EditionUnik

Die Bücher: Wie sehen sie eigentlich aus?

In der Edition Unik entstehen persönliche, selbstgeschriebene Bücher, das ist klar. Aber wie sehen diese Bücher eigentlich aus? Begleiten Sie uns, wir nehmen Sie mit auf eine Tour d‘Horizon.

  Sämtliche Bücher werden in Leinen gebunden.

Sämtliche Bücher werden in Leinen gebunden.

Auch wenn Vieles in der Edition Unik automatisiert ist – etwa Schriftart und -grösse, Druck und Position der Bilder usw. –, haben die Autorinnen und Autoren Gestaltungsmöglichkeiten. So wählen sie etwa die Farbe des Einbandes selbst. Pro Runde sind jeweils vier Farben verfügbar. Mehr zu den Farben erfahren Sie im Interview mit dem Designer Adrien Moreillon, der das Layout mitentwickelt hat.

Die ersten und letzten Seiten
In allen Büchern finden sich ganz vorne und ganz hinten im Buch Seiten mit gelbem «Vorsatzpapier» sowie eine Leerseite, auf welcher sich der Elefant, das Signet der Edition Unik, in der Ecke unten rechts befindet. Diese Seite wird im Jargon «Frontispitz» oder «Vaktatseite» genannt. Hinten im Buch befinden sich immer das Impressum sowie die Projektseite mit wenigen Zeilen zur Edition Unik.

Der Schmutztitel

  Identisch: Schmutztitel (innen) und Buchtitel (aussen) lauten immer gleich.

Identisch: Schmutztitel (innen) und Buchtitel (aussen) lauten immer gleich.

Blättert man die Seite mit dem Signet um, so sind «Schmutztitel» und Autorenname zu sehen. Dieser Schmutztitel ist identisch mit dem Titel des Buches, welcher vorne auf den Einband gedruckt wird. Zu Beginn einer jeden Schreibrunde tragen die Buchprojekte den Arbeitstitel Mein Buch, im Laufe einer jeder Runde entsteht nach und nach ein bunter Strauss an Titeln. In der Serie «Wer schreibt denn da?» haben wir drei Titel genauer angeschaut und analysieren lassen.

Der Klappentext
Nach dem Schmutztitel folgt der Text, den wir in der Edition Unik «Klappentext» nennen.

Dieser Klappentext erscheint hinten auf dem Einband des Buches und vorne im Buch. Es ist ein optionales Element und muss nicht gesetzt werden. Wird er aber gesetzt, so ist er an beiden Orten zu sehen. Die Autorinnen und Autoren setzen das Textfeld verschieden ein: Ein Mal ist es eine Zusammenfassung des Buches, ein anderes Mal ein Werdegang der Schreibenden und wieder ein anderes Mal ist es ein Gedanke, ein Zitat, ein Spruch.

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Die Widmung und ihr Bild
Als nächstes folgen die Elemente, die wir unter dem Stichwort «Widmung» kennen. Die beiden Elemente Widmungstext und Widmungsbild erscheinen vorne im Buch. Bild und Text können, müssen aber nicht, angebracht werden. Wird ein Bild hochgeladen, so ist es immer auf der linken Seite zu sehen und wird oben angeschlagen. Auf der rechten Seite folgt der allfällige Widmungstext. Er ist im Gegensatz zu den restlichen Texten des Buches kursiv abgesetzt und wird in der Seitenmitte gedruckt.

Das Inhaltsverzeichnis

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Die Geschichten in den Büchern sind in Kapitel gegliedert. Ausschliesslich aus den dort gesetzten Kapiteltiteln wird das Inhaltsverzeichnis erzeugt. Wünscht man kein Inhaltsverzeichnis, so lässt sich diese Option deaktivieren.


