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Fünf Fragen an: Fiore Rubino

  Bild: Pexels.com

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1. Was ist Ihre Rolle in der Edition Unik?
Ich habe in der Edition Unik ein Buch geschrieben und auch schon eine eigene Lesung veranstaltet.

2. Braucht es die Edition Unik?
Ja, für mich ist sie eine «Hammersache»! Die Begleitung beim Schreiben durch die Edition Unik ist sehr gut und motivierend. Wichtig sind auch der Ablauf und die Termine der Projektwochen. Sie erleichtern das Dranbleiben.

3. Was raten Sie den Schreibenden?
Lassen Sie sich auf den Prozess ein! Schreiben Sie erst alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt, ganz gleich, ob Rechtschreibung und Grammatik stimmen; halten Sie Ihre Erinnerungen ungefiltert fest. Das Verändern und Verbessern kommt erst danach.

4. (Wie) soll es mit der Edition Unik weitergehen?
Genau so, denn mir persönlich hat nichts gefehlt, ich habe mich stets wohl gefühlt.

5. Was lesen Sie am liebsten?
Berührende, emotionale, schöne, wahre (Lebens-) Geschichten.
 

Fiore Rubino ist dipl. Therapeutin und Gesundheitsberaterin mit eigener Praxis in Zürich. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Bundesfeier 2018

Teilnehmer Jürg Vogel schreibt nicht nur, er hält auch Reden. So etwa am 1. August für den Quartierverein Albisrieden. Jürg Vogel hat uns seine Rede zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank!

  Bild: Pexels.com

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Liebe Albisriederinnen und Albisrieder,
Liebe Gäste

Wenn ich so in die Runde schaue, sehe ich fröhliche Gesichter, leckere Bratwürste, in diesem Jahr leider keinen Holzstoss und kein Feuerwerk. Lauter Zeichen, dass wir heute unseren Nationalfeiertag, den 1. August feiern. Wie jedes Jahr, eine erfolgreiche Fortsetzungsgeschichte.

An andern Orten dieser Welt brennen auch Feuer, aber nicht als Zeichen der Verbundenheit, sondern als Zeichen der Gewalt. Kinder halten auch Raketenteile in den Händen. Aber solche, die vorher todbringend abgeschossen worden sind. Und Bratwürste bleiben dort nur ein Wunsch.

Liebe Anwesende, auch wenn es zu den Eigenschaften von uns Schweizern gehört, immer das Haar in der Suppe zu suchen und an allem etwas auszusetzen, dürfen wir doch feststellen, dass wir in diesen spannenden Zeiten an einem sehr guten Ort leben.

Die Schrecken dieser Welt nehmen wir, Gott sei Dank, nur in den Medien zur Kenntnis. Zum Beispiel im Fernsehen zwischen dem Tatort und dem perfekten Promidinner. Ich will Sie jetzt nicht auffordern, nur noch betrübt drein zu schauen, aber diese Einsicht sollte bei uns zwei Sachen auslösen: nämlich Dankbarkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Dankbarkeit dafür, dass wir von all den Errungenschaften profitieren dürfen, die uns unsere Vorfahren in weiser Voraussicht ermöglicht haben. Immer mit dem Bestreben, den nachfolgenden Generationen eine bessere Welt zu übergeben. Das ist ihnen zum grössten Teil gelungen.

Zur Verantwortung
Gerade weil wir schon lange in Frieden und Wohlstand leben, kann der Eindruck entstehen, dass das vom Schicksal so vorbestimmt sei und wir immer zuvorderst in der Warteschlange sind, wenn es etwas gibt, und ausgenommen sind, wenn es brenzlig wird. Das klassische Bild vom Sonderfall Schweiz, den wir doch so gerne haben.

Ich denke, dass dieses Bild vom Sonderfall Schweiz in die Gerümpelkiste der Geschichte gehört, weil sie so trügerisch ist, und wir gut daran tun, uns mit grossem Verantwortungsbewusstsein und Zuversicht der Realität und den aktuellen Herausforderungen zu stellen.

