Vorfreude auf den Vorlesetag

Die Edition Unik und das Junge Schauspielhaus laden am 22. Mai 2019 gemeinsam zum «Vorlesetag». Wie die Zusammenarbeit zustande kam und was Besucherinnen und Besucher erwartet, hat Frerk Froböse, Projektleiter der Edition Unik, mit Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, besprochen.

Frerk Froböse: Vom Jungen Schauspielhaus seid ihr vor etwa einem Jahr auf die Edition Unik zugekommen. Wie habt ihr vom Projekt erfahren, was habt ihr erwartet?
Petra Fischer: Nachdem wir seit Langem unsere Büros auf dem gleichen Stockwerk haben, gab den letzten Anstoss für eine Kontaktaufnahme unsere Stückentwicklung «Liebe Grüsse… oder Wohin das Leben fällt» mit dem holländischen Autor Theo Fransz. Während der Recherchearbeit hatten uns Kinder und ältere Menschen Material und eigene Texte über Familiengeheimisse zugearbeitet. Und beim Nachdenken darüber, wer über diesen inhaltlichen Bezug vielleicht neu den Weg ins Junge Schauspielhaus finden würde, kam uns die Edition Unik in den Sinn. 

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FF: Wie hat sich die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung am Vorlesetag entwickelt? Welches Interesse habt ihr vom Jungen Schauspielhaus dabei verfolgt?
PF: Es ging gleich damit los, dass wir bei der Edition Unik auf offenere Ohren stiessen als gedacht. Es gab so viele interessante Ansatzpunkte, und wir waren uns schnell einig, eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zu planen. Dadurch konnte Interesse wachsen, Vertrauen entstehen und ein gegenseitiges Kennenlernen stattfinden. Seit zehn Jahren ist es uns ein Anliegen, die Öffentlichkeit des Theaters zu nutzen, um Erfahrungen, Fragen, Beobachtungen, Wünsche unseres altersdurchmischten Publikums vorzustellen.

So nahmen wir gemeinsam den Vorlesetag am 22. Mai in Sachen Wort, Text, Geschichten in den Hinterkopf. Unsere Bühnenräume bieten Möglichkeiten für die Teilnehmenden, sich in neuer Art und Weise präsentieren können. Und das knüpft dann an einen anderen Schwerpunkt unserer Arbeit an: Begegnungen schaffen durch gemeinsame Erlebnisse, die den Austausch befördern.

FF: Wir haben zusammen unter dem Titel «Zwischen Buch und Bühne» mit ehemaligen Teilnehmenden der Edition Unik drei Treffen durchgeführt. Welche Eindrücke sind dir davon geblieben?
PF: Vom ersten Moment an wurde ich erinnert an die Jahrgänge des Kulturführerscheins, die wir zusammen mit dem Verein AkzentaNova fünf Jahre lang durchgeführt haben, sowie an die vielfältigen Projekte, die daraus in der Folgezeit entstanden. Neugierige, engagierte, Auseinandersetzungen entstehen, wenn offene Menschen zusammenkommen und sich Neues erschliessen wollen.

Ich war beeindruckt, wie intensiv die Edition Unik Teilnehmenden ihre Schreiberfahrungen reflektierten, durchaus kontrovers. Und es war bereichernd zu erleben, wie die Theaterbesuche von «Liebe Grüsse… oder Wohin das Leben fällt«, «Casa 18»  und «Der Josa mit der Zauberfiedel», als Teil der Treffen ganz anders aufgenommen wurden als von anderem Publikum. Damit wurde schliesslich die Vielschichtigkeit der Inszenierungen, nach der wir immer suchen, bestätigt.

FF: Das Junge Schauspielhaus arbeitet generationenübergreifend, aber in erster Linie habt ihr es mit Schülerinnen und Schülern zu tun. In der Edition Unik schreiben eher deren Grosseltern. War in der Arbeit mit ihnen etwas neu für dich?
PF: Was die beteiligten Menschen betrifft, war es weniger neu, als vielmehr eine sehr schöne Fortsetzung. Neu hingegen war das Genre, in dem wir uns bewegten. Bei den Angeboten vom Jungen Schauspielhaus waren es bislang eher spielerische, theatrale Formen, in denen sich die Beteiligten auszudrückten – zum Beispiel beim SeniorInnen- und Mehrgenerationen-Spielclub oder bei «Early birds» vom Verein Kulturvermittlung Zürich.

In der Kooperation mit der Edition Unik liegt der Fokus beim Schreiben und beim Umgang mit dem geschriebenen Wort. Das Buch kann man immer wieder hervornehmen, kann nachlesen, zurückblättern, Notizen machen etc. Das ist ein grosser, für uns spannender Gegensatz zur Vergänglichkeit des Theaters. Die Art der Wahrnehmung ändert sich, gerade, wenn man sich in der Gruppe weiter damit beschäftigen möchte.

Begegnungen schaffen durch gemeinsame Erlebnisse, die den Austausch befördern.
— Petra Fischer

FF: Du hast die sechs Lesegruppen auf dem letzten Teilstück des Weges hin zur Lesung begleitet und kennst das Programm des 22. Mai am besten. Gibt es etwas, worauf du dich jetzt besonders freust?
PF: Da ist zum einen die direkte Verbindung der Menschen zu ihren eigenen Texten. Bislang habe ich sie über ihre Texte reden gehört, habe Hintergründe erfahren, Fragen, die sie damit verbinden und habe die Texte selbst still gelesen. Jetzt bekommen diese Texte eine Stimme – die der Autoren oder eine fremde. Auf jeden Fall aber materialisiert sich das Geschriebene. Das erinnert mich als Dramaturgin sehr an den Moment bei jeder neuen Theaterproduktion: Wie erlebe ich es, wenn zum ersten Mal die Schauspielerinnen und Schauspieler «ihre» Texte sprechen.

Im Vorfeld hat man die Worte so oft gelesen, durchdacht, in ein Umfeld gestellt, besprochen, aber alles im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Wenn dann aber diejenigen diese Worte in den Mund nehmen und ihnen eine erste Gestalt geben, die später das Ganze dem Publikum darbieten, wird es real, bekommt einen Boden. Für die Darstellenden auf der Bühne gibt es in der Probenarbeit dann noch die Hürde zu nehmen, dass sie «fremde» Texte erst zu «ihren» machen müssen. Diesen Vorgang erleben wir am 22. Mai viel direkter. Und dann freue ich mich auf die Begegnungen im Umfeld der Lesungen mit dem Publikum, das sich hoffentlich aus verschiedenen Generationen zusammensetzt!


Die Ticketreservation ist obligatorisch, Details in unserem Veranstaltungskalender oder direkt beim Jungen Schauspielhaus.