Erlebnisbericht

Die Wurzeln, die bleiben

Ein Erlebnisbericht von Erika Kneubühl. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Es war als würde ich Szene für Szene eines Film aufschreiben, den ich einmal gesehen hatte und in dem ich die Hauptrolle spielte.

Nach Abschluss des Buches war alles gut, ich hatte alles, was mich während 35 Jahren belastete und freute niedergeschrieben und wusste, nun wird meine Geschichte niemals vergessen gehen!

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)


Aufschreiben und bewahren
Möchten auch Sie Ihre Geschichte(n) festhalten, am besten zwischen zwei Buchdeckeln? Dann kontaktieren Sie uns. Die
Anmeldung für die Herbstrunden 2019 in Basel und Zürich sowie für die Frühjahresrunde 2020 ist geöffnet!


«Und es hat doch geschadet…»

Ein Erfahrungsbericht von Rebekka Rossmann. Sie hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben und im Februar-Café im Berner Generationenhaus daraus vorgelesen.

Die Edition Unik hat es mir ermöglicht mein Buch zu schreiben, ohne vorheriges Studium oder Vorwissen. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Alle meine Texte und Gedanken, von Jugend an bis heute zwischen zwei magische Buchdeckel zaubern zu können war unbeschreiblich aufregend.

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Wollte ich doch schon so lange meinen Schmerz, aber auch meine Befreiung festhalten für meine Kinder, meine Freunde und letztendlich auch für mich selbst.

Wer mich heute kennt wird sich schlecht vorstellen können unter welchen rigiden Weltvorstellungen ich gross geworden bin. Daher ist die Versuchung gross zu behaupten es habe mir nicht geschadet. Doch genau das hat es getan und eben aus dieser Verschleierung möchte ich aufdecken aus Sicht des Kindes, einer Jugendlichen und einer schliesslich erwachsenen Frau, wie tiefgreifend sektenähnliche Glaubensgemeinschaften eine menschliche Seele zerstören können.

Gebrochen im Namen der Liebe
Im Namen der Liebe und des Glaubens wurde ich gebrochen und verunsichert, so nachhaltig, dass ich mir als kleines Mädchen schon wünschte der Weltuntergang möge doch bald kommen um das Leben nicht mehr ertragen zu müssen in das ich geboren wurde.

Bis heute sehe ich den biblischen Isaak das Messer erheben über seinen Sohn, geduldig wartend ob Gott der Herr ihm befehlen wird, ihn zu töten. Ich spürte schon als Kind, dass mein Vater innerlich bereit war alles zu opfern für seinen Gott wenn dieser es, auch von ihm, verlangen würde.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.
— Rebekka Rossmann, Teilnehmerin der Edition Unik

Mit keiner Faser meiner kindlichen Unschuld hätte ich auch nur eine Sekunde gewagt darüber nachzudenken, wenn Isaaks Sohn sich gewehrt hätte, geflüchtet wäre. Meine Seele speicherte nur einen einzigen Befehl: Ja, Papa, ich bin bereit, verharre still, wenn dein Gott es von dir verlangt, dann töte mich, denn nur durch absoluten Gehorsam wirst du in den Himmel kommen, und ich mit dir. Es ging nicht um das irdische Leben sondern, ausschliesslich um unser Seelenheil im Jenseits, im Paradies. Aber ein Kind kann das nicht trennen, nicht verstehen und ist sich auch niemals sicher ob der Engel wirklich kommen wird um Isaak abzuhalten den Sohn zu töten. Daher brauchte es fast 30 Jahre bis ich den Dolchhieb nicht mehr erwartete…mich frei fühlte…den Opferblock zu verlassen.

Absolute Selbstaufgabe
Absolute Selbstaufgabe, bedingungslose Unterwerfung schlugen tiefe Wurzeln in meiner Jugend, so war ich irgendwann hoffnungsvoll überzeugt zu den Söhnen und Töchtern Abels zu gehören. Doch mit dem Erwachsenwerden frass die harte Realität mich systematisch auf, konfrontierte meinen Alltag mit unaussprechlichen Sehnsüchten, Lüsten, Ideen, Hoffnungen die mir nicht gelehrt wurden, eigentlich normalen jugendlichen Emotionen. Panische Angst erfüllte mich als attackierten mich Dämonen aus der tiefsten Hölle. Denn eigentlich durfte es all das nicht geben in mir, war ich doch unschuldig gefolgt, beherzigte alles was man mir anerzogen hatte…wäre da nicht die Erbsünde…der Zweifel doch besudelt zu sein, irgendwo in der Tiefe meines Inneren.

Die Hirnwäsche trug ihre Früchte voller Selbsthass, Selbstmordgedanken, innerer Lähmung, Selbstkasteiung, Selbstverletzungen und einer Zerrissenheit die man nicht wirklich in Worte fassen kann.

Erlösendes Schreiben
In diesem Alptraum entstanden meine Texte die mir anfangs Angst machten und doch aus mir heraus mussten. Sie erlösten mich langfristig von den Prophezeiungen eines charismatischen Systems der bedingungslosen Unterwerfung im Namen einer religiös geprägten bedingungslosen Liebe zu einem erbarmungslosen Schöpfer, einer rachsüchtigen Gott Vaterfigur, die dich systematisch innerlich vernichtet.