 

Die Buchseiten
Dann folgen die wohl interessantesten, bestimmt aber die wichtigsten Seiten eines jeden Buchprojekts: Die Seiten mit den persönlichen Geschichten der Schreibenden. Die Buchseiten sind an Normseiten angelehnt. Inhaltlich sind die Schreibenden frei, auch in puncto Textmenge und Seitenumfang geben wir nur ungern Restriktionen vor. Hat die Druckvorlage aber 600 Seiten erreicht, kommen die Druckmaschinen an ihre Grenzen. Mehr zum Buchdruck erfahren Sie im virtuellen Rundgang durch die Druckerei Bubu in Mönchaltorf.

Was wir vom Projektteam besonders betonen, ist, dass das Hauptaugenmerk auf dem Prozess des Sammelns und Schreibens liegen sollte. Der Umfang des Buches ist am Ende nicht so entscheidend wie sein Inhalt. Inzwischen stehen in unserem Bücherregal rund 300 persönliche Bücher verschiedenster Seitenstärken. Das bisher dünnste Buch zählt unter 50 Seiten und das dickste Buch fast 600.

Layout und Design sind im Wesentlichen automatisiert. So erscheinen allfällige Kapitelbilder immer auf der linken Seite und sind oben angeschlagen; das folgende Kapitel beginnt auf der rechten Seite. Schriftgrösse und -art sind gesetzt und können nicht geändert werden. Das exklusive Schreibprogramm, die «Edition Unik App», verarbeitet die gängigen Sonderzeichen einwandfrei Im Lauftext gibt es auch die Möglichkeit, den Text regulär, fett und/oder kursiv darzustellen. Auch können Absätze angebracht oder Blindzeilen unterdrückt werden. Die Textausrichtung (Blocksatz) ist ebenfalls fest und kann nicht geändert werden..

Bundesfeier 2018

Teilnehmer Jürg Vogel schreibt nicht nur, er hält auch Reden. So etwa am 1. August für den Quartierverein Albisrieden. Jürg Vogel hat uns seine Rede zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank!

  Bild: Pexels.com

Bild: Pexels.com

Liebe Albisriederinnen und Albisrieder,
Liebe Gäste

Wenn ich so in die Runde schaue, sehe ich fröhliche Gesichter, leckere Bratwürste, in diesem Jahr leider keinen Holzstoss und kein Feuerwerk. Lauter Zeichen, dass wir heute unseren Nationalfeiertag, den 1. August feiern. Wie jedes Jahr, eine erfolgreiche Fortsetzungsgeschichte.

An andern Orten dieser Welt brennen auch Feuer, aber nicht als Zeichen der Verbundenheit, sondern als Zeichen der Gewalt. Kinder halten auch Raketenteile in den Händen. Aber solche, die vorher todbringend abgeschossen worden sind. Und Bratwürste bleiben dort nur ein Wunsch.

Liebe Anwesende, auch wenn es zu den Eigenschaften von uns Schweizern gehört, immer das Haar in der Suppe zu suchen und an allem etwas auszusetzen, dürfen wir doch feststellen, dass wir in diesen spannenden Zeiten an einem sehr guten Ort leben.

Die Schrecken dieser Welt nehmen wir, Gott sei Dank, nur in den Medien zur Kenntnis. Zum Beispiel im Fernsehen zwischen dem Tatort und dem perfekten Promidinner. Ich will Sie jetzt nicht auffordern, nur noch betrübt drein zu schauen, aber diese Einsicht sollte bei uns zwei Sachen auslösen: nämlich Dankbarkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Dankbarkeit dafür, dass wir von all den Errungenschaften profitieren dürfen, die uns unsere Vorfahren in weiser Voraussicht ermöglicht haben. Immer mit dem Bestreben, den nachfolgenden Generationen eine bessere Welt zu übergeben. Das ist ihnen zum grössten Teil gelungen.

Zur Verantwortung
Gerade weil wir schon lange in Frieden und Wohlstand leben, kann der Eindruck entstehen, dass das vom Schicksal so vorbestimmt sei und wir immer zuvorderst in der Warteschlange sind, wenn es etwas gibt, und ausgenommen sind, wenn es brenzlig wird. Das klassische Bild vom Sonderfall Schweiz, den wir doch so gerne haben.

