Erlebnisbericht

Vom Umgang mit Pseudonymen und Zitaten

Letzte Woche fanden die ersten Netzwerkveranstaltungen (NW) der Herbstrunden statt. In Zürich ging sie im Kosmos über die Bühne, wobei unser Gast Katharina Gerber – Teilnehmerin der Edition Unik – den Auftakt machte. In Basel fand sie im Unternehmen Mitte statt, dort begann der Nachmittag mit Teilnehmer Joseph Weibel. Beide lasen aus ihren Büchern vor, die bereits in der Edition Unik entstanden sind, und berichteten vom eigenen Schreiben und den daraus resultierenden freudigen Momenten.

Reger Austausch in der «Mitte».

Reger Austausch in der «Mitte».

Danach folgte der persönliche Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nebst dem Austausch von persönlichen Erlebnissen, die den bisherigen Schreibprozess geprägt haben, wurden dabei auch Fragen rege diskutiert: Wie geht man um mit fremdem Material, etwa mit zitierten Texten oder mit Bildern, die nicht aus dem persönlichen Fundus stammen? Wie stark dürfen Drittpersonen erkennbar respektive identifizierbar sein? Soviel vorweg: Allgemeingültige Antworten geschweige denn Regeln im Bezug auf diese beiden Fragen gibt es so nicht. Dafür aber wurden die Schreibenden mit wertvollen Tipps versorgt.

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Arbeitsatmosphäre im «Kosmos».

Zum Umgang mit fremdem Eigentum
Da die Edition Unik kein Verlag ist, der Bücher publiziert, ist der Umgang mit fremden Quellen jedem Autor, jeder Autorin selbst überlassen. Aus Gründen der Fairness ist es aber sicherlich nicht verkehrt, die Verwendung von fremden Material erkennbar zu machen. Man will sich ja schliesslich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken. In welcher Form man fremdes Eigentum schlussendlich kennzeichnet, bleibt dann aber den Schreibenden überlassen. Letztlich ist es ihr eigenes Buch.

Zur Anonymisierung und Verwendung von Pseudonymen
Ab wann und ob überhaupt auftauchende Charaktere unkenntlich gemacht werden sollen, bleibt ebenfalls der Schreiberschaft überlassen. Gerade in Bezug auf Bücher mit autobiographischem Charakter sind die vorkommenden Personen relevant und müssen überhaupt nicht zwingend anonymisiert werden.

 
Muss man Drittpersonen anonymisieren? Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?
— Edition Unik
 

Als Faustregel lässt sich sagen: Je positiver über eine Person berichtet wird, desto geringer die Notwendigkeit einer Verschleierung derselben. Zudem kann auch der Rahmen, in welchem das Buch «erscheinen» soll, ausschlaggebend sein.: Denn je öffentlicher der Inhalt gehandhabt wird, desto eher besteht die Chance, dass sich die beschriebenen Personen erkennen und sie zur Rechenschaft ziehen will. Mehr dazu lesen Sie auch im Bundesgerichtsentscheid vom 25. September 2008.

Während des Schreibprozesses sollte man sich auch ab und an in die Rolle der beschriebenen Personen versetzen: Wie würde es sich wohl für Sie anfühlen, würden Sie in der Haut der Person stecken, über die Sie gerade so fleissig schreiben?


Mehr zum Thema «Persönlichkeitsverletzung»
Frage aus einer Runde: «Wie offen und schonungslos darf man sein? Ich rechne mit einer Nachbarin ab.»

Antwort seitens der Edition Unik: Abgesehen davon, dass mit den Rechten auch die Pflichten bei den Teilnehmenden liegen und wir deshalb keine verbindliche Aussage zur Anonymisierung machen können, gibt es keine universell gültige Antwort auf die Frage, da die Beurteilung der Rechtslage von vielen Faktoren abhängt.

Das Bundesgericht hat dazu einige Leitentscheide veröffentlicht, die einsehbar sind.


«I Could Write A Book»

Weshalb es letztlich doch verlockender war, ein Buch zu schreiben, statt ein Netzwerk aufzubauen, das anderen Menschen den Weg zum Musizieren erleichtern könnte. Eine Betrachtung von Franz Neff, er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Kontrabass-Klinik am Jazzworkshop Interlaken 2019 (Foto: zvg.)

Kontrabass-Klinik am Jazzworkshop Interlaken 2019 (Foto: zvg.)

Von der Musik zu erzählen, wenn sich Freunde und Bekannte nach dem Befinden erkunden, ist eine gute Möglichkeit, im Gespräch von Berichten über den Gesundheitszustand und den damit verbundenen Nebenerscheinungen abzulenken. Es ist auch eine Möglichkeit, die von Teresa von Avila verfassten «Vorsätze eines älter werdenden Menschen» umzusetzen – und «young at heart» zu bleiben. Aber vor allem bereitet es mir Freude, meine Begeisterung für das Musizieren mit anderen zu teilen.

Nicht selten erwidern die Gesprächspartner, wie gerne auch sie wieder oder endlich einmal ein Musikinstrument spielten. Sie könnten sich aber nicht vorstellen, wie das anzustellen sei. Diesen Menschen einen individuell sinnvollen Ratschlag zu geben, ist schwierig. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, zu gross die Auswahl der Möglichkeiten sich musikalisch zu betätigen. Es müsste dafür ähnlich wie die Berufsberatung eine Art Musikberatung geben.

Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los, ich versuchte ihn weiterzuspinnen und schrieb vor einiger Zeit folgende Ideenskizze mit dem Titel «Evergreen»:

Wer im dritten Lebensabschnitt musiziert, bleibt länger jung und gesund, findet Freude, Zufriedenheit und soziale Kontakte. Für Kinder und Jugendliche ist der Zugang zum Musizieren institutionalisiert. Wollen aber Menschen mit grosser Lebenserfahrung ein Instrument neu bzw. wieder spielen oder richtig singen lernen, müssen sie sich selber helfen. Möchten sie zudem die gehörten Harmonien auch verstehen, ist meist das Selbststudium die einzige Option. Wer zusammen mit anderen Erwachsenen Musik machen will, muss unterschiedliche Erwartungen, Vorkenntnisse und Lebensumstände und persönliche Erfahrungen mit Musik zusammenbringen. All diese Hindernisse sind in der Regel für eine Person zu hoch. Die einzige leicht zugängliche Möglichkeit bleibt oft der Chorgesang. «Evergreen» sollte neue Türen zur Welt der Musik öffnen.

Als Erstes plante ich, ein Netzwerk von Musiker/innen aufzubauen und hoffte, diese würden ihrerseits mit In- halten und Anregungen zum Konzept beitragen. Sicher mit von der Partie wären meine Singlehrerin Barbara La Faro und der Basslehrer Housi Ermel. Ich hatte telefonisch Kontakt mit Frank Sikora, Autor des Buches «Neue Jazz-Harmonielehre». Er hatte mich sehr ermutigt, am Projekt weiterzumachen, und eingeladen, mit konkreten Ideen wieder anzuklopfen.

Nun liegen meine Stärken eher beim Entwickeln und Beschreiben von Ideen als bei der Organisation um Umsetzung von Projekten. Ich benötige dafür einen klaren Auftrag und Unterstützung, sonst bin ich empfindlich gegenüber kritischen Einwänden. Darum wurde ich von der heftigen Ablehnung der Idee durch meinen ehemaligen Klavierlehrer so überrumpelt, dass ich das Projekt gar nicht angemessen verteidigen konnte. An Musikschulen gäbe es bereits solche Angebote für Erwachsene. Es sei Aufgabe der Lehrpersonen, solche Bedürfnisse zu erkennen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Ich solle diese Arbeit den Profis überlassen. Diese Standpauke reichte, um das Projekt kleinlaut wieder zu begraben.

