Schreiben

In eigener Sache: Was gefällt, was nicht – und warum?

Umfrage zum Journal und zum Newsletter der Edition Unik.

  (Foto: Vera Hartmann)

(Foto: Vera Hartmann)

Im gemeinsamen Gespräch kommt man auf Ideen, die man alleine nicht gehabt hätte. Und der Blick von aussen eröffnet neue Perspektiven. Das mögen Binsenweisheiten sein – richtig und wichtig sind sie trotzdem. Und deshalb richten wir uns heute an Sie: Gefällt Ihnen, was Sie sehen? Oder nicht? Und warum? Uns geht es dabei vor allem um unser Journal und unseren Newsletter.

Mit Ihrer Rückmeldung helfen Sie uns, besser zu werden. Dafür schon vorab herzlichen Dank!

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Sie dürfen gerne auch konkrete Beispiele aus dem Journal zitieren.
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Zwei Generationen schreiben Geschichte

Ankündigung: Edith Leibundgut hat die Geschichte ihrer Nachbarin Olga aufgeschrieben und mithilfe der Edition Unik zum Buch gemacht. Am 20. Oktober liest sie in Bümpliz daraus vor, die Lesung ist öffentlich.

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Der zweite Weltkrieg hat auch die Frauen betroffen. Sie wurden eingezogen, um Kriegsarbeit in Fabriken, Lazaretten und auf dem Feld zu leisten. Olga ist eine heute 92 Jahre alte Frau, die im Krieg gross geworden ist, Dienst leistete und bei Kriegsende Dank einer Diplomatenfamilie den Weg in die Schweiz gefunden hat.

Olga hat mir an langen Abenden beim Teetrinken ihre Geschichte erzählt. Daraus und aus intensiver Recherche ist das Buch «Olga» entstanden, das Leben, Leid und Liebe der Frauen über fünf Generationen beleuchtet.

Sie sind herzlich eingeladen die Lesung anlässlich des Generationenfestes in der Quartierbibliothek Bümpliz am Samstag, 20. Oktober 2018 um 17 Uhr zu besuchen. Umrahmt wird die Lesung durch ein Querflötenquartett mit Musik von Tschaikowsky.


Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.

Das Denken befreien

Schreibende aus der Edition Unik lassen uns immer wieder wissen, wie befreiend und wohltuend das Sammeln und Schreiben sei, das sie 17 Wochen lang betreiben. Dass das Schreiben ein Ventil sein kann, ist spätestens seit James Pennebaker anerkannt, der in den 1980ern eine neue Therapieform begründete: das expressive Schreiben.

Beim expressiven Schreiben geht es darum, dass man sich regelmässig und intensiv mit bestimmten Erlebnissen auseinandersetzt, und zwar schreibend. Diese Technik gilt heute als wirksame Methode der Selbsttherapie – und ist keine wirklich neue Erfindung. Schon lange werden Briefe, Gedichte und Tagebücher geschrieben, die für keine anderen Augen als die eigenen bestimmt sind.

Einen ähnlichen Prozess durchlaufen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Edition Unik: Die Bücher, die in 17 Schreibwochen entstehen, sind in erster Linie nicht für eine Öffentlichkeit gedacht, sondern als Geschenke der Schreibenden an sich selbst oder an ihre Liebsten.

Wir haben ein paar Stimmen dazu eingefangen, lesen Sie selbst.

Das Schreiben erweitert das Bewusstsein, schärft die Wahrnehmung und schenkt die Freude, ein einmaliges Werk geschaffen zu haben.
— Roman Müller, Teilnehmer der Edition Unik
Es war für mich enorm bereichernd, diese Zeiten nochmals zu erleben. Und in der aktiven Rückschau so vieles zu verstehen und ihm eine andere Bedeutung zu geben.
— Verena Raaflaub, Teilnehmerin der Edition Unik
Ich versuchte, das Gute wie auch das Schmerzhafte auf mich zukommen zu lassen. Zu meiner Überraschung merkte ich, dass das Gute und Liebevolle bei Weitem überwiegt. Das ist eine Entdeckung für mich, das war mir zuvor nicht bewusst.
— Susanne Baer, Teilnehmerin der Edition Unik
Nach dem «Ja» ist alles nur noch halb-freiwillig: Der leichte Zwang zur Reflexion ist heilsam, aufheiternd, Balsam für die Seele. Ein kleines Denkmal zu hinterlassen ist ein schöner Nebeneffekt.
— Jürg Schleiniger, Teilnehmer der Edition Unik
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Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte. Wenn mir die eine auf die Nerven fällt, nächtige ich bei der anderen.
— Anton Pawlowitsch Tschechow

Mehr zum Thema: Vom «Schreiben als Ventil» berichtet auch die Teilnehmerin Susanna Müller-Pfister im Interview mit dem Landboten.


