Mein zweites Buch in der Edition Unik

Ein Erfahrungsbericht von Isabelle Zenhäusern Fischli, sie schreibt in der Edition Unik ihr zweites Buch.

Mein erstes Buch – eine Biographie – bei der Edition Unik habe ich in der ersten Person geschrieben und in chronologisch geordnete Zeitabschnitte eingeteilt. Da ich von Natur aus strukturiert und organisiert bin, hat es mich erstaunt, dass beim zweiten Buch – ein Roman – alles anders abläuft. Ich schreibe diesen Roman in der dritten Sprache und habe dadurch mehr Abstand zur Geschichte. Ich nehme die Geschichte aus einer anderen Perspektive wahr. Ich bin nun Aussenstehende – ausserhalb des Kuchens – und bin dadurch viel weniger verletzlich.

Solange ich denken kann, verbindet mich mit Sizilien eine Art Freundschaft. Ich bin ein Mensch, der von visuellen Reizen inspiriert wird. Ich liebe Landschaften, das Meer, die Berge und habe ein grosses Faible für Musik, Kunst, Theater und Farben. Sizilien ist eine wilde, wunderschöne, bezaubernde Insel im Mittelmeer, die ich im wahren Leben während zwanzig Jahren immer wieder besucht habe.

Bilder: zvg

Wie ein Schlüssel zum Archiv
Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich ein Mensch mit Struktur. Gedanklich stellte ich mir meinen Roman so vor, dass ich mit meinen Notizen ein Kapitel nach dem anderen erstellen kann, und mir dafür jeden Tag die 45-60 Minuten Zeit nehme. Dem war aber nicht so. Nachts träumte ich häufig von dieser Insel und meinen Erlebnissen, so dass ich aufstehen musste und umgehend alles, was ich noch wusste, niederschrieb. So kam es, dass ich plötzlich zwei Stunden lang ohne Unterbruch schreiben konnte, wie wenn ich den Schlüssel zum Archiv Sizilien gefunden hätte.

Ich bin zurzeit wunderbar im Schreibfluss, und stelle immer wieder fest, dass ich mich plötzlich an Wörter oder Sätze im sizilianischen Dialekt erinnern kann, eine Sprache, die ich seit 17 Jahren nicht mehr gehört und nicht mehr gesprochen habe.

Das Ende am Anfang
Während ich schrieb, hatte ich auch keine Mühe, plötzlich drei oder vier Seiten wieder zu löschen, umzuschreiben oder definitiv wegzulassen, was beim ersten Buch für mich fast eine Unmöglichkeit war. Zudem hatte ich mir das Ende des Buches bereits am Anfang zurechtgelegt, spürte aber beim Schreiben, dass es zu einem anderen Ende kommen wird, als ich dachte.

Fazit: Ein Buch in der ersten oder in der dritten Person zu verfassen, ist für mich ein grosser Unterschied, und das Verfassen eines Buches kann manchmal einen anderen Lauf nehmen, als man sich vorgestellt hat.