Generationen

Über den Schatten springen

Eine Wortmeldung von Christian Raaflaub, dem Sohn der Teilnehmerin Verena Raaflaub, die in der Edition Unik mehrere Bücher geschrieben hat.

Die meisten Kindheits-Geschichten meiner Mutter kannte ich natürlich schon. Trotzdem war es sehr interessant, neue Details zu erfahren. Als Journalist war ich für das Redigieren des Textes verantwortlich und hatte deshalb die Ehre, Erstleser zu sein. Nach intensiven Diskussionen sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass ihre sprachliche Ausdrucksweise möglichst erhalten bleiben soll. Deshalb musste ich über meinen Schatten springen und in diesem Fall bei der Überarbeitung des Textes eher subjektiv vorgehen, denn in meinem Beruf wird der Anspruch hochgehalten, möglichst objektiv zu bleiben.
— Christian Raaflaub
 
Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Geschichten von Verena Raaflaub lesen?
Aber gerne, die Auszüge aus den Büchern von Verena Raaflaub finden Sie hier:
Mariettli, Kurtli und Dorli
Ein Brüderchen


Café in Bern verpasst?
Das Edition Unik Café mit Verena Raaflaub fand am 28. Februar 2019 statt, und zwar im Berner Generationenhaus. Den Bericht dazu finden Sie hier:
Milde Temperaturen, berührende Lesungen.

In den nächsten Wochen und Monaten finden weitere Edition Unik Cafés und Veranstaltungen statt, ausserdem werden laufend Lesungen und andere Anlässe von ehemaligen und aktiven Autorinnen und Autoren organisiert. Schauen Sie deshalb regelmässig in unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter.


Vom Plumpsklo bis zum Handy

Eine Wortmeldung von Noah Raaflaub, Enkel von Verena Raaflaub, die in der Edition Unik mehrere Bücher geschrieben hat.

Drei Generationen im Berner Generationenhaus (zvg.)

Drei Generationen im Berner Generationenhaus (zvg.)

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das alles ohne Internet und Handy funktioniert hat. Alltägliche Verrichtungen wie Duschen, Baden, Plumpsklo – das war vor kurzer Zeit noch eher unangenehm, wenn man mit unserem heutigen Komfort vergleicht. Es war interessant, solche Alltagsgeschichten aus jener Zeit zu erfahren, ich konnte sie fast hautnah miterleben.
— Noah Raaflaub
 

Mehr dazu lesen?
Einen Auszug aus den Büchern von Verena Raaflaub finden Sie hier: Ein Brüderchen

Das Edition Unik Café mit Verena Raaflaub fand am 28. Februar 2019 statt, und zwar im Berner Generationenhaus. Den Bericht dazu finden Sie hier: Milde Temperaturen, berührende Lesungen.


Mehr hören?
In den nächsten Wochen und Monaten finden weitere Edition Unik Cafés und Veranstaltungen statt, ausserdem werden laufend Lesungen und andere Anlässe von ehemaligen und aktiven Autorinnen und Autoren organisiert. Schauen Sie deshalb regelmässig in unseren
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Unterschiede bringen Generationen zusammen

Die Generationenakademie des Migros-Kulturprozent unterstützt Projekte, die den Austausch zwischen Generationen fördern. Sie hat auch das Pilotprojekt der Edition Unik im Frühjahr 2015 unterstützt. Maja Graf ist bei der Generationenakademie Mitentwicklerin und Workshop-Leiterin. Im Interview mit der Edition Unik erklärte sie, warum Generationenthemen immer wichtiger werden.

2015 fanden die Veranstaltungen noch im Migros-Hochhaus am Limmatplatz statt.

2015 fanden die Veranstaltungen noch im Migros-Hochhaus am Limmatplatz statt.

Edition Unik: Liebe Maja, was ist die Generationenakademie?
Maja Graf: Die Generationenakademie ist eine Initiative des Migros-Kulturprozent. Uns gibt es seit 2010. Wir führen einerseits Tagungen für Fachleute durch, die sich in ihrem Beruf mit Generationenthemen befassen. Andererseits unterstützen und begleiten wir gesellschaftliche Projekte, bei denen Generationenthemen eine Rolle spielen.

