Lesung

Ankündigung: Edition Unik Café in Winterthur

Edition Unik Café: Über das eigene Leben schreiben und vom Erleben erzählen.

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Kommenden Samstag sind Monique Demierre-Herscher und Percy Usleber in der Alten Kaserne, Winterthur, zu Gast und lesen aus ihren ganz persönlichen Büchern vor. Sie beide haben in 17 Wochen ein Buch mit ihren Erinnerungen verfasst.

Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich von den berührenden Geschichten inspirieren! Weitere Cafés und Lesungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

«Sneak Preview»
Monique Demierre-Herscher hat uns ihren Beitrag «Buhl» fürs Journal zur Verfügung gestellt.


Selber schreiben? Neu auch in Bern!
Wenn Sie Lust haben, gleich selbst ein Buch zu schreiben – kein Problem! Die
Anmeldung für die Frühjahrsrunden 2020 ist geöffnet. Neben Basel und Zürich führen wir im Frühling 2020 auch eine Runde in Bern durch. Alle Runden beginnen in der Kalenderwoche 2.


Der Schweigedämon

Ein Auszug von Peter Woodtli. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

 

Eines Tages
Eines Tages wenn ich alt bin 
werde ich an all die Geschichten denken 
die ich hätte erzählen können 
und vielleicht all diejenigen vermissen 
welche die Geschichten nie gehört haben.

Etwas ganz Besonderes: Das eigene Buch (Foto: zvg.)

Etwas ganz Besonderes: Das eigene Buch (Foto: zvg.)

Erich grübelt 
Erich stellt das Buch mit dem blaugrauen Umschlag zurück ins Regal. Er kommt ins Grübeln, während er sein eigenes Leben Revue passieren lässt. Im fortgeschrittenen Alter, wenn der Zauber des Leichtsinns und der Unvernunft verflogen, die Grundfunktionen wie Atem, Puls und Verdauung noch im grünen Bereich sind, das Denkvermögen, soweit er das beurteilen kann, intakt ist, wenn ihn der Antrieb noch jeden Morgen, ohne lange zu zögern, aufstehen lässt, kommt ihm sein Leben ziemlich luxuriös vor. So luxuriös, dass er es sich leisten kann, über das nachzudenken, was er gegen aussen als vornehme Zurückhaltung bezeichnet. Im stillen Kämmerlein jedoch gesteht er sich ein, dass sich über das, was ihn wirklich bewegt, eine Schicht des Schweigens gelegt hat, auf der vielleicht schon ein wenig Gras gewachsen ist. Die Geheimnisse von gestern sind die Tabus von heute und liebgewonnene Gewohnheiten von morgen, sinniert er. Und das tägliche Stück Ratlosigkeit muss man auch ihm zugestehen. Er weiss nicht, ob er sich für diesen Zustand bewusst entschieden hat oder ob es sich einfach so ergeben hat. So oder so, die Welt gehört nicht mehr ihm, aber er gehört noch zu ihr. Das Leben spielt nicht mehr nach seinen Regeln, eher umgekehrt. Wenn er die Möglichkeit hätte, eine neue Regel einzuführen, dann wäre es diese:

«Jeder Mensch muss sich selber täglich drei Fragen stellen, auf die er nicht zwingend eine Antwort finden muss. Aber jede Frage darf nur einmal gestellt werden.»

 

Eines Tages
Eines Tages wenn ich alt bin 
nicht fort von hier 
nur unterwegs zu etwas 
das niemand kennt 
das ist der Augenblick 
das Schweigen zu beenden 
und die Geschichten 
zu erzählen.


Das Schweigen selber brechen?
Unbedingt! Die Anmeldung für die beiden Herbstrunden 2019 ist auch noch kurzfristig möglich; auch jene für die Frühjahresrunde 2020 ist geöffnet.


Tante Emmas Wanduhr

Ein Auszug von Katharina Gerber. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Tante Emma war wirklich eine Grosstante von mir und hat nichts mit dem Tante Emma-Laden zu tun. Sie war eine Schwester meines Grossvaters mütterlicherseits und im Gegensatz zum Grossvater hatte ich zu ihr eine warme Herzens- Verbindung. Sie war Diakonissin und schon betagt, als ich ein junges Mädchen war. Neulich begegnete mir ein Brief, den sie mir damals ins Welschland, nach Neuchâtel, geschrieben hatte. Dieser Brief zeugt von so viel Zärtlichkeit, Verständnis und Anteilnahme für mich und mein junges Alter. Ich war total erstaunt und gerührt, weil mir diese Gefühle und diese Art Zuwendung von ihr, gar nicht mehr bewusst waren. Ich fühlte mich damals, gerade auch vom nahen Umfeld, eher unverstanden... begründen will ich dies jetzt nicht, es ist ein Gefühl, das beim Gedanken an diese Zeit aufkommt und auch in meinen Tagebüchern vielfältig auftaucht. 

«Das Ticken stört heute nicht mehr.» (Foto: zvg.)

«Das Ticken stört heute nicht mehr.» (Foto: zvg.)

Tante Emma hoffte inniglich, dass ich, wenn nicht gerade Diakonissin, so doch einen Pflegeberuf ergreifen würde. Ich war aber heilfroh, dass der Gedanke in Riehen, dem Diakonissenhaus, das Haushaltlehrjahr oder gar die Schwesternausbildung zu absolvieren, nie ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Ich hatte ja noch eine andere Grosstante, die Rotkreuzschwester war. DAS war für mich nicht nur eine Option, sondern ein erstrebenswertes Ziel, obwohl ich gar nie richtig wissen wollte, was eigentlich die Aufgabe einer Krankenschwester sein würde! Ich wollte einfach Krankenschwester werden, wie Tante Martha, die andere Grosstante! 