Ich denke, dass dieses Bild vom Sonderfall Schweiz in die Gerümpelkiste der Geschichte gehört, weil sie so trügerisch ist, und wir gut daran tun, uns mit grossem Verantwortungsbewusstsein und Zuversicht der Realität und den aktuellen Herausforderungen zu stellen.

Die moderne Werbung redet den Kunden ein, dass sie einfach nur bestellen können, nichts selber dazu beitragen müssen und, dass jeder Wunsch berücksichtigt wird. Am Schluss kann die Lieferung dann noch bewertet werden. Der Lieferant sagt aber nicht, dass er die Bedingungen und den Preis diktiert. Diese Mentalität, dass man einfach alles nur noch bestellen und dann kritisieren kann, ohne selber etwas zu leisten, greift stark um sich, auch bezüglich der Politik.

Man hört dann: die sollen mal machen, was ich will. Und wenn sie es nicht tun, dann like ich sie nicht. Und das ist denn auch schon mein ganzer Beitrag gewesen.

Ich bin aber überzeugt, dass wir gut daran tun, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, zu verstehen, zu gestalten, uns einzubringen und selber anzupacken. So haben wir die Bedingungen und den Preis im Griff. Und als Nebeneffekt verstehen wir auch, warum etwas so ist, wie es eben ist.

Dabei helfen uns bekannte Schweizer Stärken, die ich Ihnen gerne aufzähle:

  • Wir reden nicht so viel wie andere, beobachten dafür aber umso besser und hinterfragen das, was wir gesehen haben, kritisch. Wir lernen so viel und schnell von denen, die sich gerne auf der grossen Bühne profilieren und machen so viele Fehler nicht.
  • Wir bekommen so den Sinn für das Machbare und fällen unsere Entscheide aufgrund von erhärteten Fakten und mit Augenmass und nicht aufgrund von Wunschbildern. Darum gelten wir als pragmatisch, verlässlich und vernünftig. Wir haben so grosse Stabilität.
  • Wir sind uns unserer Grösse bzw. Kleinheit bewusst und spielen unser Spiel in den Nischen, dort aber hervorragend.

Diese Eigenschaften haben uns auch schwierige Zeiten, wie zum Beispiel diejenige nach dem Frankenschock recht gut überwinden lassen. Wir sind gemäss WEF-Indikator bezüglich Wettbewerbsfähigkeit absolut spitze, laut «Happiness Report» der Uno gehören wir zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten und nach Economiesuisse haben wir die innovativste Wirtschaft der Welt.

Und jetzt die zentrale Frage: wie gestalten wir die Zukunft?

  • Die kurze Antwort dazu: Mit der gleichen Haltung.
  • Halten wir Sorge zu unserer Stabilität. Hinterfragen wir nicht vier Mal im Jahr in Abstimmungen immer wieder diejenigen Grundlagen, die uns stark gemacht haben.
  • Vertrauen wir auf unsere Stärken.
  • Treten wir geschlossen auf.
  • Aber treten wir entschlossen auf.
  • Und mit der nötigen Portion Zuversicht kommt es gut.

 

Liebe Anwesende

Das bringt mich zu dem Punkt auf den Sie alle warten, nämlich zum Schluss: Um nochmals das Fernsehprogramm zu bemühen. Sorgen wir dafür, dass die Erfolgsgeschichte Schweiz ein Quotenrenner bleibt, der nicht abgesetzt werden kann und es wieder heisst: Fortsetzung folgt. Und freuen wir uns daran. Heute Abend gibt es genügend Gelegenheit dazu.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Fest hier auf dem Hasenrain. Herzlichen Dank.

Bücher verbinden

Die Bücher, die in der Edition Unik geschrieben werden, sind in erster Linie Geschenke der Schreibenden an sich selbst und an das persönliche Umfeld. Immer öfter geht es aber darüber hinaus, so dass auch zuvor Unbekannte miteinander in Kontakt kommen und sich auszutauschen beginnen. So etwa Isabelle Zenhäusern, die in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat, und Daniela Unterfinger, die (noch) kein eigenes Buch geschrieben, dafür aber das zweite Buch von Isabelle Zenhäusern gelesen hat. Daniela Unterfinger hat uns ihre Zeilen dankenswerter Weise überlassen.