Welche Art von Initiativen begleitet ihr?
Ganz unterschiedliche. Es können Kulturprojekte sein, aber auch Nachbarschafts-, Austausch- und Mentoren- oder Wohnprojekte. In der letzten Projektwerkstatt war z.B. ein Architektenpaar dabei, das eine Überbauung realisiert, in der Junge und Alte, also verschiedene Generationen leben werden. Im Grunde sind ja fast alle Kultur- und Gesellschaftsprojekte auch Generationenprojekte. «Generationen» ist ein Querschnittsthema, das vielerorts relevant ist.

Worauf kommt es in Generationenprojekten vor allem an?
Zwei Themen sind zentral: Ganz wichtig ist, dass alle auf Augenhöhe kommunizieren und die gleichen Rechte haben. Jede Person darf mitreden, hat gleich viel Redezeit. Mit diesem Punkt tun sich besonders die Älteren manchmal schwer. Das zweite Thema ist Partizipation. Generationenprojekte kommen nur zum Fliegen, wenn sie von den Bedürfnissen der verschiedenen Angesprochenen ausgehen. Man kann nicht mit fertigen Konzepten kommen und meinen, die Leute engagieren sich dann dafür.

Warum hört man immer mehr vom Thema «Generationen»?
Der demografische Wandel wird immer sichtbarer. Es besteht zunehmend Bedarf an Austausch. Einerseits finanziell, Stichwort Generationengerechtigkeit: Die Jungen sorgen sich, dass sie für immer mehr Alte sorgen müssen. Denen wiederum ist bewusst, dass sie Teil einer historisch einmalig grossen Generation sind – den Babyboomern. Darüber muss man reden. Gleichzeitig sind die Älteren so fit wie nie zuvor und wollen noch etwas leisten. Daran haben die Jüngeren Interesse. Es geht darum, dass Ältere und Jüngere für einander einen Nutzen darstellen, der neu entdeckt werden muss. Das klassische Beispiel: Die Grosseltern erhalten eine sinnvolle Betätigung, indem sie ihre Enkel hüten. Die Kindeseltern bekommen dafür eine spürbare Entlastung im Alltag und profitieren von der Erfahrung der Grosseltern.

Welche Rolle kann die Edition Unik hier spielen?
Ich bin überzeugt, dass die Bücher, die die Älteren schreiben, interessant sind für den Austausch mit Jüngeren. Davon hätten beide Seiten etwas. Der Austausch darf aber nicht beim blossen Lesen und Hören von Geschichten aufhören. Die Älteren müssen den Jüngeren Gelegenheit bieten, auf ihre Geschichten zu antworten und ihrerseits zu erzählen, wie sie leben. Die Unterschiede zwischen den Generationen bieten viel Stoff für Gespräche, mehr als die Gemeinsamkeiten. Über die Unterschiede kommen wir ironischerweise näher zueinander.

Maja, du bist in der Generationenakademie und nun auch im Pilotprojekt der Edition Unik sehr engagiert. Sind diese deine einzigen Betätigungsfelder?
Nein, keineswegs. Ich bin ja selbständig, arbeite nur teilweise für das Migros-Kulturprozent. Die Generationenakademie macht mir grosse Freude, ich arbeite gern dafür. Daneben bin ich auch für «vitamin b» tätig, die Fachstelle für Vereine. Bis letztes Jahr habe ich die Kulturmanagement-Ausbildung im Stapferhaus Lenzburg geleitet. Ich biete Führungscoachings an, moderiere Tagungen und bin im Allgemeinen sehr aktiv. Typisch für meine Generation.