Mein winziges Ich heimlich doch zu fragen, das Niederschreiben meiner Not rettete meine Hoffnung auf ein Leben, begleitet von unbeschreiblichen Schuldgefühlen und Panik dass «der da oben» mich dafür verdammen wird in alle Ewigkeit…oder schlimmer noch, meine eigenen Kindern oder Mitmenschen die mir etwas bedeuteten, strafen oder vernichten könnte…ein Teufelskreis ohne Ausweg, ein inneres Fegefeuer der Furcht.

Und gerade trotzdem lebe, liebe und hoffe ich heute wieder- und fand meine eigene Erlösung die ich weitergeben möchte an alle die, welche noch immer gefangen sind in einem unmenschlichen, dogmatischen System der Hoffnungslosigkeit. Allen, die heute in solch einem Teufelskreis gefangen sind möchte ich Mut machen zu hinterfragen, sich Hilfe zu suchen bei vertrauten Menschen die man gern hat. Macht euch auf, traut euch, das Gefängnis des bedingungslosen Glaubens, der Indoktrination zu verlassen. Das Leben ist Liebe, Hoffnung und Vertrauen, in euch selbst, eure Kräfte und all das Gute das man euch abgesprochen, aberzogen hat.

Erwacht, entdeckt euch neu, befreit euch aus der Geisel der Gewalt. Niemand von dort oben im Himmel wird euch vernichten! Niemand!

Niemand wird euch bestrafen wenn ihr euch selbst sucht in eurem Ursprung, eurem Kindsein. Habt den Mut euch auf den Weg zu machen, zu euch selbst, erlöst das Opfer von allen Flüchen eurer Erziehung. Entdeckt was Liebe, Freiheit und Demut vor den eigenen Bedürfnissen wirklich ist, Liebe die euch selbst ebenso gilt wie jedem anderen.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.


Selber schreiben? Unbedingt!
Um ein Buch in der Edition Unik zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge: Lust und Zeit. Eine Projektrunde dauert 17 Wochen, dabei empfiehlt die Projektleitung täglich 45 Minuten für die Arbeit am Buchprojekt zu reservieren. In der Edition Unik ist jede Geschichte willkommen, Schreiberfahrung braucht es keine, den Umgang mit Computer und Internet sollte man für ein erfolgreiches Arbeiten aber gewohnt sein.

Mehr erfahren in den Rubriken:
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Über den Schatten springen

Eine Wortmeldung von Christian Raaflaub, dem Sohn der Teilnehmerin Verena Raaflaub, die in der Edition Unik mehrere Bücher geschrieben hat.

Die meisten Kindheits-Geschichten meiner Mutter kannte ich natürlich schon. Trotzdem war es sehr interessant, neue Details zu erfahren. Als Journalist war ich für das Redigieren des Textes verantwortlich und hatte deshalb die Ehre, Erstleser zu sein. Nach intensiven Diskussionen sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass ihre sprachliche Ausdrucksweise möglichst erhalten bleiben soll. Deshalb musste ich über meinen Schatten springen und in diesem Fall bei der Überarbeitung des Textes eher subjektiv vorgehen, denn in meinem Beruf wird der Anspruch hochgehalten, möglichst objektiv zu bleiben.
— Christian Raaflaub
 
Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Geschichten von Verena Raaflaub lesen?
Aber gerne, die Auszüge aus den Büchern von Verena Raaflaub finden Sie hier:
Mariettli, Kurtli und Dorli
Ein Brüderchen


Café in Bern verpasst?
Das Edition Unik Café mit Verena Raaflaub fand am 28. Februar 2019 statt, und zwar im Berner Generationenhaus. Den Bericht dazu finden Sie hier:
Milde Temperaturen, berührende Lesungen.

In den nächsten Wochen und Monaten finden weitere Edition Unik Cafés und Veranstaltungen statt, ausserdem werden laufend Lesungen und andere Anlässe von ehemaligen und aktiven Autorinnen und Autoren organisiert. Schauen Sie deshalb regelmässig in unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter.


Café im Erkerzimmer

An einem Samstagnachmittag im Frühjahr fand in gemütlicher Runde das erste Edition Unik Café 2019 im Karl der Grosse statt.

Text und Bild: Silvana Huwiler (Karl der Grosse)

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Isabelle Zenhäusern las gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrem autobiografisch geschriebenen Buch vor. Sie nimmt die Zuhörer/innen mit nach Montreux, wo sie damals eine Schreibblockade erlebt hat und mysteriöse Ereignisse im Villenquartier erforschte.

Marianne Schwab las gemeinsam mit ihrer Tochter aus ihrem Buch widen your world vor, in dem sie von ihrer zehnmonatigen Marokkoreise vor vielen Jahren berichtet. Die Abenteuer der jungen Frau sind sprühen vor Lebenslust und sind mit Heiterkeit gespickt. 

Moderiert wurde das Café von der Schriftstellerin Tabea Steiner. In Gesprächen hat sie die beiden Autorinnen dem Publikum noch näher gebracht.


Edition Unik Café: Ein spannendes Format

Seit April 2019 bietet die Kantonsbibliothek Liestal (KBL) den Edition Unik Cafés ein Zuhause. Christa Zuber von der KBL hat die Lesung organisiert.

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

Das Format der Edition Unik Cafés ist interessant und passt wunderbar in unser offenes Konzept. Wir von der KBL freuen uns darauf, im November ein weiteres Café anbieten zu dürfen!
— Christa Zuber von der KBL
In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)

In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)


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