Liebe Frau Zenhäusern

Ich weiss gar nicht, wo anfangen. Ihr wunderbares Buch liegt schon lange auf meinem Sofa. Zum Zeitpunkt, als es mich erreichte, lag ich mit einer ganz argen Grippe im Bett. Ich bin während Tagen nicht mehr aufgestanden. Als erstes habe ich dann angefangen, in Ihrem Roman zu schmökern und habe ihn nicht mehr zur Seite gelegt. Viele Erinnerungen sind wieder lebhaft geworden aus meiner Zeit auf Sizilien, 1989 als Reiseleiterin. Eine wunderbare Zeit, reich an Erfahrungen und Erlebnissen, ohne Notebook und Mobil. Das schöne Eck um Erice; unsere Wohnung bei der lieben Signora, die uns jeweils mit caffé in ghiaccio aufwartete und dem coniglio fatta in casa. Bella Italia ist und bleibt ein wunderbares Reiseland mit seiner Italianità und den liebenswerten Menschen.

Zu Ihrem Buch: Die Illustration mit den schwarz-weissen Fotos hat mir sehr gefallen. Den Inhalt habe ich verschlungen, weil ich auch einen Bezug zur Insel habe. Ich war zwar nie ernsthaft liiert mit einem Sizilianer, kenne jedoch die Lebensweise und den Familiensinn der mammoni, auch ganz im Positiven, wenn es einen nicht selber angeht.

Darf ich mir eine ehrliche Bemerkung erlauben? Für meinen Geschmack haben Sie zu viele Zitate eingeflochten. Eines, ab und zu, oder auch auf der Seite der Bilder, wäre durchaus angebracht. Sind es zu viele, auch im Fliesstext, verlieren Sie aus meiner Sicht ihre Aussagekraft. 


  Foto: Vera Hartmann

Foto: Vera Hartmann

Umzug in die «Mitte»

In gut einem Monat startet die Edition Unik in die Herbstrunde. Wobei es eigentlich Herbstrunden heissen müsste, da wir ab dem 20. August neben Zürich auch in Basel vertreten sein werden. Unsere «Heimat» am Rhein stellen wir Ihnen hier vor.

  Bilder: Unternehmen Mitte

Bilder: Unternehmen Mitte

Seit der Frühjahrsausgabe 2018 ist das Kulturhaus «Kosmos» die Heimat der Edition Unik in Zürich. Alle projektinternen Veranstaltungen führen wir dort durch. Der Kosmos bietet unserem Projekt den idealen Rahmen: Das Haus ist vielseitig und von einem breiten kulturellen Programm geprägt; es steht einem durchmischten Publikum offen und ist an zentraler Lage in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs bestens erreichbar.

Bei der Suche nach dem besten Veranstaltungsort für die Edition Unik in Basel haben wir genauso wie in Zürich inhaltliche und organisatorische Aspekte beachtet. Das «Unternehmen Mitte» – «d’Mitti», wie man in Basel sagt – erfüllt beide Kriterien bestens. Nicht nur ist das Haus erreichbar, offen und gross genug. Es bietet mit dem stets gut besuchten Café im Erdgeschoss und dem vielseitigen inhaltlichen Programm auch einen gesellschaftlichen Kontext, in dem sich die Edition Unik wohl fühlt und darin eigene Akzente setzen kann.

Wenn es nach uns geht: Die Herbstausgabe 2018 kann losgehen!

Schreiben Sie selbst!

Haben Sie Lust aufs Sammeln und Schreiben bekommen? Dann melden Sie sich an, wir freuen uns auf neue Gesichter und Geschichten.

