Lesung

Buhl

Ein Fragment von Monique Demierre-Herscher, sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Buhl war in den 1950-er Jahren ein 2000-Seelen-Dorf unterhalb der Vogesen mit dem Markstein und dem Grand Ballon (Grosser Belchen) im Hintergrund, das im Florival – das Blumental - liegt; es wird erstmals 1135 schriftlich unter dem Namen Buhele erwähnt. Das Dorf ist eingebettet zwischen Tannen- und Laubwäldern auf zwei Seiten und dem Rebberg; damals nahm ich die Schönheit dieser grossartigen Forste nicht als Solches war, zu sehr lastete der beschwerliche Alltag auf mir, und erst jetzt, aus der Entfernung, sehe ich vor dem inneren Auge die Einzigartigkeit dieser lieblichen Landschaft, der stillen Tälern und blumigen Wiesen. Aber auch der Col du Silberloch und der Hartmannswillerkopf mit den unendlich vielen Toten aus dem Ersten Weltkrieg liegen ganz in der Nähe und warfen ihre düsteren Schatten auf unseren Alltag. Der Fluss Lauch fliesst mitten durch das Dorf und führt das Wasser aus den Bergen in den Rhein; er soll seinen Namen von den Begebenheiten erhalten haben, als immer wieder mit Lauch überfüllte kleine Kähne gekippt seien und so das Gemüse in den Fluss gefallen sei. Zwei andere schmale Bäche fliessen in die Lauch, der Murbach und der Krebsbach; am Murbach entlang – er kommt aus eben dieser kleinen Ortschaft hinter Buhl, wo vor über 1300 Jahren Schottische Benediktinermönche ein Kloster gebaut haben, das immer noch steht - gab es wunderbare Feuchtwiesen; dort pflückten ich und meine Schwestern im Frühling prächtige Blumensträusse mit Primeln, Veilchen und Wiesenschaumkraut – von meiner Mutter mit einem was söll ych jetzt mit däm Bäse? empfangen. Der Taleingang wurde bis vor ein paar hundert Jahren durch eine Burg geschützt, den Hugstein; davon bleibt heute nur noch eine Ruine übrig, zu welcher ich mit meinem Vater des Öfteren spaziert bin.

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

In den frühen 50-er Jahren gab es nebst dem Busbetrieb das Tal hinauf und hinunter auch eine Eisenbahn und einen bedienten Bahnhof; wir wohnten ganz in seiner Nähe, nämlich in der rue de la gare. Der Zug, der bereits lange vor seiner Ankunft hörbar war, bestand aus der Dampflokomotive und ein paar Wagen mit Holzbänken für die Drittklasspassagiere und wohl auch einen Erstklass- und einen Zweitklasswagen, und fuhr von Bollwiller bis zuhinterst ins Tal nach Lautenbach. Zu dieser Zeit hatte das Dorf drei Bäckereien, eine Metzgerei, eine Apotheke, ein Haushaltswarengeschäft - la quincaillerie -, einen Fischladen, eine Gärtnerei und mehrere épiceries - Lebensmittelläden. Die Schulen waren getrennt in Mädchen- und Knabenschule. Die Kirche St. Jean mit einem schönen Altarbild aus der Zeit von Martin Schongauer (1442 - 14991) thronte und thront noch immer auf einem kleinen Hügel, auf welchem ich mit meinem Vater, als ich noch klein war, im Winter ab und zu schlitteln ging. Daneben liegt der Friedhof, wo meine Ahnen sowie mein Vater begraben sind. Und in Buhl wurden auch mindestens drei oder vier Wirtshäuser betrieben - vielleicht waren es auch mehr -, die mein Vater regelmässig besuchte. Ich erinnere mich ans café de la vigne ganz in der Nähe unseres Hauses; Nicole, die Tochter des Besitzers, ging mit mir in die Primarschule und zusammen beschritten wir oftmals den Schulweg; ich wohnte am weitesten entfernt von der Schule, in einem feuchten, baufälligen Haus am Ende des Natursträsschen, auf welchem die grossen Lastwagen mit Anhänger die gefällten Bäume zur Sägerei fuhren. In diese Wirtshäuser nahm mich mein Vater mit, als ich noch klein war; meistens erhielt ich einen sirop grenadine oder sirop à la menthe, ein dunkelgrünes, sehr süsses und eiskaltes Getränk. Es roch in diesen Wirtshäusern unglaublich stark nach Rauch und nach selten gereinigtem Pissoir. Später, als ich nicht mehr in der Gunst meines Vaters stand, ging er ohne mich dorthin und konnte somit umso später nach Hause zurückkehren; vielleicht sollte ich es als ein Glück bezeichnen, dass meine Mutter mir nie auftrug, ihn von dort nach Hause zu holen; wir waren ja froh, wenn er nicht anwesend war.


Café im Erkerzimmer

An einem Samstagnachmittag im Frühjahr fand in gemütlicher Runde das erste Edition Unik Café 2019 im Karl der Grosse statt.

Text und Bild: Silvana Huwiler (Karl der Grosse)

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Isabelle Zenhäusern las gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrem autobiografisch geschriebenen Buch vor. Sie nimmt die Zuhörer/innen mit nach Montreux, wo sie damals eine Schreibblockade erlebt hat und mysteriöse Ereignisse im Villenquartier erforschte.

