Mein Buch-Kind ist da!

Ein literarischer Erfahrungsbericht von Béatrice Flückiger. Sie hat in der Frühjahresausgabe 2018 ihr Buch geschrieben.

Endlich ist es da, ja, am 23. April 2018, 18.57 Uhr ist es geboren, ausgestossen unter Schmerzen, das erste Buch, mein Buch-Kind.

Die stolzen Eltern sind die Mutter, ich, Bea und der Vater, der Martin. Ihr wollt wissen welcher Martin gemeint ist? Ihr kennt ihn alle, den Heller. Ja ich weiss, er ist inzwischen Vater von etwa 300 Buch-Kindern. Aber er macht das so gut. Er kann viel Verantwortung tragen. Und allen, die er bis jetzt überzeugt hat, hat er einen grossen Traum erfüllt. Ihr habt Bedenken, weil er Künstler ist. Keine Sorge, er ist spitze. Was er anreisst, führt er zu Ende. Denkt an die Expo! Er begleitet jede und jeden beim Schreiben. Genauer gesagt, es steht einem ein ganzes Team mit Rat und Tat zur Seite: Janine und Frerk und weitere Mitarbeitende, dazu die Techniker, das Schreib-Begleit-Team der Edition Unik.

Durchhänger gehören dazu
Tatsächlich, ich hätte das Buch-Kind fast verloren, aber die Janine ist mir beigestanden, hat mich aufgemuntert, es gebe immer wieder einen Durchhänger während den Wochen des Schreibens. 17 Wochen waren es bloss, aber sie waren hart, ich sag's euch. Du kannst nicht mehr schlafen, du denkst, und denkst und denkst. Und du hirnst, und hirnst und hirnst. Und du stehst in der Nacht um 2 Uhr auf, wirfst deinen Compi an und du schreibst und du denkst… Und am Morgen bist du nicht ausgeruht und du musst trotzdem in die Therapie und überhaupt… Es war hart und viel! Und zudem arbeite ich nur mit halber Leistung, 50 Prozent… Ich habe doch nur eine Hand zum Schreiben. So war ich rechtsseitig total überlastet und die Linke war wütend auf mich und produzierte Verspannungen, weil ich sie vernachlässigt habe.

  Béatrice Flückiger und Martin Heller bei der Buchübergabe im Mai 2018. (Bilder: zvg)

Béatrice Flückiger und Martin Heller bei der Buchübergabe im Mai 2018. (Bilder: zvg)

Du kannst nicht mehr schlafen, du denkst, und denkst und denkst.
— Béatrice Flückiger

7 Wochen fürs Texten, das hat mir natürlich nie gereicht. Zwischendurch habe ich auch einmal einen freien Tag eingeschaltet, weil ich nicht mehr denken konnte; ich musste buchstäblich auslüften. Und später in den Wochen 8 bis 14 war deshalb Nachholen angesagt, dann musste ich Gas geben. Das Buch wollte gefüttert sein da unten im Bauch, mit Buchstaben. Gut, war ich mit der Verena in Kontakt. Sie klagte von denselben Symptomen wie ich. Zweimal hätten wir beinahe den Bettel hingeschmissen. Wir sahen nicht über den Berg und wie wir mit dem Buch zu Ende kommen würden. Es half nur: Maus beiseitelegen, Computer herunterfahren, in die Natur gehen und alles überdenken.

Immer mutig weiter!
Aber dieser Traum, so greifbar nahe. Jetzt gib nicht auf, Bea, jetzt bleib einfach dran. Meine Lektorin, die Susi, sie hat mir auch immer Mut zugesprochen. Ohne sie, ich weiss nicht, wo ich stünde. Übrigens hat sie mich auf das Projekt aufmerksam gemacht. Sie legte mir letzten Herbst einen Zeitungsartikel aus der BAZ in den Briefkasten mit dem Hinweis: «Wäre doch was für dich!» Darin war von einer Teilnehmerin ein Interview zu lesen und wie sie zu ihrem ersten Buch kam. Und weiter wurde zu einem Edition Unik Café ins Kloster Dornach eingeladen… Und Pilgerinnen, wie ich eine bin, haben bekanntlich keine Berührungsängste mit Klöstern – und so bin ich dort hingegangen. An einem Novembersonntag. Die Verena sass neben mir – ganz beiläufig vertraute sie mir an, dass sie für den Januar 2018 schon angemeldet sei. «Kommen Sie doch auch!» ermunterte sie mich.

Einmal überschlafen – dann sandte ich meine Anmeldung ab. So quasi wie die Jungfrau zum Kind, komme ich jetzt zum Buch. Nein, ganz so einfach ging es doch wieder nicht. Es war schon viel Arbeit, doch ich bin froh, habe ich durchgebissen. Jetzt bin ich glücklich und dankbar, dass ich es ausgestossen habe. Am 23. April 2018, 18.57 Uhr. Aber das Traurige, das Geschriebene musste gleich in den Brutkasten. Zum Glück nur für 10 Tage und erst heute strahlt es mich in blau an. Nein, nein, ein Blaublütiges ist es trotzdem nicht, es strahlt einfach in blau. Am 4. Mai, im Wonnemonat Mai kann ich es endlich in meinen Händen halten. Die glückliche Schreiberin, Mutter Bea mit dem stolzen Martin als Papa! – Mein/unser erstes Buch-Kind ist da!

Ich danke Ihnen, Herr Heller, für die wunderbare Möglichkeit, sein eigenes Buch schreiben zu können und ich danke Ihnen, Frau Meyer, Herr Froböse, Dir liebe Susi, und allen vom Team der Edition Unik für Begleitung und Unterstützung während dieser Zeit.

Béatrice Flückiger,
im Mai 2018