Von Care-Paketen, Walt Disney und einem Vater in Paris

Ein Erlebnisbericht vom Edition Unik Café im Kloster Dornach. 

Text: Barbara van der Meulen
Fotos: Frerk Froböse

Über freudige Kinderjahre in der Nachkriegszeit, ein prägendes Geheimnis aus Frankreich und eine fulminante Zeit in Los Angeles: Am ersten Edition Unik Café in der Klosterbibliothek Dornach vom 19. November 2017 haben drei Autorinnen der Edition Unik aus ihren Büchern vorgelesen.

Rund 70 Personen kamen an diesem Sonntag zur Matinée ins Kloster und lauschten gespannt den Lebensgeschichten. Familienangehörige und Freunde aber auch zahlreiche interessierte Gäste waren begeistert, dass die Autorinnen zum Teil auch sehr private Lebenserinnerungen mit dem Publikum geteilt haben. Bei einem offerierten Apéro am Ende der Veranstaltung wurden die nach den einzelnen Lesungen geführten Gespräche rege weitergeführt.

Romana Taeuber aus Arlesheim berichtete in der Perspektive ihrer ersten Kinderjahre über die entsagungsvolle Zeit der Nachkriegsjahre. Aber auch trotz oder gerade wegen der wenigen zur Verfügung stehenden Mittel war es eine Zeit des sozialen Miteinanders und der gegenseitigen Fürsorge, die eine Biografie nachhaltig prägen. Es war bezaubernd zu hören, welche überschwängliche Freude unnütze und viel zu hohe Stöckelschuhe, feine Stoffe und «Tschuinggams» in Care-Paketen aus den USA bei einem 6-jährigen Mädchen auslösen konnten.

Schweigewochen und kaum Privatsphäre
Madeleine Gränicher aus Arisdorf las in Begleitung einer Freundin aus ihrem Manuskript vor. Anlässlich eines Kuraufenthaltes kam ihr die Idee, die eigenen Lebenserinnerungen aufzuschreiben und deren gibt es viele, so viele, die kaum zu bündeln sind. Nach einer glücklichen und für Kinder abenteuerlichen Zeit, bei der die Familie auf dem Gutshof, der vom Vater geleiteten grossen Bierbrauerei wohnte, kam Madeleine nach einem Schlaganfall der Mutter als 14-jähriges Mädchen in ein katholisches Internat.

Schweigewochen, ein strenger Tagesablauf, wenig Privatsphäre prägten die Jugendjahre, doch wie berichtet wurde, nicht zum Schlechten. Madeleine heiratete später einen Architekten und zog mit ihm in die USA, er war für Walt Disney tätig und beide erlebten die politisch wie kulturell aufregende Zeit der 1960er-Jahre in Los Angeles. Nach einer Weltreise ist Madeleine wieder zurück in der Schweiz, und zwar mit zwei Söhnen und gesegnet von einem musikalischen Talent. Bis heute ist sie in vielen Ehrenämtern engagiert.

Eine Familienflunkerei fliegt auf
Rosmarie Schneider las gemeinsam mit Tochter und Sohn aus ihrem Buch Geheimnisse vor. Es waren die jetzt erwachsenen Kinder, die sie wiederholt ermuntert haben, ihre Lebensgeschichte für sie und ihre Familien aufzuschreiben. Denn die Geheimnisse, die von Rosmarie über eine längere Zeit hinweg aufgedeckt wurden, beeinflussen nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder.

Ein Grosskind, ein etwa 10-jähriger Junge, hörte in der ersten Reihe gespannt den Ausführungen zu. Rosmarie wurde als sie im selben Alter war, als «Franzosenkind» beschimpft, und ohne zu wissen, was dies bedeutet, waren es tiefe Verletzungen der Ausgrenzung. Später war Rosmarie hartnäckig genug, um bei ihrer Mutter mehr zu erfahren. Ja, es stimmte, sie war ein Kind eines französischen Besatzungssoldaten. Niemand sollte es je erfahren, ein Familiengeheimnis. Aber Rosmarie begab sich auf die Spuren Ihrer Herkunft und lernte nach langer Suche endlich ihren geheimnisvollen Vater in Paris kennen.

Alle drei Lesungen haben das Publikum berührt und man hätte noch gerne mehr erfahren. Auf jeden Fall haben es die drei Autorinnen geschafft, uns in ihre Erinnerungen mitzunehmen und gleichzeitig den Funken zu entfachen, den eigenen Lebensgeschichten vielleicht sogar schreibend nachzugehen.

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