Marianne Schwab las gemeinsam mit ihrer Tochter aus ihrem Buch widen your world vor, in dem sie von ihrer zehnmonatigen Marokkoreise vor vielen Jahren berichtet. Die Abenteuer der jungen Frau sind sprühen vor Lebenslust und sind mit Heiterkeit gespickt. 

Moderiert wurde das Café von der Schriftstellerin Tabea Steiner. In Gesprächen hat sie die beiden Autorinnen dem Publikum noch näher gebracht.


Vorlesetag: «Première und Dernière»

Am 22. Mai wurde (vor-)gelesen, und zwar schweizweit im Rahmen des Vorlesetags. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik haben mit dem Jungen Schauspielhaus Zürich eine Vorlesereihe erarbeitet und in verschiedenen Lesungen aus ihren persönlichen Büchern vorgelesen.

Muss ich reisen, um schreiben zu können?
— Claudia Kümin, Ehemalige der Edition Unik

Die Lesungen im Jungen Schauspielhaus seien Première und Dernière zugleich, sagte Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, zu Beginn der Veranstaltungen.

«Eine Première deshalb, weil sie in dieser Form noch nicht stattgefunden haben; eine Dernière deshalb, weil sie – mindestens – in diesem Bühnenbild nicht nochmal stattfinden werden.» So ist etwa im Foyer vom Schiffbau ein Bühnenbild für ein neues Stück bereits aufgebaut, das nach der Spielzeit wieder abgebaut wird.

Insgesamt fanden sechs Lesungen mit 19 Autorinnen und Autoren der Edition Unik statt. Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, und Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, haben die Veranstaltungen moderiert; die Namen der Alumni, die teilgenommen haben, können im Flyer nachgelesen werden.

Das Interview aus der Vorbereitung mit Petra Fischer lesen Sie hier: Vorfreude auf den Vorlesetag


Vorlesetag verpasst?
Schade! Aber seien Sie unbesorgt, es finden weitere öffentliche Lesungen statt! Konsultieren Sie unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter und bleiben Sie informiert!

Beiträge von aktiven und ehemaligen Teilnehmer/innen und unseren Partner/innen finden Sie im Journal:
Fragmente & Auszüge
Erlebnisberichte

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.


Milde Temperaturen, berührende Lesungen

Lebensgeschichten lesen: Das erste Edition Unik Café 2019 fand im Berner Generationenhaus statt.

Am 28. Februar 2019 fand im Berner Generationenhaus das erste Edition Unik Café 2019 statt. Es bot dem wärmsten jemals in der Schweiz gemessenen Februar einen passenden Abschluss. Draussen waren die Temperaturen mild, drinnen war es in der Cafébar dank über 40 anwesenden Personen wohlig-warm, und im Scheinwerferlicht kamen die Lesenden auf der Bühne beinah ins Schwitzen. Oder lag das doch eher am emotionalen Inhalt der Geschichten?

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Auf der Bühne nahm zunächst die Edition Unik Autorin Verena Raaflaub Platz, gemeinsam mit Sohn Christian und Enkel Noah. Nacheinander lasen sie Portraits von Familienmitgliedern, die Verena aus ihrer eigenen Sicht als junges Mädchen zu Papier gebracht hatte. Eine besondere Rolle spielten dabei sehr unterhaltende Episoden über die Geburten ihrer jüngeren Geschwister.

Rebekka Rossmann, die alleine las, aber ihre Tochter dabei hatte, spannte in ihren Lesungen und Erzählungen den Bogen von ihrer schweren Kindheit in einem sektenähnlichen Umfeld über ihre eigene Befreiung bis zu ihrer heutigen Lebensfreude als Mutter. Neben Erzählungen hat sie ihre Sicht der Dinge auch in Gedichten vorgetragen, die das Publikum sehr berührten.

Die dritte Leserin war Dagmar Agéthen, die in ihrem Buch lustige wie schwere Erinnerungen zu kurzen Episoden verarbeitet hatte, sich in der Lesung aber auf die lustigen konzentrierte. Sie las zwei Kurzgeschichten vor, zeigte sogar auch Fotos dazu und brachte die Veranstaltung zu einem fröhlich-gelassenen Abschluss.

Moderiert wurde das Café von Vera Mosimann vom Berner Generationenhaus.


Café verpasst?
Weitere Edition Unik Cafés und andere Veranstaltungen finden Sie in unserem
Veranstaltungskalender; schauen Sie von Zeit zu Zeit rein, er wird regelmässig aktualisiert.


Ankündigung: Edition Unik Café in Winterthur

Über das eigene Leben schreiben und vom Erleben dabei erzählen.

Kommenden Samstag sind Arlette Yildiz und Peter Zollinger in der Alten Kaserne, Winterthur, zu Gast und lesen aus ihren ganz persönlichen Büchern vor. Sie beide haben in 17 Wochen ein Buch mit ihren Erinnerungen verfasst.

Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich von den berührenden Geschichten inspirieren! Weitere Cafés und Lesungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Übrigens
Arlette Yildiz hat im Oktober 2018 mit dem «Kultur-Tipp» über das Schreiben ihres Buches gesprochen.


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Selber schreiben?
Und wenn Sie Lust haben, gleich selbst ein Buch zu schreiben – kein Problem! Für die Zürcher und auch für die Basler Herbstrunde der Edition Unik ist die Anmeldung geöffnet.