Erlebnisbericht

2. Netzwerkveranstaltung der Herbstrunde

Pro Schreibrunde gibt es je vier interne Veranstaltungen, dazu gehören auch die beiden Netzwerkveranstaltungen. Die erste findet in der ersten Hälfte der Runde statt, die zweite in der zweiten. Dabei stehen stets die Anliegen und Fragen der Teilnehmenden im Zentrum.

Bilder, Fotos, Grafiken: Welche Vorgaben gibt es dafür? Wie stelle ich sicher, dass die Qualität stimmt? Wie bearbeite ich die Bilder?

Die Edition Unik ist ein Schreibprojekt, wir legen das Hauptaugenmerk auf Inhalte und Texte. Trotzdem ist es möglich, dem eigenen Buch Bildmaterial hinzuzufügen. Grundsätzlich kann pro Kapitel eine Bilddatei (.jpg oder .png) gespeichert werden; diese Dateien werden stets oben an der Seite angeschlagen und erscheinen immer auf der linken Seite vor Beginn des jeweiligen Kapitels im Buch. Man kann, muss aber keine Bilder hochladen.

Es gibt keine speziellen Anforderungen an das Bildmaterial, grundsätzlich gilt aber: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endresultat. Das Druckverfahren wurde so gewählt, dass auch Material nicht optimaler Qualität gut verarbeitet wird und im fertigen Buch überzeugt.

Umgang mit Personen und Quellen: Wie schütze ich Personen, ohne dabei die Erzählung zu «zensieren»? Weise ich Quellen überhaupt aus und wie?

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von uns nicht verlegt. Dennoch gilt es, einen sorgfältigen Umgang mit Personen, Quellen und Werken zu pflegen. So ist etwa Vorsicht geboten, wenn Geschichten erzählt werden, in denen bestimmte Personen, Institutionen o.ä. schlecht wegkommen. In vergangenen Runden haben sich Teilnehmende etwa zu Anonymisierung und Verfremdung entschieden, wieder andere haben sich beim Feinschliff des Buches dazu entschlossen, von der betreffenden Schilderung abzusehen usw.

Auch taucht die Frage nach dem Umgang mit Quellen auf, etwa, wenn Zeitungsberichte zitiert oder Gedichte anderer Autoren verwendet werden. In der Vergangenheit haben sich Teilnehmende etwa zu einem «Quellenverzeichnis» entschlossen: So haben sie am Ende des Buches ein entsprechendes Kapitel angelegt, auch schon hat es Glossare u.ä. gegeben.

Wir empfehlen sowohl im Umgang mit Personen als auch mit Quellen, fair zu bleiben und wo immer möglich auf diffamierende Schilderungen zu verzichten sowie die Quellen zu nennen. Die Bücher der Edition Unik sind zwar für den privaten Gebrauch bestimmt, dennoch ist ein sorgfältiger Umgang mit entsprechenden Daten angezeigt.

Erzählweise: Welche Art von Erzähler wähle ich? In welcher Zeit halte ich die Erinnerungen fest? Wie schaffe ich Distanz?

Sowohl inhaltlich als auch in der Erzählweise sind die Schreibenden frei. Die Zugänge sind denn auch sehr individuell, es entstehen Geschichten in Mundart, in romanartigem Stil mit fiktiven Elementen, aber auch Tatsachenberichte und autobiographische Erzählungen.

Bei der Wahl von Erzählweise und -zeit, Fragen zu Distanz und Nähe oder auch zur Wirkung der Texte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Gegenüber. Einige Teilnehmenden organisieren sich im persönlichen Umfeld, andere nutzen die Kontakte untereinander und wieder andere buchen eine/n Mentor/in aus unserem Mentorenprogramm.

Auch das laute Vorlesen der eigenen Texte oder der Wechsel des Mediums können hilfreich sein, wenn es darum geht, Fluss und Rhythmus, Sprache und Stil eines Textes zu beurteilen. Schreibprofis empfehlen zudem, Abstand zu den eigenen Texte zu gewinnen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Linguisten und Beirat der Edition Unik Daniel Perrin.

Wir präsentieren Ihnen eine kleine Auswahl an Gesichten, so dass Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt der Geschichten machen können, die in den inzwischen 300 Büchern versammelt sind.

