Unterschiede bringen Generationen zusammen

Die Generationenakademie des Migros-Kulturprozent unterstützt Projekte, die den Austausch zwischen Generationen fördern. Sie hat auch das Pilotprojekt der Edition Unik im Frühjahr 2015 unterstützt. Maja Graf ist bei der Generationenakademie Mitentwicklerin und Workshop-Leiterin. Im Interview mit der Edition Unik erklärte sie, warum Generationenthemen immer wichtiger werden.

  2015 fanden die Veranstaltungen noch im Migros-Hochhaus am Limmatplatz statt.

2015 fanden die Veranstaltungen noch im Migros-Hochhaus am Limmatplatz statt.

Edition Unik: Liebe Maja, was ist die Generationenakademie?
Maja Graf: Die Generationenakademie ist eine Initiative des Migros-Kulturprozent. Uns gibt es seit 2010. Wir führen einerseits Tagungen für Fachleute durch, die sich in ihrem Beruf mit Generationenthemen befassen. Andererseits unterstützen und begleiten wir gesellschaftliche Projekte, bei denen Generationenthemen eine Rolle spielen.

Welche Art von Initiativen begleitet ihr?
Ganz unterschiedliche. Es können Kulturprojekte sein, aber auch Nachbarschafts-, Austausch- und Mentoren- oder Wohnprojekte. In der letzten Projektwerkstatt war z.B. ein Architektenpaar dabei, das eine Überbauung realisiert, in der Junge und Alte, also verschiedene Generationen leben werden. Im Grunde sind ja fast alle Kultur- und Gesellschaftsprojekte auch Generationenprojekte. «Generationen» ist ein Querschnittsthema, das vielerorts relevant ist.

Worauf kommt es in Generationenprojekten vor allem an?
Zwei Themen sind zentral: Ganz wichtig ist, dass alle auf Augenhöhe kommunizieren und die gleichen Rechte haben. Jede Person darf mitreden, hat gleich viel Redezeit. Mit diesem Punkt tun sich besonders die Älteren manchmal schwer. Das zweite Thema ist Partizipation. Generationenprojekte kommen nur zum Fliegen, wenn sie von den Bedürfnissen der verschiedenen Angesprochenen ausgehen. Man kann nicht mit fertigen Konzepten kommen und meinen, die Leute engagieren sich dann dafür.

Warum hört man immer mehr vom Thema «Generationen»?
Der demografische Wandel wird immer sichtbarer. Es besteht zunehmend Bedarf an Austausch. Einerseits finanziell, Stichwort Generationengerechtigkeit: Die Jungen sorgen sich, dass sie für immer mehr Alte sorgen müssen. Denen wiederum ist bewusst, dass sie Teil einer historisch einmalig grossen Generation sind – den Babyboomern. Darüber muss man reden. Gleichzeitig sind die Älteren so fit wie nie zuvor und wollen noch etwas leisten. Daran haben die Jüngeren Interesse. Es geht darum, dass Ältere und Jüngere für einander einen Nutzen darstellen, der neu entdeckt werden muss. Das klassische Beispiel: Die Grosseltern erhalten eine sinnvolle Betätigung, indem sie ihre Enkel hüten. Die Kindeseltern bekommen dafür eine spürbare Entlastung im Alltag und profitieren von der Erfahrung der Grosseltern.

Welche Rolle kann die Edition Unik hier spielen?
Ich bin überzeugt, dass die Bücher, die die Älteren schreiben, interessant sind für den Austausch mit Jüngeren. Davon hätten beide Seiten etwas. Der Austausch darf aber nicht beim blossen Lesen und Hören von Geschichten aufhören. Die Älteren müssen den Jüngeren Gelegenheit bieten, auf ihre Geschichten zu antworten und ihrerseits zu erzählen, wie sie leben. Die Unterschiede zwischen den Generationen bieten viel Stoff für Gespräche, mehr als die Gemeinsamkeiten. Über die Unterschiede kommen wir ironischerweise näher zueinander.

Maja, du bist in der Generationenakademie und nun auch im Pilotprojekt der Edition Unik sehr engagiert. Sind diese deine einzigen Betätigungsfelder?
Nein, keineswegs. Ich bin ja selbständig, arbeite nur teilweise für das Migros-Kulturprozent. Die Generationenakademie macht mir grosse Freude, ich arbeite gern dafür. Daneben bin ich auch für «vitamin b» tätig, die Fachstelle für Vereine. Bis letztes Jahr habe ich die Kulturmanagement-Ausbildung im Stapferhaus Lenzburg geleitet. Ich biete Führungscoachings an, moderiere Tagungen und bin im Allgemeinen sehr aktiv. Typisch für meine Generation.