Erlebnisbericht

Leinengebunden und senfgelb

Muss auf einer Biographie immer ein illustrer, bekannter Name stehen? Wir von der Edition Unik sagen: «Nein!» Denn wir möchten Menschen mit oder ohne Promi-Status zum Aufschreiben ihrer Erinnerungen und Geschichten befähigen – Menschen wie Gudrun Löffler.

Senfgelb: Die Einbandfarben ändern in jeder Runde (Bild: pexels.org)

Senfgelb: Die Einbandfarben ändern in jeder Runde (Bild: pexels.org)

Gudrun Löffler hat in der Edition Unik ihr Buch «Gast, schaff‘ Leben – Vom Fliegenlernen» geschrieben. Sie erzählt darin von dem Herder-Verlag, sie spricht über ihre Kindheit und ihre Emanzipation; sie hat sich mit ihrem Buch freigeschrieben. Nach Abschluss der 17 Schreibwochen hat Gudrun Löffler ihren geschriebenen Befreiungsschlag als in senfgelbes Leinen gebundenes Buch in Empfang nehmen dürfen.

Gesprochen hat Gudrun Löffler über ihre Erfahrungen beim Schreiben auch mit der Christoph Merian Stiftung, die die Edition Unik 2018 finanziell unterstützt. Dabei ist ein berührender Bericht entstanden, der diesen Winter im Magazin «Radar» erschienen ist.

Den vollständigen Bericht lesen Sie hier: «Schreibt euer Buch!»

Selber schreiben? Unbedingt!
Ob es das befreiende Gefühl beim Schreiben ist, das Vergnügen am Geschichten (auf-)schreiben oder der Wunsch danach, etwas zu Bleibendes zu hinterlassen – Gründe, um ein eigenes Buch zu schreiben gibt es viele. Egal, was Sie zu uns bringt, wir freuen uns darauf, Ihnen während der 17 Schreibwochen unterstützend zur Seiten zu stehen! Noch sind Plätze in allen Runden 2019 frei.


Viele Schubladen

Wussten Sie, dass man bei einer live Radiosendung Ringe und Uhren besser auszieht? Projektmitarbeiterin Janine Meyer hat das letzten Sonntag erfahren, und zwar als eine der beiden Frauen, die von Moderatorin Christine Kolb zum Gespräch geladen wurde.

Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Autorin Hanna Meister und Moderation Christine Kolb bei der Vorbereitung im Radiostudio.

Da war er plötzlich, dieser Raum mit ganzen Wänden voller Schubladen. Leeren Schubladen, die angeschrieben und gefüllt werden wollten. Und das hat Hanna Meister getan. Der Raum ist ihr Symbol für die Edition Unik App, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der 17 Projektwochen ihre Bücher schreiben. Doch von vorn:

Am ersten Advent war die Edition Unik zu Gast in der Talksendung «Seniorama» von Radio Stadtfilter. Christine Kolb hat die Sendung moderiert, ihre Gäste waren Hanna Meister, Autorin der Edition Unik, und Janine Meyer, Projektmitarbeiterin der Edition Unik. Eine Stunde lang haben sich die drei Frauen über die Erfahrung beim Schreiben und im Projekt ausgetauscht, wobei Hanna Meister eben den Vergleich mit dem Raum und den Schubladen anführte. Sie hat diese Schubladen in 17 Wochen mit ihren Erinnerungen gefüllt, daraus ist ihr Buch «Spurrillen» entstanden, aus dem sie in der Radiosendung auch vorliest. Reinhören lohnt sich!

Leistungen des Basispakets
Ein grosser Bestandteil der Leistungen unseres Schreibprojekts ist die «Edition Unik App», eine Schreibsoftware, die exklusiv für aktive Teilnehmende entwickelt wurde. Diese Software bildet den dreistufigen Prozess der Edition Unik ab und führt die Schreibenden so durch die Projektwochen. In der ersten Etappe «Erinnerungen Sammeln» geht es darum, die Erinnerungen und Gedanken fliessen zu lassen, erst in der zweiten Etappe «Geschichten Sortieren» sollen die Schreibenden das Augenmerk auf Dramaturgie und Struktur, aber auch auf Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung legen. Die letzte Etappe «Buch Gestalten» ist so etwas wie das «Finish»: Hier werden Titel und Autorenname gesetzt, die Farbe des Einbands ausgewählt usw.

Übrigens
Ringe und Uhren zieht man übrigens drum besser aus, weil man oft unbemerkt gestikuliert und dabei etwa die Tischplatte berühren könnte. Geschieht dies mit einem härteren Gegenstand, so ist ein Klacklaut zu hören, der durch das Mikrophon verstärkt würde und damit einen störenden Effekt hätte. Ähnlich verhält es sich mit Blätterrascheln oder auch mit dem Klicken eines Kugelschreibers.


