Alumni

Schweizweit schreiben

Arbon, Binningen, Castagnola: Die Edition Unik Autoren schreiben ihre Bücher in allen Ecken der Schweiz. Und sie schreiben in Österreich (Linz) und seit 2019 auch in Deutschland (Hamburg).

Die Edition Unik ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt (Quelle: Google Maps)

Die Edition Unik ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt (Quelle: Google Maps)

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik kommen schon seit dem Pilotprojekt von 2015 aus der ganzen (Deutsch-)Schweiz. Noch immer ist ein Grossteil der Schreibenden in der Deutschschweiz zu Hause, aber es gibt immer mehr «Ausreisser», so etwa im Tessin, in der Romandie und im Ausland.

Man ist in der Edition Unik nicht an einen Ort gebunden, ganz im Gegenteil, Teilnehmerinnen und Teilnehmer schreiben von dort, wo sie Inspiration finden und wo sie sich wohl fühlen. Entweder verfügen sie dabei über einen Internetanschluss sowie einen zeitgemässen Computer und fügen die Texte direkt in die exklusive Schreibsoftware «Edition Unik App» ein – oder sie schreiben von Hand oder in externen Programmen und übertragen die Texte danach in die App.

Die Sprache
In der Vergangenheit sind bereits englische, französische und italienische Bücher entstanden, die Autorinnen und Autoren sind in der Sprachwahl frei. Die Rahmenangebote der Edition Unik – etwa die Veranstaltungen, das Handbuch und die Angaben in der App – sind in Deutsch gehalten.

Die App
Sie brauchen kein Programm herunterzuladen, denn die Edition Unik App ist browserbasiert. Das bedeutet, dass Sie über eine stabile Internetverbindung sowie einen zeitgemässen Computer mit aktuellem Browser verfügen müssen. Mit Ausnahme der beiden Microsoft-Produkte «Internet Explorer» und «Edge» sind die gängigen Browser mit der App kompatibel.

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

Quelle: eigene Darstellung mit Google Maps

  • Weitere Antworten erfahren Sie in der Rubrik Fragen.

  • Weitere Angaben und einen Film finden Sie in der Rubrik Projekt.

  • Sind Ihre Fragen noch nicht beantwortet? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir sind gerne für Sie da.


 

Legende zu den Karten (Teilnahmen bis
und mit Herbstrunden 2018)
Weinrot: Pilotprojekt 2015
Orange: Frühjahr 2016
Gelb: Herbst 2016
Grasgrün: Frühjahr 2017
Wassergrün: Herbst 2017
Nachtblau: Frühjahr 2018
Hellgrün: Herbst Zürich 2018
Lila: Herbst Basel 2018

 

Buhl

Ein Fragment von Monique Demierre-Herscher, sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Buhl war in den 1950-er Jahren ein 2000-Seelen-Dorf unterhalb der Vogesen mit dem Markstein und dem Grand Ballon (Grosser Belchen) im Hintergrund, das im Florival – das Blumental - liegt; es wird erstmals 1135 schriftlich unter dem Namen Buhele erwähnt. Das Dorf ist eingebettet zwischen Tannen- und Laubwäldern auf zwei Seiten und dem Rebberg; damals nahm ich die Schönheit dieser grossartigen Forste nicht als Solches war, zu sehr lastete der beschwerliche Alltag auf mir, und erst jetzt, aus der Entfernung, sehe ich vor dem inneren Auge die Einzigartigkeit dieser lieblichen Landschaft, der stillen Tälern und blumigen Wiesen. Aber auch der Col du Silberloch und der Hartmannswillerkopf mit den unendlich vielen Toten aus dem Ersten Weltkrieg liegen ganz in der Nähe und warfen ihre düsteren Schatten auf unseren Alltag. Der Fluss Lauch fliesst mitten durch das Dorf und führt das Wasser aus den Bergen in den Rhein; er soll seinen Namen von den Begebenheiten erhalten haben, als immer wieder mit Lauch überfüllte kleine Kähne gekippt seien und so das Gemüse in den Fluss gefallen sei. Zwei andere schmale Bäche fliessen in die Lauch, der Murbach und der Krebsbach; am Murbach entlang – er kommt aus eben dieser kleinen Ortschaft hinter Buhl, wo vor über 1300 Jahren Schottische Benediktinermönche ein Kloster gebaut haben, das immer noch steht - gab es wunderbare Feuchtwiesen; dort pflückten ich und meine Schwestern im Frühling prächtige Blumensträusse mit Primeln, Veilchen und Wiesenschaumkraut – von meiner Mutter mit einem was söll ych jetzt mit däm Bäse? empfangen. Der Taleingang wurde bis vor ein paar hundert Jahren durch eine Burg geschützt, den Hugstein; davon bleibt heute nur noch eine Ruine übrig, zu welcher ich mit meinem Vater des Öfteren spaziert bin.