Daten der kommenden Ausgaben:

Zürich

Herbstrunde 2018
Ort: Kosmos, Zürich

  • Auftakt: 21.8.18, 15–18 Uhr
  • Netzwerk 1: 11.9.18, 15–18 Uhr
  • Netzwerk 2: 6.11.18, 15–18 Uhr
  • Abschluss: 14.12.18, 16.30–19 Uhr
     

Frühjahresrunde 2019
Ort: Kosmos, Zürich

  • Auftakt: 8.1.19, 15–18 Uhr
  • Netzwerk 1: 29.1.19,15–18 Uhr
  • Netzwerk 2: 26.3.19, 15–18 Uhr
  • Abschluss: 3.4.19, 16.30–19 Uhr
     

Basel

Herbstrunde 2018
Ort: Unternehmen Mitte, Basel

  • Auftakt: 20.8.18, 15–18 Uhr
  • Netzwerk 1: 12.9.18, 15–18 Uhr
  • Netzwerk 2: 5.11.18, 15–18 Uhr
  • Abschluss: 13.12.18, 16.30–19 Uhr
     
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Indien

Ein Auszug von Ruth Aeberli. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

«Kaufte mir ein Ticket nach Kathmandu. Weil wir eine Panne hatten, mussten wir in Prag zwischenlanden. […] In der ersten Nacht in Kathmandu hatte ich ein Hotelzimmer in der Nähe der Tempelanlagen gesucht. Ich hatte grosses Heimweh, und fragte mich was ich den so alleine hier auf Reisen soll. Am nächsten Tag traf ich andere Reisende, einen schönen Römer, mit dem ich den ganzen Tag umherzog. Immer wieder redete er mir gut zu, dass ich bestimmt bald langsamer würde und mich nach und nach von der europäischen Hektik distanzieren täte. Stundenlang hockten wir auf den Tempelstiegen und genossen das bunte Treiben von weit oben.

  Bild: zvg.

Bild: zvg.

[…] Ich fuhr mit dem Bus Richtung Indien. Der Bus kam mitten in der Nacht in Gorakphur dem Grenzort zur nepalesischen Grenze an. Versuchte mit dem Zug weiterzukommen, was um diese Uhrzeit unmöglich war. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt gleich weiterreisen zu können, sogar mit irgendeinem Lastwagenchauffeur bis Delhi mitzufahren. Ich wollte unbedingt weiter. So stellte ich mich mutig an die Strasse und versuchte die Lastwagenchauffeure zu fragen ob einer nach Delhi führe. Diese verstanden gar nichts, sie konnten kein Englisch. Es gab einen Riesen-Auflauf, alle indischen Lastwagenchauffeure versuchten mich zu verstehen, während ich immerfort Delhi erwähnte. Nichts zu machen. […]

Mit einem Zugticket in der Hand bestieg ich am nächsten Tag den überfüllten Zug nach Delhi. Endlich fuhr der Zug in Delhi ein. Ich suchte mir ein günstiges Hotel. Fand ein angenehmes, mehrstöckiges Hotel, nicht zu teuer, gepflegt mit Innenhof, arabisch-orientalisch. Es war 50 Grad heiss. […] Ich wollte Delhi so schnell wie möglich verlassen und beschloss während des Sommers in die Berge zu fahren. […]

Mit [der Münchnerin Lisa] und zwei Australiern beschlossen wir ein Trekking über Ladakh nach Leh zu machen. Für mich war eine Bergtour dieser Art völlig ungewohnt, zudem hatte ich nur die alten Wanderschuhe meiner Mutter an. Die Luft auf den 5000ernden war speziell. […]

Ständig mussten wir Schmelzwasser überqueren, das hiess Schuhe ausziehen, durchs Schmelzwasser gehen und die Schuhe wieder anziehen. An jenem Abend hatte ich es satt, dieses ständige An-und Ausziehen. Wir wollten bald unser Nacht-Lager aufschlagen. Schon wieder mussten wir ein Schmelzwasser überqueren. Ich berechnete, dass ich es mit einem Sprung darüber schaffen würde, und sprang. Allerdings hatte ich nicht berechnet, dass es am gegenüberliegenden Bord sehr nass und glischtig sein würde. Ich rutschte aus und mein rechter Fuss schlug auf einen Stein. In meinem Fuss explodierte es förmlich. Innerhalb von Sekunden spürte ich einen höllischen Schmerz und gleichzeitig der Gedanke: hier gibt es weder Ärzte noch Strassen und ich kann nicht mehr gehen. Horror. Am nächsten Tag war der Sherpa mit seinen Lasttieren abgehauen. Der Australier, welcher der schnellste Läufer war, ging los um im drei Tage entfernten Dorf, Hilfe zu holen.