Geschichten von Ehemaligen


Weitere Fragmente und Erlebnisberichte finden Sie auch in unserem Journal. Wenn Sie Lust auf ein eigenes Buch bekommen haben – über unser Anmeldeformular melden Sie sich für die kommenden Runden an. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung, Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder via E-Mail.

«Fast wie ein Red Bull»

Edition Unik Café vom 28.10.2018 im Karl der Grosse – Ein Rückblick aus dem «Karl».

Lesende: Johanna, Percy, Ueli
Gäste: ca. 20
Moderation: Anna Chudozilov

Die Lesung im Karl der Grosse war einmal mehr kurzweilig und abwechslungsreich. Den Start machte Percy mit seinen beiden Mitlesenden. Sie machten gemeinsam eine Reise in die Kindheit von Percy und gruben Erinnerungen ans Glück und die Unbeschwertheit als Kind aus. Deutlich wurde auch, welch grossen Stellenwert Literatur und Musik in Percys Leben haben. Die Moderation im Anschluss übernahm Anna Chudozilov.

Als nächster las Ueli aus seinen «Märitgeschichten» vom Berner Gemüsemarkt. Die Geschichten, die Ueli besonders für seine Grosskinder aufgeschrieben hat, sorgten für einige Lacher. Die gesammelten Geschichten hat Ueli auf Mundart aufgeschrieben, was sie besonders authentisch machte und für Bewunderung seitens der Moderatorin sorgte. Die Geschichte «450 Gramm Lattich» hat er zum Lesen zur Verfügung gestellt.

Zuletzt las Johanna gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrem Buch «Glückskind» und warf dabei den Blick zurück auf ihre ersten 20 Lebensjahre. Über das Hervorholen von vergessen geglaubten Erinnerungen beim Schreiben ihres Buches sagte sie: «Das Schreiben ist wie ein Fluss, der dich mitnimmt. Es macht einen fliegen – fast wie ein Red Bull!»

Spurrillen, alte Schachteln und Häuser am Weg

Erinnerungen sind flüchtig, so flüchtig, dass es sich lohnt, sie festzuhalten. Und manchmal lohnt sich, diese Erinnerungen zu teilen. Mit den Liebsten, aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit. So wie am ersten Edition Unik Café in der Alten Kaserne, Winterthur.

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Während unten eine Band den Soundcheck durchführt, sitzen rund 60 Gäste im Saal im zweiten OG der Alten Kaserne und lauschen den Erinnerungen von Hanna Meister und Susanna Müller-Pfister. Das heisst, Susanna hat nicht nur ihre eigenen Erinnerungen aufgeschrieben, sondern auch die ihrer Eltern. Aber dazu später. Durch den Abend führt Katja Kolitzus von der Alten Kaserne.

Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.

Hanna hat in der Edition Unik ihr Buch «Spurrillen» geschrieben, das vor ihrer Geburt beginnt und in ihren ersten Jahren als junge Mutter und Pfarrfrau endet. Sie liest unter anderem vor, wie sie sich als Kind die Zeit im Mehrfamilienhaus vertrieb: Hurtig huscht sie durch das Treppenhaus, hilft bei einer Frau putzen, bei einer anderen hört sie «Katzenmusik» und bei wieder einer anderen darf sie Globibücher anschauen. «Globi galt bei uns zu Hause als Schundliteratur», erklärt sie denn auch ihre Freude darüber. Ausserdem erzählt sie, dass damals tagsüber eigentlich nur Frauen die Türen geöffnet hätten: «Ich habe keine verheiratete Frau gekannt, die gearbeitet hätte.» Viele Berufe waren verheirateten Frauen lange Zeit untersagt, so gab es etwa keine Lehrerinnen oder Kindergärtnerinnen mit Ehemann.

Auch Susanna hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten. Es heisst «Die Häuser an meinem Weg» und erzählt von Ereignissen, die ihr Leben auf die eine oder andere Art berühren und beeinflussen, ohne dabei einer strengen Chronologie zu folgen. Ihre Ausgangspunkte sind Häuser. Häuser, die mehr sind als blosse vier Wände mit einem Dach. In Häusern stecken Geschichte und Geschichten. «Wie schauen seine Augen in die Welt? Denn, ja! Häuser haben Augen. Das sind die Fenster.»