Ab und zu taucht die Idee in Gesprächen mit Freunden wieder auf. Oder ich erinnere mich wieder daran, wenn ich in der NZZ (27.1.2018) einen Artikel mit dem Titel lese «Warum Klavierspiel den Geist fit hält», worin genau diese Schwierigkeiten und Hemmungen dargestellt sind, sehr spät noch ins Musizieren zu kommen. Auch Marie-José und Barbara versuchten mich neu zu motivieren. Doch die Selbstzweifel waren stärker.

Tatsächlich gibt es an Musikschulen Angebote für Erwachsene. Das Konservatorium Bern zum Beispiel bietet eigens Musikkurse für Erwachsene an. Allerdings klagt die Fachbereichsleiterin im Vorwort der entsprechenden Broschüre, dass noch immer nicht allgemein bekannt sei, dass das «Konsi» nicht nur Kindern und Jugendlichen offenstehen, sondern genauso Erwachsenen. Ist das nicht ebenfalls ein Hinweis, dass der Zugang auf einer tieferen Schwelle erfolgen müsste? Als unerfahrener Interessent muss man doch zuerst auf die Idee kommen, dass Schulen für angehende Berufsmusiker auch Angebote für Laien haben.

Hat man bereits eine Präferenz für ein bestimmtes Instrument, kann man nach Privatlehrern «googeln» oder in einem Musikgeschäft nach Anlaufstellen fragen. Es braucht dann etwas Glück, eine Lehrperson zu finden, die auf individuelle Wünsche und Vorkenntnisse eingehen kann. Seine Bedürfnisse zu kennen und auch darstellen zu können, ist dafür allerdings eine wichtige Voraussetzung. Das «Evergreen»-Projekt hätte dabei Unterstützung bieten sollen. Allzu lange trauerte ich ihm nicht nach. Schliesslich hatte und habe ich mit meinen verschiedenen Musikprojekten genug zu tun.

Ein Buch über meine eigenen Erfahrungen zu schreiben, versprach grösseren Lustgewinn als der Aufbau eines Netzwerkes und die dafür wohl unvermeidlichen Aktivitäten in sozialen Medien. Das wunderschöne Liebeslied «I Could Write A Book» spielte ich bei Jürg in der Klavierstunde. Später lernte ich den Song auch auf der Gitarre zu spielen und zu singen. Nun ist geplant, das Lied mit Begleitung am Bass an Barbaras nächstem Schülerkonzert vorzutragen. Am Tag darauf werde ich ja die ersten zwei gedruckten Exemplare dieses Buches erhalten.


13 Briefe an meinen verstorbenen Vater: 1. Brief

Fragmente von Peter Zollinger. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Großvater, kannst du ned abakumman auf an schnellen Kaffee?
Vater, dieses wunderschöne Lied hast du nie gehört. Du hast ja wenig Musik gehört. Und doch wäre es schön, wenn wir uns zu einem schnellen Kaffee treffen könnten, es gäbe noch viel zu erzählen. Ein schneller Kaffee würde es nicht sein, eher ein Kaffee mit Schnaps im Glas, an dem wir die Hände wärmen könnten. Dazu Birrewegge von der Mutter mit viel Butter. Im Winter in der Stube, draussen liegt Schnee, die Sonne bringt die Landschaft am Bachtelhang zum Glitzern. Wie so oft kommt das Nebelmeer bis unten ans Dorf. Genau so müsste die Stimmung sein.

Was will ich dir erzählen?

Zuerst will dich in meine Arme nehmen und dir einfach herzlich danken für alles, was du für mich getan hast. Ich will dir sagen, wie grossartig du deine Parkinsonkrankheit gemeistert hast und dir danken, dass du gewartet hast, bis ich an deinem Sterbebett war und ich deine letzten Augenblicke miterleben durfte. Es war ja so friedlich wie du sterben konntest. Du hast einfach aufgehört zu atmen. Erst später habe ich erfahren, dass du vermutlich erstickt bist, aber davon hatte ich nichts bemerkt.

Mit Hilfe der Spitex zogen wir dir schöne Hosen an, ein Hemd, einen Pullover und warme Socken, denn es war kalt draussen. In der Nacht auf Samstag und am anderen Morgen lagst du noch in der Stube im Bett. Wir konnten dich um deine Meinung fragen, als wir beim Gestalten und Suchen der richtigen Worte für deine Todesanzeige unschlüssig waren. Du gabst uns «schweigend» die richtige Antwort. Eigentlich wie in deinem ganzen Leben, du musstest nicht viel reden, irgendwie haben wir dich doch verstanden.

Peter Zollinger liest an der Abschlussveranstaltung der Schreibrunde. (Foto: zvg.)

Peter Zollinger liest an der Abschlussveranstaltung der Schreibrunde. (Foto: zvg.)

Weisst du noch, im Sommer im Ringwilertobel, du sassest auf einem Stein, rauchtest Pfeife und lasest. Wir plantschten in den Tümpeln, stauten den Bach, warfen Steine ins Wasser, dass es hoch aufspritzte. Andere Väter hätten ein wachsames Auge auf die Kinder gehabt, hätten gerufen: «Passt auf, in diesen Tümpel dürft ihr nicht hinein, der ist zu tief, ihr könnt ja nicht schwimmen!»

Je mehr ich nachdenke, umso bewusster wird mir dein unendliches Vertrauen. Allein durch dein Dasein war die Sicherheit gegeben, dass nichts passieren konnte. Das war im Winter bei Skifahren ebenso, das war auf unserer einzigen Skitour im Nebel auf den Pizol so, es war so auf unseren Wanderungen in Lavin, unseren einzigen Familienferien.

Schweigen als ein tieferes Verstehen und Vertrauen!
Ich denke, eigentlich hättest du viel zu erzählen gehabt. Du konntest gut erzählen vom Militär. Da warst du im Element. Von den Manövern am Ricken, mit dem unmöglichen Divisionär, von den Schikanen, die ihr ertragen musstet. Du hast erzählt, und das war deine volle Überzeugung, dass ihr bei einem möglichen Kriegsausbruch einige Offiziere einfach erschossen hättet. Kannst du dich erinnern an Herrn Zollner, er hat bei dir im Sack gearbeitet und nur über den Krieg erzählt, wenn er angetrunken war. Als Österreicher war er im Osten, kam in Gefangenschaft und überlebte nur, weil er Schneider war und man ihn überall brauchen konnte.

Warum konntest du so farbig und spannend über das Militär erzählen, was war das Faszinierende daran? Von deiner Jugend, deinen Eltern hast du uns ganz wenig wissen lassen. In meiner Erinnerung war es die Kriegszeit, die Armut, der Hunger, die dich beschäftigt hat.

Mein Bett wartet auf mich,
herzlich Peter


Wir lesen uns!

Evernote, Seniorweb und jede Menge Blumen und Pralinés – diese Dinge haben aus meiner Sicht das Pilotprojekt der Edition Unik geprägt. Natürlich neben den Menschen, die im Frühjahr 2015 ihre Bücher geschrieben haben. Die Menschen sind sowieso das, die aus der Edition Unik das machen, was sie ist: Eine einzigartige, lehrreiche (Arbeits-) Umgebung mit viel Abwechslung und jeder Menge Glücksgefühlen. Ein Rückblick mit Ausblick von Janine Meyer.