Die moderne Werbung redet den Kunden ein, dass sie einfach nur bestellen können, nichts selber dazu beitragen müssen und, dass jeder Wunsch berücksichtigt wird. Am Schluss kann die Lieferung dann noch bewertet werden. Der Lieferant sagt aber nicht, dass er die Bedingungen und den Preis diktiert. Diese Mentalität, dass man einfach alles nur noch bestellen und dann kritisieren kann, ohne selber etwas zu leisten, greift stark um sich, auch bezüglich der Politik.

Man hört dann: die sollen mal machen, was ich will. Und wenn sie es nicht tun, dann like ich sie nicht. Und das ist denn auch schon mein ganzer Beitrag gewesen.

Ich bin aber überzeugt, dass wir gut daran tun, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, zu verstehen, zu gestalten, uns einzubringen und selber anzupacken. So haben wir die Bedingungen und den Preis im Griff. Und als Nebeneffekt verstehen wir auch, warum etwas so ist, wie es eben ist.

Dabei helfen uns bekannte Schweizer Stärken, die ich Ihnen gerne aufzähle:

  • Wir reden nicht so viel wie andere, beobachten dafür aber umso besser und hinterfragen das, was wir gesehen haben, kritisch. Wir lernen so viel und schnell von denen, die sich gerne auf der grossen Bühne profilieren und machen so viele Fehler nicht.
  • Wir bekommen so den Sinn für das Machbare und fällen unsere Entscheide aufgrund von erhärteten Fakten und mit Augenmass und nicht aufgrund von Wunschbildern. Darum gelten wir als pragmatisch, verlässlich und vernünftig. Wir haben so grosse Stabilität.
  • Wir sind uns unserer Grösse bzw. Kleinheit bewusst und spielen unser Spiel in den Nischen, dort aber hervorragend.

Diese Eigenschaften haben uns auch schwierige Zeiten, wie zum Beispiel diejenige nach dem Frankenschock recht gut überwinden lassen. Wir sind gemäss WEF-Indikator bezüglich Wettbewerbsfähigkeit absolut spitze, laut «Happiness Report» der Uno gehören wir zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten und nach Economiesuisse haben wir die innovativste Wirtschaft der Welt.

Und jetzt die zentrale Frage: wie gestalten wir die Zukunft?

  • Die kurze Antwort dazu: Mit der gleichen Haltung.
  • Halten wir Sorge zu unserer Stabilität. Hinterfragen wir nicht vier Mal im Jahr in Abstimmungen immer wieder diejenigen Grundlagen, die uns stark gemacht haben.
  • Vertrauen wir auf unsere Stärken.
  • Treten wir geschlossen auf.
  • Aber treten wir entschlossen auf.
  • Und mit der nötigen Portion Zuversicht kommt es gut.

 

Liebe Anwesende

Das bringt mich zu dem Punkt auf den Sie alle warten, nämlich zum Schluss: Um nochmals das Fernsehprogramm zu bemühen. Sorgen wir dafür, dass die Erfolgsgeschichte Schweiz ein Quotenrenner bleibt, der nicht abgesetzt werden kann und es wieder heisst: Fortsetzung folgt. Und freuen wir uns daran. Heute Abend gibt es genügend Gelegenheit dazu.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Fest hier auf dem Hasenrain. Herzlichen Dank.

Bücher verbinden

Die Bücher, die in der Edition Unik geschrieben werden, sind in erster Linie Geschenke der Schreibenden an sich selbst und an das persönliche Umfeld. Immer öfter geht es aber darüber hinaus, so dass auch zuvor Unbekannte miteinander in Kontakt kommen und sich auszutauschen beginnen. So etwa Isabelle Zenhäusern, die in der Edition Unik zwei Bücher geschrieben hat, und Daniela Unterfinger, die (noch) kein eigenes Buch geschrieben, dafür aber das zweite Buch von Isabelle Zenhäusern gelesen hat. Daniela Unterfinger hat uns ihre Zeilen dankenswerter Weise überlassen.


Liebe Frau Zenhäusern

Ich weiss gar nicht, wo anfangen. Ihr wunderbares Buch liegt schon lange auf meinem Sofa. Zum Zeitpunkt, als es mich erreichte, lag ich mit einer ganz argen Grippe im Bett. Ich bin während Tagen nicht mehr aufgestanden. Als erstes habe ich dann angefangen, in Ihrem Roman zu schmökern und habe ihn nicht mehr zur Seite gelegt. Viele Erinnerungen sind wieder lebhaft geworden aus meiner Zeit auf Sizilien, 1989 als Reiseleiterin. Eine wunderbare Zeit, reich an Erfahrungen und Erlebnissen, ohne Notebook und Mobil. Das schöne Eck um Erice; unsere Wohnung bei der lieben Signora, die uns jeweils mit caffé in ghiaccio aufwartete und dem coniglio fatta in casa. Bella Italia ist und bleibt ein wunderbares Reiseland mit seiner Italianità und den liebenswerten Menschen.

