Mein Buch: Gedanken von Maria Meier

Was bewirkt es, über das eigene Leben zu schreiben? Edition Unik Teilnehmerin Maria Meier hat darüber nachgedacht – und uns an ihren Gedanken teilhaben lassen.

Im Buch geht es im Wesentlichen darum, wie ich zu der Frau wurde, die ich heute bin. Eine Frau, die durchs Leben geht, auf der Suche nach einem tieferen Sinn, ihrem Platz in dieser Welt und sich selbst.

Um zu verstehen, woher meine Sehnsüchte, Ängste und Denkmuster stammen, versuche ich zu ergründen, inwiefern sich die Auswanderungsthematik meiner Familie und meine eigene Entwurzelung auf meine Entwicklung ausgewirkt haben. In meiner Familie sind aussergewöhnlich viele Mitglieder ausgewandert, und ich selbst bin im Alter von 3 1/2 Jahren mit meinen Eltern und Geschwistern von Amerika in die Schweiz gezogen.

Welche Erfahrungen haben mich geprägt? Welche Lebensgeschichten hatten meine Vorfahren und was wurde davon als transgenerationales Erbe weitergereicht? Ebenso stellt sich mir die Frage, an welche Ressourcen meiner Familie ich andocken und von welchen Themen ich mich befreien kann.

In «Mein eigenes Timbuktu» habe ich versucht, meine Gefühle aus Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter zu beschreiben und meine berufliche Erfahrung als Therapeutin einfliessen zu lassen. Mein Wunsch war, ein gefühlvolles und gleichzeitig reflektiertes Buch zu schreiben.

Von der Anpassung und den «Anderen»
Die Gefühle, Gedanken und Erlebnisse, die ich beschreibe, haben alle einen Zusammenhang mit meiner Entwurzelung. Als Kind fühlte ich mich beispielsweise «anders» als die «Anderen», weil ich zuhause Englisch sprach, zum Teil Sachen hatte, die meine Schweizer Schulkollegen nicht kannten, und oftmals negative Bemerkungen über mein Herkunftsland hörte, die ich als Kritik an meiner Identität wahrnahm. Auch meine Anpassungsversuche vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter haben ihren Ursprung im Gefühl, anders zu sein, und im Wunsch, gleich zu sein, wie die Menschen in meinem Umfeld.

Mit «Mein eigenes Timbuktu» beschreibe ich meinen Versuch, meine eigenen Werte zu leben. Ausgangspunkt ist eine Kindheitserinnerung, in der Timbuktu als Sehnsuchtsort vorkommt. Lange begleitete mich das Verlangen, selbst in eine Traumwelt zu entfliehen. Mit zunehmendem Alter und meiner therapeutischen Ausbildung und Tätigkeit wandelte sich dieser Fluchtgedanke in eine starke Sehnsucht, bei mir, also in meiner eigenen, realen Welt, anzukommen und mir selbst treu zu bleiben.

Das gedruckte Buch an der Edition Unik Abschlussfeier in Empfang nehmen zu können, war natürlich ein bewegender Moment. Ebenso berührend war die anschliessende Lesung aus meinem Buch im Kreise der Edition Unik Teilnehmer. Sehr wichtig für mich war aber auch der ganze Schreibprozess, bei dem ich mich intensiv mit meiner Familiengeschichte und meiner eigenen Entwicklung befasst habe und dadurch vieles aufarbeiten oder aus einer anderen Optik betrachten konnte.

Inzwischen habe ich (m)ein Buch geschrieben und bin sehr dankbar darüber, dass mir der Schreibprozess zu mehr Mut und Offenheit verholfen hat.

  Foto: zvg.

Foto: zvg.

Das Buch an der Abschlussfeier in Empfang nehmen zu können, war ein bewegender Moment.
— Maria Meier
 
 

Maria Meier, Dipl. Übersetzerin und Dipl. Integrative Kinesiologin
www.kinesiologie-meier.ch