenen Text ist manchmal aufwändig, manchmal entnervend und manchmal gar mühsam. Aber wir versprechen Ihnen: Es lohnt sich! Unzählige Stimmen aus der Edition Unik bestätigen immer wieder den gewinnbringenden, heilsamen, inspirierenden Aspekt beim Schreiben.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Seraina Kobler liest im «Kosmos» aus ihren Texten.

Vertrauen Sie der Technik
Fragen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Frühjahresrunden umtreiben, betreffen auf der anderen Seite auch technische Aspekte: Kann man dem Buch Bilder hinzufügen? Oder: Lassen sich die bisher gesammelten Notizen ablegen, ausdrucken und versenden? Müssen die Texte immer wieder gespeichert werden und empfiehlt sich eine zusätzliche Sicherung?

Bilder: Ja, man kann dem Buch Bilder hinzufügen, aber nur eingeschränkt. Das Layout ist gesetzt, die Bilder werden stets oben an der Seite angeschlagen. Pro Kapitel kann ab einem bestimmten Projektzeitpunkt eine Bilddatei hinzugefügt werden; die Bilder werden schwarzweiss gedruckt. Einen Eindruck der Bücher vermittelt der Bericht: «Die Bücher»

Ausdrucken & Co.: Sowohl die Notizen der ersten Etappe als auch die Kapitel der zweiten Etappe lassen sich als PDF speichern. Dieses PDF kann beliebig oft erzeugt werden und es lässt sich wie bei PDFs üblich ablegen, ausdrucken, versenden usw.

Speichern: Die Texte werden in einer Cloud gespeichert, und zwar sobald eine erste manuelle Speicherung vorgenommen wurde. Und solange die Internetleitung stabil ist. Dennoch entscheiden sich einige für eine doppelte Sicherung der Texte, dagegen hat die Edition Unik nichts einzuwenden. Urheber- und Verwertungsrechte sind stets bei den Teilnehmenden.


2. Netzwerkveranstaltung der Herbstrunde

Pro Schreibrunde gibt es je vier interne Veranstaltungen, dazu gehören auch die beiden Netzwerkveranstaltungen. Die erste findet in der ersten Hälfte der Runde statt, die zweite in der zweiten. Dabei stehen stets die Anliegen und Fragen der Teilnehmenden im Zentrum.

Bilder, Fotos, Grafiken: Welche Vorgaben gibt es dafür? Wie stelle ich sicher, dass die Qualität stimmt? Wie bearbeite ich die Bilder?

Die Edition Unik ist ein Schreibprojekt, wir legen das Hauptaugenmerk auf Inhalte und Texte. Trotzdem ist es möglich, dem eigenen Buch Bildmaterial hinzuzufügen. Grundsätzlich kann pro Kapitel eine Bilddatei (.jpg oder .png) gespeichert werden; diese Dateien werden stets oben an der Seite angeschlagen und erscheinen immer auf der linken Seite vor Beginn des jeweiligen Kapitels im Buch. Man kann, muss aber keine Bilder hochladen.

Es gibt keine speziellen Anforderungen an das Bildmaterial, grundsätzlich gilt aber: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endresultat. Das Druckverfahren wurde so gewählt, dass auch Material nicht optimaler Qualität gut verarbeitet wird und im fertigen Buch überzeugt.

Umgang mit Personen und Quellen: Wie schütze ich Personen, ohne dabei die Erzählung zu «zensieren»? Weise ich Quellen überhaupt aus und wie?

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von uns nicht verlegt. Dennoch gilt es, einen sorgfältigen Umgang mit Personen, Quellen und Werken zu pflegen. So ist etwa Vorsicht geboten, wenn Geschichten erzählt werden, in denen bestimmte Personen, Institutionen o.ä. schlecht wegkommen. In vergangenen Runden haben sich Teilnehmende etwa zu Anonymisierung und Verfremdung entschieden, wieder andere haben sich beim Feinschliff des Buches dazu entschlossen, von der betreffenden Schilderung abzusehen usw.

