Heute

Ein Gastbeitrag von Pia Tschupp. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben, die Geschichte «Heute» ist darin erschienen.

  Bilder: zvg.

Bilder: zvg.

Heute spielen Kinder Fussball im Quartier, fahren Velo und bemalen Strassen oder Vorplätze mit farbigen Kreiden. Am Brunnen wird gerastet, gespielt und ausgetauscht. Wildpflanzen in den Gärten locken Insekten und Bewunderer an.

Es sind kulturelle Anlässe entstanden, machen Freude. Das Mini-Müli-Openair verzaubert alljährlich das Quartier mit Licht, Musik, Kulinarik und Gästen. Die Schmitteschüür an der Hauptstrasse wird einen Sommer lang zum Kunstraum «Urgizzy» mit Ausstellungen junger Künstler, und ein eigenwilliger Adventskalender für Erwachsene verunsichert die Kinder:

D’Gschicht vom Adväntskaländer

Es isch emol en bsunders grosse Adväntskaländer (AK) gsi. So gross isch er gsi, dass er im Huus drin kei Platz gha het. Er isch dusse ghanget am Schüüretor. Mängsmol isch es ganz chalt gsi, es het grägnet, gwindet oder gschneit. De grossi AK het vielne Mönsche ghört. Und wüssed ier, was ganz bsundrig gsi isch? De AK het nid numme ein Götti gha, sondern grad drei. Nämli der Erich, de Werner und de Sepp. S’Gotti het Paola gheisse. Alli zäme händ em AK fescht gholfe, dass er de Erwachsene und au de Chinde chan Freud mache.

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Im Summer isch de Götti Erich vieli Täg im ganze Dorf umeglaufe und het schöni alti, ächli versteckti Hüüsli gsuecht. Denn het er mit siner schwäre Kamera Bildli devo gmacht. De Götti Werner het uf ere grosse komplizierte Maschine die Bilder druckt, und de Götti Sepp het riesigi Lampe – eigentlich sinds Schynwärfer – ufghänkt, damit d’Lüüt au ame dunkle Winterobe de AK händ chönne aaluege. Jede Tag im Dezämber het s’Gotti dörfe es neus Türli am AK uufmache und sich uf Wiehnachte freue.

Immer wieder sind Lüüt usem Dorf bim AK vorbi cho und händ ganz gspannt die Bildli aaglueget. Sie händ probiert usezfinde, wo ächt die abbildete Hüüsli stönd. Wenn sie denn richtig grötlet händ, so händ sie chönne bim Wettbewerb mitmache. Sie händ ghofft, dass sie wärdet en Priis gwünne.

Wenn d’Chinde vom Chindergarte oder vo de Schuel zum AK cho sind, so sind si stoh blibe und händ au Freud gha a dene Bilder. Eimol aber händ si zum AK gseit: «Worum bisch du nid en AK mit Schöggeli, Gschänkli oder Spielsache? So, wie eusi Kaländer, wo mier dihei händ?» Do het der AK ihne erklärt, dass er äbe en AK für die Erwachsene seigi, au für ihri Eltere, für ihres Gotti, de Götti, der Onkel, s’Tanti, d’Oma oder de Opa. «Die Erwachsene möchted sich au jede Tag uf d Wiehnacht chönne freue, genauso wie ihr Chinde,» het er ihne gseit. «Jo, es stimmt, ich bin kei AK mit Spielsache, au nid mit Süessigkeite.» «Denn händ mier dich aber nid gärn. Nid emol Bildli vo Ängel, Schöfli oder vom Samichlaus hesch du.» «Aber ich han defür Bilder vo eurem Dorf, eurem wunderbare Dorf.» «Mier wänd das nid», händ sie grüeft, und es het Strit gäh. D’Chinde händ em AK weh gmacht, ganz fescht. De AK isch denn sehr, sehr truurig worde. Er het nümme gstrahlet, und sini Stärne händ nümme möge lüüchte.

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Wo denn de Götti Erich und s’Gotti de unglücklichi AK mit sine verrissene Chleider und de verchräblete Stärne aatroffe händ, do sind sie sälber truurig worde. Sie händ probiert, em AK z’hälfe und sini Chleider z’flicke. Das isch ihne aber nid glunge, es het nid schön uusgseh. So händ sie halt d’Chleider nomol neu gmacht und alli Stärne poliert. Jez isch der AK wieder glücklich gsi, und er het de vielne Bsuecher wieder chönne Freud mache. Und d’Stärne händ jede Obe prächtig g lüüchted.

Wo d’Chinde wieder vorbi cho sind, het er ame ne Chind zueblinzlet und vor luuter Freud fascht sis Gheimnis verrote. S’Gheimnis? Jo, s’Gheimnis, ob er ächt im nächschte Dezämber wieder wärdi cho, und ob er denn wieder en Adväntskaländer für Erwachseni wärdi sii.