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

Buhl um ca. 1960 (Foto: zvg.)

In den frühen 50-er Jahren gab es nebst dem Busbetrieb das Tal hinauf und hinunter auch eine Eisenbahn und einen bedienten Bahnhof; wir wohnten ganz in seiner Nähe, nämlich in der rue de la gare. Der Zug, der bereits lange vor seiner Ankunft hörbar war, bestand aus der Dampflokomotive und ein paar Wagen mit Holzbänken für die Drittklasspassagiere und wohl auch einen Erstklass- und einen Zweitklasswagen, und fuhr von Bollwiller bis zuhinterst ins Tal nach Lautenbach. Zu dieser Zeit hatte das Dorf drei Bäckereien, eine Metzgerei, eine Apotheke, ein Haushaltswarengeschäft - la quincaillerie -, einen Fischladen, eine Gärtnerei und mehrere épiceries - Lebensmittelläden. Die Schulen waren getrennt in Mädchen- und Knabenschule. Die Kirche St. Jean mit einem schönen Altarbild aus der Zeit von Martin Schongauer (1442 - 14991) thronte und thront noch immer auf einem kleinen Hügel, auf welchem ich mit meinem Vater, als ich noch klein war, im Winter ab und zu schlitteln ging. Daneben liegt der Friedhof, wo meine Ahnen sowie mein Vater begraben sind. Und in Buhl wurden auch mindestens drei oder vier Wirtshäuser betrieben - vielleicht waren es auch mehr -, die mein Vater regelmässig besuchte. Ich erinnere mich ans café de la vigne ganz in der Nähe unseres Hauses; Nicole, die Tochter des Besitzers, ging mit mir in die Primarschule und zusammen beschritten wir oftmals den Schulweg; ich wohnte am weitesten entfernt von der Schule, in einem feuchten, baufälligen Haus am Ende des Natursträsschen, auf welchem die grossen Lastwagen mit Anhänger die gefällten Bäume zur Sägerei fuhren. In diese Wirtshäuser nahm mich mein Vater mit, als ich noch klein war; meistens erhielt ich einen sirop grenadine oder sirop à la menthe, ein dunkelgrünes, sehr süsses und eiskaltes Getränk. Es roch in diesen Wirtshäusern unglaublich stark nach Rauch und nach selten gereinigtem Pissoir. Später, als ich nicht mehr in der Gunst meines Vaters stand, ging er ohne mich dorthin und konnte somit umso später nach Hause zurückkehren; vielleicht sollte ich es als ein Glück bezeichnen, dass meine Mutter mir nie auftrug, ihn von dort nach Hause zu holen; wir waren ja froh, wenn er nicht anwesend war.


Die Wurzeln, die bleiben

Ein Erlebnisbericht von Erika Kneubühl. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Es war als würde ich Szene für Szene eines Film aufschreiben, den ich einmal gesehen hatte und in dem ich die Hauptrolle spielte.

Nach Abschluss des Buches war alles gut, ich hatte alles, was mich während 35 Jahren belastete und freute niedergeschrieben und wusste, nun wird meine Geschichte niemals vergessen gehen!

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)

Die Aare Bar: Lieblingsschreibort der Autorin (Foto: zvg.)


Aufschreiben und bewahren
Möchten auch Sie Ihre Geschichte(n) festhalten, am besten zwischen zwei Buchdeckeln? Dann kontaktieren Sie uns. Die
Anmeldung für die Herbstrunden 2019 in Basel und Zürich sowie für die Frühjahresrunde 2020 ist geöffnet!


