Gastbeitrag

Schreiben lehrt uns Schreiben

Erlebnisbericht über das und Tipps zum Schreiben von Autorin Isabelle Zenhäusern Fischli. Sie hat in der Edition Unik schon mehrere Bücher geschrieben.

Was ich beim Schreiben am allerliebsten mag, ist die Etappe 1«Erinnerungen Sammeln», in der ich meiner Fantasie freien Lauf lasse, Ideen entwickle, Fotos knipse und mir Notizen mache. Ich schreibe dabei alles auf was mich interessiert – unterwegs in mein Notizbuch, zuhause an meinem Laptop –, bis sich all diese unterschiedlichen und fragmentarischen Inspirationen langsam zusammenfügen.

Wichtig für mich ist, die Ideen nicht auszufeilen, sondern ihnen zuerst Raum zu geben, sie frei umherschweifen zu lassen. Ich bin noch völlig frei von dem Anspruch, die «richtigen Worte» oder den «richtigen Titel» finden zu müssen, noch ist alles möglich und es ist völlig offen ist, wohin die Reise mich letztlich führt.

Schlüsselsatz: Alles zulassen und fliessen lassen was kommt. Trage immer ein Notizbuch mit dir mit (unterwegs, auf dem Nachttisch).

Sortieren: Haltung beziehen und intensivieren
In der Etappe 2 «Geschichten Sortieren» lasse ich die Notizen Gestalt annehmen und zu einer Geschichte heranreifen. Ich beginne, Notizen zurechtzustutzen, Fotos, die ich einfach mal ins Notizbuch gesteckt habe, zu sortieren oder auszustauben; alle Themen, die zwingend im Buch stehen müssen, zu kennzeichnen, und alle Themen, die eventuell ins Buch kommen, einfach liegenzulassen für später. Ich mache mir Gedanken über die Methodik (Biographie chronologisch, strukturiert, nur ein Lebensabschnitt, etc.) und vertrete schlussendlich einen Blickwinkel.

Ich suche immer noch nicht nach einem Buchtitel, der kommt von allein! Das, was ich zu sagen habe, bringe ich auf Papier. Dies kann unter Umständen bedeuten, das ganze Buch-Projekt um einen kleinen Übergang herum umzustrukturieren, der sich plötzlich als zentrales Thema herauskristallisiert. Mein Debütroman «Südliches Feuer» endet plötzlich sehr herzlich – und nicht gekränkt und zornig wie am Anfang des Schreibprojektes. Bei meinem jetzigen Roman «Das Haus mit Blick auf Salagnon» inspirieren mich Fotos, Objekte und Erinnerungen, die mir ihre Geschichte erzählen.

Schlüsselsatz: Haltung / Stellung gegenüber dem Thema beziehen. Dann vertiefe das zentrale Thema und intensiviere es. Achte auf Einheitlichkeit und verwende Synonyme.

Gestalten: Ausfeilen und überarbeiten
Erst in der Etappe 3 «Buch Gestalten» konzentriere ich mich auf die Rechtschreibung, die Grammatik, das Layout und auf den Feinschliff. Ich lese das Buch mit frischer Objektivität immer wieder laut vor. So spüre ich, wie sich der Text anfühlt und ob er stimmig ist.   

Schlüsselsatz: Ausfeilen, Redigieren. Achte auf die Wörter, den Stil, den Fluss, die Aktion.

Wichtig ist, dass man schreibt und dass man sich durch nichts und niemand von seiner Schreibpraxis abbringen lässt.

Der wichtigste Schlüsselsatz: Schreiben lehrt uns Schreiben.

  Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)

Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)


«Fast wie ein Red Bull»

Edition Unik Café vom 28.10.2018 im Karl der Grosse – Ein Rückblick aus dem «Karl».

Lesende: Johanna, Percy, Ueli
Gäste: ca. 20
Moderation: Anna Chudozilov

Die Lesung im Karl der Grosse war einmal mehr kurzweilig und abwechslungsreich. Den Start machte Percy mit seinen beiden Mitlesenden. Sie machten gemeinsam eine Reise in die Kindheit von Percy und gruben Erinnerungen ans Glück und die Unbeschwertheit als Kind aus. Deutlich wurde auch, welch grossen Stellenwert Literatur und Musik in Percys Leben haben. Die Moderation im Anschluss übernahm Anna Chudozilov.

Als nächster las Ueli aus seinen «Märitgeschichten» vom Berner Gemüsemarkt. Die Geschichten, die Ueli besonders für seine Grosskinder aufgeschrieben hat, sorgten für einige Lacher. Die gesammelten Geschichten hat Ueli auf Mundart aufgeschrieben, was sie besonders authentisch machte und für Bewunderung seitens der Moderatorin sorgte. Die Geschichte «450 Gramm Lattich» hat er zum Lesen zur Verfügung gestellt.

Zuletzt las Johanna gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrem Buch «Glückskind» und warf dabei den Blick zurück auf ihre ersten 20 Lebensjahre. Über das Hervorholen von vergessen geglaubten Erinnerungen beim Schreiben ihres Buches sagte sie: «Das Schreiben ist wie ein Fluss, der dich mitnimmt. Es macht einen fliegen – fast wie ein Red Bull!»