Zu Ihrem Buch: Die Illustration mit den schwarz-weissen Fotos hat mir sehr gefallen. Den Inhalt habe ich verschlungen, weil ich auch einen Bezug zur Insel habe. Ich war zwar nie ernsthaft liiert mit einem Sizilianer, kenne jedoch die Lebensweise und den Familiensinn der mammoni, auch ganz im Positiven, wenn es einen nicht selber angeht.

Darf ich mir eine ehrliche Bemerkung erlauben? Für meinen Geschmack haben Sie zu viele Zitate eingeflochten. Eines, ab und zu, oder auch auf der Seite der Bilder, wäre durchaus angebracht. Sind es zu viele, auch im Fliesstext, verlieren Sie aus meiner Sicht ihre Aussagekraft. 


  Foto: Vera Hartmann

Foto: Vera Hartmann

Indien

Ein Auszug von Ruth Aeberli. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

«Kaufte mir ein Ticket nach Kathmandu. Weil wir eine Panne hatten, mussten wir in Prag zwischenlanden. […] In der ersten Nacht in Kathmandu hatte ich ein Hotelzimmer in der Nähe der Tempelanlagen gesucht. Ich hatte grosses Heimweh, und fragte mich was ich den so alleine hier auf Reisen soll. Am nächsten Tag traf ich andere Reisende, einen schönen Römer, mit dem ich den ganzen Tag umherzog. Immer wieder redete er mir gut zu, dass ich bestimmt bald langsamer würde und mich nach und nach von der europäischen Hektik distanzieren täte. Stundenlang hockten wir auf den Tempelstiegen und genossen das bunte Treiben von weit oben.

  Bild: zvg.

Bild: zvg.

[…] Ich fuhr mit dem Bus Richtung Indien. Der Bus kam mitten in der Nacht in Gorakphur dem Grenzort zur nepalesischen Grenze an. Versuchte mit dem Zug weiterzukommen, was um diese Uhrzeit unmöglich war. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt gleich weiterreisen zu können, sogar mit irgendeinem Lastwagenchauffeur bis Delhi mitzufahren. Ich wollte unbedingt weiter. So stellte ich mich mutig an die Strasse und versuchte die Lastwagenchauffeure zu fragen ob einer nach Delhi führe. Diese verstanden gar nichts, sie konnten kein Englisch. Es gab einen Riesen-Auflauf, alle indischen Lastwagenchauffeure versuchten mich zu verstehen, während ich immerfort Delhi erwähnte. Nichts zu machen. […]

Mit einem Zugticket in der Hand bestieg ich am nächsten Tag den überfüllten Zug nach Delhi. Endlich fuhr der Zug in Delhi ein. Ich suchte mir ein günstiges Hotel. Fand ein angenehmes, mehrstöckiges Hotel, nicht zu teuer, gepflegt mit Innenhof, arabisch-orientalisch. Es war 50 Grad heiss. […] Ich wollte Delhi so schnell wie möglich verlassen und beschloss während des Sommers in die Berge zu fahren. […]

Mit [der Münchnerin Lisa] und zwei Australiern beschlossen wir ein Trekking über Ladakh nach Leh zu machen. Für mich war eine Bergtour dieser Art völlig ungewohnt, zudem hatte ich nur die alten Wanderschuhe meiner Mutter an. Die Luft auf den 5000ernden war speziell. […]