Schreiben lehrt uns Schreiben

Erlebnisbericht über das und Tipps zum Schreiben von Autorin Isabelle Zenhäusern Fischli. Sie hat in der Edition Unik schon mehrere Bücher geschrieben.

Was ich beim Schreiben am allerliebsten mag, ist die Etappe 1«Erinnerungen Sammeln», in der ich meiner Fantasie freien Lauf lasse, Ideen entwickle, Fotos knipse und mir Notizen mache. Ich schreibe dabei alles auf was mich interessiert – unterwegs in mein Notizbuch, zuhause an meinem Laptop –, bis sich all diese unterschiedlichen und fragmentarischen Inspirationen langsam zusammenfügen.

Wichtig für mich ist, die Ideen nicht auszufeilen, sondern ihnen zuerst Raum zu geben, sie frei umherschweifen zu lassen. Ich bin noch völlig frei von dem Anspruch, die «richtigen Worte» oder den «richtigen Titel» finden zu müssen, noch ist alles möglich und es ist völlig offen ist, wohin die Reise mich letztlich führt.

Schlüsselsatz: Alles zulassen und fliessen lassen was kommt. Trage immer ein Notizbuch mit dir mit (unterwegs, auf dem Nachttisch).

Sortieren: Haltung beziehen und intensivieren
In der Etappe 2 «Geschichten Sortieren» lasse ich die Notizen Gestalt annehmen und zu einer Geschichte heranreifen. Ich beginne, Notizen zurechtzustutzen, Fotos, die ich einfach mal ins Notizbuch gesteckt habe, zu sortieren oder auszustauben; alle Themen, die zwingend im Buch stehen müssen, zu kennzeichnen, und alle Themen, die eventuell ins Buch kommen, einfach liegenzulassen für später. Ich mache mir Gedanken über die Methodik (Biographie chronologisch, strukturiert, nur ein Lebensabschnitt, etc.) und vertrete schlussendlich einen Blickwinkel.

Ich suche immer noch nicht nach einem Buchtitel, der kommt von allein! Das, was ich zu sagen habe, bringe ich auf Papier. Dies kann unter Umständen bedeuten, das ganze Buch-Projekt um einen kleinen Übergang herum umzustrukturieren, der sich plötzlich als zentrales Thema herauskristallisiert. Mein Debütroman «Südliches Feuer» endet plötzlich sehr herzlich – und nicht gekränkt und zornig wie am Anfang des Schreibprojektes. Bei meinem jetzigen Roman «Das Haus mit Blick auf Salagnon» inspirieren mich Fotos, Objekte und Erinnerungen, die mir ihre Geschichte erzählen.

Schlüsselsatz: Haltung / Stellung gegenüber dem Thema beziehen. Dann vertiefe das zentrale Thema und intensiviere es. Achte auf Einheitlichkeit und verwende Synonyme.

Gestalten: Ausfeilen und überarbeiten
Erst in der Etappe 3 «Buch Gestalten» konzentriere ich mich auf die Rechtschreibung, die Grammatik, das Layout und auf den Feinschliff. Ich lese das Buch mit frischer Objektivität immer wieder laut vor. So spüre ich, wie sich der Text anfühlt und ob er stimmig ist.   

Schlüsselsatz: Ausfeilen, Redigieren. Achte auf die Wörter, den Stil, den Fluss, die Aktion.

Wichtig ist, dass man schreibt und dass man sich durch nichts und niemand von seiner Schreibpraxis abbringen lässt.

Der wichtigste Schlüsselsatz: Schreiben lehrt uns Schreiben.

Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)

Beim Schreiben kommen die Ideen. (Foto: Tibor Nad)


2. Netzwerkveranstaltung der Herbstrunde

Pro Schreibrunde gibt es je vier interne Veranstaltungen, dazu gehören auch die beiden Netzwerkveranstaltungen. Die erste findet in der ersten Hälfte der Runde statt, die zweite in der zweiten. Dabei stehen stets die Anliegen und Fragen der Teilnehmenden im Zentrum.

Bilder, Fotos, Grafiken: Welche Vorgaben gibt es dafür? Wie stelle ich sicher, dass die Qualität stimmt? Wie bearbeite ich die Bilder?

Die Edition Unik ist ein Schreibprojekt, wir legen das Hauptaugenmerk auf Inhalte und Texte. Trotzdem ist es möglich, dem eigenen Buch Bildmaterial hinzuzufügen. Grundsätzlich kann pro Kapitel eine Bilddatei (.jpg oder .png) gespeichert werden; diese Dateien werden stets oben an der Seite angeschlagen und erscheinen immer auf der linken Seite vor Beginn des jeweiligen Kapitels im Buch. Man kann, muss aber keine Bilder hochladen.

Es gibt keine speziellen Anforderungen an das Bildmaterial, grundsätzlich gilt aber: Je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endresultat. Das Druckverfahren wurde so gewählt, dass auch Material nicht optimaler Qualität gut verarbeitet wird und im fertigen Buch überzeugt.