Buchlieferung ins Büro: Fast der schönste Moment in einer Projektrunde. (Foto: Edition Unik)

Buchlieferung ins Büro: Fast der schönste Moment in einer Projektrunde. (Foto: Edition Unik)

«Wenns de Tüüfel mol gseh het ...» Das ist eines meiner Lieblingszitate aus fast fünf Jahren Edition Unik. Gehört habe ich es im Pilotprojekt, und zwar als die Frage aufkam, wie ehrlich und schonungslos man in seinem Buch sein dürfe. Das ist eine nicht ganz einfache Frage – und die Person mit dem Beelzebub hat sich dazu entschlossen, zwar schonungslos zu sein, dabei aber auf Anonymisierungen und Verfremdungen zurückzugreifen. Es ging ihr nicht um eine Abrechnung, sondern um eine Aufarbeitung. Das Zitat begleitet mich seither und ist mir zum guten Berater geworden: «Will ich, dass das von mir bleibt? Und will ich, dass es so bleibt?»

Die Edition Unik und vor allem die Menschen, die sie zu dem machen, was sie ist, haben mich überhaupt viel gelehrt: mit mir selbst gnädig zu sein, zum Beispiel. «Mis Lebe lang hani müesse perfekt sii. Ez dörfi endli Fehler mache!» So brachte es jemand ebenfalls aus dem Pilotprojekt auf den Punkt.

Der Zufall als Jobvermittler
Zu diesem Pilotprojekt bin ich durch Zufall gekommen: 2014 hat mir eine Freundin erzählt, dass an der Uni Zürich ein Projekt vorgestellt würde, das sich das Motto «Erinnerungen Schreiben und Schenken» gegeben hatte und dessen Ziel es sei, Menschen ohne Schreiberfahrung zum Schreiben ihrer Geschichten anzuhalten. Und nicht nur das: Am Ende des Pilotprojekts sollten aus diesen Erinnerungen gedruckte und gebundene Bücher entstehen. Die Freundin meinte: «Das ist wie für dich gemacht.» Und so habe ich im Januar 2015 mit der Teilnehmerbetreuung begonnen. Gerade in der Anfangszeit der Edition Unik sind wir vom Projektteam mit Blumen, Pralinés und anderen Geschenken wahrlich überhäuft worden, was uns natürlich gefreut hat, was uns aber auch darin bestätigt hat, mit der Edition Unik auf dem richtigen Weg zu sein.

Nach dem Pilotprojekt standen die Evaluation an und die Einschätzung, ob es genügend Nachfrage geben würde, regelmässige Projektrunden durchzuführen. Gab und gibt es. Und so haben wir 2016 die erste offizielle Runde der Edition Unik starten dürfen. Dafür haben wir mit verschiedenen Partnern Anpassungen vorgenommen, so haben wir etwa die Schreibsoftware «Edition Unik App» entwickeln lassen, die den Onlinedienst Evernote ersetzt. Inzwischen sind über 350 Bücher entstanden. Die Chance ist gross, dass nach dem Abschluss der nun laufenden Basler und Zürcher Herbstrunden 400 Bücher von fast so vielen Autorinnen und Autoren in unserem Buchregal stehen werden.

Es ist ein schönes Gefühl, so viele Menschen beim Schreiben ihrer persönlichen Bücher begleiten zu dürfen. Meine Zeit bei der Edition Unik neigt sich nun aber dem Ende. Ab Oktober 2019 werde ich hauptsächlich als stellvertretende Chefredaktorin bei der Onlineplattform «Hallowil» tätig sein und habe damit die grosse Chance, ein neues journalistisches Produkt in meiner Ostschweizer Heimat zu prägen. Auf die neue Aufgabe freue ich mich und bin gleichzeitig auch ein bisschen traurig, dass ich nicht mehr so nah an der Edition Unik dran sein werde. Aber ich habe die Ehre und das grosse Vergnügen, die Veranstaltungen der Herbstrunden 2019 noch begleiten zu dürfen. Und ich werde als Mentorin weiterhin zur Verfügung stehen. Ganz verlassen mag ich die Edition Unik nämlich nicht.

Merci!
An dieser Stelle bedanke ich mich bei Ihnen allen, die sich für die Edition Unik interessieren, die mit ihr ihre Bücher geschrieben haben und die Sie dafür gesorgt haben, dass ich höchst interessante und lehrreiche Jahre hier verbringen durfte. Und ich danke dem Team von Heller Enterprises, das hinter der Edition Unik steht, für die berührenden Begegnungen, die einzigartigen Erfahrungen und die mannigfaltigen Möglichkeiten auf allen Ebenen – Merci! <3

Wir lesen uns!

Ihre Janine Meyer,
Projektmitarbeiterin und Teilnehmerbetreuung


Mehr zum Pilotprojekt von 2015


Die Wurzeln, die bleiben

Ein Erlebnisbericht von Erika Kneubühl. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Es war als würde ich Szene für Szene eines Film aufschreiben, den ich einmal gesehen hatte und in dem ich die Hauptrolle spielte.

Nach Abschluss des Buches war alles gut, ich hatte alles, was mich während 35 Jahren belastete und freute niedergeschrieben und wusste, nun wird meine Geschichte niemals vergessen gehen!

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)


Aufschreiben und bewahren
Möchten auch Sie Ihre Geschichte(n) festhalten, am besten zwischen zwei Buchdeckeln? Dann kontaktieren Sie uns. Die
Anmeldung für die Herbstrunden 2019 in Basel und Zürich sowie für die Frühjahresrunde 2020 ist geöffnet!


«Und es hat doch geschadet…»

Ein Erfahrungsbericht von Rebekka Rossmann. Sie hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben und im Februar-Café im Berner Generationenhaus daraus vorgelesen.

Die Edition Unik hat es mir ermöglicht mein Buch zu schreiben, ohne vorheriges Studium oder Vorwissen. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Alle meine Texte und Gedanken, von Jugend an bis heute zwischen zwei magische Buchdeckel zaubern zu können war unbeschreiblich aufregend.

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Wollte ich doch schon so lange meinen Schmerz, aber auch meine Befreiung festhalten für meine Kinder, meine Freunde und letztendlich auch für mich selbst.

Wer mich heute kennt wird sich schlecht vorstellen können unter welchen rigiden Weltvorstellungen ich gross geworden bin. Daher ist die Versuchung gross zu behaupten es habe mir nicht geschadet. Doch genau das hat es getan und eben aus dieser Verschleierung möchte ich aufdecken aus Sicht des Kindes, einer Jugendlichen und einer schliesslich erwachsenen Frau, wie tiefgreifend sektenähnliche Glaubensgemeinschaften eine menschliche Seele zerstören können.

Gebrochen im Namen der Liebe
Im Namen der Liebe und des Glaubens wurde ich gebrochen und verunsichert, so nachhaltig, dass ich mir als kleines Mädchen schon wünschte der Weltuntergang möge doch bald kommen um das Leben nicht mehr ertragen zu müssen in das ich geboren wurde.