Meine Mutter besuchte Tante Emma regelmässig mindestens alle Monate, vielleicht gar häufiger in ihrem Stübchen im Neuen Heim des Diakonissenhauses in Riehen. Das Neue Heim war der Ort, wo sich die Diakonissinnen nach ihrer aktiven Berufszeit zurückziehen durften, wenn sie das wünschten. Tante Emma lebte erst dort, als sie gehbehindert und krank geworden war. Ich habe diese Wohnsituation in eigenartig positiver Erinnerung. Meine alte Tante war eingebettet in eine sich kümmernde, liebevolle Gemeinschaft älterer Schwestern. Es kam vor, dass meine Mutter und ich zum Zvieri oder Znacht eingeladen wurden und am Gemeinschaftstisch mitessen durften. Eigentlich machte ich die Besuche lieber allein, weil dann die Zuwendung von Tante Emma nur mir galt. Das kommt mir jetzt wieder in den Sinn und ist sehr präsent. 

Als junge Krankenschwester machte ich eine nächtliche Sitzwache am Bett von Tante Emma, als sie im Sterben lag. Da war diese kleine Wanduhr, die in der stillen Kammer deutlich und bestimmt tickte. Ich hielt das Pendel an, weil es mich störte. Meine Mutter brachte mir dann aus dem Nachlass von Tante Emma diese Wanduhr mit. Ich war gerührt und beglückt, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Sie tickt jetzt bei mir in meinem Wohnzimmer weiter. Seit ich pensioniert bin, stört mich ihr Ticken nicht mehr. Ohne das Pendel hoch zu ziehen, läuft sie keine 24 Stunden. Also gibt es kein tägliches Ritual, sie aufzuziehen, sondern im Vorübergehen erinnert sie mich daran, dass sie aufgezogen werden möchte. Sie ist eine schöne Erinnerung an diese liebe alte Grosstante Emma!


Selber schreiben?
Haben Sie auch eine Tante Emma, an die Sie sich schreibend erinnern möchten? So
melden Sie sich an und schreiben Sie Ihr Buch. In nur 17 Wochen!

Antworten auf Ihre Fragen finden Sie in unserer Rubrik «Fragen» oder indem Sie uns kontaktieren. Melden Sie sich unkompliziert und unverbindlich, wir freuen uns auf Sie.


Buhl

Ein Fragment von Monique Demierre-Herscher, sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Buhl war in den 1950-er Jahren ein 2000-Seelen-Dorf unterhalb der Vogesen mit dem Markstein und dem Grand Ballon (Grosser Belchen) im Hintergrund, das im Florival – das Blumental - liegt; es wird erstmals 1135 schriftlich unter dem Namen Buhele erwähnt. Das Dorf ist eingebettet zwischen Tannen- und Laubwäldern auf zwei Seiten und dem Rebberg; damals nahm ich die Schönheit dieser grossartigen Forste nicht als Solches war, zu sehr lastete der beschwerliche Alltag auf mir, und erst jetzt, aus der Entfernung, sehe ich vor dem inneren Auge die Einzigartigkeit dieser lieblichen Landschaft, der stillen Tälern und blumigen Wiesen. Aber auch der Col du Silberloch und der Hartmannswillerkopf mit den unendlich vielen Toten aus dem Ersten Weltkrieg liegen ganz in der Nähe und warfen ihre düsteren Schatten auf unseren Alltag. Der Fluss Lauch fliesst mitten durch das Dorf und führt das Wasser aus den Bergen in den Rhein; er soll seinen Namen von den Begebenheiten erhalten haben, als immer wieder mit Lauch überfüllte kleine Kähne gekippt seien und so das Gemüse in den Fluss gefallen sei. Zwei andere schmale Bäche fliessen in die Lauch, der Murbach und der Krebsbach; am Murbach entlang – er kommt aus eben dieser kleinen Ortschaft hinter Buhl, wo vor über 1300 Jahren Schottische Benediktinermönche ein Kloster gebaut haben, das immer noch steht - gab es wunderbare Feuchtwiesen; dort pflückten ich und meine Schwestern im Frühling prächtige Blumensträusse mit Primeln, Veilchen und Wiesenschaumkraut – von meiner Mutter mit einem was söll ych jetzt mit däm Bäse? empfangen. Der Taleingang wurde bis vor ein paar hundert Jahren durch eine Burg geschützt, den Hugstein; davon bleibt heute nur noch eine Ruine übrig, zu welcher ich mit meinem Vater des Öfteren spaziert bin.

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

In den frühen 50-er Jahren gab es nebst dem Busbetrieb das Tal hinauf und hinunter auch eine Eisenbahn und einen bedienten Bahnhof; wir wohnten ganz in seiner Nähe, nämlich in der rue de la gare. Der Zug, der bereits lange vor seiner Ankunft hörbar war, bestand aus der Dampflokomotive und ein paar Wagen mit Holzbänken für die Drittklasspassagiere und wohl auch einen Erstklass- und einen Zweitklasswagen, und fuhr von Bollwiller bis zuhinterst ins Tal nach Lautenbach. Zu dieser Zeit hatte das Dorf drei Bäckereien, eine Metzgerei, eine Apotheke, ein Haushaltswarengeschäft - la quincaillerie -, einen Fischladen, eine Gärtnerei und mehrere épiceries - Lebensmittelläden. Die Schulen waren getrennt in Mädchen- und Knabenschule. Die Kirche St. Jean mit einem schönen Altarbild aus der Zeit von Martin Schongauer (1442 - 14991) thronte und thront noch immer auf einem kleinen Hügel, auf welchem ich mit meinem Vater, als ich noch klein war, im Winter ab und zu schlitteln ging. Daneben liegt der Friedhof, wo meine Ahnen sowie mein Vater begraben sind. Und in Buhl wurden auch mindestens drei oder vier Wirtshäuser betrieben - vielleicht waren es auch mehr -, die mein Vater regelmässig besuchte. Ich erinnere mich ans café de la vigne ganz in der Nähe unseres Hauses; Nicole, die Tochter des Besitzers, ging mit mir in die Primarschule und zusammen beschritten wir oftmals den Schulweg; ich wohnte am weitesten entfernt von der Schule, in einem feuchten, baufälligen Haus am Ende des Natursträsschen, auf welchem die grossen Lastwagen mit Anhänger die gefällten Bäume zur Sägerei fuhren. In diese Wirtshäuser nahm mich mein Vater mit, als ich noch klein war; meistens erhielt ich einen sirop grenadine oder sirop à la menthe, ein dunkelgrünes, sehr süsses und eiskaltes Getränk. Es roch in diesen Wirtshäusern unglaublich stark nach Rauch und nach selten gereinigtem Pissoir. Später, als ich nicht mehr in der Gunst meines Vaters stand, ging er ohne mich dorthin und konnte somit umso später nach Hause zurückkehren; vielleicht sollte ich es als ein Glück bezeichnen, dass meine Mutter mir nie auftrug, ihn von dort nach Hause zu holen; wir waren ja froh, wenn er nicht anwesend war.


