Die grosse Familienfeier in Raitenhaslach

Eine Genealogie von Kurt Zuckschwerdt. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben.

Grabplatte im Kreuzgang des Zisterzienserklosters Raitenhaslach (Foto: zvg)

Grabplatte im Kreuzgang des Zisterzienserklosters Raitenhaslach (Foto: zvg)

An einem schönen Herbsttag 1322 beteten die Zukswerts am Familiengrab vor der grossen Grabplatte im Zisterzienserkloster Raitenhaslach und dankten Gott für den grossartigen Sieg. Ebenso würdigten sie ihre Ahnen, den Nobilis Miles Chalhoch Zukhswert, den Equitees Nobiles Wernhard Zukhswert, seine Ehefrau Elizabet und all die andern Ritter ihrer Familie, die hier begraben waren. Chalhoch ist vor über 100 Jahren gestorben, bei Wernhard und Elizabet waren es auch fast 90 Jahre her.

Elizabet hatte ihre Zeit im Fegefeuer durch einen Ablass verkürzen lassen. Sie war in den libri vitae (Bücher des Lebens) von Raitenhaslach eingetragen und es wurde auf ewige Zeiten an ihrem Todestag, am 19. März, von den Mönchen ein Gebet gesprochen. Die Klöster hatten die libri vitae mit andern Klöstern ausgetauscht, damit möglichst viele Mönche für das Seelenheil ihrer Verstorbenen beteten. Es war die Zeit, wo alles mit dem Glauben begründet wurde, wo die Kirche als einzige alles wusste und nur sie konnte über Gut und Böse, über Schuld und Sühne bestimmen. Für das Seelgerät, das Beten an ihrem Todestag, wurde Elizabet ein verkürzter Aufenthalt im Fegefeuer versprochen.

Als Gegenleistung hatte sie ein Bauerngut oder ein ganzes Dorf dem Kloster gespendet. Dies wäre heute interessant zu wissen.

Am 12. November 1203 war der grosse Minnesänger Walthero cantori de Vogelweide beim Bischof von Passau, Wolfger von Erla, eingeladen. Für seinen Auftritt erhielt er fünf Schillinge für den Kauf eines neuen Pelzrocks. Elizabet und Wernhard waren auch unter den Gästen und hatten Walter von der Vogelweide persönlich gesprochen. Seitdem war sie eine glühende Verehrerin von ihm. Leider ist er sechs Jahre vor ihr verstorben. Ihr gefiel der für diese Zeit recht aufmüpfige Inhalt seiner gefürchteten politischen Texte wie z.B. «ir pfaffen ezzet hüener und trinket wein, derweil die Deutschen fasten müssen». Besonders gefiel ihr aber Unter der linden, das Liebeslied, welches sie immer und immer wieder sang:

Unter der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras,
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.


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Kurt Zuckschwerdt
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