Das zweite Buch trägt den Titel «Eine alte Schachtel», viel Fleissarbeit steckt darin. Denn, die alte Schachtel ist nicht etwa eine Person, sondern es ist – eine alte Kartonkiste eben. In dieser Kiste hat Susanna neben Postkarten einen Briefwechsel ihrer Eltern gefunden, die als junges Liebespaar durch einen Amerikaaufenthalt für ein Jahr getrennt wurden. Ihr Vater erlaubte ihr, die Briefe abzutippen – und ist froh darüber, denn so gedruckt und gebunden könne er die Briefe viel besser lesen.


Schreiben auch Sie Ihr Buch! Die Anmeldung für die Runden 2019 ist geöffnet.

Weitere Edition Unik Cafés und Lesungen finden Sie im Veranstaltungskalender.


Rückblick: Erste Netzwerkveranstaltung im Herbst

Lustvoll sei es, das tägliche Sammeln und Schreiben von Erinnerungen. Auch befreiend, manchmal bedrückend, im Grossen und Ganzen aber vor allem bereichernd, sind sich die Teilnehmer/innen einig, die letzte Woche die erste Netzwerkveranstaltung der aktuellen Runden besucht haben.

Die Netzwerkveranstaltungen sind Teil des Basisprogramms der Edition Unik und dienen dem Austausch zwischen den aktiven Teilnehmer/innen. Für einen Gastauftritt an diesen ersten beiden Netzwerkveranstaltungen in Zürich und Basel konnten zwei Ehemalige aus der Edition Unik gewonnen werden. Die beiden Alumni haben die 17 Schreibwochen erfolgreich hinter sich gebracht und ihre Bücher geschrieben. So können sie von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten, teilen Tipps und Tricks mit den aktuellen Teilnehmenden und lesen auch aus ihren Büchern vor. Diskutiert wurden sowohl inhaltliche wie auch technische Fragen.

 Kosmos, Zürich.

Kosmos, Zürich.

Inhaltliche Überlegungen
Inhaltliche Fragen wurden vor allem gestellt in Bezug auf Form und Art des Textes: Lineare (Auto-)Biographie? Oder doch lieber Roman, Erfahrungsanalyse oder ganz etwas anderes wie etwa ein Rezeptbuch? In der Edition Unik sind bisher rund 300 Bücher erschienen, die so unterschiedlich sind wie deren Urheber. Die Schreibenden sind inhaltlich frei und bestimmen selbst über ihre Inhalte. Einige wählen eine faktentreue Biographie, andere entscheiden sich für einen Roman mit fiktiven und realen Elementen und wieder andere schreiben Gedichtbände, Kunstkritiken oder Kinderbücher.

Die Ehemaligen empfehlen: Lassen Sie Ihrer Kreativität in der ersten Etappe, dem Sammeln, freien Lauf, so kann Neues, Unerwartetes entstehen. Schreiben Sie frei von der Leber weg, Sie haben bis zum Redaktionsschluss die Möglichkeit, an den Texten zu feilen, Änderungen und Korrekturen anzubringen usw.

Zeitmanagement und Rhythmus
Ein ebenfalls wichtiges Thema ist das Zeitmanagement. Die Empfehlung des Projektteams lautet, sich jeden Tag 45 Minuten Zeit für das Buchprojekt zu nehmen. Aber auch hier sind die Teilnehmer/innen völlig frei: einige schreiben mehrere Stunden am Stück, dafür mehrere Tage lang nicht, andere nur wenige Minuten, dafür öfters am Tag. Den Rhythmus bestimmen die Schreibenden selbst.

Die Ehemaligen empfehlen: Betrachten Sie das Raster als Hilfestellung, nicht als starre Richtlinien. Finden Sie Ihren Rhythmus, geben Sie sich dem Fluss Ihrer Erinnerungen hin.

 Unternehmen Mitte, Basel.

Unternehmen Mitte, Basel.

Technische Fragen
Die technischen Aspekte betrafen vor allem den Umgang mit der Edition Unik App. In ihr schreiben die Teilnehmer/innen ihre Texte, die zu fertigen Büchern werden. Die Edition Unik App ist ein Texteditor, der in unserem Fall nur einige wenige Formatierungen ermöglicht, etwa den Fett- oder Kursivdruck von Texten. Vieles ist eingeschränkt, da vor allem Layout und Design automatisiert sind. Die Bücher werden damit den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht, ohne in der Erscheinung zu verlieren.

