«Und es hat doch geschadet…»

Ein Erfahrungsbericht von Rebekka Rossmann. Sie hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben und im Februar-Café im Berner Generationenhaus daraus vorgelesen.

Die Edition Unik hat es mir ermöglicht mein Buch zu schreiben, ohne vorheriges Studium oder Vorwissen. Das war ein sehr befreiendes Gefühl. Alle meine Texte und Gedanken, von Jugend an bis heute zwischen zwei magische Buchdeckel zaubern zu können war unbeschreiblich aufregend.

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Glauben und Opfer (Bild: zvg,)

Wollte ich doch schon so lange meinen Schmerz, aber auch meine Befreiung festhalten für meine Kinder, meine Freunde und letztendlich auch für mich selbst.

Wer mich heute kennt wird sich schlecht vorstellen können unter welchen rigiden Weltvorstellungen ich gross geworden bin. Daher ist die Versuchung gross zu behaupten es habe mir nicht geschadet. Doch genau das hat es getan und eben aus dieser Verschleierung möchte ich aufdecken aus Sicht des Kindes, einer Jugendlichen und einer schliesslich erwachsenen Frau, wie tiefgreifend sektenähnliche Glaubensgemeinschaften eine menschliche Seele zerstören können.

Gebrochen im Namen der Liebe
Im Namen der Liebe und des Glaubens wurde ich gebrochen und verunsichert, so nachhaltig, dass ich mir als kleines Mädchen schon wünschte der Weltuntergang möge doch bald kommen um das Leben nicht mehr ertragen zu müssen in das ich geboren wurde.

Bis heute sehe ich den biblischen Isaak das Messer erheben über seinen Sohn, geduldig wartend ob Gott der Herr ihm befehlen wird, ihn zu töten. Ich spürte schon als Kind, dass mein Vater innerlich bereit war alles zu opfern für seinen Gott wenn dieser es, auch von ihm, verlangen würde.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.
— Rebekka Rossmann, Teilnehmerin der Edition Unik

Mit keiner Faser meiner kindlichen Unschuld hätte ich auch nur eine Sekunde gewagt darüber nachzudenken, wenn Isaaks Sohn sich gewehrt hätte, geflüchtet wäre. Meine Seele speicherte nur einen einzigen Befehl: Ja, Papa, ich bin bereit, verharre still, wenn dein Gott es von dir verlangt, dann töte mich, denn nur durch absoluten Gehorsam wirst du in den Himmel kommen, und ich mit dir. Es ging nicht um das irdische Leben sondern, ausschliesslich um unser Seelenheil im Jenseits, im Paradies. Aber ein Kind kann das nicht trennen, nicht verstehen und ist sich auch niemals sicher ob der Engel wirklich kommen wird um Isaak abzuhalten den Sohn zu töten. Daher brauchte es fast 30 Jahre bis ich den Dolchhieb nicht mehr erwartete…mich frei fühlte…den Opferblock zu verlassen.

Absolute Selbstaufgabe
Absolute Selbstaufgabe, bedingungslose Unterwerfung schlugen tiefe Wurzeln in meiner Jugend, so war ich irgendwann hoffnungsvoll überzeugt zu den Söhnen und Töchtern Abels zu gehören. Doch mit dem Erwachsenwerden frass die harte Realität mich systematisch auf, konfrontierte meinen Alltag mit unaussprechlichen Sehnsüchten, Lüsten, Ideen, Hoffnungen die mir nicht gelehrt wurden, eigentlich normalen jugendlichen Emotionen. Panische Angst erfüllte mich als attackierten mich Dämonen aus der tiefsten Hölle. Denn eigentlich durfte es all das nicht geben in mir, war ich doch unschuldig gefolgt, beherzigte alles was man mir anerzogen hatte…wäre da nicht die Erbsünde…der Zweifel doch besudelt zu sein, irgendwo in der Tiefe meines Inneren.

Die Hirnwäsche trug ihre Früchte voller Selbsthass, Selbstmordgedanken, innerer Lähmung, Selbstkasteiung, Selbstverletzungen und einer Zerrissenheit die man nicht wirklich in Worte fassen kann.

Erlösendes Schreiben
In diesem Alptraum entstanden meine Texte die mir anfangs Angst machten und doch aus mir heraus mussten. Sie erlösten mich langfristig von den Prophezeiungen eines charismatischen Systems der bedingungslosen Unterwerfung im Namen einer religiös geprägten bedingungslosen Liebe zu einem erbarmungslosen Schöpfer, einer rachsüchtigen Gott Vaterfigur, die dich systematisch innerlich vernichtet.

Mein winziges Ich heimlich doch zu fragen, das Niederschreiben meiner Not rettete meine Hoffnung auf ein Leben, begleitet von unbeschreiblichen Schuldgefühlen und Panik dass «der da oben» mich dafür verdammen wird in alle Ewigkeit…oder schlimmer noch, meine eigenen Kindern oder Mitmenschen die mir etwas bedeuteten, strafen oder vernichten könnte…ein Teufelskreis ohne Ausweg, ein inneres Fegefeuer der Furcht.

Und gerade trotzdem lebe, liebe und hoffe ich heute wieder- und fand meine eigene Erlösung die ich weitergeben möchte an alle die, welche noch immer gefangen sind in einem unmenschlichen, dogmatischen System der Hoffnungslosigkeit. Allen, die heute in solch einem Teufelskreis gefangen sind möchte ich Mut machen zu hinterfragen, sich Hilfe zu suchen bei vertrauten Menschen die man gern hat. Macht euch auf, traut euch, das Gefängnis des bedingungslosen Glaubens, der Indoktrination zu verlassen. Das Leben ist Liebe, Hoffnung und Vertrauen, in euch selbst, eure Kräfte und all das Gute das man euch abgesprochen, aberzogen hat.

Erwacht, entdeckt euch neu, befreit euch aus der Geisel der Gewalt. Niemand von dort oben im Himmel wird euch vernichten! Niemand!

Niemand wird euch bestrafen wenn ihr euch selbst sucht in eurem Ursprung, eurem Kindsein. Habt den Mut euch auf den Weg zu machen, zu euch selbst, erlöst das Opfer von allen Flüchen eurer Erziehung. Entdeckt was Liebe, Freiheit und Demut vor den eigenen Bedürfnissen wirklich ist, Liebe die euch selbst ebenso gilt wie jedem anderen.

Danke an die Edition Unik. Es ist ein wunderbares Gefühl dass mein inneres Kind erzählen durfte und nicht vergessen wird.


Selber schreiben? Unbedingt!
Um ein Buch in der Edition Unik zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge: Lust und Zeit. Eine Projektrunde dauert 17 Wochen, dabei empfiehlt die Projektleitung täglich 45 Minuten für die Arbeit am Buchprojekt zu reservieren. In der Edition Unik ist jede Geschichte willkommen, Schreiberfahrung braucht es keine, den Umgang mit Computer und Internet sollte man für ein erfolgreiches Arbeiten aber gewohnt sein.

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