Lesung

Viele Schubladen

Wussten Sie, dass man bei einer live Radiosendung Ringe und Uhren besser auszieht? Projektmitarbeiterin Janine Meyer hat das letzten Sonntag erfahren, und zwar als eine der beiden Frauen, die von Moderatorin Christine Kolb zum Gespräch geladen wurde.

  Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Da war er plötzlich, dieser Raum mit ganzen Wänden voller Schubladen. Leeren Schubladen, die angeschrieben und gefüllt werden wollten. Und das hat Hanna Meister getan. Der Raum ist ihr Symbol für die Edition Unik App, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der 17 Projektwochen ihre Bücher schreiben. Doch von vorn:

Am ersten Advent war die Edition Unik zu Gast in der Talksendung «Seniorama» von Radio Stadtfilter. Christine Kolb hat die Sendung moderiert, ihre Gäste waren Hanna Meister, Autorin der Edition Unik, und Janine Meyer, Projektmitarbeiterin der Edition Unik. Eine Stunde lang haben sich die drei Frauen über die Erfahrung beim Schreiben und im Projekt ausgetauscht, wobei Hanna Meister eben den Vergleich mit dem Raum und den Schubladen anführte. Sie hat diese Schubladen in 17 Wochen mit ihren Erinnerungen gefüllt, daraus ist ihr Buch «Spurrillen» entstanden, aus dem sie in der Radiosendung auch vorliest. Reinhören lohnt sich!

Leistungen des Basispakets
Ein grosser Bestandteil der Leistungen unseres Schreibprojekts ist die «Edition Unik App», eine Schreibsoftware, die exklusiv für aktive Teilnehmende entwickelt wurde. Diese Software bildet den dreistufigen Prozess der Edition Unik ab und führt die Schreibenden so durch die Projektwochen. In der ersten Etappe «Erinnerungen Sammeln» geht es darum, die Erinnerungen und Gedanken fliessen zu lassen, erst in der zweiten Etappe «Geschichten Sortieren» sollen die Schreibenden das Augenmerk auf Dramaturgie und Struktur, aber auch auf Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung legen. Die letzte Etappe «Buch Gestalten» ist so etwas wie das «Finish»: Hier werden Titel und Autorenname gesetzt, die Farbe des Einbands ausgewählt usw.

Übrigens
Ringe und Uhren zieht man übrigens drum besser aus, weil man oft unbemerkt gestikuliert und dabei etwa die Tischplatte berühren könnte. Geschieht dies mit einem härteren Gegenstand, so ist ein Klacklaut zu hören, der durch das Mikrophon verstärkt würde und damit einen störenden Effekt hätte. Ähnlich verhält es sich mit Blätterrascheln oder auch mit dem Klicken eines Kugelschreibers.


Zwei Lesungen am Sonntag

Wir freuen uns sehr, Sie gleich auf zwei Lesungen aufmerksam machen zu dürfen, die von Ehemaligen aus der Edition Unik organisiert und durchgeführt werden. Beide finden statt am kommenden Sonntag, 25.11.18.

 Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

Schreib dein Buch. (Foto: Markus Bertschi)

In der Edition Unik sind wir stets darum bemüht, die Bücher und deren Inhalte auch einem grösseren Publikum bekannt und zugänglich zu machen. Wir ermutigen dazu auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Edition Unik – und so freuen wir uns, Ihnen heute gleich zwei Lesungen zu empfehlen. Beide sind auf Eigeninitiative der Ehemaligen entstanden, wofür wir uns herzlich bedanken!

Schriftbilder und Illustrationen
Romi Cash lädt am 25.11.18 im Kulturzentrum Eichen in Schänis zur Ausstellungsbesichtigung und zur Lesung. Die Illustrationen stammen ebenfalls von Romi Cash, gelesen wird von ihr selbst und von Judith Annen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.

1968 und danach
Bruno Glaus lädt ebenfalls am 25. November zur Lesung, und zwar ab 16.30 Uhr im Museum Zeitfalten in Uznach. Eine weitere Teilnehmerin der Edition Unik wird auch aus ihrem Buch vorlesen. Im Anschluss an die Lesung erwartet Sie am «Roundtable» eine unterhaltsame Diskussion mit zusätzlichen Gästen.
Details entnehmen Sie bitte dem Beitrag im Veranstaltungskalender.


Was ist eigentlich der Unterschied zwischen «Lesung» und «Café»?
Schon während des Pilotprojekts von 2015 haben wir vom Projektteam die Teilnehmenden zum (Vor-)Lesen ihrer Geschichten motiviert. Dabei ist uns eine grosse Resonanz entgegengeschlagen und so führen wir mit Partnern seit 2016 die Edition Unik Cafés durch. An vier Veranstaltungsorten finden pro Jahr je zwei öffentliche Cafés statt, an denen Teilnehmer/innen und Ehemalige aus ihren Büchern vorlesen. Diese Cafés führen wir gemeinsam mit den entsprechenden Veranstaltungspartnern durch.

