Die Wurzeln, die bleiben

Ein Fragment von Erika Kneubühl. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Bild: pexels.org

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Ein kleines Mädchen in den viel zu grossen Schlittschuhen der Mutter hat an einem Tag im Winter 1990/1991 seine ersten Fahrversuche auf der Eisbahn seines Schulhausplatzes gemacht. Das Mädchen hatte zum Ausstopfen der Schlittschuhe zwei dicke Wollsocken des Vaters übereinander angezogen und die Schnürsenkel so eng wie es nur ging zusammen gebunden.

Komme was wolle, das Mädchen wollte an jenem Wintertag das Schlittschuhlaufen lernen.

Es war ohne Eltern da und wusste lediglich durch sein Beobachten der anderen Schlittschuhläuferinnen und -läufer, wie es vorwärts kam. Das Mädchen hatte langsam den einen Fuss vor den anderen gesetzt und sich dabei mit beiden Händen an der Hockeybande festgehalten. Unzählige Male ist das Mädchen trotz grosser Anstrengung immer wieder hingefallen und mit viel Kraft wieder aufgestanden. Während die anderen Besucher und Besucherinnen ihre sicheren und schnellen Runden auf dem Eis drehten oder gekonnt mit Hockeystock und Bög hantierten, kam das Mädchen vom Gehen langsam zum Gleiten. Beim Eindunkeln des Tages machte sich der Erfolg des Mädchens sichtbar, freihändig konnte es an jenem Abend auf beiden Kufen vorwärtsgleiten. Das Mädchen hat den ganzen Tag an sich geglaubt, trotz mehrfachem Hinfallen immer wieder Aufstehen hat es weitergemacht.


Erika Kneubühl lesen hören?
Unbedingt, und zwar am Edition Unik Café im Berner Generationenhaus. Es findet statt am 19. September ab 18.30 Uhr.

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Erika Kneubühl hat in einem Statement festgehalten, was das Schreiben des Buches für sie bedeutet hat: Wie ein Film