Das Buch als Medium der Wahl

Ein Auszug aus dem Vorwort von Benjamin Arnold. Er hat gemeinsam mit weiteren Schreibenden in der Edition Unik «das Hochzeitsbuch» erarbeitet; ein langlebiges Geschenk für ein befreundetes Brautpaar.

«Mit Erinnerungen ist es leider so, dass sie eine gewisse Grundflüchtigkeit aufweisen. Kombiniert man diese mit unaufhaltsam fortschreitendem Alter, Lebensstil und zu allem Überfluss auch noch genetischen Voraussetzungen, kann das sozusagen in einem houdinimässigen Abgang ebendieser enden und das wäre äusserst bedauerlich.

  Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das Buch als beständiges Geschenk. (Foto: zvg.)

Das vorliegende Buch ist ein kleines Geschenk von euren Trauzeugen, welches wir mit Hilfe verschiedener Verwandter und Freunden zusammengestellt haben.

Ein gedrucktes Buch ist für mich ein Symbol für Beständigkeit. Für etwas, das schon lange da war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Es ist immer noch das Medium der Wahl, wenn es darum geht etwas für die Ewigkeit festzuhalten, «Ewigkeit» zumindest aus der Perspektive eines Menschenlebens.

Von Video-Codecs und Buzzwords
Filme oder PowerPoint-Präsentationen mögen den Inhalt unterhaltsamer, moderner oder kurzweiliger präsentieren, jedoch ist ein solches Erinnerungsstück gebunden an Produktlebenszyklen, Backup-Strategien und digitale Pflege. Da passt man ein paar Jahre nicht auf und, schwupps, existiert kein Video-Codec mehr für Amazons 128-Bit Fire-Plattform, welche nahezu alle Haushalte dominiert, die Buzzwords kann man beliebig durch andere Zahlen und Firmennamen ersetzen, die Kernaussage bleibt: Daten brauchen Pflege. Nicht so schlimm wie Pflanzen, Kätzchen oder gar Einhörner, aber doch mehr als nichts. Das Buch hingegen ist schon ziemlich glücklich, wenn es zu seinen Lebzeiten kein Wasser und kein Feuer sieht. Geht man von Zeit zu Zeit noch mit dem Staubwedel drüber oder schlägt es sogar auf und liest ein wenig darin, dann ist das schon fast ein Nirvana, Shangri-La, Eldorado, Bücherhimmel, et cetera.

Ich verliere mich in Erklärungen, etwas Kreativsaft wäre von Nöten, aber in diesem ICE gibt es offenbar keine Elvetino Railbar. Gibt es die überhaupt noch? Ich wünschte, ich hätte ein Buch, in dem so was steht...»


Hinweis
Die Edition Unik hat mit Benjamin Arnold auch ein Interview führen dürfen: Von einem, der schrieb, um zu verschenken