Café im Erkerzimmer

An einem Samstagnachmittag im Frühjahr fand in gemütlicher Runde das erste Edition Unik Café 2019 im Karl der Grosse statt.

Text und Bild: Silvana Huwiler (Karl der Grosse)

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Isabelle Zenhäusern las gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrem autobiografisch geschriebenen Buch vor. Sie nimmt die Zuhörer/innen mit nach Montreux, wo sie damals eine Schreibblockade erlebt hat und mysteriöse Ereignisse im Villenquartier erforschte.

Marianne Schwab las gemeinsam mit ihrer Tochter aus ihrem Buch widen your world vor, in dem sie von ihrer zehnmonatigen Marokkoreise vor vielen Jahren berichtet. Die Abenteuer der jungen Frau sind sprühen vor Lebenslust und sind mit Heiterkeit gespickt. 

Moderiert wurde das Café von der Schriftstellerin Tabea Steiner. In Gesprächen hat sie die beiden Autorinnen dem Publikum noch näher gebracht.


Vorlesetag: «Première und Dernière»

Am 22. Mai wurde (vor-)gelesen, und zwar schweizweit im Rahmen des Vorlesetags. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik haben mit dem Jungen Schauspielhaus Zürich eine Vorlesereihe erarbeitet und in verschiedenen Lesungen aus ihren persönlichen Büchern vorgelesen.

Muss ich reisen, um schreiben zu können?
— Claudia Kümin, Ehemalige der Edition Unik

Die Lesungen im Jungen Schauspielhaus seien Première und Dernière zugleich, sagte Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, zu Beginn der Veranstaltungen.

«Eine Première deshalb, weil sie in dieser Form noch nicht stattgefunden haben; eine Dernière deshalb, weil sie – mindestens – in diesem Bühnenbild nicht nochmal stattfinden werden.» So ist etwa im Foyer vom Schiffbau ein Bühnenbild für ein neues Stück bereits aufgebaut, das nach der Spielzeit wieder abgebaut wird.

Insgesamt fanden sechs Lesungen mit 19 Autorinnen und Autoren der Edition Unik statt. Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, und Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, haben die Veranstaltungen moderiert; die Namen der Alumni, die teilgenommen haben, können im Flyer nachgelesen werden.

Das Interview aus der Vorbereitung mit Petra Fischer lesen Sie hier: Vorfreude auf den Vorlesetag


Vorlesetag verpasst?
Schade! Aber seien Sie unbesorgt, es finden weitere öffentliche Lesungen statt! Konsultieren Sie unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter und bleiben Sie informiert!

Beiträge von aktiven und ehemaligen Teilnehmer/innen und unseren Partner/innen finden Sie im Journal:
Fragmente & Auszüge
Erlebnisberichte

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.


Milde Temperaturen, berührende Lesungen

Lebensgeschichten lesen: Das erste Edition Unik Café 2019 fand im Berner Generationenhaus statt.

Am 28. Februar 2019 fand im Berner Generationenhaus das erste Edition Unik Café 2019 statt. Es bot dem wärmsten jemals in der Schweiz gemessenen Februar einen passenden Abschluss. Draussen waren die Temperaturen mild, drinnen war es in der Cafébar dank über 40 anwesenden Personen wohlig-warm, und im Scheinwerferlicht kamen die Lesenden auf der Bühne beinah ins Schwitzen. Oder lag das doch eher am emotionalen Inhalt der Geschichten?

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Auf der Bühne nahm zunächst die Edition Unik Autorin Verena Raaflaub Platz, gemeinsam mit Sohn Christian und Enkel Noah. Nacheinander lasen sie Portraits von Familienmitgliedern, die Verena aus ihrer eigenen Sicht als junges Mädchen zu Papier gebracht hatte. Eine besondere Rolle spielten dabei sehr unterhaltende Episoden über die Geburten ihrer jüngeren Geschwister.

Rebekka Rossmann, die alleine las, aber ihre Tochter dabei hatte, spannte in ihren Lesungen und Erzählungen den Bogen von ihrer schweren Kindheit in einem sektenähnlichen Umfeld über ihre eigene Befreiung bis zu ihrer heutigen Lebensfreude als Mutter. Neben Erzählungen hat sie ihre Sicht der Dinge auch in Gedichten vorgetragen, die das Publikum sehr berührten.

Die dritte Leserin war Dagmar Agéthen, die in ihrem Buch lustige wie schwere Erinnerungen zu kurzen Episoden verarbeitet hatte, sich in der Lesung aber auf die lustigen konzentrierte. Sie las zwei Kurzgeschichten vor, zeigte sogar auch Fotos dazu und brachte die Veranstaltung zu einem fröhlich-gelassenen Abschluss.

Moderiert wurde das Café von Vera Mosimann vom Berner Generationenhaus.


Café verpasst?
Weitere Edition Unik Cafés und andere Veranstaltungen finden Sie in unserem
Veranstaltungskalender; schauen Sie von Zeit zu Zeit rein, er wird regelmässig aktualisiert.


Ankündigung: Edition Unik Café in Winterthur

Über das eigene Leben schreiben und vom Erleben dabei erzählen.

Kommenden Samstag sind Arlette Yildiz und Peter Zollinger in der Alten Kaserne, Winterthur, zu Gast und lesen aus ihren ganz persönlichen Büchern vor. Sie beide haben in 17 Wochen ein Buch mit ihren Erinnerungen verfasst.

Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich von den berührenden Geschichten inspirieren! Weitere Cafés und Lesungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Übrigens
Arlette Yildiz hat im Oktober 2018 mit dem «Kultur-Tipp» über das Schreiben ihres Buches gesprochen.