[…] Am Nachmittag des sechsten Tages, kaum zu glauben, hörte ich weit entfernt ein Surren, der Helikopter war da. Ein kleiner Militärhelikopter, nicht etwa die noble REGA. Lisa flog mit. Auf dem Rücksitz quetschten wir uns zusammen, inzwischen konnte ich mein Bein nicht mehr biegen. Ganz knapp, auf Millimeter genau konnte die Helikoptertür geschlossen werden.

Wir wurden noch weiter weg von grösseren Städten, noch mehr in den Nordosten über diese impressionante Bergwelt ins Militärspital nach Leh geflogen. Soldaten holten mich auf einer dürftigen Bahre aus dem Helikopter. Rücksichtslos unzimperlich trugen sie mich ins Spital, sie behandelten mich wie eine Ware. Die Bahre rumpelte und rüttelte das mein Schmerz sich wieder verstärkte.

[14 Tage später konnte ein Flugticket von Leh nach Srinagar erworben werden.]

Glücklicherweise hatte ein Reservationsangestellter in Srinagar ein gutes Herz. So konnten wir sofort nach Delhi fliegen. Dort landeten wir um ca. 17.00 Uhr an einem Freitagabend. Der Schweizer Botschafter empfing mich mit einem Flugticket. Er hatte ein Flugticket über Frankfurt nach Zürich besorgt und setzte mich ans Check-in. Auch er ging seiner Wege, schliesslich hatte er Wochenende. […]

In Zürich wartete keine Menschenseele auf mich. Ohne einen Rappen Schweizer Geld sass ich verloren im Rollstuhl. Eine Kioskfrau lieh mir -.50 Rp. [...] So bestellte ich ein Taxi und fuhr zu meiner Mutter nach Zürich-Seebach. Der Taxichauffeur musste mich vom Taxi in die Wohnung meiner Mutter tragen. Mama erschrak, ich war dünn, mit Gips, dreckig von der Reise und konnte nur kriechen. Sofort meldete ich mich beim Balgrist dem Spital für Orthopädie an. Es war Samstag, so hiess es, dass ich nach dem Untersuch wieder nachhause fahren müsse. Ich wusch mich. Rief erneut ein Taxi. Trotz Hinweis meinerseits, dass ich in den Wagen hinein getragen werden müsse, kam ein strenggläubiger Moslem. Als er mich sah, sagte er, dass er mich nicht berühren dürfe. Tant pis. Ich wollte bereits einen anderen Chauffeur bestellen. Dieser moslemische Chauffeur wickelte mich aber in Decken ein und hob mich in sein Taxi. Mama fuhr mit.

Im Balgrist schnitt der Arzt den Gips auf, erschrak und meinte, dass er so etwas noch nie gesehen hätte. Ich hätte enormes Glück, etwas später angereist, hätte die Infektion unter dem Gips meine Knochen angegriffen. Das wäre das Aus für mein rechtes Bein gewesen...

Im Militärspital Leh hatte der dortige Arzt während meiner Vollnarkose alles, ohne mein Bein zu waschen oder gar zu desinfizieren eingegipst, sämtlichen Dreck, alles was an meinem Bein klebte, plus kleine offene Wunden welche durch die stete Feuchtigkeit gar nie zuwachsen konnten. Im Balgrist behielten sie mich trotz Wochenende sofort. Operieren konnte der Arzt erst, wenn sich die Infektion zurück gebildet hatte. Vollgepumpt mit Antibiotika, wurde es mir schlecht und täglich hatte ich Durchfall. Ich war völlig geschwächt mit meinen übriggebliebenen 43 Kilo.»