Die Ehemaligen empfehlen: Versuchen Sie, mit den Strukturen der App zu spielen. Sie unterbindet etwa im Gegensatz zu Microsoft Word zwar viel, lässt Ihnen aber gleichzeitig viel kreativen Freiraum. Verlassen Sie sich auf die Konzeption der Edition Unik.

Auch diskutiert wurden Fragen zur Textlänge und zur Anzahl Zeichen pro Buchseite. Hier sei auf den Artikel «Was ist eigentlich eine Normseite» verwiesen. Soviel sei gesagt: Die Edition Unik gibt keine Mindest- oder Maximalzahl Zeichen oder Worte vor, das gilt grundsätzlich auch für den Seitenumfang. Bei letzterem ist aber zu beachten, dass die Druckmaschinen nur eine bestimmte Menge solcher Normseiten verarbeiten können, und zwar 600. Ab einem bestimmen Zeitpunkt in den Projektwochen sind die Zeichen- und Wörterzahlen einzusehen.

Die Ehemaligen empfehlen: Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt, lassen Sie sich auf den Prozess der Edition Unik ein und rücken Sie die Fragen nach dem Umfang des Buches nicht in den Fokus. Wichtiger als der Umfang ist das, was das Schreiben anstösst. Geniessen Sie es.

Das Buch als Medium der Wahl

Ein Auszug aus dem Vorwort von Benjamin Arnold. Er hat gemeinsam mit weiteren Schreibenden in der Edition Unik «das Hochzeitsbuch» erarbeitet; ein langlebiges Geschenk für ein befreundetes Brautpaar.

«Mit Erinnerungen ist es leider so, dass sie eine gewisse Grundflüchtigkeit aufweisen. Kombiniert man diese mit unaufhaltsam fortschreitendem Alter, Lebensstil und zu allem Überfluss auch noch genetischen Voraussetzungen, kann das sozusagen in einem houdinimässigen Abgang ebendieser enden und das wäre äusserst bedauerlich.

  Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das vorliegende Buch ist ein kleines Geschenk von euren Trauzeugen, welches wir mit Hilfe verschiedener Verwandter und Freunden zusammengestellt haben.

Ein gedrucktes Buch ist für mich ein Symbol für Beständigkeit. Für etwas, das schon lange da war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Es ist immer noch das Medium der Wahl, wenn es darum geht etwas für die Ewigkeit festzuhalten, «Ewigkeit» zumindest aus der Perspektive eines Menschenlebens.

Von Video-Codecs und Buzzwords
Filme oder PowerPoint-Präsentationen mögen den Inhalt unterhaltsamer, moderner oder kurzweiliger präsentieren, jedoch ist ein solches Erinnerungsstück gebunden an Produktlebenszyklen, Backup-Strategien und digitale Pflege. Da passt man ein paar Jahre nicht auf und, schwupps, existiert kein Video-Codec mehr für Amazons 128-Bit Fire-Plattform, welche nahezu alle Haushalte dominiert, die Buzzwords kann man beliebig durch andere Zahlen und Firmennamen ersetzen, die Kernaussage bleibt: Daten brauchen Pflege. Nicht so schlimm wie Pflanzen, Kätzchen oder gar Einhörner, aber doch mehr als nichts. Das Buch hingegen ist schon ziemlich glücklich, wenn es zu seinen Lebzeiten kein Wasser und kein Feuer sieht. Geht man von Zeit zu Zeit noch mit dem Staubwedel drüber oder schlägt es sogar auf und liest ein wenig darin, dann ist das schon fast ein Nirvana, Shangri-La, Eldorado, Bücherhimmel, et cetera.

Ich verliere mich in Erklärungen, etwas Kreativsaft wäre von Nöten, aber in diesem ICE gibt es offenbar keine Elvetino Railbar. Gibt es die überhaupt noch? Ich wünschte, ich hätte ein Buch, in dem so was steht...»


Hinweis
Die Edition Unik hat mit Benjamin Arnold auch ein Interview führen dürfen: Von einem, der schrieb, um zu verschenken