Bis heute sehe ich den biblischen Isaak das Messer erheben über seinen Sohn, geduldig wartend ob Gott der Herr ihm befehlen wird, ihn zu töten. Ich spürte schon als Kind, dass mein Vater innerlich bereit war alles zu opfern für seinen Gott wenn dieser es, auch von ihm, verlangen würde.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.
— Rebekka Rossmann, Teilnehmerin der Edition Unik

Mit keiner Faser meiner kindlichen Unschuld hätte ich auch nur eine Sekunde gewagt darüber nachzudenken, wenn Isaaks Sohn sich gewehrt hätte, geflüchtet wäre. Meine Seele speicherte nur einen einzigen Befehl: Ja, Papa, ich bin bereit, verharre still, wenn dein Gott es von dir verlangt, dann töte mich, denn nur durch absoluten Gehorsam wirst du in den Himmel kommen, und ich mit dir. Es ging nicht um das irdische Leben sondern, ausschliesslich um unser Seelenheil im Jenseits, im Paradies. Aber ein Kind kann das nicht trennen, nicht verstehen und ist sich auch niemals sicher ob der Engel wirklich kommen wird um Isaak abzuhalten den Sohn zu töten. Daher brauchte es fast 30 Jahre bis ich den Dolchhieb nicht mehr erwartete…mich frei fühlte…den Opferblock zu verlassen.

Absolute Selbstaufgabe
Absolute Selbstaufgabe, bedingungslose Unterwerfung schlugen tiefe Wurzeln in meiner Jugend, so war ich irgendwann hoffnungsvoll überzeugt zu den Söhnen und Töchtern Abels zu gehören. Doch mit dem Erwachsenwerden frass die harte Realität mich systematisch auf, konfrontierte meinen Alltag mit unaussprechlichen Sehnsüchten, Lüsten, Ideen, Hoffnungen die mir nicht gelehrt wurden, eigentlich normalen jugendlichen Emotionen. Panische Angst erfüllte mich als attackierten mich Dämonen aus der tiefsten Hölle. Denn eigentlich durfte es all das nicht geben in mir, war ich doch unschuldig gefolgt, beherzigte alles was man mir anerzogen hatte…wäre da nicht die Erbsünde…der Zweifel doch besudelt zu sein, irgendwo in der Tiefe meines Inneren.

Die Hirnwäsche trug ihre Früchte voller Selbsthass, Selbstmordgedanken, innerer Lähmung, Selbstkasteiung, Selbstverletzungen und einer Zerrissenheit die man nicht wirklich in Worte fassen kann.

Erlösendes Schreiben
In diesem Alptraum entstanden meine Texte die mir anfangs Angst machten und doch aus mir heraus mussten. Sie erlösten mich langfristig von den Prophezeiungen eines charismatischen Systems der bedingungslosen Unterwerfung im Namen einer religiös geprägten bedingungslosen Liebe zu einem erbarmungslosen Schöpfer, einer rachsüchtigen Gott Vaterfigur, die dich systematisch innerlich vernichtet.

Mein winziges Ich heimlich doch zu fragen, das Niederschreiben meiner Not rettete meine Hoffnung auf ein Leben, begleitet von unbeschreiblichen Schuldgefühlen und Panik dass «der da oben» mich dafür verdammen wird in alle Ewigkeit…oder schlimmer noch, meine eigenen Kindern oder Mitmenschen die mir etwas bedeuteten, strafen oder vernichten könnte…ein Teufelskreis ohne Ausweg, ein inneres Fegefeuer der Furcht.

Und gerade trotzdem lebe, liebe und hoffe ich heute wieder- und fand meine eigene Erlösung die ich weitergeben möchte an alle die, welche noch immer gefangen sind in einem unmenschlichen, dogmatischen System der Hoffnungslosigkeit. Allen, die heute in solch einem Teufelskreis gefangen sind möchte ich Mut machen zu hinterfragen, sich Hilfe zu suchen bei vertrauten Menschen die man gern hat. Macht euch auf, traut euch, das Gefängnis des bedingungslosen Glaubens, der Indoktrination zu verlassen. Das Leben ist Liebe, Hoffnung und Vertrauen, in euch selbst, eure Kräfte und all das Gute das man euch abgesprochen, aberzogen hat.

Erwacht, entdeckt euch neu, befreit euch aus der Geisel der Gewalt. Niemand von dort oben im Himmel wird euch vernichten! Niemand!

Niemand wird euch bestrafen wenn ihr euch selbst sucht in eurem Ursprung, eurem Kindsein. Habt den Mut euch auf den Weg zu machen, zu euch selbst, erlöst das Opfer von allen Flüchen eurer Erziehung. Entdeckt was Liebe, Freiheit und Demut vor den eigenen Bedürfnissen wirklich ist, Liebe die euch selbst ebenso gilt wie jedem anderen.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.


Selber schreiben? Unbedingt!
Um ein Buch in der Edition Unik zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge: Lust und Zeit. Eine Projektrunde dauert 17 Wochen, dabei empfiehlt die Projektleitung täglich 45 Minuten für die Arbeit am Buchprojekt zu reservieren. In der Edition Unik ist jede Geschichte willkommen, Schreiberfahrung braucht es keine, den Umgang mit Computer und Internet sollte man für ein erfolgreiches Arbeiten aber gewohnt sein.

Mehr erfahren in den Rubriken:
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Über den Schatten springen

Eine Wortmeldung von Christian Raaflaub, dem Sohn der Teilnehmerin Verena Raaflaub, die in der Edition Unik mehrere Bücher geschrieben hat.

Die meisten Kindheits-Geschichten meiner Mutter kannte ich natürlich schon. Trotzdem war es sehr interessant, neue Details zu erfahren. Als Journalist war ich für das Redigieren des Textes verantwortlich und hatte deshalb die Ehre, Erstleser zu sein. Nach intensiven Diskussionen sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass ihre sprachliche Ausdrucksweise möglichst erhalten bleiben soll. Deshalb musste ich über meinen Schatten springen und in diesem Fall bei der Überarbeitung des Textes eher subjektiv vorgehen, denn in meinem Beruf wird der Anspruch hochgehalten, möglichst objektiv zu bleiben.
— Christian Raaflaub
 
Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Die Autorin mit Sohn und Enkel am Edition Unik Café im BGH (zvg.)

Geschichten von Verena Raaflaub lesen?
Aber gerne, die Auszüge aus den Büchern von Verena Raaflaub finden Sie hier:
Mariettli, Kurtli und Dorli
Ein Brüderchen


Café in Bern verpasst?
Das Edition Unik Café mit Verena Raaflaub fand am 28. Februar 2019 statt, und zwar im Berner Generationenhaus. Den Bericht dazu finden Sie hier:
Milde Temperaturen, berührende Lesungen.

In den nächsten Wochen und Monaten finden weitere Edition Unik Cafés und Veranstaltungen statt, ausserdem werden laufend Lesungen und andere Anlässe von ehemaligen und aktiven Autorinnen und Autoren organisiert. Schauen Sie deshalb regelmässig in unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter.


Café im Erkerzimmer

An einem Samstagnachmittag im Frühjahr fand in gemütlicher Runde das erste Edition Unik Café 2019 im Karl der Grosse statt.

Text und Bild: Silvana Huwiler (Karl der Grosse)

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Die Lesebühne im Erkerzimmer.

Isabelle Zenhäusern las gemeinsam mit ihrem Mann aus ihrem autobiografisch geschriebenen Buch vor. Sie nimmt die Zuhörer/innen mit nach Montreux, wo sie damals eine Schreibblockade erlebt hat und mysteriöse Ereignisse im Villenquartier erforschte.

Marianne Schwab las gemeinsam mit ihrer Tochter aus ihrem Buch widen your world vor, in dem sie von ihrer zehnmonatigen Marokkoreise vor vielen Jahren berichtet. Die Abenteuer der jungen Frau sind sprühen vor Lebenslust und sind mit Heiterkeit gespickt. 

Moderiert wurde das Café von der Schriftstellerin Tabea Steiner. In Gesprächen hat sie die beiden Autorinnen dem Publikum noch näher gebracht.