Auch taucht die Frage nach dem Umgang mit Quellen auf, etwa, wenn Zeitungsberichte zitiert oder Gedichte anderer Autoren verwendet werden. In der Vergangenheit haben sich Teilnehmende etwa zu einem «Quellenverzeichnis» entschlossen: So haben sie am Ende des Buches ein entsprechendes Kapitel angelegt, auch schon hat es Glossare u.ä. gegeben.

Wir empfehlen sowohl im Umgang mit Personen als auch mit Quellen, fair zu bleiben und wo immer möglich auf diffamierende Schilderungen zu verzichten sowie die Quellen zu nennen. Die Bücher der Edition Unik sind zwar für den privaten Gebrauch bestimmt, dennoch ist ein sorgfältiger Umgang mit entsprechenden Daten angezeigt.

Erzählweise: Welche Art von Erzähler wähle ich? In welcher Zeit halte ich die Erinnerungen fest? Wie schaffe ich Distanz?

Sowohl inhaltlich als auch in der Erzählweise sind die Schreibenden frei. Die Zugänge sind denn auch sehr individuell, es entstehen Geschichten in Mundart, in romanartigem Stil mit fiktiven Elementen, aber auch Tatsachenberichte und autobiographische Erzählungen.

Bei der Wahl von Erzählweise und -zeit, Fragen zu Distanz und Nähe oder auch zur Wirkung der Texte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Gegenüber. Einige Teilnehmenden organisieren sich im persönlichen Umfeld, andere nutzen die Kontakte untereinander und wieder andere buchen eine/n Mentor/in aus unserem Mentorenprogramm.

Auch das laute Vorlesen der eigenen Texte oder der Wechsel des Mediums können hilfreich sein, wenn es darum geht, Fluss und Rhythmus, Sprache und Stil eines Textes zu beurteilen. Schreibprofis empfehlen zudem, Abstand zu den eigenen Texte zu gewinnen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Linguisten und Beirat der Edition Unik Daniel Perrin.

Wir präsentieren Ihnen eine kleine Auswahl an Gesichten, so dass Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt der Geschichten machen können, die in den inzwischen 300 Büchern versammelt sind.

Geschichten von Ehemaligen


Weitere Fragmente und Erlebnisberichte finden Sie auch in unserem Journal. Wenn Sie Lust auf ein eigenes Buch bekommen haben – über unser Anmeldeformular melden Sie sich für die kommenden Runden an. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung, Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder via E-Mail.


Rückblick: Erste Netzwerkveranstaltung im Herbst

Lustvoll sei es, das tägliche Sammeln und Schreiben von Erinnerungen. Auch befreiend, manchmal bedrückend, im Grossen und Ganzen aber vor allem bereichernd, sind sich die Teilnehmer/innen einig, die letzte Woche die erste Netzwerkveranstaltung der aktuellen Runden besucht haben.

Die Netzwerkveranstaltungen sind Teil des Basisprogramms der Edition Unik und dienen dem Austausch zwischen den aktiven Teilnehmer/innen. Für einen Gastauftritt an diesen ersten beiden Netzwerkveranstaltungen in Zürich und Basel konnten zwei Ehemalige aus der Edition Unik gewonnen werden. Die beiden Alumni haben die 17 Schreibwochen erfolgreich hinter sich gebracht und ihre Bücher geschrieben. So können sie von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten, teilen Tipps und Tricks mit den aktuellen Teilnehmenden und lesen auch aus ihren Büchern vor. Diskutiert wurden sowohl inhaltliche wie auch technische Fragen.

Kosmos, Zürich.

Kosmos, Zürich.

Inhaltliche Überlegungen
Inhaltliche Fragen wurden vor allem gestellt in Bezug auf Form und Art des Textes: Lineare (Auto-)Biographie? Oder doch lieber Roman, Erfahrungsanalyse oder ganz etwas anderes wie etwa ein Rezeptbuch? In der Edition Unik sind bisher rund 300 Bücher erschienen, die so unterschiedlich sind wie deren Urheber. Die Schreibenden sind inhaltlich frei und bestimmen selbst über ihre Inhalte. Einige wählen eine faktentreue Biographie, andere entscheiden sich für einen Roman mit fiktiven und realen Elementen und wieder andere schreiben Gedichtbände, Kunstkritiken oder Kinderbücher.