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Selber schreiben?
Und wenn Sie Lust haben, gleich selbst ein Buch zu schreiben – kein Problem! Für die Zürcher und auch für die Basler Herbstrunde der Edition Unik ist die Anmeldung geöffnet.


Ankündigung: Matinée mit Lesung und Apéro

Beatrice Portmann lädt am 24. Februar in Oberwil (BL) zur Matinée mit Lesung und Apéro. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Text: Beatrice Portmann
Foto: Vera Hartmann

Das Herz singt leise
auf seine Weise
und nimmt uns mit
auf diese Reise
 
Teilnehmerin Beatrice Portmann bei der Lesung während der Abschlussveranstaltung.

Teilnehmerin Beatrice Portmann bei der Lesung während der Abschlussveranstaltung.

In einer Lesung geschieht mehr als nur die Vermittlung eines Inhaltes. Was über die Stimme, was zwischen den Worten, was zwischen mir und den Zuhörern entsteht, das ist mir das Wesentliche. Das ist meine Sehnsucht.

Details entnehmen Sie bitte dem Flyer. Weitere Veranstaltungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.


Selber lesen? Unbedingt!
Sie haben in der Edition Unik ein Buch geschrieben und möchten einer grösseren Öffentlichkeit daraus vorlesen? Gerne. Wir von der Edition Unik unterstützen Sie dabei mit Material und Erfahrungen. Nutzen Sie für eine Kontaktaufnahme unser
Onlineformular.


Viele Schubladen

Wussten Sie, dass man bei einer live Radiosendung Ringe und Uhren besser auszieht? Projektmitarbeiterin Janine Meyer hat das letzten Sonntag erfahren, und zwar als eine der beiden Frauen, die von Moderatorin Christine Kolb zum Gespräch geladen wurde.

Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Da war er plötzlich, dieser Raum mit ganzen Wänden voller Schubladen. Leeren Schubladen, die angeschrieben und gefüllt werden wollten. Und das hat Hanna Meister getan. Der Raum ist ihr Symbol für die Edition Unik App, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der 17 Projektwochen ihre Bücher schreiben. Doch von vorn:

Am ersten Advent war die Edition Unik zu Gast in der Talksendung «Seniorama» von Radio Stadtfilter. Christine Kolb hat die Sendung moderiert, ihre Gäste waren Hanna Meister, Autorin der Edition Unik, und Janine Meyer, Projektmitarbeiterin der Edition Unik. Eine Stunde lang haben sich die drei Frauen über die Erfahrung beim Schreiben und im Projekt ausgetauscht, wobei Hanna Meister eben den Vergleich mit dem Raum und den Schubladen anführte. Sie hat diese Schubladen in 17 Wochen mit ihren Erinnerungen gefüllt, daraus ist ihr Buch «Spurrillen» entstanden, aus dem sie in der Radiosendung auch vorliest. Reinhören lohnt sich!

Leistungen des Basispakets
Ein grosser Bestandteil der Leistungen unseres Schreibprojekts ist die «Edition Unik App», eine Schreibsoftware, die exklusiv für aktive Teilnehmende entwickelt wurde. Diese Software bildet den dreistufigen Prozess der Edition Unik ab und führt die Schreibenden so durch die Projektwochen. In der ersten Etappe «Erinnerungen Sammeln» geht es darum, die Erinnerungen und Gedanken fliessen zu lassen, erst in der zweiten Etappe «Geschichten Sortieren» sollen die Schreibenden das Augenmerk auf Dramaturgie und Struktur, aber auch auf Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung legen. Die letzte Etappe «Buch Gestalten» ist so etwas wie das «Finish»: Hier werden Titel und Autorenname gesetzt, die Farbe des Einbands ausgewählt usw.

Übrigens
Ringe und Uhren zieht man übrigens drum besser aus, weil man oft unbemerkt gestikuliert und dabei etwa die Tischplatte berühren könnte. Geschieht dies mit einem härteren Gegenstand, so ist ein Klacklaut zu hören, der durch das Mikrophon verstärkt würde und damit einen störenden Effekt hätte. Ähnlich verhält es sich mit Blätterrascheln oder auch mit dem Klicken eines Kugelschreibers.


Zwei Lesungen am Sonntag

Wir freuen uns sehr, Sie gleich auf zwei Lesungen aufmerksam machen zu dürfen, die von Ehemaligen aus der Edition Unik organisiert und durchgeführt werden. Beide finden statt am kommenden Sonntag, 25.11.18.

Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

In der Edition Unik sind wir stets darum bemüht, die Bücher und deren Inhalte auch einem grösseren Publikum bekannt und zugänglich zu machen. Wir ermutigen dazu auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Edition Unik – und so freuen wir uns, Ihnen heute gleich zwei Lesungen zu empfehlen. Beide sind auf Eigeninitiative der Ehemaligen entstanden, wofür wir uns herzlich bedanken!

Schriftbilder und Illustrationen
Romi Cash lädt am 25.11.18 im Kulturzentrum Eichen in Schänis zur Ausstellungsbesichtigung und zur Lesung. Die Illustrationen stammen ebenfalls von Romi Cash, gelesen wird von ihr selbst und von Judith Annen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.

1968 und danach
Bruno Glaus lädt ebenfalls am 25. November zur Lesung, und zwar ab 16.30 Uhr im Museum Zeitfalten in Uznach. Eine weitere Teilnehmerin der Edition Unik wird auch aus ihrem Buch vorlesen. Im Anschluss an die Lesung erwartet Sie am «Roundtable» eine unterhaltsame Diskussion mit zusätzlichen Gästen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.


Was ist eigentlich der Unterschied zwischen «Lesung» und «Café»?
Schon während des Pilotprojekts von 2015 haben wir vom Projektteam die Teilnehmenden zum (Vor-)Lesen ihrer Geschichten motiviert. Dabei ist uns eine grosse Resonanz entgegengeschlagen und so führen wir mit Partnern seit 2016 die Edition Unik Cafés durch. An vier Veranstaltungsorten finden pro Jahr je zwei öffentliche Cafés statt, an denen Teilnehmer/innen und Ehemalige aus ihren Büchern vorlesen. Diese Cafés führen wir gemeinsam mit den entsprechenden Veranstaltungspartnern durch.