Ein eigenes Buch zu schreiben kann wahrlich wohltuend sein. Wann legen Sie los? Die Anmeldungen für die kommenden Runden sind geöffnet.

Spurrillen, alte Schachteln und Häuser am Weg

Erinnerungen sind flüchtig, so flüchtig, dass es sich lohnt, sie festzuhalten. Und manchmal lohnt sich, diese Erinnerungen zu teilen. Mit den Liebsten, aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit. So wie am ersten Edition Unik Café in der Alten Kaserne, Winterthur.

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Während unten eine Band den Soundcheck durchführt, sitzen rund 60 Gäste im Saal im zweiten OG der Alten Kaserne und lauschen den Erinnerungen von Hanna Meister und Susanna Müller-Pfister. Das heisst, Susanna hat nicht nur ihre eigenen Erinnerungen aufgeschrieben, sondern auch die ihrer Eltern. Aber dazu später. Durch den Abend führt Katja Kolitzus von der Alten Kaserne.

Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.

Hanna hat in der Edition Unik ihr Buch «Spurrillen» geschrieben, das vor ihrer Geburt beginnt und in ihren ersten Jahren als junge Mutter und Pfarrfrau endet. Sie liest unter anderem vor, wie sie sich als Kind die Zeit im Mehrfamilienhaus vertrieb: Hurtig huscht sie durch das Treppenhaus, hilft bei einer Frau putzen, bei einer anderen hört sie «Katzenmusik» und bei wieder einer anderen darf sie Globibücher anschauen. «Globi galt bei uns zu Hause als Schundliteratur», erklärt sie denn auch ihre Freude darüber. Ausserdem erzählt sie, dass damals tagsüber eigentlich nur Frauen die Türen geöffnet hätten: «Ich habe keine verheiratete Frau gekannt, die gearbeitet hätte.» Viele Berufe waren verheirateten Frauen lange Zeit untersagt, so gab es etwa keine Lehrerinnen oder Kindergärtnerinnen mit Ehemann.

Auch Susanna hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten. Es heisst «Die Häuser an meinem Weg» und erzählt von Ereignissen, die ihr Leben auf die eine oder andere Art berühren und beeinflussen, ohne dabei einer strengen Chronologie zu folgen. Ihre Ausgangspunkte sind Häuser. Häuser, die mehr sind als blosse vier Wände mit einem Dach. In Häusern stecken Geschichte und Geschichten. «Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.»

Das zweite Buch trägt den Titel «Eine alte Schachtel», viel Fleissarbeit steckt darin. Denn, die alte Schachtel ist nicht etwa eine Person, sondern es ist – eine alte Kartonkiste eben. In dieser Kiste hat Susanna neben Postkarten einen Briefwechsel ihrer Eltern gefunden, die als junges Liebespaar durch einen Amerikaaufenthalt für ein Jahr getrennt wurden. Ihr Vater erlaubte ihr, die Briefe abzutippen – und ist froh darüber, denn so gedruckt und gebunden könne er die Briefe viel besser lesen.


Schreiben auch Sie Ihr Buch! Die Anmeldung für die Runden 2019 ist geöffnet.

Weitere Edition Unik Cafés und Lesungen finden Sie im Veranstaltungskalender.


Rückblick: Erste Netzwerkveranstaltung im Herbst

Lustvoll sei es, das tägliche Sammeln und Schreiben von Erinnerungen. Auch befreiend, manchmal bedrückend, im Grossen und Ganzen aber vor allem bereichernd, sind sich die Teilnehmer/innen einig, die letzte Woche die erste Netzwerkveranstaltung der aktuellen Runden besucht haben.