Die Ehemaligen empfehlen: Lassen Sie Ihrer Kreativität in der ersten Etappe, dem Sammeln, freien Lauf, so kann Neues, Unerwartetes entstehen. Schreiben Sie frei von der Leber weg, Sie haben bis zum Redaktionsschluss die Möglichkeit, an den Texten zu feilen, Änderungen und Korrekturen anzubringen usw.

Zeitmanagement und Rhythmus
Ein ebenfalls wichtiges Thema ist das Zeitmanagement. Die Empfehlung des Projektteams lautet, sich jeden Tag 45 Minuten Zeit für das Buchprojekt zu nehmen. Aber auch hier sind die Teilnehmer/innen völlig frei: einige schreiben mehrere Stunden am Stück, dafür mehrere Tage lang nicht, andere nur wenige Minuten, dafür öfters am Tag. Den Rhythmus bestimmen die Schreibenden selbst.

Die Ehemaligen empfehlen: Betrachten Sie das Raster als Hilfestellung, nicht als starre Richtlinien. Finden Sie Ihren Rhythmus, geben Sie sich dem Fluss Ihrer Erinnerungen hin.

Unternehmen Mitte, Basel.

Unternehmen Mitte, Basel.

Technische Fragen
Die technischen Aspekte betrafen vor allem den Umgang mit der Edition Unik App. In ihr schreiben die Teilnehmer/innen ihre Texte, die zu fertigen Büchern werden. Die Edition Unik App ist ein Texteditor, der in unserem Fall nur einige wenige Formatierungen ermöglicht, etwa den Fett- oder Kursivdruck von Texten. Vieles ist eingeschränkt, da vor allem Layout und Design automatisiert sind. Die Bücher werden damit den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht, ohne in der Erscheinung zu verlieren.

Die Ehemaligen empfehlen: Versuchen Sie, mit den Strukturen der App zu spielen. Sie unterbindet etwa im Gegensatz zu Microsoft Word zwar viel, lässt Ihnen aber gleichzeitig viel kreativen Freiraum. Verlassen Sie sich auf die Konzeption der Edition Unik.

Auch diskutiert wurden Fragen zur Textlänge und zur Anzahl Zeichen pro Buchseite. Hier sei auf den Artikel «Was ist eigentlich eine Normseite» verwiesen. Soviel sei gesagt: Die Edition Unik gibt keine Mindest- oder Maximalzahl Zeichen oder Worte vor, das gilt grundsätzlich auch für den Seitenumfang. Bei letzterem ist aber zu beachten, dass die Druckmaschinen nur eine bestimmte Menge solcher Normseiten verarbeiten können, und zwar 600. Ab einem bestimmen Zeitpunkt in den Projektwochen sind die Zeichen- und Wörterzahlen einzusehen.

Die Ehemaligen empfehlen: Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt, lassen Sie sich auf den Prozess der Edition Unik ein und rücken Sie die Fragen nach dem Umfang des Buches nicht in den Fokus. Wichtiger als der Umfang ist das, was das Schreiben anstösst. Geniessen Sie es.


Von der ersten zur dritten Person

An der zweiten Netzwerkveranstaltung der laufenden Runde war die Ehemalige Isabelle Zenhäusern zu Gast, die von ihren Erfahrungen in der Edition Unik berichtet.

Sie hat zwei ganz unterschiedliche Bücher in der Edition Unik geschrieben und konnte so von ganz verschiedenen Erlebnissen und Erkenntnissen erzählen. Bei ihrem ersten Buch handelt es sich um eine mehr oder weniger chronologisch aufgebaute Autobiographie, die in der ersten Person – also mit einer Ich-Erzählerin – verfasst ist. Das zweite Buch hingegen ist ein Roman, der in der dritten Person verfasst ist und neben wahren Begebenheiten auch erfundene Elemente enthält.