Die Lesungen hingegen werden selbstständig und von uns unabhängig von Teilnehmenden und Ehemaligen organisiert und durchgeführt. Wir unterstützen die Organisierenden auf Anfrage mit Material und auch mit Aufrufen zur Lesersuche u.ä. Die Teilnehmenden sind vollkommen frei: Inhaltlich in ihren Büchern und natürlich auch im Umgang mit diesen Büchern und ihren Inhalten.


Zwei Generationen schreiben Geschichte

Ankündigung: Edith Leibundgut hat die Geschichte ihrer Nachbarin Olga aufgeschrieben und mithilfe der Edition Unik zum Buch gemacht. Am 20. Oktober liest sie in Bümpliz daraus vor, die Lesung ist öffentlich.

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Der zweite Weltkrieg hat auch die Frauen betroffen. Sie wurden eingezogen, um Kriegsarbeit in Fabriken, Lazaretten und auf dem Feld zu leisten. Olga ist eine heute 92 Jahre alte Frau, die im Krieg gross geworden ist, Dienst leistete und bei Kriegsende Dank einer Diplomatenfamilie den Weg in die Schweiz gefunden hat.

Olga hat mir an langen Abenden beim Teetrinken ihre Geschichte erzählt. Daraus und aus intensiver Recherche ist das Buch «Olga» entstanden, das Leben, Leid und Liebe der Frauen über fünf Generationen beleuchtet.

Sie sind herzlich eingeladen die Lesung anlässlich des Generationenfestes in der Quartierbibliothek Bümpliz am Samstag, 20. Oktober 2018 um 17 Uhr zu besuchen. Umrahmt wird die Lesung durch ein Querflötenquartett mit Musik von Tschaikowsky.


Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.

Spurrillen, alte Schachteln und Häuser am Weg

Erinnerungen sind flüchtig, so flüchtig, dass es sich lohnt, sie festzuhalten. Und manchmal lohnt sich, diese Erinnerungen zu teilen. Mit den Liebsten, aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit. So wie am ersten Edition Unik Café in der Alten Kaserne, Winterthur.

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Während unten eine Band den Soundcheck durchführt, sitzen rund 60 Gäste im Saal im zweiten OG der Alten Kaserne und lauschen den Erinnerungen von Hanna Meister und Susanna Müller-Pfister. Das heisst, Susanna hat nicht nur ihre eigenen Erinnerungen aufgeschrieben, sondern auch die ihrer Eltern. Aber dazu später. Durch den Abend führt Katja Kolitzus von der Alten Kaserne.

Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.

Hanna hat in der Edition Unik ihr Buch «Spurrillen» geschrieben, das vor ihrer Geburt beginnt und in ihren ersten Jahren als junge Mutter und Pfarrfrau endet. Sie liest unter anderem vor, wie sie sich als Kind die Zeit im Mehrfamilienhaus vertrieb: Hurtig huscht sie durch das Treppenhaus, hilft bei einer Frau putzen, bei einer anderen hört sie «Katzenmusik» und bei wieder einer anderen darf sie Globibücher anschauen. «Globi galt bei uns zu Hause als Schundliteratur», erklärt sie denn auch ihre Freude darüber. Ausserdem erzählt sie, dass damals tagsüber eigentlich nur Frauen die Türen geöffnet hätten: «Ich habe keine verheiratete Frau gekannt, die gearbeitet hätte.» Viele Berufe waren verheirateten Frauen lange Zeit untersagt, so gab es etwa keine Lehrerinnen oder Kindergärtnerinnen mit Ehemann.

Auch Susanna hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten. Es heisst «Die Häuser an meinem Weg» und erzählt von Ereignissen, die ihr Leben auf die eine oder andere Art berühren und beeinflussen, ohne dabei einer strengen Chronologie zu folgen. Ihre Ausgangspunkte sind Häuser. Häuser, die mehr sind als blosse vier Wände mit einem Dach. In Häusern stecken Geschichte und Geschichten. «Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.»

Das zweite Buch trägt den Titel «Eine alte Schachtel», viel Fleissarbeit steckt darin. Denn, die alte Schachtel ist nicht etwa eine Person, sondern es ist – eine alte Kartonkiste eben. In dieser Kiste hat Susanna neben Postkarten einen Briefwechsel ihrer Eltern gefunden, die als junges Liebespaar durch einen Amerikaaufenthalt für ein Jahr getrennt wurden. Ihr Vater erlaubte ihr, die Briefe abzutippen – und ist froh darüber, denn so gedruckt und gebunden könne er die Briefe viel besser lesen.


Schreiben auch Sie Ihr Buch! Die Anmeldung für die Runden 2019 ist geöffnet.

Weitere Edition Unik Cafés und Lesungen finden Sie im Veranstaltungskalender.


Eintauchen in fremde Welten

Gänsehaut, grosse Gefühle und geheime Genüsse: Das Schreibprojekt Edition Unik bringt immer wieder Schätze aus der Alltagskultur hervor. Ein Rückblick auf die Abschlussveranstaltung vom Pilotprojekt 2015.

Verfasst hat ihn Anita Schürch, die das Pilotprojekt wissenschaftlich betreut hat und heute Mentorin in der Edition Unik ist.

Ein letztes tiefes Einatmen, dann beginnt sie vorzulesen. Sofort bekommt die Szenerie Farbe, wir fühlen mit, wie die junge Frau zum ersten Mal ihrer leiblichen Mutter begegnet. Wir tauchen ein – in ihre Geschichte, in ihr Leben. Der kurze Textausschnitt berührt, nicht nur ich spüre Gänsehaut.

Ein kurzer Applaus, schon sitzt die nächste Autorin am Lesepult. Diesmal geht es auf die Alp, wir lernen Elsa, die störrische Leitkuh, kennen. Und freuen uns mit der Autorin, wie sie damals, Anfang der Achtzigerjahre, den Sennen neckte. Auch hier sind es geschriebene, nun vorgelesene Worte, die ans Herz gehen. In einer anderen Ecke des Raums wird Momente später ebenfalls applaudiert. Auch dort liest man aus druckfrischen Büchern vor.

