Bundesfeier 2018

Teilnehmer Jürg Vogel schreibt nicht nur, er hält auch Reden. So etwa am 1. August für den Quartierverein Albisrieden. Jürg Vogel hat uns seine Rede zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank!

  Bild: Pexels.com

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Liebe Albisriederinnen und Albisrieder,
Liebe Gäste

Wenn ich so in die Runde schaue, sehe ich fröhliche Gesichter, leckere Bratwürste, in diesem Jahr leider keinen Holzstoss und kein Feuerwerk. Lauter Zeichen, dass wir heute unseren Nationalfeiertag, den 1. August feiern. Wie jedes Jahr, eine erfolgreiche Fortsetzungsgeschichte.

An andern Orten dieser Welt brennen auch Feuer, aber nicht als Zeichen der Verbundenheit, sondern als Zeichen der Gewalt. Kinder halten auch Raketenteile in den Händen. Aber solche, die vorher todbringend abgeschossen worden sind. Und Bratwürste bleiben dort nur ein Wunsch.

Liebe Anwesende, auch wenn es zu den Eigenschaften von uns Schweizern gehört, immer das Haar in der Suppe zu suchen und an allem etwas auszusetzen, dürfen wir doch feststellen, dass wir in diesen spannenden Zeiten an einem sehr guten Ort leben.

Die Schrecken dieser Welt nehmen wir, Gott sei Dank, nur in den Medien zur Kenntnis. Zum Beispiel im Fernsehen zwischen dem Tatort und dem perfekten Promidinner. Ich will Sie jetzt nicht auffordern, nur noch betrübt drein zu schauen, aber diese Einsicht sollte bei uns zwei Sachen auslösen: nämlich Dankbarkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Dankbarkeit dafür, dass wir von all den Errungenschaften profitieren dürfen, die uns unsere Vorfahren in weiser Voraussicht ermöglicht haben. Immer mit dem Bestreben, den nachfolgenden Generationen eine bessere Welt zu übergeben. Das ist ihnen zum grössten Teil gelungen.

Zur Verantwortung
Gerade weil wir schon lange in Frieden und Wohlstand leben, kann der Eindruck entstehen, dass das vom Schicksal so vorbestimmt sei und wir immer zuvorderst in der Warteschlange sind, wenn es etwas gibt, und ausgenommen sind, wenn es brenzlig wird. Das klassische Bild vom Sonderfall Schweiz, den wir doch so gerne haben.

Ich denke, dass dieses Bild vom Sonderfall Schweiz in die Gerümpelkiste der Geschichte gehört, weil sie so trügerisch ist, und wir gut daran tun, uns mit grossem Verantwortungsbewusstsein und Zuversicht der Realität und den aktuellen Herausforderungen zu stellen.

Die moderne Werbung redet den Kunden ein, dass sie einfach nur bestellen können, nichts selber dazu beitragen müssen und, dass jeder Wunsch berücksichtigt wird. Am Schluss kann die Lieferung dann noch bewertet werden. Der Lieferant sagt aber nicht, dass er die Bedingungen und den Preis diktiert. Diese Mentalität, dass man einfach alles nur noch bestellen und dann kritisieren kann, ohne selber etwas zu leisten, greift stark um sich, auch bezüglich der Politik.

Man hört dann: die sollen mal machen, was ich will. Und wenn sie es nicht tun, dann like ich sie nicht. Und das ist denn auch schon mein ganzer Beitrag gewesen.

Ich bin aber überzeugt, dass wir gut daran tun, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, zu verstehen, zu gestalten, uns einzubringen und selber anzupacken. So haben wir die Bedingungen und den Preis im Griff. Und als Nebeneffekt verstehen wir auch, warum etwas so ist, wie es eben ist.

Dabei helfen uns bekannte Schweizer Stärken, die ich Ihnen gerne aufzähle:

  • Wir reden nicht so viel wie andere, beobachten dafür aber umso besser und hinterfragen das, was wir gesehen haben, kritisch. Wir lernen so viel und schnell von denen, die sich gerne auf der grossen Bühne profilieren und machen so viele Fehler nicht.
  • Wir bekommen so den Sinn für das Machbare und fällen unsere Entscheide aufgrund von erhärteten Fakten und mit Augenmass und nicht aufgrund von Wunschbildern. Darum gelten wir als pragmatisch, verlässlich und vernünftig. Wir haben so grosse Stabilität.
  • Wir sind uns unserer Grösse bzw. Kleinheit bewusst und spielen unser Spiel in den Nischen, dort aber hervorragend.

Diese Eigenschaften haben uns auch schwierige Zeiten, wie zum Beispiel diejenige nach dem Frankenschock recht gut überwinden lassen. Wir sind gemäss WEF-Indikator bezüglich Wettbewerbsfähigkeit absolut spitze, laut «Happiness Report» der Uno gehören wir zu den glücklichsten Menschen auf diesem Planeten und nach Economiesuisse haben wir die innovativste Wirtschaft der Welt.

Und jetzt die zentrale Frage: wie gestalten wir die Zukunft?

  • Die kurze Antwort dazu: Mit der gleichen Haltung.
  • Halten wir Sorge zu unserer Stabilität. Hinterfragen wir nicht vier Mal im Jahr in Abstimmungen immer wieder diejenigen Grundlagen, die uns stark gemacht haben.
  • Vertrauen wir auf unsere Stärken.
  • Treten wir geschlossen auf.
  • Aber treten wir entschlossen auf.
  • Und mit der nötigen Portion Zuversicht kommt es gut.

 

Liebe Anwesende

Das bringt mich zu dem Punkt auf den Sie alle warten, nämlich zum Schluss: Um nochmals das Fernsehprogramm zu bemühen. Sorgen wir dafür, dass die Erfolgsgeschichte Schweiz ein Quotenrenner bleibt, der nicht abgesetzt werden kann und es wieder heisst: Fortsetzung folgt. Und freuen wir uns daran. Heute Abend gibt es genügend Gelegenheit dazu.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Fest hier auf dem Hasenrain. Herzlichen Dank.