Abstand gewinnen
Isabelle Zenhäusern erzählt, wie es ihr beim ersten Buch wesentlich schwerer fiel, Änderungen vorzunehmen, etwa Absätze umzuschreiben oder gar zu löschen, wenn sie einmal in einer Notiz angelegt waren. Beim zweiten Buch habe sie mehr Distanz entwickelt und konnte den «Schritt zurück» besser machen. Das habe geholfen, um den roten Faden zu erkennen und bei Bedarf neu zu spinnen.

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Abstand zum eigenen Text zu gewinnen, ist denn auch etwas Wichtiges, das versierte Schreibprofis immer wieder betonen. So sagt etwa Daniel Perrin, Linguist und Beirat der Edition Unik, im Interview: «Bevor ich mein Geschriebenes überarbeiten kann, brauche ich Abstand dazu. Unmittelbar nach dem Schreiben sieht man die eigenen Fehler nicht, denn man sieht nur, was man schreiben wollte. Unser Kopf hat keine Delete-Taste.»

Austausch mit Dritten
Auch wenn in der Edition Unik keine Fotobücher entstehen, so gibt es die Möglichkeit, einige Bilder hinzuzufügen. Isabelle Zenhäusern weist darauf hin, dass die Bilder beim Sortieren der einzelnen Notizen zu fertigen Kapiteln helfen können, wenn man sie wie Orientierungshilfen nutze. Eine solche Orientierungshilfe können aber auch Leitfragen sein, etwa:

 
  • Erzähle ich chronologisch?

  • Erinnere ich mich anhand bestimmter Stichworte?

  • Zieht sich ein bestimmtes Thema durch meine Erzählungen?

 

Zu der Arbeit an ihren Büchern habe auch der Austausch mit Dritten gehört, insbesondere mit ihren Geschwistern. «Nicht alle teilen die gleichen Erinnerungen», und so nahm sie die Rückmeldungen alle dankend an – auch wenn sie nicht alle umsetzte. Der Austausch mit Dritten kann für die Textarbeit gewinnbringend sein, man sollte sich diese Personen aber gut aussuchen, immerhin handelt es sich meist um sehr persönliche Texte.

Ein fixer Start und ein fixes Ende
Sie habe auch gemerkt, dass ihr Start und Ende der 17 Projektwochen beim Dranbleiben weitergeholfen habe, denn sie habe stets gewusst: «Alles, was ich machen muss, ist, mich an den Zeitplan zu halten.» Zwei Mal hat Isabelle Zenhäusern schon rechtzeitig auf den «roten Knopf» gedrückt und ihre Bücher abgeschlossen – Wann legen Sie los?


Auftritt von Autor Claude Weill

Ab wann werden wir älter? Und müssen wir auf eine Vielzahl Jahrzehnte zurückblicken können, um über unser Leben nachzudenken, um überhaupt darüber nachdenken zu dürfen? Claude Weill, Mentor in der Edition Unik und Autor aus Zürich, glaubt nicht daran.

Ganz im Gegenteil: «Bereits mit 55, 60 oder 65 kann ein kritisch-liebevoller Blick auf das eigene Leben helfen zu erkennen, was einem wirklich wichtig war und weiterhin wichtig sein wird», so steht es zusammenfassend auf seinem Buch In Glücksmomenten bin ich weder jung noch alt. Dieses Buch hält insgesamt «12 Portraits von Menschen nach der Lebensmitte» bereit – und dieses Buch ist wenigstens indirekt auch der Grund für den Auftritt von Claude Weill an der ersten Netzwerkveranstaltung (NW) der Frühjahresrunde 2018.

Wunsch: mitgeben und begleiten
Die 1. Auflage des Buches ist anfangs 2017 erschienen und Claude Weill stolperte zu dieser Zeit über ein Inserat der Edition Unik. «Es wäre doch schön, könnte ich den Menschen etwas mitgeben, die jetzt mit dem Schreiben des eigenen Buches beginnen», dachte er sich daraufhin und meldete sich bei uns. Und das war gut so, denn seither ist er Mentor in der Edition Unik und begleitet die Schreibenden auf Wunsch von der ersten Seite bis zum fertigen Buch.