Natürlich haben Sie es längst vermutet – ich erzähle von der Büchervernissage des Pilotprojekts der Edition Unik. Vom feierlichen Schlussanlass, an einem sommerlichen Freitag Ende Juni. 47 gedruckte Bücher warteten darauf, von stolzen Schreiberinnen und Schreibern im Empfang genommen zu werden.

Auch für uns von der wissenschaftlichen Begleitung wird es ein eindrücklicher Abend. Endlich findet das, worauf diese Gruppe schreibbegeisterter Menschen seit Monaten hingearbeitet hat, ein starkes Ende.

Ich bin froh, hier zu sein; die Personen nochmals zu erleben, die mir durch Veranstaltungen und Interviews vertraut geworden sind. Zwar war ich als Praktikantin und Studentin «bloss» Beobachterin; konnte Fragen stellen und Antworten auswerten. Aber gleichzeitig erhielt ich noch viel mehr: Enthusiasmus, Verzweiflung, das Ringen um Wort und Technik durfte ich ganz ohne wissenschaftliche Brille miterleben; einfach von Mensch zu Mensch.

Doppellesung mit erstklassigem Echo

Ein mehrstimmiger Erfahrungsbericht von Elisabeth Leu-Lehmann und Ueli Johner. Beide haben in der Edition Unik ihre Bücher geschrieben.

Der Bibliothekverein Kerzers hat Elisabeth Leu-Lehmann und Ueli Johner am 30. Januar 2018 zu einer Doppellesung eingeladen. Die Lesung fand im Kulturkeller Gerbestock in Kerzers statt. Zu Beginn haben die beiden die Edition Unik vorgestellt und darüber gesprochen, wie ein Buch in 17 Wochen entsteht. Sie haben abwechselnd vorgelesen: Ueli Johner hat seine Geschichten auf Berndeutsch vorgetragen, Elisabeth Leu in Schriftsprache. Die Zuhörer hingen förmlich an ihren Lippen. Die Zeit verging wie im Flug und nach der Lesung gab es viele gute Gespräche.

Die Verantwortliche vom Bibliothekverein: «Diese Doppellesung wird mir stets in guter Erinnerung bleiben! Der Kulturkeller Gerbestock war bis auf den letzten Platz besetzt! Am Nachmittag holten wir noch sämtliche Klappstühle von der Bibliothek. Von den Angemeldeten erschienen 74, dazu kamen 16 Unangemeldete und wir drei vom Vorstand. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Anlässe mit lokalen Persönlichkeiten sehr geschätzt werden. Das Echo war überaus positiv.»

Elisabeth Leu und Ueli Johner nach der Lesung im Kulturkeller Gerbestock (Bild: zvg.)

Elisabeth Leu und Ueli Johner nach der Lesung im Kulturkeller Gerbestock (Bild: zvg.)

Ueli Johner: «Für mich ist es jedes Mal eine grosse Freude, wenn ich Geschichten vorlesen darf. Dies ist in meinem Dorf, im geschichtsträchtigen Gerbestockkeller noch einmal etwas Spezielles. Ein grosser Teil der Zuhörer kam natürlich auch deshalb, weil wir zwei Protagonisten dieser Doppellesung dank unseres Politisierens auf der Gemeinde- und Kantonsebene bekannt sind. Aus meinem in Berndeutsch geschriebenen Buch las ich an diesem wunderschönen Anlass Geschichten vo Geschter u Hüt vor, die, vor allem beim Publikum gesetzteren Alters, eigene Erinnerungen und zum Teil auch Emotionen auslösten. Mein Vorgelesenes schlug die Anwesenden so in ihren Bann, dass man eine auf den Boden fallende Stecknadel hätte hören können.»

 

Elisabeth Leu-Lehmann: «Im Kulturkeller fühlte ich mich wohl, trotz der vielen bekannten Gesichter im Raum. Vor heimischem Publikum aus dem eigenen Buch vorzulesen war für mich neu. Lange habe ich mir überlegt was ich vorlesen soll. Es ist ja so spannend, die eigenen Erinnerungen und Geschichten auf einmal zwischen zwei Buchdeckeln in den Händen zu halten. Die meisten kennen mich als Politikerin und ehemalige Heimleiterin. Für mich war klar, ich lese aus den Erinnerungen an meine Wurzeln vor und bringe zwei weitere Geschichten, und zwar solche aus dem Alltag zum Lachen. Die Stille im Raum beim Lesen war beeindruckend. Eine Zuhörerin schreibt mir nach dem Anlass: Mit viel Liebe und Können hast du dein Buch vorgestellt und uns Zuhörer zum Schmunzeln gebracht.»

Von Care-Paketen, Walt Disney und einem Vater in Paris

Ein Erlebnisbericht vom Edition Unik Café im Kloster Dornach. 

Text: Barbara van der Meulen
Fotos: Frerk Froböse

Über freudige Kinderjahre in der Nachkriegszeit, ein prägendes Geheimnis aus Frankreich und eine fulminante Zeit in Los Angeles: Am ersten Edition Unik Café in der Klosterbibliothek Dornach vom 19. November 2017 haben drei Autorinnen der Edition Unik aus ihren Büchern vorgelesen.

Rund 70 Personen kamen an diesem Sonntag zur Matinée ins Kloster und lauschten gespannt den Lebensgeschichten. Familienangehörige und Freunde aber auch zahlreiche interessierte Gäste waren begeistert, dass die Autorinnen zum Teil auch sehr private Lebenserinnerungen mit dem Publikum geteilt haben. Bei einem offerierten Apéro am Ende der Veranstaltung wurden die nach den einzelnen Lesungen geführten Gespräche rege weitergeführt.

Romana Taeuber aus Arlesheim berichtete in der Perspektive ihrer ersten Kinderjahre über die entsagungsvolle Zeit der Nachkriegsjahre. Aber auch trotz oder gerade wegen der wenigen zur Verfügung stehenden Mittel war es eine Zeit des sozialen Miteinanders und der gegenseitigen Fürsorge, die eine Biografie nachhaltig prägen. Es war bezaubernd zu hören, welche überschwängliche Freude unnütze und viel zu hohe Stöckelschuhe, feine Stoffe und «Tschuinggams» in Care-Paketen aus den USA bei einem 6-jährigen Mädchen auslösen konnten.