Umgang mit Personen und Quellen: Wie schütze ich Personen, ohne dabei die Erzählung zu «zensieren»? Weise ich Quellen überhaupt aus und wie?

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von uns nicht verlegt. Dennoch gilt es, einen sorgfältigen Umgang mit Personen, Quellen und Werken zu pflegen. So ist etwa Vorsicht geboten, wenn Geschichten erzählt werden, in denen bestimmte Personen, Institutionen o.ä. schlecht wegkommen. In vergangenen Runden haben sich Teilnehmende etwa zu Anonymisierung und Verfremdung entschieden, wieder andere haben sich beim Feinschliff des Buches dazu entschlossen, von der betreffenden Schilderung abzusehen usw.

Auch taucht die Frage nach dem Umgang mit Quellen auf, etwa, wenn Zeitungsberichte zitiert oder Gedichte anderer Autoren verwendet werden. In der Vergangenheit haben sich Teilnehmende etwa zu einem «Quellenverzeichnis» entschlossen: So haben sie am Ende des Buches ein entsprechendes Kapitel angelegt, auch schon hat es Glossare u.ä. gegeben.

Wir empfehlen sowohl im Umgang mit Personen als auch mit Quellen, fair zu bleiben und wo immer möglich auf diffamierende Schilderungen zu verzichten sowie die Quellen zu nennen. Die Bücher der Edition Unik sind zwar für den privaten Gebrauch bestimmt, dennoch ist ein sorgfältiger Umgang mit entsprechenden Daten angezeigt.

Erzählweise: Welche Art von Erzähler wähle ich? In welcher Zeit halte ich die Erinnerungen fest? Wie schaffe ich Distanz?

Sowohl inhaltlich als auch in der Erzählweise sind die Schreibenden frei. Die Zugänge sind denn auch sehr individuell, es entstehen Geschichten in Mundart, in romanartigem Stil mit fiktiven Elementen, aber auch Tatsachenberichte und autobiographische Erzählungen.

Bei der Wahl von Erzählweise und -zeit, Fragen zu Distanz und Nähe oder auch zur Wirkung der Texte empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Gegenüber. Einige Teilnehmenden organisieren sich im persönlichen Umfeld, andere nutzen die Kontakte untereinander und wieder andere buchen eine/n Mentor/in aus unserem Mentorenprogramm.

Auch das laute Vorlesen der eigenen Texte oder der Wechsel des Mediums können hilfreich sein, wenn es darum geht, Fluss und Rhythmus, Sprache und Stil eines Textes zu beurteilen. Schreibprofis empfehlen zudem, Abstand zu den eigenen Texte zu gewinnen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Linguisten und Beirat der Edition Unik Daniel Perrin.

Wir präsentieren Ihnen eine kleine Auswahl an Gesichten, so dass Sie sich einen Eindruck von der Vielfalt der Geschichten machen können, die in den inzwischen 300 Büchern versammelt sind.

Geschichten von Ehemaligen


Weitere Fragmente und Erlebnisberichte finden Sie auch in unserem Journal. Wenn Sie Lust auf ein eigenes Buch bekommen haben – über unser Anmeldeformular melden Sie sich für die kommenden Runden an. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung, Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder via E-Mail.

«Fast wie ein Red Bull»

Edition Unik Café vom 28.10.2018 im Karl der Grosse – Ein Rückblick aus dem «Karl».

Lesende: Johanna, Percy, Ueli
Gäste: ca. 20
Moderation: Anna Chudozilov

Die Lesung im Karl der Grosse war einmal mehr kurzweilig und abwechslungsreich. Den Start machte Percy mit seinen beiden Mitlesenden. Sie machten gemeinsam eine Reise in die Kindheit von Percy und gruben Erinnerungen ans Glück und die Unbeschwertheit als Kind aus. Deutlich wurde auch, welch grossen Stellenwert Literatur und Musik in Percys Leben haben. Die Moderation im Anschluss übernahm Anna Chudozilov.

Als nächster las Ueli aus seinen «Märitgeschichten» vom Berner Gemüsemarkt. Die Geschichten, die Ueli besonders für seine Grosskinder aufgeschrieben hat, sorgten für einige Lacher. Die gesammelten Geschichten hat Ueli auf Mundart aufgeschrieben, was sie besonders authentisch machte und für Bewunderung seitens der Moderatorin sorgte. Die Geschichte «450 Gramm Lattich» hat er zum Lesen zur Verfügung gestellt.

Zuletzt las Johanna gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrem Buch «Glückskind» und warf dabei den Blick zurück auf ihre ersten 20 Lebensjahre. Über das Hervorholen von vergessen geglaubten Erinnerungen beim Schreiben ihres Buches sagte sie: «Das Schreiben ist wie ein Fluss, der dich mitnimmt. Es macht einen fliegen – fast wie ein Red Bull!»