Klara Obermüller: Gast der Edition Unik

Die Journalistin und Autorin Klara Obermüller war Gast an der Netzwerkveranstaltung der Edition Unik. Es haben sich rund 40 Teilnehmende der Herbstrunde 2017 eingefunden, um sich untereinander und mit Klara Obermüller über das Schreiben auszutauschen.

«Den Prozess des Erinnerns und Aufschreibens habe ich als geistiges Abenteuer erlebt: faszinierend und erhellend zugleich – für mich. Und für andere?» Klara Obermüller steigt mit einem Auszug aus der Einleitung zu ihrem Buch Spurensuche – Lebensrückblick in zwölf Bildern in den Nachmittag ein und erzählt, was sie zum Schreiben des Buches bewegt hat.

Ein Auslöser sei der Umzug gewesen, «ein Umzug vom Grossen ins Kleine.» Das Aufräumen und Reinemachen habe sie dazu angehalten, innezuhalten und zurückzublicken. Manchen Teilnehmenden der Edition Unik mag es mit der Herangehensweise ähnlich gehen; was aber gewiss die meisten von ihnen beschäftigt, ist die Frage nach dem Umgang mit dem Zeitdruck: Eine Projektrunde der Edition Unik dauert jeweils 17 Wochen, dabei folgt sie einem dreistufigen Prozess.

Die Kapitel haben das Schreiben erleichtert, weil so ein Kapitel immer mal fertig ist.
— Klara Obermüller

Vom Umgang mit dem Zeitdruck

Klara Obermüller gibt sich überzeugt, dass auch sie ihre Zwölf Bilder in diesen 17 Wochen hätte schreiben können. Sie sei allerdings immer wieder durch laufende Aufträge unterbrochen worden. Beim Schreiben aber ist es wichtig, in den «Flow» zu kommen, das bestätigen Schreibende immer wieder. Klara Obermüller führt zudem aus, dass ihr das Arbeiten in den «Bildern», also den zwölf Kapiteln ihres Buches, geholfen habe. So sei immer mal wieder ein Kapitel fertig geworden.

Es kann sich also durchaus lohnen, das eigene Schreibprojekt zu hinterfragen und allenfalls in Teilprojekte zu unterteilen. In vergangenen Runden der Edition Unik haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ähnliche Erfahrungen gemacht, einige von ihnen schreiben nun ihr zweites oder drittes Buch in der Edition Unik – ein tolle Erfahrung für die Schreibenden und ein wunderbares Lob für das Schreibprojekt!

Vom Umgang mit lebenden Personen

Eine Frage, die viele Teilnehmer/innen der Edition Unik umtreibt, hat auch Klara Obermüller beschäftigt: Wie geht man mit heiklen Schilderungen lebender Personen um? Klara Obermüller rät hier zu einem offenen Umgang mit den Texten und erzählt, dass sie entsprechende Stellen den betroffenen Personen zur Prüfung gegeben habe. Nur so habe sie – auch für sich selbst – sicher sein können, dass die Publikation kein Problem sein würde.

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Es gibt keine universell gültigen Richtlinien für den Umgang mit heiklen Inhalten, leider. Aber es gibt so etwas wie eine Faustregel: Je schwerwiegender der Vorwurf, desto grösser ist das Risiko potentieller Konsequenzen für die Schreibenden. Es empfiehlt sich, die eigenen Texte einer kritischen Prüfung zu unterziehen, etwa indem sie guten Freunden vorgelegt werden. Klara Obermüller ist denn auch der Meinung: «Gute Freunde sind kritische Freunde.»

Von der richtigen Sprache

Wie blumig, wie nüchtern, wie detailliert, wie reduziert ein Text geschrieben sein soll, hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Etwa davon, wie und wo er erscheint, welchen Zweck er erfüllt und – nicht zuletzt – davon, was den Schreibenden gefällt. Klara Obermüller rät etwa, auf schmückende Beiwörter nach Möglichkeit zu verzichten, möchte sie aber keineswegs verbieten. Denn sobald sie dem Text Mehrwert verleihen, so sind diese Wörter mehr als schmückendes Beigemüse, sie sind dann Stilmittel und informative Bereicherung.

Vom Finden des Titels und anderen Buchdetails

Klara Obermüller erzählt weiter, dass ihr Titel Spurensuche ein Glücksfall gewesen sei, denn er sei schon von Anfang an da gewesen. Aus ihrer Praxis wisse sie aber, dass derlei Details meist ganz am Schluss gesucht und gefunden würden. Gerade die Wahl eines Titels sei selten einfach und erfordere oft mehrere Schritte und Überarbeitungen. Begonnen hat Klara Obermüller übrigens mit dem Schreiben der Kapitel und nicht etwa mit der Einleitung, die sei erst ganz zum Schluss ihres Buches entstanden.

Vom öffentlichen Interesse

Wann ihr der Gedanke an die Veröffentlichung ihrer Spurensuche gekommen sei und wie man überhaupt wissen könne, wer sich für den eigenen Text interessiere, wird Klara Obermüller abschliessend gefragt. Sie erzählt, dass eine Veröffentlichung des Manuskripts eigentlich erst dann zum Thema geworden sei, als mehrere Freunde darauf hinwiesen, dass ihre Spurensuche spannend, interessant und auch relevant sei.

Klara Obermüller betont, dass das Schreiben wichtiger gewesen sei als die Veröffentlichung. Denn beim Schreiben habe sie gespürt, wie « die Dinge ins Lot kamen», während sie das «geistige Abenteuer des Erinnerns und Aufschreibens» unternahm.

 

Buchdetails
Titel: Spurensuche – Ein Lebensrückblick in zwölf Bildern
Autorin: Klara Obermüller
ISBN: 978-3-905795-42-4
Herausgeber: Xanthippe
Jahr: 2016