Grüeni Würscht

Eine Anekdote von Peter Zollinger. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

In der Nacht hatte der Wind auf Westen gedreht, Regen hatte eingesetzt und die vergangenen schönen Wintertage jäh beendet. Wir Kinder hatten so gehofft, dass der herrliche Pulverschnee über das Wochenende bleiben würde! Am diesem Samstagmorgen hingen graue Regenwolken über dem kleinen Dorf am Bachtelhang. Wir sassen betrübt am Morgentisch, die Mutter hatte den Kochherd eingefeuert, so dass es wenigstens in der Küche schön warm war. Der Vater war schon ausser Haus, wie fast jeden Samstag arbeitete er bei unserem Nachbarn und Hausvermieter, dem Stickelchägi. Wir hatten einen sehr kleinen Mietzins, dafür war der Vater oft am Arbeiten in der Pfähleherstellung. Als Vorarbeiter war er die ganze Woche gefordert, am Samstag wollte er einfach nur in Ruhe Pfähle schinden oder spitzen. Die Mutter war darob nicht immer glücklich, aber es war einfach so.

Es war kurz nach Weihnachten, und wir vier Kinder konnten mit unseren Weihnachtsgeschenken gut verweilen. Mein Götti hatte mir einen weiteren Meccanobaukasten geschenkt, so dass ich einen Kran bauen konnte, dessen Spitze bis auf den Stubentisch reichte. Beschwert wurde er am Fuss mit den Gewichten von Mutters Strickapparat. Dazwischen sass ich am Stubentisch und schaute dem munteren Treiben am Futterhaus zu, das direkt vor dem Vorfenster montiert war. Zum Glück flogen immer wieder Kleiber ans Futterhaus und vertrieben die gefrässigen Dompfaffen und Grünfiken, die sich dort gemütlich niedergelassen hatten.

Autor Peter Zollinger an der Lesung der Abschlussveranstaltung (Foto: zvg.)

Autor Peter Zollinger an der Lesung der Abschlussveranstaltung (Foto: zvg.)

Plötzlich hörte ich Metzger König’s Auto hupen. Jetzt aber schneidig eine Jacke anziehen, rein in die Gummistiefel, eine Kappe über die Ohren und raus in Pflotsch und Regen! Der gestern noch glitzernde, weisse Schnee war eine matschige Brühe, das Wasser floss in kleinen Bächlein durch die Spurrinnen. Metzger König hatte die Heckklappe seines Autos geöffnet, so dass Mutter am Schärmen stehen konnte. «Trudi, hüt häts Grüeni Würscht, das gäb doch en feine z’Mittag.» Mir lief bereits das Wasser im Mund zusammen, ich wusste aber auch, dass es an Samstagen, wenn der Vater nicht zu Hause ass, selten Fleisch gab. «Ja, hüt nim i föif grüeni Würscht», sagte meine Mutter ganz bestimmt. Eine Stunde später sassen wir zu fünft um den kleinen Tisch in der heimelig warmen Küche und löffelten die obligate Suppe. Dann legte uns die Mutter eine glänzende, grüne Wurst in den Teller, jedem einen Spritzer Senf und einen Schöpfer Teigwaren, die sie in feiner Butter geschwenkt hatte. War das ein Vergnügen, auf der ganzen Länge der Wurst einen Schnitt zu machen und dann die Haut abzuziehen! Eine ganze Wurst für sich alleine geniessen zu können, das war eine Ausnahme. Dementsprechend war es so ruhig in der Küche, dass wir hörten, wie draussen der Regen in die Pfützen prasselte.

Mehr von Peter Zollinger lesen?
Den Erlebnisbericht von Peter Zollinger zum Schreiben und Lesen finden Sie hier: erlebt - erzählt - erfahren


Selber schreiben?
Unbedingt! Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik sind selten geübte Schreiber/innen, zu erzählen haben sie aber alle jede Menge Wichtiges und Gewichtiges. Sie auch! Noch ist die Anmeldung für die Basler und die Zürcher Herbstrunde möglich; selbstverständlich können Sie sich auch schon für Frühjahr 2020 anmelden.

Informationen und Anmeldeformular in der Rubrik «Teilnehmen».