Ständig mussten wir Schmelzwasser überqueren, das hiess Schuhe ausziehen, durchs Schmelzwasser gehen und die Schuhe wieder anziehen. An jenem Abend hatte ich es satt, dieses ständige An-und Ausziehen. Wir wollten bald unser Nacht-Lager aufschlagen. Schon wieder mussten wir ein Schmelzwasser überqueren. Ich berechnete, dass ich es mit einem Sprung darüber schaffen würde, und sprang. Allerdings hatte ich nicht berechnet, dass es am gegenüberliegenden Bord sehr nass und glischtig sein würde. Ich rutschte aus und mein rechter Fuss schlug auf einen Stein. In meinem Fuss explodierte es förmlich. Innerhalb von Sekunden spürte ich einen höllischen Schmerz und gleichzeitig der Gedanke: hier gibt es weder Ärzte noch Strassen und ich kann nicht mehr gehen. Horror. Am nächsten Tag war der Sherpa mit seinen Lasttieren abgehauen. Der Australier, welcher der schnellste Läufer war, ging los um im drei Tage entfernten Dorf, Hilfe zu holen.

[…] Am Nachmittag des sechsten Tages, kaum zu glauben, hörte ich weit entfernt ein Surren, der Helikopter war da. Ein kleiner Militärhelikopter, nicht etwa die noble REGA. Lisa flog mit. Auf dem Rücksitz quetschten wir uns zusammen, inzwischen konnte ich mein Bein nicht mehr biegen. Ganz knapp, auf Millimeter genau konnte die Helikoptertür geschlossen werden.

Wir wurden noch weiter weg von grösseren Städten, noch mehr in den Nordosten über diese impressionante Bergwelt ins Militärspital nach Leh geflogen. Soldaten holten mich auf einer dürftigen Bahre aus dem Helikopter. Rücksichtslos unzimperlich trugen sie mich ins Spital, sie behandelten mich wie eine Ware. Die Bahre rumpelte und rüttelte das mein Schmerz sich wieder verstärkte.

[14 Tage später konnte ein Flugticket von Leh nach Srinagar erworben werden.]

Glücklicherweise hatte ein Reservationsangestellter in Srinagar ein gutes Herz. So konnten wir sofort nach Delhi fliegen. Dort landeten wir um ca. 17.00 Uhr an einem Freitagabend. Der Schweizer Botschafter empfing mich mit einem Flugticket. Er hatte ein Flugticket über Frankfurt nach Zürich besorgt und setzte mich ans Check-in. Auch er ging seiner Wege, schliesslich hatte er Wochenende. […]

In Zürich wartete keine Menschenseele auf mich. Ohne einen Rappen Schweizer Geld sass ich verloren im Rollstuhl. Eine Kioskfrau lieh mir -.50 Rp. [...] So bestellte ich ein Taxi und fuhr zu meiner Mutter nach Zürich-Seebach. Der Taxichauffeur musste mich vom Taxi in die Wohnung meiner Mutter tragen. Mama erschrak, ich war dünn, mit Gips, dreckig von der Reise und konnte nur kriechen. Sofort meldete ich mich beim Balgrist dem Spital für Orthopädie an. Es war Samstag, so hiess es, dass ich nach dem Untersuch wieder nachhause fahren müsse. Ich wusch mich. Rief erneut ein Taxi. Trotz Hinweis meinerseits, dass ich in den Wagen hinein getragen werden müsse, kam ein strenggläubiger Moslem. Als er mich sah, sagte er, dass er mich nicht berühren dürfe. Tant pis. Ich wollte bereits einen anderen Chauffeur bestellen. Dieser moslemische Chauffeur wickelte mich aber in Decken ein und hob mich in sein Taxi. Mama fuhr mit.

Im Balgrist schnitt der Arzt den Gips auf, erschrak und meinte, dass er so etwas noch nie gesehen hätte. Ich hätte enormes Glück, etwas später angereist, hätte die Infektion unter dem Gips meine Knochen angegriffen. Das wäre das Aus für mein rechtes Bein gewesen...

Im Militärspital Leh hatte der dortige Arzt während meiner Vollnarkose alles, ohne mein Bein zu waschen oder gar zu desinfizieren eingegipst, sämtlichen Dreck, alles was an meinem Bein klebte, plus kleine offene Wunden welche durch die stete Feuchtigkeit gar nie zuwachsen konnten. Im Balgrist behielten sie mich trotz Wochenende sofort. Operieren konnte der Arzt erst, wenn sich die Infektion zurück gebildet hatte. Vollgepumpt mit Antibiotika, wurde es mir schlecht und täglich hatte ich Durchfall. Ich war völlig geschwächt mit meinen übriggebliebenen 43 Kilo.»