Schweigewochen und kaum Privatsphäre
Madeleine Gränicher aus Arisdorf las in Begleitung einer Freundin aus ihrem Manuskript vor. Anlässlich eines Kuraufenthaltes kam ihr die Idee, die eigenen Lebenserinnerungen aufzuschreiben und deren gibt es viele, so viele, die kaum zu bündeln sind. Nach einer glücklichen und für Kinder abenteuerlichen Zeit, bei der die Familie auf dem Gutshof, der vom Vater geleiteten grossen Bierbrauerei wohnte, kam Madeleine nach einem Schlaganfall der Mutter als 14-jähriges Mädchen in ein katholisches Internat.

Schweigewochen, ein strenger Tagesablauf, wenig Privatsphäre prägten die Jugendjahre, doch wie berichtet wurde, nicht zum Schlechten. Madeleine heiratete später einen Architekten und zog mit ihm in die USA, er war für Walt Disney tätig und beide erlebten die politisch wie kulturell aufregende Zeit der 1960er-Jahre in Los Angeles. Nach einer Weltreise ist Madeleine wieder zurück in der Schweiz, und zwar mit zwei Söhnen und gesegnet von einem musikalischen Talent. Bis heute ist sie in vielen Ehrenämtern engagiert.

Eine Familienflunkerei fliegt auf
Rosmarie Schneider las gemeinsam mit Tochter und Sohn aus ihrem Buch Geheimnisse vor. Es waren die jetzt erwachsenen Kinder, die sie wiederholt ermuntert haben, ihre Lebensgeschichte für sie und ihre Familien aufzuschreiben. Denn die Geheimnisse, die von Rosmarie über eine längere Zeit hinweg aufgedeckt wurden, beeinflussen nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder.

Ein Grosskind, ein etwa 10-jähriger Junge, hörte in der ersten Reihe gespannt den Ausführungen zu. Rosmarie wurde als sie im selben Alter war, als «Franzosenkind» beschimpft, und ohne zu wissen, was dies bedeutet, waren es tiefe Verletzungen der Ausgrenzung. Später war Rosmarie hartnäckig genug, um bei ihrer Mutter mehr zu erfahren. Ja, es stimmte, sie war ein Kind eines französischen Besatzungssoldaten. Niemand sollte es je erfahren, ein Familiengeheimnis. Aber Rosmarie begab sich auf die Spuren Ihrer Herkunft und lernte nach langer Suche endlich ihren geheimnisvollen Vater in Paris kennen.

Alle drei Lesungen haben das Publikum berührt und man hätte noch gerne mehr erfahren. Auf jeden Fall haben es die drei Autorinnen geschafft, uns in ihre Erinnerungen mitzunehmen und gleichzeitig den Funken zu entfachen, den eigenen Lebensgeschichten vielleicht sogar schreibend nachzugehen.

Über Daten für Edition Unik Cafés und andere Formate informieren wir in unserem monatlichen Newsletter oder in unserem Veranstaltungskalender.

Dank und Motivation

Von Bruno Glaus. Er hat in der Edition Unik schon mehrere Bücher geschrieben. Die Dankesworte des letzten Buches hat er mit einem Essay über das Schreiben der eigenen Bücher abgeschlossen.

Bei der Edition Unik entsteht nach und nach eine Volksbibliothek, geschrieben von unten. Bisher sind mehrere Hundert Bücher verfasst worden. Themenwahl und Aufbau ist den Autoren überlassen.

ZEITFALTEN: Hier finden auch Lesungen mit Autor/innen der Edition Unik statt. (Bild: zvg.)

ZEITFALTEN: Hier finden auch Lesungen mit Autor/innen der Edition Unik statt. (Bild: zvg.)

Die Kapitel können mit Schwarz-Weiss-Bildern illustriert werden. Die Motivation der Schreibenden ist höchst unterschiedlich: Standortbestimmung, Recherchen zu den Wurzeln, Vertiefung, Kommentierung, Interpretation, Dokumentation, Ordnen, Schreiben als Therapie, Spurensuche und Sinnstiftung. «Das Leben kann man nur rückwärts verstehen, aber nur vorwärts leben», schrieb der dänische Philosoph Søren Kierkegaard (1813-1855). Alles im Bewusstsein, dass sich die Kultur der Erinnerung der Gefahr aussetzt, zur «Schablone» zu werden, in welcher das Passförmige als das Authentische gilt und das Nichtpassförmige abgestossen wird (Jan Assmann).

Die Bücher der Edition Unik erscheinen in Kleinauflagen und werden im Eigenverlag der Autorinnen und Autoren vertrieben. Nach «Bilder, Bücher, Bauten» (2015), «Calfeisentaler Geschichten» (Frühjahr 2016), «Hirsch tot, Schwein gehabt» (Herbst 2016) und «Werde Anwalt, sagte er» (Frühjahr 2017) ist dies das fünfte Werk in der fünften Staffel. Einmal mehr hat mich Ruth Schnider motiviert und unterstützt mit kritischem Gegenlesen. Herzlichen Dank.

Bruno Glaus organisiert regelmässig Ausstellungen und andere Veranstaltungen in seinem Museum Zeitfalten in Uznach. Weitere Informationen finden Sie hier: ZEITFALTEN 

Edition Unik Café bei Zürich liest

Vom Leben in einem ganz besonderen Quartier, dem Umgang mit Traumata und dem Alltag jugendlicher Männer: Am Edition Unik Café vom 29. Oktober 2017 haben drei Alumni der Edition Unik aus ihren Büchern vorgelesen.

Diese drei sind Pia Tschupp, Sonja Casutt und Jürg Vogel – sie alle haben mindestens eine Person mitgebracht, die mit einer anderen Geschichte auf das Gelesene antwortet. Rund 50 Besucherinnen und Besucher haben sich an diesem letzten Sonntag im Oktober eingefunden, um den persönlichen Geschichten zu lauschen.