Zwei Generationen schreiben Geschichte

Ankündigung: Edith Leibundgut hat die Geschichte ihrer Nachbarin Olga aufgeschrieben und mithilfe der Edition Unik zum Buch gemacht. Am 20. Oktober liest sie in Bümpliz daraus vor, die Lesung ist öffentlich.

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Der zweite Weltkrieg hat auch die Frauen betroffen. Sie wurden eingezogen, um Kriegsarbeit in Fabriken, Lazaretten und auf dem Feld zu leisten. Olga ist eine heute 92 Jahre alte Frau, die im Krieg gross geworden ist, Dienst leistete und bei Kriegsende Dank einer Diplomatenfamilie den Weg in die Schweiz gefunden hat.

Olga hat mir an langen Abenden beim Teetrinken ihre Geschichte erzählt. Daraus und aus intensiver Recherche ist das Buch «Olga» entstanden, das Leben, Leid und Liebe der Frauen über fünf Generationen beleuchtet.

Sie sind herzlich eingeladen die Lesung anlässlich des Generationenfestes in der Quartierbibliothek Bümpliz am Samstag, 20. Oktober 2018 um 17 Uhr zu besuchen. Umrahmt wird die Lesung durch ein Querflötenquartett mit Musik von Tschaikowsky.


Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.

Fünf Fragen an: Pia Tschupp

  Bild: Pexels.com

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1. Was ist Ihre Rolle in der Edition Unik?
In die Rolle einer Schreibenden zu schlüpfen.

2. Braucht es die Edition Unik?
Ja. Geschichten bleiben in Büchern länger erhalten als auf Zetteln.

3. Was raten Sie den Schreibenden?
Es gibt Menschen, denen wurde als Kind gesagt, sie könnten nicht singen. Oder nicht schreiben. Denken Sie nicht darüber nach!

4. (Wie) soll es mit der Edition Unik weitergehen?
Es sollen immer mehr Menschen ein immer besseres Angebot von Edition Unik nützen können.

5. Was lesen Sie am liebsten?
Autorinnen und Autoren, die es verstehen, mit Gedanken, Bildern, Rhythmen, Farben und Lauten zu jonglieren, mag ich.

Pia Tschupp ist Ehemalige der Edition Unik.

Das Buch als Medium der Wahl

Ein Auszug aus dem Vorwort von Benjamin Arnold. Er hat gemeinsam mit weiteren Schreibenden in der Edition Unik «das Hochzeitsbuch» erarbeitet; ein langlebiges Geschenk für ein befreundetes Brautpaar.

«Mit Erinnerungen ist es leider so, dass sie eine gewisse Grundflüchtigkeit aufweisen. Kombiniert man diese mit unaufhaltsam fortschreitendem Alter, Lebensstil und zu allem Überfluss auch noch genetischen Voraussetzungen, kann das sozusagen in einem houdinimässigen Abgang ebendieser enden und das wäre äusserst bedauerlich.

  Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das vorliegende Buch ist ein kleines Geschenk von euren Trauzeugen, welches wir mit Hilfe verschiedener Verwandter und Freunden zusammengestellt haben.

Ein gedrucktes Buch ist für mich ein Symbol für Beständigkeit. Für etwas, das schon lange da war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Es ist immer noch das Medium der Wahl, wenn es darum geht etwas für die Ewigkeit festzuhalten, «Ewigkeit» zumindest aus der Perspektive eines Menschenlebens.

Von Video-Codecs und Buzzwords
Filme oder PowerPoint-Präsentationen mögen den Inhalt unterhaltsamer, moderner oder kurzweiliger präsentieren, jedoch ist ein solches Erinnerungsstück gebunden an Produktlebenszyklen, Backup-Strategien und digitale Pflege. Da passt man ein paar Jahre nicht auf und, schwupps, existiert kein Video-Codec mehr für Amazons 128-Bit Fire-Plattform, welche nahezu alle Haushalte dominiert, die Buzzwords kann man beliebig durch andere Zahlen und Firmennamen ersetzen, die Kernaussage bleibt: Daten brauchen Pflege. Nicht so schlimm wie Pflanzen, Kätzchen oder gar Einhörner, aber doch mehr als nichts. Das Buch hingegen ist schon ziemlich glücklich, wenn es zu seinen Lebzeiten kein Wasser und kein Feuer sieht. Geht man von Zeit zu Zeit noch mit dem Staubwedel drüber oder schlägt es sogar auf und liest ein wenig darin, dann ist das schon fast ein Nirvana, Shangri-La, Eldorado, Bücherhimmel, et cetera.

Ich verliere mich in Erklärungen, etwas Kreativsaft wäre von Nöten, aber in diesem ICE gibt es offenbar keine Elvetino Railbar. Gibt es die überhaupt noch? Ich wünschte, ich hätte ein Buch, in dem so was steht...»


Hinweis
Die Edition Unik hat mit Benjamin Arnold auch ein Interview führen dürfen: Von einem, der schrieb, um zu verschenken