Edition Unik Café: Ein spannendes Format

Seit April 2019 bietet die Kantonsbibliothek Liestal (KBL) den Edition Unik Cafés ein Zuhause. Christa Zuber von der KBL hat die Lesung organisiert.

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

KBL: Für Bücherwürmer und Leseratten (Foto: Emil Bohni)

Das Format der Edition Unik Cafés ist interessant und passt wunderbar in unser offenes Konzept. Wir von der KBL freuen uns darauf, im November ein weiteres Café anbieten zu dürfen!
— Christa Zuber von der KBL
In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)

In der KBL verschmilzt Modernes mit Ehrwürdigem (Foto: Emil Bohni)


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Vorlesetag: «Première und Dernière»

Am 22. Mai wurde (vor-)gelesen, und zwar schweizweit im Rahmen des Vorlesetags. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik haben mit dem Jungen Schauspielhaus Zürich eine Vorlesereihe erarbeitet und in verschiedenen Lesungen aus ihren persönlichen Büchern vorgelesen.

Muss ich reisen, um schreiben zu können?
— Claudia Kümin, Ehemalige der Edition Unik

Die Lesungen im Jungen Schauspielhaus seien Première und Dernière zugleich, sagte Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, zu Beginn der Veranstaltungen.

«Eine Première deshalb, weil sie in dieser Form noch nicht stattgefunden haben; eine Dernière deshalb, weil sie – mindestens – in diesem Bühnenbild nicht nochmal stattfinden werden.» So ist etwa im Foyer vom Schiffbau ein Bühnenbild für ein neues Stück bereits aufgebaut, das nach der Spielzeit wieder abgebaut wird.

Insgesamt fanden sechs Lesungen mit 19 Autorinnen und Autoren der Edition Unik statt. Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, und Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, haben die Veranstaltungen moderiert; die Namen der Alumni, die teilgenommen haben, können im Flyer nachgelesen werden.

Das Interview aus der Vorbereitung mit Petra Fischer lesen Sie hier: Vorfreude auf den Vorlesetag


Vorlesetag verpasst?
Schade! Aber seien Sie unbesorgt, es finden weitere öffentliche Lesungen statt! Konsultieren Sie unseren Veranstaltungskalender oder abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter und bleiben Sie informiert!

Beiträge von aktiven und ehemaligen Teilnehmer/innen und unseren Partner/innen finden Sie im Journal:
Fragmente & Auszüge
Erlebnisberichte

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.

Première und Dernière: Das Bühnenbild im Foyer wird in ein paar Wochen wieder abgebaut.


Etwas Zeit und eine Idee

Ende April fand das erste Edition Unik Café in der Kantonsbibliothek Liestal statt. Moderiert wurde es von Anna Storchenegger, Mentorin in der Edition Unik.

Autorin Betty Monnier und Moderatorin Anna Storchenegger (Foto: zvg.)

Autorin Betty Monnier und Moderatorin Anna Storchenegger (Foto: zvg.)

Schreiberfahrung braucht es nicht wirklich, um in der Edition Unik ein Buch zu schreiben. Eine Idee und Zeit hingegen schon.
— Anna Storchenegger, Mentorin und Korrektorin

Korrekturstorch
Anna Storchenegger ist nicht nur Mentorin in der Edition Unik, sie ist vor allem Korrektorin und hat den Korrekturstorch ins Leben gerufen. Dort bietet sie Korrektorate und Lektorate für verschiedene Textsorten an.

http://www.korrekturstorch.ch/


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Aus dem Leben gelesen

An den Edition Unik Cafés lesen Autorinnen und Autoren der Edition Unik aus ihren persönlichen Büchern. Am Frühjahrs-Café in der Alten Kaserne, Winterthur, haben Arlette Yildiz und Peter Zollinger gelesen.

Mit Arlette und Peter haben zwei spannende Menschen aus ihren persönlichen Büchern vorgelesen. Ich danke beiden für den Mut und die Offenheit – und freue mich auf weitere berührende Geschichten am nächsten Café.
— Katja Kolitzus, Kommunikation und Projekte Alte Kaserne

Mehr dazu
Fragment von Arlette Yildiz
Erfahrungsbericht der Edition Unik


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Vom Plumpsklo bis zum Handy

Eine Wortmeldung von Noah Raaflaub, Enkel von Verena Raaflaub, die in der Edition Unik mehrere Bücher geschrieben hat.

Drei Generationen im Berner Generationenhaus (zvg.)

Drei Generationen im Berner Generationenhaus (zvg.)

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das alles ohne Internet und Handy funktioniert hat. Alltägliche Verrichtungen wie Duschen, Baden, Plumpsklo – das war vor kurzer Zeit noch eher unangenehm, wenn man mit unserem heutigen Komfort vergleicht. Es war interessant, solche Alltagsgeschichten aus jener Zeit zu erfahren, ich konnte sie fast hautnah miterleben.
— Noah Raaflaub
 

Mehr dazu lesen?
Einen Auszug aus den Büchern von Verena Raaflaub finden Sie hier: Ein Brüderchen

Das Edition Unik Café mit Verena Raaflaub fand am 28. Februar 2019 statt, und zwar im Berner Generationenhaus. Den Bericht dazu finden Sie hier: Milde Temperaturen, berührende Lesungen.


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Vorfreude auf den Vorlesetag

Die Edition Unik und das Junge Schauspielhaus laden am 22. Mai 2019 gemeinsam zum «Vorlesetag». Wie die Zusammenarbeit zustande kam und was Besucherinnen und Besucher erwartet, hat Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, mit Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, besprochen.

Frerk Froböse: Vom Jungen Schauspielhaus seid ihr vor etwa einem Jahr auf die Edition Unik zugekommen. Wie habt ihr vom Projekt erfahren, was habt ihr erwartet?
Petra Fischer: Nachdem wir seit Langem unsere Büros auf dem gleichen Stockwerk haben, gab den letzten Anstoss für eine Kontaktaufnahme unsere Stückentwicklung «Liebe Grüsse… oder Wohin das Leben fällt» mit dem holländischen Autor Theo Fransz. Während der Recherchearbeit hatten uns Kinder und ältere Menschen Material und eigene Texte über Familiengeheimisse zugearbeitet. Und beim Nachdenken darüber, wer über diesen inhaltlichen Bezug vielleicht neu den Weg ins Junge Schauspielhaus finden würde, kam uns die Edition Unik in den Sinn. 

Petra_Fischer_064.jpg

FF: Wie hat sich die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung am Vorlesetag entwickelt? Welches Interesse habt ihr vom Jungen Schauspielhaus dabei verfolgt?
PF: Es ging gleich damit los, dass wir bei der Edition Unik auf offenere Ohren stiessen als gedacht. Es gab so viele interessante Ansatzpunkte, und wir waren uns schnell einig, eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zu planen. Dadurch konnte Interesse wachsen, Vertrauen entstehen und ein gegenseitiges Kennenlernen stattfinden. Seit zehn Jahren ist es uns ein Anliegen, die Öffentlichkeit des Theaters zu nutzen, um Erfahrungen, Fragen, Beobachtungen, Wünsche unseres altersdurchmischten Publikums vorzustellen.

So nahmen wir gemeinsam den Vorlesetag am 22. Mai in Sachen Wort, Text, Geschichten in den Hinterkopf. Unsere Bühnenräume bieten Möglichkeiten für die Teilnehmenden, sich in neuer Art und Weise präsentieren können. Und das knüpft dann an einen anderen Schwerpunkt unserer Arbeit an: Begegnungen schaffen durch gemeinsame Erlebnisse, die den Austausch befördern.

