Eintauchen in fremde Welten

Gänsehaut, grosse Gefühle und geheime Genüsse: Das Schreibprojekt Edition Unik bringt immer wieder Schätze aus der Alltagskultur hervor. Ein Rückblick auf die Abschlussveranstaltung vom Pilotprojekt 2015.

Verfasst hat ihn Anita Schürch, die das Pilotprojekt wissenschaftlich betreut hat und heute Mentorin in der Edition Unik ist.

Ein letztes tiefes Einatmen, dann beginnt sie vorzulesen. Sofort bekommt die Szenerie Farbe, wir fühlen mit, wie die junge Frau zum ersten Mal ihrer leiblichen Mutter begegnet. Wir tauchen ein – in ihre Geschichte, in ihr Leben. Der kurze Textausschnitt berührt, nicht nur ich spüre Gänsehaut.

Ein kurzer Applaus, schon sitzt die nächste Autorin am Lesepult. Diesmal geht es auf die Alp, wir lernen Elsa, die störrische Leitkuh, kennen. Und freuen uns mit der Autorin, wie sie damals, Anfang der Achtzigerjahre, den Sennen neckte. Auch hier sind es geschriebene, nun vorgelesene Worte, die ans Herz gehen. In einer anderen Ecke des Raums wird Momente später ebenfalls applaudiert. Auch dort liest man aus druckfrischen Büchern vor.

Natürlich haben Sie es längst vermutet – ich erzähle von der Büchervernissage des Pilotprojekts der Edition Unik. Vom feierlichen Schlussanlass, an einem sommerlichen Freitag Ende Juni. 47 gedruckte Bücher warteten darauf, von stolzen Schreiberinnen und Schreibern im Empfang genommen zu werden.

Auch für uns von der wissenschaftlichen Begleitung wird es ein eindrücklicher Abend. Endlich findet das, worauf diese Gruppe schreibbegeisterter Menschen seit Monaten hingearbeitet hat, ein starkes Ende.

Ich bin froh, hier zu sein; die Personen nochmals zu erleben, die mir durch Veranstaltungen und Interviews vertraut geworden sind. Zwar war ich als Praktikantin und Studentin «bloss» Beobachterin; konnte Fragen stellen und Antworten auswerten. Aber gleichzeitig erhielt ich noch viel mehr: Enthusiasmus, Verzweiflung, das Ringen um Wort und Technik durfte ich ganz ohne wissenschaftliche Brille miterleben; einfach von Mensch zu Mensch.