Das Mentorenprogramm ist eine Zusatzleistung in der Edition Unik, deren Inhalt von den Teilnehmenden und den Mentoren bilateral bestimmt wird. Ob eine intensive Textarbeit stattfindet, eine erweitertete Redaktion oder auch das Besprechen von Aufbau und Dramaturgie, hängt jeweils davon ab, welche Ansprüche die jeweiligen Schreibenden an ihre Texte stellen. So erzählt Claude Weill etwa von zwei Personen, die zwar beide in der Edition Unik ihr Buch geschrieben haben, deren Vorgehen aber so unterschiedlich war wie die Schreibenden selbst.

Anspruch: individuell und unterschiedlich
Bei der einen Person ging darum, die Fülle an Material einzudämmen und aus der chronologischen Auflistung eine Geschichte mit einer Handlung, mit einem roten Faden zu machen. Mit Gesprächen und dem Fokussieren auf das Wesentliche habe dies gut geklappt. «Setzen Sie Schwerpunkte», rät Claude Weill denn auch den Teilnehmenden der Frühjahresrunde. Die andere Person, die er begleiten durfte, habe insbesondere an den Übergängen der einzelnen Anekdoten arbeiten wollen, so dass am Ende eine «runde Geschichte» entstand und keine Logikfehler auftauchten.

In seinem eigenen Buch hat Claude Weill den Befragten einen Fragebogen mit insgesamt 31 Fragen zukommen lassen, von denen er sich die Antworten auf mindestens sieben und maximal 12 Fragen erbeten hatte. Ein Vorgehen, das zu einer überraschenden Sammlung an Antworten und Rückmeldungen geführt hat – lesen Sie selbst.

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Angaben zum Buch

Titel: In Glücksmomenten bin ich weder jung noch alt – zwölf Porträts von Menschen nach der Lebensmitte
Autor: Claude Weill
ISBN: 978-3-85990-308-1
Verlag: Edition 8, Zürich


Erfahrungen – eine Ehemalige erzählt

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung in der Herbstrunde der Edition Unik statt. Gast war die Ehemalige Suzanne Schrade, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben Ihres Buches in der Edition Unik berichtet hat.

Diese Netzwerkveranstaltungen sind exklusiv für unsere aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzipiert, finden zwei Mal pro Runde statt und dienen vor allem dem Austausch der Teilnehmenden untereinander. Dabei werden Fragen diskutiert, die zum einen die Technik betreffen, etwa: Wie gehe ich mit Bildern um? Kann wirklich nur eine Bilddatei pro Kapitel eingefügt werden? Wie lege ich ein Vorwort an? Und was genau ist bei der Edition Unik eigentlich ein «Klappentext»?

Die Bücher der Edition Unik (Foto: Joëlle Kost)

Die Bücher der Edition Unik (Foto: Joëlle Kost)

Zum anderen geht es um inhaltliche Fragen und den persönlichen Erfahrungsaustausch. So erzählt Suzanne Schrade etwa, dass sie keine umfassende Biographie geschrieben, sondern sich vielmehr auf einzelne Episoden konzentriert habe. Ähnlich wie bei der Journalistin und Edition Unik Beirätin Klara Obermüller ist dabei eine Aneinanderreihung von Ereignissen entstanden, die für Schrades Werdegang bedeutend sind.

Sie erzählt auch, wie sie das Schreiben selbst erlebt hat und wie sie dabei vorgegangen ist. Zum Beispiel hatte sie sich entschieden, jene Personen, die im Buch beschrieben werden, gar nicht erst um Erlaubnis zu fragen. Suzanne Schrade betont aber auch, dass sie nie im Hinblick auf eine grössere Öffentlichkeit geschrieben, sondern dass sie stets daran gedacht habe, das Buch ihren Liebsten als «Erinnerung a min 80igschte» zu schenken. Ist es geplant, das Buch später zu publizieren, so müsse man wohl anders vorgehen.