FF: Wir haben zusammen unter dem Titel «Zwischen Buch und Bühne» mit ehemaligen Teilnehmenden der Edition Unik drei Treffen durchgeführt. Welche Eindrücke sind dir davon geblieben?
PF: Vom ersten Moment an wurde ich erinnert an die Jahrgänge des Kulturführerscheins, die wir zusammen mit dem Verein AkzentaNova fünf Jahre lang durchgeführt haben, sowie an die vielfältigen Projekte, die daraus in der Folgezeit entstanden. Neugierige, engagierte, Auseinandersetzungen entstehen, wenn offene Menschen zusammenkommen und sich Neues erschliessen wollen.

Ich war beeindruckt, wie intensiv die Edition Unik Teilnehmenden ihre Schreiberfahrungen reflektierten, durchaus kontrovers. Und es war bereichernd zu erleben, wie die Theaterbesuche von «Liebe Grüsse… oder Wohin das Leben fällt«, «Casa 18»  und «Der Josa mit der Zauberfiedel», als Teil der Treffen ganz anders aufgenommen wurden als von anderem Publikum. Damit wurde schliesslich die Vielschichtigkeit der Inszenierungen, nach der wir immer suchen, bestätigt.

FF: Das Junge Schauspielhaus arbeitet generationenübergreifend, aber in erster Linie habt ihr es mit Schülerinnen und Schülern zu tun. In der Edition Unik schreiben eher deren Grosseltern. War in der Arbeit mit ihnen etwas neu für dich?
PF: Was die beteiligten Menschen betrifft, war es weniger neu, als vielmehr eine sehr schöne Fortsetzung. Neu hingegen war das Genre, in dem wir uns bewegten. Bei den Angeboten vom Jungen Schauspielhaus waren es bislang eher spielerische, theatrale Formen, in denen sich die Beteiligten auszudrückten – zum Beispiel beim SeniorInnen- und Mehrgenerationen-Spielclub oder bei «Early birds» vom Verein Kulturvermittlung Zürich.

In der Kooperation mit der Edition Unik liegt der Fokus beim Schreiben und beim Umgang mit dem geschriebenen Wort. Das Buch kann man immer wieder hervornehmen, kann nachlesen, zurückblättern, Notizen machen etc. Das ist ein grosser, für uns spannender Gegensatz zur Vergänglichkeit des Theaters. Die Art der Wahrnehmung ändert sich, gerade, wenn man sich in der Gruppe weiter damit beschäftigen möchte.

Begegnungen schaffen durch gemeinsame Erlebnisse, die den Austausch befördern.
— Petra Fischer

FF: Du hast die sechs Lesegruppen auf dem letzten Teilstück des Weges hin zur Lesung begleitet und kennst das Programm des 22. Mai am besten. Gibt es etwas, worauf du dich jetzt besonders freust?
PF: Da ist zum einen die direkte Verbindung der Menschen zu ihren eigenen Texten. Bislang habe ich sie über ihre Texte reden gehört, habe Hintergründe erfahren, Fragen, die sie damit verbinden und habe die Texte selbst still gelesen. Jetzt bekommen diese Texte eine Stimme – die der Autoren oder eine fremde. Auf jeden Fall aber materialisiert sich das Geschriebene. Das erinnert mich als Dramaturgin sehr an den Moment bei jeder neuen Theaterproduktion: Wie erlebe ich es, wenn zum ersten Mal die Schauspielerinnen und Schauspieler «ihre» Texte sprechen.

Im Vorfeld hat man die Worte so oft gelesen, durchdacht, in ein Umfeld gestellt, besprochen, aber alles im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Wenn dann aber diejenigen diese Worte in den Mund nehmen und ihnen eine erste Gestalt geben, die später das Ganze dem Publikum darbieten, wird es real, bekommt einen Boden. Für die Darstellenden auf der Bühne gibt es in der Probenarbeit dann noch die Hürde zu nehmen, dass sie «fremde» Texte erst zu «ihren» machen müssen. Diesen Vorgang erleben wir am 22. Mai viel direkter. Und dann freue ich mich auf die Begegnungen im Umfeld der Lesungen mit dem Publikum, das sich hoffentlich aus verschiedenen Generationen zusammensetzt!


Die Ticketreservation ist obligatorisch, Details in unserem Veranstaltungskalender oder direkt beim Jungen Schauspielhaus.


«Ein belebendes Gefühl»

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung (NW) der Frühjahresrunden 2019 statt. Dafür konnten auch zwei Ehemalige der Edition Unik gewonnen werden, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben ihrer Bücher berichtet haben.

In Zürich war Bruno Glaus zu Gast, der der Edition Unik seit dem Pilotprojekt von 2015 treu verbunden ist und inzwischen sechs Bücher geschrieben hat. In Basel war Joseph Weibel zu Gast, der in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat und ein drittes plant.

Was die Ehemaligen sagen
Beide haben sie von ihrem Erleben beim Schreiben berichtet, von ihrer Motivation, von den Herausforderungen und Schwierigkeiten. Und sie haben den aktiven Teilnehmenden Tipps und Tricks an die Hand gegeben, die sie in der Fertigstellung des Buches unterstützen sollen. Beide betonen sie, dass das Schreiben des Buches vor allem auch ein Geschenk an sich selbst ist. Joseph Weibel sagt dazu: «Das erste Buch entgegen zu nehmen ist ein belebendes Gefühl.»

Bruno Glaus führt verschiedenste Gründe für das Aufschreiben von Lebenserinnerungen an, etwa den Wunsch nach Standortbestimmung, nach Interpretation von Ereignissen, das Interesse an der Vertiefung, an der Orientierung, aber auch das Auf- und Verarbeiten von Ereignissen und auch die blosse Freude am Schreiben. Gerade Bruno Glaus weist auf die Gefahren in der Erinnerungskultur hin und ermahnt die Teilnehmer/innen etwa zur Authentizität oder warnt vor einer Abrechnung mit der Vergangenheit. «Erklären Sie statt abzurechnen, legen Sie Fährten!»

Was die Aktiven beschäftigt
Wenn die zweite NW ansteht, steht auch der Wechsel von Etappe 2 zu Etappe 3 an. In dieser Phase beschäftigen die Schreibenden vor allem Fragen in Bezug auf Bilder und Buchgestaltung, aber es werden auch andere Themen angesprochen, teilweise werden sie nur gestreift, teilweise ausführlich diskutiert.

So machen einige die Erfahrung, dass die Meldung Ich schreibe ein Buch auf das persönliche Umfeld eine merkwürdige Wirkung haben kann: «Willst du einen Bestseller schreiben?» Dabei sei es doch so wie mit dem Lernen eines Instruments: Beginne man, Blockflöte zu lernen, so werde man beglückwünscht und keiner frage, ob man gedenke, die Konzerthallen dieser Welt zu füllen. Allerdings, so die Teilnehmerin, gäbe sie nicht zu viel auf diese Voten, sie schreibe das Buch für sich und habe Vergnügen daran. Wir vom Projektteam pflichten ihr bei! Andere hingegen erleben das Gegenteil, das persönliche Umfeld bestärke sie darin, das Buch zu schreiben und freue sich darauf, es lesen zu dürfen.

