Von der ersten zur dritten Person

An der zweiten Netzwerkveranstaltung der laufenden Runde war die Ehemalige Isabelle Zenhäusern zu Gast, die von ihren Erfahrungen in der Edition Unik berichtet.

Sie hat zwei ganz unterschiedliche Bücher in der Edition Unik geschrieben und konnte so von ganz verschiedenen Erlebnissen und Erkenntnissen erzählen. Bei ihrem ersten Buch handelt es sich um eine mehr oder weniger chronologisch aufgebaute Autobiographie, die in der ersten Person – also mit einer Ich-Erzählerin – verfasst ist. Das zweite Buch hingegen ist ein Roman, der in der dritten Person verfasst ist und neben wahren Begebenheiten auch erfundene Elemente enthält.

Abstand gewinnen
Isabelle Zenhäusern erzählt, wie es ihr beim ersten Buch wesentlich schwerer fiel, Änderungen vorzunehmen, etwa Absätze umzuschreiben oder gar zu löschen, wenn sie einmal in einer Notiz angelegt waren. Beim zweiten Buch habe sie mehr Distanz entwickelt und konnte den «Schritt zurück» besser machen. Das habe geholfen, um den roten Faden zu erkennen und bei Bedarf neu zu spinnen.

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Abstand zum eigenen Text zu gewinnen, ist denn auch etwas Wichtiges, das versierte Schreibprofis immer wieder betonen. So sagt etwa Daniel Perrin, Linguist und Beirat der Edition Unik, im Interview: «Bevor ich mein Geschriebenes überarbeiten kann, brauche ich Abstand dazu. Unmittelbar nach dem Schreiben sieht man die eigenen Fehler nicht, denn man sieht nur, was man schreiben wollte. Unser Kopf hat keine Delete-Taste.»

Austausch mit Dritten
Auch wenn in der Edition Unik keine Fotobücher entstehen, so gibt es die Möglichkeit, einige Bilder hinzuzufügen. Isabelle Zenhäusern weist darauf hin, dass die Bilder beim Sortieren der einzelnen Notizen zu fertigen Kapiteln helfen können, wenn man sie wie Orientierungshilfen nutze. Eine solche Orientierungshilfe können aber auch Leitfragen sein, etwa:

 
  • Erzähle ich chronologisch?
  • Erinnere ich mich anhand bestimmter Stichworte?
  • Zieht sich ein bestimmtes Thema durch meine Erzählungen?
 

Zu der Arbeit an ihren Büchern habe auch der Austausch mit Dritten gehört, insbesondere mit ihren Geschwistern. «Nicht alle teilen die gleichen Erinnerungen», und so nahm sie die Rückmeldungen alle dankend an – auch wenn sie nicht alle umsetzte. Der Austausch mit Dritten kann für die Textarbeit gewinnbringend sein, man sollte sich diese Personen aber gut aussuchen, immerhin handelt es sich meist um sehr persönliche Texte.

Ein fixer Start und ein fixes Ende
Sie habe auch gemerkt, dass ihr Start und Ende der 17 Projektwochen beim Dranbleiben weitergeholfen habe, denn sie habe stets gewusst: «Alles, was ich machen muss, ist, mich an den Zeitplan zu halten.» Zwei Mal hat Isabelle Zenhäusern schon rechtzeitig auf den «roten Knopf» gedrückt und ihre Bücher abgeschlossen – Wann legen Sie los?