Wichtiger Helfer: das Handbuch (Foto: Joëlle Kost)

Wichtiger Helfer: das Handbuch (Foto: Joëlle Kost)

Auch lobt Suzanne Schrade die drei Phasen und fühlte sich mit dem Schreibprogramm Edition Unik App wohl, die eben diesen Prozess abbildet. Sie schätzte auch die Möglichkeit, Bilder einzufügen, verweist aber gleichzeitig darauf, dass die Bücher, die in der Edition Unik entstünden, nun mal keine Bilderbücher seien, sondern auf den Text fokussierten. Besonders hilfreich sei für sie schliesslich das Handbuch gewesen, allerdings habe sie eine Weile gebraucht, bis sie dies erkannte. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: «Ich nehme an, Sie wissen, wovon ich rede, wenn ich sage, dass ich das Handbuch erst spät als wertvollen Begleiter erkannte.»


Antworten auf die Fragen aus der Einführung oben

  • Wie gehe ich mit Bildern um?
    Bildmaterial kann in die Edition Unik grundsätzlich eingebracht werden, dies ist aber mit Einschränkungen verbunden: Die Bilder werden alle schwarzweiss gedruckt und es gibt keine Möglichkeit, die Bilder in der Edition Unik App zu bearbeiten, da das Layout automatisiert ist.

  • Kann wirklich nur eine Bilddatei pro Kapitel eingefügt werden?
    Ja. In der Edition Unik entstehen Bücher, die den Fokus auf den Text legen und nicht auf die Bilder.

  • Wie lege ich ein Vorwort an?
    Ein Vor- und/oder Nachwort lässt sich ganz einfach anlegen, und zwar wie ein Kapitel. Es gibt keinen dafür vorgesehenen Platz.

  • Und was genau ist bei der Edition Unik eigentlich ein «Klappentext»?
    Der Klappentext ist in der Edition Unik jener Text, der hinten aussen auf dem Buch erscheint. Anders als beim Vorwort gibt es hier einen vorgeschriebenen Platz und damit verbunden auch eine entsprechende Eingabemöglichkeit in der App. Das Erstellen eines Klappentextes ist optional.

Weitere Antworten finden Sie in der Rubrik Fragen.


Klara Obermüller: Gast der Edition Unik

Die Journalistin und Autorin Klara Obermüller war Gast an der Netzwerkveranstaltung der Edition Unik. Es haben sich rund 40 Teilnehmende der Herbstrunde 2017 eingefunden, um sich untereinander und mit Klara Obermüller über das Schreiben auszutauschen.

«Den Prozess des Erinnerns und Aufschreibens habe ich als geistiges Abenteuer erlebt: faszinierend und erhellend zugleich – für mich. Und für andere?» Klara Obermüller steigt mit einem Auszug aus der Einleitung zu ihrem Buch Spurensuche – Lebensrückblick in zwölf Bildern in den Nachmittag ein und erzählt, was sie zum Schreiben des Buches bewegt hat.

Ein Auslöser sei der Umzug gewesen, «ein Umzug vom Grossen ins Kleine.» Das Aufräumen und Reinemachen habe sie dazu angehalten, innezuhalten und zurückzublicken. Manchen Teilnehmenden der Edition Unik mag es mit der Herangehensweise ähnlich gehen; was aber gewiss die meisten von ihnen beschäftigt, ist die Frage nach dem Umgang mit dem Zeitdruck: Eine Projektrunde der Edition Unik dauert jeweils 17 Wochen, dabei folgt sie einem dreistufigen Prozess.

Die Kapitel haben das Schreiben erleichtert, weil so ein Kapitel immer mal fertig ist.
— Klara Obermüller

Vom Umgang mit dem Zeitdruck

Klara Obermüller gibt sich überzeugt, dass auch sie ihre Zwölf Bilder in diesen 17 Wochen hätte schreiben können. Sie sei allerdings immer wieder durch laufende Aufträge unterbrochen worden. Beim Schreiben aber ist es wichtig, in den «Flow» zu kommen, das bestätigen Schreibende immer wieder. Klara Obermüller führt zudem aus, dass ihr das Arbeiten in den «Bildern», also den zwölf Kapiteln ihres Buches, geholfen habe. So sei immer mal wieder ein Kapitel fertig geworden.