Erklären statt abrechnen.
— Bruno Glaus

Drei Teile
Die NW sind jeweils in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil erzählen Gäste den aktiven Teilnehmer/innen von ihrem Schreiben, im zweiten Teil tauschen sich die Aktiven untereinander in Kleingruppen aus und im dritten Teil nach der Pause werden die gesammelten Fragen aus den Kleingruppen beantwortet und der Etappenübergang in der «Edition Unik App» demonstriert. Viele Fragen wiederholen sich in den Veranstaltungen, sie betreffen oft Layout und Design des Buches.

Beides ist in der Edition Unik automatisiert, so dass sich die Schreibenden nicht um die Gestaltung zu kümmern brauchen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können, auf das Schreiben. Die meisten Teilnehmenden empfinden dies denn auch als Befreiung, sie seien damit von der Verantwortung befreit, auch noch visuelle Leistungen erbringen zu müssen. Einigen wenigen ist das Korsett der Edition Unik zu eng, so dass sie sich mehr Freiheiten wünschen. Die Erfolgsquote einer jeden Runde – 9 von 10 Teilnehmenden schliessen ihr Buch in einer Runde erfolgreich ab – bestätigt uns dennoch darin, dass wir mit dem Konezpt der Edition Unik nicht allzu falsch liegen können.


Was bisher geschah …
Wollen Sie wissen, was in früheren NW beschäftigt hat? Hier finden Sie alle Erlebnisberichte aus den NW seit der Herbstrunde 2017.

Selbst an einer NW teilnehmen?
Als aktive/r Teilnehmer/in einer Runde können Sie an beiden NW teilnehmen und sich mit Ihren Mitschreibenden über die Erfahrungen beim Schreiben und mit der App austauschen, können uns vom Projektteam Fragen stellen und Ihre Ideen an einem Gegenüber «testen». Melden Sie sich für die nächste Runde an!

Als ehemalige/r Teilnehmer/in können Sie sich für einen Gastauftritt an einer NW bewerben. Wir sind gerne per Mail oder via Kontaktformular zu erreichen.


erlebt – erzählt – erfahren

Ein Erfahrungsbericht von Peter Zollinger. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Autor Peter Zollinger am Edition Unik Café im Frühjahr 2019 in der Alten Kaserne (Foto: zvg.)

Autor Peter Zollinger am Edition Unik Café im Frühjahr 2019 in der Alten Kaserne (Foto: zvg.)

Am 12. Juni 2018 bin ich oberhalb vom Kalterer See mit dem Velo gestürzt und habe nebst zwei Rippenbrüchen einen Riss im Schambeinbereich erlitten. In der Folge war ich 2 Monate an den Rollstuhl gebunden. In dieser Zeit erschien in unserer Lokalzeitung ein Bericht über eine Frau aus unserem Tal, die ein Buch bei Edition Unik verfasst hatte. Spontan kam mir der Gedanke, dass ich jetzt Zeit und Musse hätte meine bereits geschriebenen Geschichten zu sortieren, zu überarbeiten und mit neuen Geschichten zu ergänzen. Kurz gesagt «Glück im Unglück».

Im Frühjahr 2018 konnte ich in meinem Heimatdorf ein Erzählcafé gestalten und hatte dort unter dem Titel «Von den Knickerbockern zu den roten Hosen, ein Lebenspuzzle» erste Geschichten vorgelesen. So war das Konzept des Buches bereits angedacht. Keine Biografie im klassischen Sinn, sondern Geschichten aus meinem Leben puzzleartig zusammengesetzt, so, dass ich jederzeit weitere Teile einfügen konnte. Dieses Konzept gab mir die notwendige Freiheit beim Schreiben und der Gestaltung des Buches. So hatte ich beim Einstieg beim Buchprojekt von Edition Unik bereits eine gewisse Basis.

Mit diesen Vorzeichen hat sich mein Schreibprozess etwas anders gestaltet als von Edition Unik geplant. Hatte ich in den ersten Wochen beim Schreiben einen Stau, konnte ich die bereits vorhandenen Geschichten überarbeiten und meinem Mentor zum Lesen und Korrigieren geben. Nach zehn Wochen hatte ich ausreichend Geschichten für mein Buch, so dass jede weitere Geschichte bereits ein Dessert war. So machte mir das Schreiben jederzeit Freude.

Glücklicherweise hatte ich in der 12. Woche die Idee mit dem Titel «erlebt – erzählt – erfahren». Damit konnte ich die Geschichten diesen drei Themen zuordnen und das grobe Gerippe war gegeben. Etwas aufwendiger gestaltete sich dann die Feinsortierung. Mit grosser Freude habe ich am 5. Dezember 2019 das Buch zum Druck freigegeben.

Fazit
Inzwischen habe an zwei Lesungen verschiedene Geschichten aus meinem Buch vortragen können. Meine Erkenntnis, ich werde in Zukunft die Geschichten mehre Male laut vorlesen. Beim Lesen habe ich gespürt, wenn es holpert, wenn ein Satz anders formuliert werden müsste oder ob eine Geschichte grundsätzlich stimmig ist.

Lesungen
Die Vorlesung «Edition Unik Café» im alten Zeughaus in Winterthur war ein grossartiges Erlebnis. Die Lesung wurde durch eine Mitarbeiterin des Zeughauses moderiert, das heisst, das Lesen war in einen Dialog eigebettet, der jeweils in die nächste Geschichte überleitete. Das freie Gespräch dazwischen über mich als Schreiberling, über meine Motivation und meine Art zu schreiben war sehr farbig und stimmig. Den Zuhörern hat es Spass gemacht, das war zu sehen und zu spüren.


Mehr als ein Lesecafé

An den Edition Unik Cafés lesen Autorinnen und Autoren der Edition Unik aus ihren persönlichen Büchern. Am Frühjahrs-Café im Berner Generationenhaus haben drei Frauen aus der Stadt und der Region Bern gelesen.

Die Edition Unik Cafés sind viel mehr als Lesecafés: Es sind Einblicke in unbekannte Leben, sie geben Antworten auf noch nicht gestellte Fragen, ermöglichen persönliche und berührende Erlebnisse und erzählen heitere Anekdoten. Im September findet ein weiteres Edition Unik Café statt, ich freue mich drauf!
— Vera Mosimann, Veranstaltungen und Projekte Berner Generationenhaus

Den Erfahrungsbericht der Edition Unik zum Café lesen Sie hier: «Milde Temperaturen …»


Mehr Lebensgeschichten hören?
Konsultieren Sie unseren
Veranstaltungskalender. Er wird laufend aktualisiert.


Geschrieben, gelesen, gewürdigt

Von grünen Würsten und anspruchsvollen Lebenswegen – am zweiten Edition Unik Café im Frühjahr 2019 gewähren zwei Ehemalige Einblick in ihre Bücher.

Am Samstag, 9. März 2019, wurde in Winterthur Fasnacht gefeiert. In der gesamten Innenstadt spielten die Guggen, am Bahnhof hiess die Steelband «Un Poco Loco» Neuankömmlinge in der Stadt willkommen. Im Kulturzentrum Alte Kaserne hingegen ging es nicht närrisch oder ein bisschen verrückt zu, sondern ernst und persönlich und trotzdem fröhlich. Auf dem Programm stand das zweite Edition Unik Café in Winterthur.

Darin hörten gut 25 Personen Arlette Yildiz und Peter Zollinger zu, die beide im Herbst 2018 in der Edition Unik ihr Buch geschrieben hatten. Während in Arlette Yildiz’ Buch und Lesung die Verarbeitung eines schwierigeren Lebenswegs zum Ausdruck kam, erzählte Peter Zollinger kurze Episoden von unterhaltender, meist heiterer Qualität. Zwischen der «Heimat in sich selbst und im Schreiben» und den «Grünen Würsten am Samstagmittag» war das Themenfeld gross.