Ein gut besuchtes Edition Unik Café im Karl der Grosse (Bild: Arlette Graf)

Ein gut besuchtes Edition Unik Café im Karl der Grosse (Bild: Arlette Graf)

Geschichten so unterschiedlich wie berührend
Den Anfang macht Pia Tschupp, die unter anderem vom «Müliquartier» im Fricktal berichtet, wo sie bald die Hälfte ihres Lebens verbracht hat – und wo sie auch heute lebt. Begleitet wird sie von einer Nachbarin, die ebenfalls aus Tschupps Buch vorliest. Fragmente aus der Lesung werden ab nächsten Freitag in losen Abständen im Journal veröffentlicht.

Später erzählt Sonja Casutt von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die von Ärzten und Kliniken, viel Frust und Leid, aber auch von Liebe und Hingabe geprägt sind. Sie leidet seit ihrer Jugend an dissoziativen Krampfanfällen, wusste aber eine lange Zeit nicht, was mit ihr los war. Das hat sich auch auf ihre Kinder ausgewirkt, was schnell deutlich wird, etwa als Casutts Tochter mit einem selber geschriebenen Text auf das Vorgelesene antwortet. Sonja Casutt hat ihr Buch inzwischen via book-on-demand herausgebracht. Details sind im Bericht «Warum» zu finden.

Den Abschluss macht Jürg Vogel, der seinen Vater mitgebracht hat. Die beiden lesen humorvolle, spitzbübische Geschichten aus der Adoleszenz Vogels vor – ein herrlicher Abschluss für einen berührenden Sonntagnachmittag. Zwei Anekdoten von Jürg Vogel sind im Journal der Edition Unik bereits erschienen, und zwar «Französischprüfung» und «Snuff».

Edition Unik Cafés und Lesungen
Weitere Gelegenheiten, den Alumni und aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Edition Unik zuzuhören, finden Sie in unserem Veranstaltungskalender. Das nächste Café findet übrigens statt am 19. November ab 11 Uhr im Kloster Dornach.

Doppellesung in der Galerie

Ein zweistimmiger Erfahrungsbericht von Magdolna Keel und Hanna Meister. Beide haben in der Edition Unik ihre Bücher geschrieben.

Hanna Meister und Magdolna Keel haben am 7. September eine Doppellesung in Eigenregie durchgeführt. Die Lesung fand in der Galerie Dorfzentrum in Killwangen statt.

Magdolna Keel: Gross war meine Freude, als mir am 9. Mai 2017 im Rahmen eines Apéros der Edition Unik mein erstes eigenes, gedrucktes, gebundenes Buch überreicht wurde! Dass ich als Kunstmalerin auch noch schreiben kann, war für mich eine Entdeckung. Während 17 Wochen der Fertigstellung meiner Lebensgeschichte dachte ich immer wieder: «Wird es mir gelingen, den mit Fotos illustrierten Text, termingerecht der Edition Unik abzugeben?»

Und jetzt halte ich tatsächlich das Buch meiner Erinnerungen 1940-2017 in den Händen! Bei der feierlichen Übergabe der Bücher konnte ich endlich auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Biografie-Schreibprojekts kennenlernen. Es waren etwa 50 glückliche «frischgebackene» Autorinnen und Autoren da, die einander zum gelungenen, persönlichen Buch mit Freude gratulieren konnten. Und schön, jetzt sind wir Alumni geworden!

Eine Teilnehmerin, Hanna Meister, las für uns eine Episode aus ihrem frisch gedruckten Buch vor. Ich war sehr beeindruckt, nicht nurvon ihrem Text, sondern auch von ihrer gekonnten Vortragsweise! Spontan frage ich sie, ob wir zusammen eine Doppellesung aus unseren Büchern in meiner Galerie machen könnten. So entstand unser gemeinsames Projekt.

Wir verschickten also Einladungen. Eine Journalistin von der Limmatwelle meldete sich für ein Gespräch mit uns. In der Folge veröffentlichte sie einen ganzseitigen Artikel mit Foto über unser Schreibprojekt bei der Edition Unik.

Das Interesse an unserer Doppellesung war sehr gross. Am 7. September drängten sich dann die angemeldeten Zuhörer in unsere Lesung, es waren alle Plätze besetzt! Nach der Lesung offerierten wir im Garten einen Apéro und es fand eine Diskussion statt.

Am meisten hat man sich darüber gewundert, wie es möglich sei, ein Buch in 17 Wochen zu schreiben! Nun, es ist möglich, wir sind der Beweis!

 

Hanna Meister: Dass mich Magdolna Keel nach meiner Lesung an der Schlussveranstaltung unseres Schreibprojekts angesprochen hatte, überraschte und freute mich sehr. Sie fragte mich, ob ich in nächster Zeit mit ihr eine Lesung in ihrer Galerie in Killwangen machen würde. Natürlich war ich da gerne dabei! So planten wir die Veranstaltung zusammen für den 7. September. Da die Platzzahl beschränkt war, mussten sich die Besucherinnen anmelden. Schön war, dass die Anmeldungen sehr ausgeglichen bei uns ankamen: Die eine Hälfte ist von Magdolnas und die andere Hälfte von meinem Freundeskreis.

Der Abend war dann ein richtiges Fest – bei schönem Spätsommerwetter mit einem Apéro im Garten und der Lesung im wunderbaren Ambiente der Galerie von Magdolna Keel. Für mich ist die Begegnung mit Magdolna ein grosses Geschenk. Wir haben uns gefunden, wir verstehen uns und die Zusammenarbeit gestaltete sich ganz einfach und unkompliziert. Am Abend der Lesung erlebte ich interessante Menschen, es gab gute Gespräche und vor allem berührende Wiedersehen mit Menschen aus dem Aargau, die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Und einige zeigten sich interessiert an dem Projekt der Edition Unik.Nie hätte ich gedacht, dass das Schreiben meines autobiografischen Buches so vieles in Bewegung bringen würde! Vielen Dank an die Edition Unik – und auch an Magdolna Keel!

Die Doppellesung mit Magdolna Keel und Hanna Meister war ein voller Erfolg. So erfolgreich, dass Magdolna Keel gleich noch eine Lesung anhängt: Details dazu finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Informationen zur Galerie Dorfzentrum entnehmen Sie den Websites www.magdolnakeel.com und www.magdolnakeel.ch.