Es kann sich also durchaus lohnen, das eigene Schreibprojekt zu hinterfragen und allenfalls in Teilprojekte zu unterteilen. In vergangenen Runden der Edition Unik haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ähnliche Erfahrungen gemacht, einige von ihnen schreiben nun ihr zweites oder drittes Buch in der Edition Unik – ein tolle Erfahrung für die Schreibenden und ein wunderbares Lob für das Schreibprojekt!

Vom Umgang mit lebenden Personen

Eine Frage, die viele Teilnehmer/innen der Edition Unik umtreibt, hat auch Klara Obermüller beschäftigt: Wie geht man mit heiklen Schilderungen lebender Personen um? Klara Obermüller rät hier zu einem offenen Umgang mit den Texten und erzählt, dass sie entsprechende Stellen den betroffenen Personen zur Prüfung gegeben habe. Nur so habe sie – auch für sich selbst – sicher sein können, dass die Publikation kein Problem sein würde.

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Es gibt keine universell gültigen Richtlinien für den Umgang mit heiklen Inhalten, leider. Aber es gibt so etwas wie eine Faustregel: Je schwerwiegender der Vorwurf, desto grösser ist das Risiko potentieller Konsequenzen für die Schreibenden. Es empfiehlt sich, die eigenen Texte einer kritischen Prüfung zu unterziehen, etwa indem sie guten Freunden vorgelegt werden. Klara Obermüller ist denn auch der Meinung: «Gute Freunde sind kritische Freunde.»

Von der richtigen Sprache

Wie blumig, wie nüchtern, wie detailliert, wie reduziert ein Text geschrieben sein soll, hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Etwa davon, wie und wo er erscheint, welchen Zweck er erfüllt und – nicht zuletzt – davon, was den Schreibenden gefällt. Klara Obermüller rät etwa, auf schmückende Beiwörter nach Möglichkeit zu verzichten, möchte sie aber keineswegs verbieten. Denn sobald sie dem Text Mehrwert verleihen, so sind diese Wörter mehr als schmückendes Beigemüse, sie sind dann Stilmittel und informative Bereicherung.

Vom Finden des Titels und anderen Buchdetails

Klara Obermüller erzählt weiter, dass ihr Titel Spurensuche ein Glücksfall gewesen sei, denn er sei schon von Anfang an da gewesen. Aus ihrer Praxis wisse sie aber, dass derlei Details meist ganz am Schluss gesucht und gefunden würden. Gerade die Wahl eines Titels sei selten einfach und erfordere oft mehrere Schritte und Überarbeitungen. Begonnen hat Klara Obermüller übrigens mit dem Schreiben der Kapitel und nicht etwa mit der Einleitung, die sei erst ganz zum Schluss ihres Buches entstanden.

Vom öffentlichen Interesse

Wann ihr der Gedanke an die Veröffentlichung ihrer Spurensuche gekommen sei und wie man überhaupt wissen könne, wer sich für den eigenen Text interessiere, wird Klara Obermüller abschliessend gefragt. Sie erzählt, dass eine Veröffentlichung des Manuskripts eigentlich erst dann zum Thema geworden sei, als mehrere Freunde darauf hinwiesen, dass ihre Spurensuche spannend, interessant und auch relevant sei.

Klara Obermüller betont, dass das Schreiben wichtiger gewesen sei als die Veröffentlichung. Denn beim Schreiben habe sie gespürt, wie « die Dinge ins Lot kamen», während sie das «geistige Abenteuer des Erinnerns und Aufschreibens» unternahm.

 

Buchdetails
Titel: Spurensuche – Ein Lebensrückblick in zwölf Bildern
Autorin: Klara Obermüller
ISBN: 978-3-905795-42-4
Herausgeber: Xanthippe
Jahr: 2016