Lebensgeschichten lesen

Ein Bericht vom ersten Edition Unik Café im Berner GenerationenHaus.
Text: Andrea Hipp. Fotos: Yoshiko Kusano

Viele ältere Menschen haben das Bedürfnis, ihre Lebensgeschichten niederzuschreiben und späteren Generationen zu überliefern. In der neuen Veranstaltungsreihe «Edition Unik Café» lesen Autorinnen und Autoren im Berner GenerationenHaus aus ihren Büchern – zusammen mit ihren Kindern und Enkelkindern.

Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn ist die CaféBar im Berner GenerationenHaus bis auf den letzten Platz besetzt. Gekommen sind die Familien, Freunde und Bekannte dreier Debutautorinnen und -autoren im Alter von 72, 73 und 80 Jahren. Sie alle haben diesen Frühling ihr erstes Buch geschrieben. Ein Buch voller Geschichten, Erinnerungen und Anekdoten.

Ermöglicht wurde es durch das Oral-History-Projekt der Edition Unik, initiiert von Heller Enterprises des Kulturunternehmers Martin Heller. Knapp 200 Bücher sind seit dem Start der Edition Unik 2015 entstanden, mit jedem der halbjährlich stattfindenden Runden kommen rund 50 Bücher dazu. Während der jeweiligen begleitet die Edition Unik die Interessierten über vier Monate hinweg beim Schreibprozess, stellt ihnen eine Software zur Buchgestaltung zur Verfügung und übernimmt den Druck der Bücher. Inhaltliche Vorgaben für die Texte gibt es keine. Mit dem «Edition Unik Café» gehen die Bücher zusammen mit ihren Autorinnen und Autoren nun erstmals auf Lesetournee. An diesem Abend machen sie Halt im Berner GenerationenHaus.

Als Erste betritt Elisabeth Leu-Lehmann die Bühne, zusammen mit ihren beiden Enkelkindern Sophie und Philippe und ihrem Sohn Martin. Sie alle lesen aus dem Buch, das Elisabeth Leu-Lehmann diesen Frühling aus gesammelten Erinnerungen geschrieben hat. Wer welche Passagen vorliest, haben die Vier gemeinsam entschieden und diese mit farbigen Post-Its markiert. Elisabeth Leu-Lehmann macht den Anfang und übergibt anschliessend an Sophie an einer Stelle, an der sie sich an einen Besuch bei der Grossmutter erinnert, als sie selbst noch ein kleines Mädchen war. Danach liest Philippe von einem Wochenendausflug der Familie und gibt dann das Buch weiter an seinen Vater Martin. Von Elisabeth Leu-Lehmanns Werk gibt es nur drei Exemplare. Zwei hat die Autorin erhalten, eins ist im Archiv der Edition Unik in Zürich.

Die Idee der Edition Unik ist nicht, als Verlag aufzutreten, sondern mit dem Buchprojekt zu bewirken, den Schatz aus biografischem Alltags- und Erfahrungswissen der nächsten Generation zu überliefern. Die Veranstaltung «Edition Unik Café», bei der die Autorinnen und Autoren gemeinsam mit ihren Nächsten aus den Büchern vorlesen und ihre Geschichten und Erinnerungen mit dem Publikum teilen, passt gut ins Berner GenerationenHaus. Das Projekt fördert den Dialog und den Zusammenhalt zwischen den Generationen, dem sich auch das Berner GenerationenHaus verschrieben hat.

Am ersten Veranstaltungsabend des Edition Unik Cafés lesen neben Elisabeth Leu-Lehmann und ihrer Familie auch Ueli Johner-Etter und Suzanne Schrade zusammen mit ihrem Neffen André Schrade. Sie alle kommen aus der Region Bern und halten seit diesem Frühling ihre Erinnerungen und Geschichten erstmals zwischen zwei Buchdeckeln in Händen. Das nächste Edition Unik Café findet am 28. Februar 2018 im Berner GenerationenHaus statt. Die Lesenden werden im Vorfeld der Veranstaltung bekannt gegeben.

Den Text mit Bildergalerie finden Sie auch im Magazin der Burgergemeinde Bern: medaillon.bgbern.ch/editionunik