Die Netzwerkveranstaltungen sind Teil des Basisprogramms der Edition Unik und dienen dem Austausch zwischen den aktiven Teilnehmer/innen. Für einen Gastauftritt an diesen ersten beiden Netzwerkveranstaltungen in Zürich und Basel konnten zwei Ehemalige aus der Edition Unik gewonnen werden. Die beiden Alumni haben die 17 Schreibwochen erfolgreich hinter sich gebracht und ihre Bücher geschrieben. So können sie von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten, teilen Tipps und Tricks mit den aktuellen Teilnehmenden und lesen auch aus ihren Büchern vor. Diskutiert wurden sowohl inhaltliche wie auch technische Fragen.

 Kosmos, Zürich.

Kosmos, Zürich.

Inhaltliche Überlegungen
Inhaltliche Fragen wurden vor allem gestellt in Bezug auf Form und Art des Textes: Lineare (Auto-)Biographie? Oder doch lieber Roman, Erfahrungsanalyse oder ganz etwas anderes wie etwa ein Rezeptbuch? In der Edition Unik sind bisher rund 300 Bücher erschienen, die so unterschiedlich sind wie deren Urheber. Die Schreibenden sind inhaltlich frei und bestimmen selbst über ihre Inhalte. Einige wählen eine faktentreue Biographie, andere entscheiden sich für einen Roman mit fiktiven und realen Elementen und wieder andere schreiben Gedichtbände, Kunstkritiken oder Kinderbücher.

Die Ehemaligen empfehlen: Lassen Sie Ihrer Kreativität in der ersten Etappe, dem Sammeln, freien Lauf, so kann Neues, Unerwartetes entstehen. Schreiben Sie frei von der Leber weg, Sie haben bis zum Redaktionsschluss die Möglichkeit, an den Texten zu feilen, Änderungen und Korrekturen anzubringen usw.

Zeitmanagement und Rhythmus
Ein ebenfalls wichtiges Thema ist das Zeitmanagement. Die Empfehlung des Projektteams lautet, sich jeden Tag 45 Minuten Zeit für das Buchprojekt zu nehmen. Aber auch hier sind die Teilnehmer/innen völlig frei: einige schreiben mehrere Stunden am Stück, dafür mehrere Tage lang nicht, andere nur wenige Minuten, dafür öfters am Tag. Den Rhythmus bestimmen die Schreibenden selbst.

Die Ehemaligen empfehlen: Betrachten Sie das Raster als Hilfestellung, nicht als starre Richtlinien. Finden Sie Ihren Rhythmus, geben Sie sich dem Fluss Ihrer Erinnerungen hin.

 Unternehmen Mitte, Basel.

Unternehmen Mitte, Basel.

Technische Fragen
Die technischen Aspekte betrafen vor allem den Umgang mit der Edition Unik App. In ihr schreiben die Teilnehmer/innen ihre Texte, die zu fertigen Büchern werden. Die Edition Unik App ist ein Texteditor, der in unserem Fall nur einige wenige Formatierungen ermöglicht, etwa den Fett- oder Kursivdruck von Texten. Vieles ist eingeschränkt, da vor allem Layout und Design automatisiert sind. Die Bücher werden damit den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht, ohne in der Erscheinung zu verlieren.

Die Ehemaligen empfehlen: Versuchen Sie, mit den Strukturen der App zu spielen. Sie unterbindet etwa im Gegensatz zu Microsoft Word zwar viel, lässt Ihnen aber gleichzeitig viel kreativen Freiraum. Verlassen Sie sich auf die Konzeption der Edition Unik.

Auch diskutiert wurden Fragen zur Textlänge und zur Anzahl Zeichen pro Buchseite. Hier sei auf den Artikel «Was ist eigentlich eine Normseite» verwiesen. Soviel sei gesagt: Die Edition Unik gibt keine Mindest- oder Maximalzahl Zeichen oder Worte vor, das gilt grundsätzlich auch für den Seitenumfang. Bei letzterem ist aber zu beachten, dass die Druckmaschinen nur eine bestimmte Menge solcher Normseiten verarbeiten können, und zwar 600. Ab einem bestimmen Zeitpunkt in den Projektwochen sind die Zeichen- und Wörterzahlen einzusehen.

Die Ehemaligen empfehlen: Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt, lassen Sie sich auf den Prozess der Edition Unik ein und rücken Sie die Fragen nach dem Umfang des Buches nicht in den Fokus. Wichtiger als der Umfang ist das, was das Schreiben anstösst. Geniessen Sie es.