Von der besonderen Wirkung des Schreibens wussten allerdings beide Autoren zu berichten. Peter Zollinger brachte sie, an die Zuhörer gerichtet, auf den Punkt: «Schreibt die Würdigung eures eigenen Lebens selbst! Eure Kinder und die Pfarrer werden es nicht so gut können wir ihr.»

Das Publikum in der Alten Kaserne durfte einen berührenden, von vielseitigen Emotionen geprägten Nachmittag erleben, der von Katja Kolitzus gestaltet und moderiert wurde.


Café verpasst?
Im April und im Mai finden zwei weitere Edition Unik Cafés statt, auch für den Herbst sind wiederum vier Cafés geplant. Werfen Sie einen Blick in unseren Veranstaltungskalender, es kommen laufend neue
Veranstaltungen hinzu.


Milde Temperaturen, berührende Lesungen

Lebensgeschichten lesen: Das erste Edition Unik Café 2019 fand im Berner Generationenhaus statt.

Am 28. Februar 2019 fand im Berner Generationenhaus das erste Edition Unik Café 2019 statt. Es bot dem wärmsten jemals in der Schweiz gemessenen Februar einen passenden Abschluss. Draussen waren die Temperaturen mild, drinnen war es in der Cafébar dank über 40 anwesenden Personen wohlig-warm, und im Scheinwerferlicht kamen die Lesenden auf der Bühne beinah ins Schwitzen. Oder lag das doch eher am emotionalen Inhalt der Geschichten?

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Auf der Bühne nahm zunächst die Edition Unik Autorin Verena Raaflaub Platz, gemeinsam mit Sohn Christian und Enkel Noah. Nacheinander lasen sie Portraits von Familienmitgliedern, die Verena aus ihrer eigenen Sicht als junges Mädchen zu Papier gebracht hatte. Eine besondere Rolle spielten dabei sehr unterhaltende Episoden über die Geburten ihrer jüngeren Geschwister.

Rebekka Rossmann, die alleine las, aber ihre Tochter dabei hatte, spannte in ihren Lesungen und Erzählungen den Bogen von ihrer schweren Kindheit in einem sektenähnlichen Umfeld über ihre eigene Befreiung bis zu ihrer heutigen Lebensfreude als Mutter. Neben Erzählungen hat sie ihre Sicht der Dinge auch in Gedichten vorgetragen, die das Publikum sehr berührten.

Die dritte Leserin war Dagmar Agéthen, die in ihrem Buch lustige wie schwere Erinnerungen zu kurzen Episoden verarbeitet hatte, sich in der Lesung aber auf die lustigen konzentrierte. Sie las zwei Kurzgeschichten vor, zeigte sogar auch Fotos dazu und brachte die Veranstaltung zu einem fröhlich-gelassenen Abschluss.

Moderiert wurde das Café von Vera Mosimann vom Berner Generationenhaus.


Café verpasst?
Weitere Edition Unik Cafés und andere Veranstaltungen finden Sie in unserem
Veranstaltungskalender; schauen Sie von Zeit zu Zeit rein, er wird regelmässig aktualisiert.


Aus meinem 10-Minuten-Tagebuch

Ein Bericht von Katrin Sterki. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Meine erste bewusste Begegnung mit Wort und Schrift erlebte ich so: Abends, wenn die Küche aufgeräumt war, sass meine Mutter noch am Küchentisch und schrieb in ein dickes Heft alle Ausgaben des Tages. Ich ging noch nicht zur Schule, schaute gerne zu, wie sorgfältig sie alles aufschrieb, ihre verbundene Schrift war gleichmässig, für meine Augen damals einfach schön. Diese regelmässigen Schleifen nach oben und unten! Werde ich auch einmal so schreiben können? So genau verstand ich diese Arbeit der Mutter nicht, aber dass sie wichtig war, das spürte ich. Es waren stille und friedliche Momente zu zweit.

Offline und Online: In der Edition Unik verschmelzen beide Komponenten (Fotos: zvg.)

Offline und Online: In der Edition Unik verschmelzen beide Komponenten (Fotos: zvg.)

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In der ersten Klasse lernte ich langsam alle Buchstaben kennen, kurze Wörter lesen und in ein kleines Heft schreiben. Wir Kinder im Quartier schrieben einander auf kleine Zettelchen das, was wir eben konnten. Wir vereinbarten einen Ort bei den jeweiligen Wohnhäusern, wo wir die Briefchen in eine Mauerritze oder in eine Holzspalte stecken konnten. Daraus wurde ein spannendes Spielchen. Hat mir jemand geschrieben? Warum schreibt sie nicht? Wem schreibe ich jetzt? Was wir uns schrieben, das weiss ich nicht mehr, sicher nur wenige Worte, etwa: «Sälü, wie geht es dir? Mir geht es gut? Was machst du?»

Nach einiger Zeit entdeckte die Mutter unser unbekümmertes Spiel und verbot es. Die Freude war weg. Was hatten wir denn Unerlaubtes getan? Es war eines der vielen Verbote meiner Mutter im Lauf der Kindheit: Das gehört sich nicht. Was denken die andern? Tief haben sie sich im Laufe der Zeit in mein Leben eingegraben, erstickten meine Lebensfreude, bis ich sie entdeckte und mich nach vielen Jahren davon befreite.

Aufsätze schreiben in den weiteren Schuljahren? Da sass ich freudlos vor dem leeren Papier und nichts kam mir in den Sinn, keine Idee, keine Worte. Auf Kommando schreiben, das ging kaum. Das Spielerische war weg, es musste alles so vernünftig, so sachlich sein. In den Augen der Lehrkräfte hatte ich kein Talent, einen anständigen Aufsatz zu Papier zu bringen. Also wuchs in mir die Überzeugung: Ich bin nicht fähig, einen Aufsatz zu schreiben.

Und in der beruflichen Ausbildung? Mit dem, was ich schrieb, genügte ich der Deutschlehrerin nicht. Von anderen Fach-Lehrkräften fühlte ich mich zum Glück wahr genommen. Sie lernten eine andere Seite von mir kennen, eine offene, interessierte. Da spürte ich: Ich hatte einen Wert. In meinen Berufsjahren war der sprachliche Ausdruck zwar wichtig, aber freie Texte schrieb ich keine, höchstens Reisetagebücher, ab und zu Briefe.

Erst nach der Pensionierung erwachte mein schlummerndes Bedürfnis wieder: Ich wollte schreiben. Ich besuchte Kurse, wurde mutiger, mich auszudrücken. Viele Texte entstanden, Anerkennung tat gut. Ich lernte Menschen kennen, die auch erst in späten Jahren wieder zu schreiben begannen. Ein befruchtender Austausch entstand. Nach langem Hin und Her in meinem Kopf wagte ich, mich für eine Teilnahme an der Edition Unik anzumelden mit dem Titel: «Erinnerungen Schreiben und Schenken»*.

Der lange verborgene Schatz kam nun endgültig ans Licht: Schreiben aus mir heraus, ohne grosse Vorgaben, ein Buch entstand, MEIN Buch! Überglücklich war ich: Ein grosses Geschenk von mir für mich! Meine Freunde und Bekannten staunten: «Du hast ein Buch geschrieben? Kann ich es lesen?»


* Seit 2017 heisst es in der Edition Unik übrigens «Schreib dein Buch». Botschafter für das neue Motto haben wir auch gefunden, und zwar gleich vier Ehemalige der Edition Unik!
(Anm. Team Edition Unik)