Die Lesungen hingegen werden selbstständig und von uns unabhängig von Teilnehmenden und Ehemaligen organisiert und durchgeführt. Wir unterstützen die Organisierenden auf Anfrage mit Material und auch mit Aufrufen zur Lesersuche u.ä. Die Teilnehmenden sind vollkommen frei: Inhaltlich in ihren Büchern und natürlich auch im Umgang mit diesen Büchern und ihren Inhalten.


Zwei Generationen schreiben Geschichte

Ankündigung: Edith Leibundgut hat die Geschichte ihrer Nachbarin Olga aufgeschrieben und mithilfe der Edition Unik zum Buch gemacht. Am 20. Oktober liest sie in Bümpliz daraus vor, die Lesung ist öffentlich.

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Der zweite Weltkrieg hat auch die Frauen betroffen. Sie wurden eingezogen, um Kriegsarbeit in Fabriken, Lazaretten und auf dem Feld zu leisten. Olga ist eine heute 92 Jahre alte Frau, die im Krieg gross geworden ist, Dienst leistete und bei Kriegsende Dank einer Diplomatenfamilie den Weg in die Schweiz gefunden hat.

Olga hat mir an langen Abenden beim Teetrinken ihre Geschichte erzählt. Daraus und aus intensiver Recherche ist das Buch «Olga» entstanden, das Leben, Leid und Liebe der Frauen über fünf Generationen beleuchtet.

Sie sind herzlich eingeladen die Lesung anlässlich des Generationenfestes in der Quartierbibliothek Bümpliz am Samstag, 20. Oktober 2018 um 17 Uhr zu besuchen. Umrahmt wird die Lesung durch ein Querflötenquartett mit Musik von Tschaikowsky.


Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.

Spurrillen, alte Schachteln und Häuser am Weg

Erinnerungen sind flüchtig, so flüchtig, dass es sich lohnt, sie festzuhalten. Und manchmal lohnt sich, diese Erinnerungen zu teilen. Mit den Liebsten, aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit. So wie am ersten Edition Unik Café in der Alten Kaserne, Winterthur.

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Während unten eine Band den Soundcheck durchführt, sitzen rund 60 Gäste im Saal im zweiten OG der Alten Kaserne und lauschen den Erinnerungen von Hanna Meister und Susanna Müller-Pfister. Das heisst, Susanna hat nicht nur ihre eigenen Erinnerungen aufgeschrieben, sondern auch die ihrer Eltern. Aber dazu später. Durch den Abend führt Katja Kolitzus von der Alten Kaserne.

Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.

Hanna hat in der Edition Unik ihr Buch «Spurrillen» geschrieben, das vor ihrer Geburt beginnt und in ihren ersten Jahren als junge Mutter und Pfarrfrau endet. Sie liest unter anderem vor, wie sie sich als Kind die Zeit im Mehrfamilienhaus vertrieb: Hurtig huscht sie durch das Treppenhaus, hilft bei einer Frau putzen, bei einer anderen hört sie «Katzenmusik» und bei wieder einer anderen darf sie Globibücher anschauen. «Globi galt bei uns zu Hause als Schundliteratur», erklärt sie denn auch ihre Freude darüber. Ausserdem erzählt sie, dass damals tagsüber eigentlich nur Frauen die Türen geöffnet hätten: «Ich habe keine verheiratete Frau gekannt, die gearbeitet hätte.» Viele Berufe waren verheirateten Frauen lange Zeit untersagt, so gab es etwa keine Lehrerinnen oder Kindergärtnerinnen mit Ehemann.

Auch Susanna hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten. Es heisst «Die Häuser an meinem Weg» und erzählt von Ereignissen, die ihr Leben auf die eine oder andere Art berühren und beeinflussen, ohne dabei einer strengen Chronologie zu folgen. Ihre Ausgangspunkte sind Häuser. Häuser, die mehr sind als blosse vier Wände mit einem Dach. In Häusern stecken Geschichte und Geschichten. «Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.»

Das zweite Buch trägt den Titel «Eine alte Schachtel», viel Fleissarbeit steckt darin. Denn, die alte Schachtel ist nicht etwa eine Person, sondern es ist – eine alte Kartonkiste eben. In dieser Kiste hat Susanna neben Postkarten einen Briefwechsel ihrer Eltern gefunden, die als junges Liebespaar durch einen Amerikaaufenthalt für ein Jahr getrennt wurden. Ihr Vater erlaubte ihr, die Briefe abzutippen – und ist froh darüber, denn so gedruckt und gebunden könne er die Briefe viel besser lesen.


Schreiben auch Sie Ihr Buch! Die Anmeldung für die Runden 2019 ist geöffnet.

Weitere Edition Unik Cafés und Lesungen finden Sie im Veranstaltungskalender.