Die Farben der Edition Unik

Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, werden von den Teilnehmenden selbst geschrieben und gestaltet. Für das Layout ist die renommierte Zürcher Grafikagentur Raffinerie verantwortlich. Adrien Moreillon arbeitet dort als Designer. Er ist der Mann hinter den Farben der Edition Unik. Projektleiter Frerk Froböse traf ihn auf einen Espresso.

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Frerk Froböse: Adrien, wir haben für die Edition Unik haben kein grosses Budget. Trotzdem konnten wir die Raffinerie als Grafiker gewinnen. Was reizt dich persönlich an diesem Projekt?
Adrien Moreillon: Die Edition Unik ist etwas ganz Neues und antwortet auf ein aktuelles gesellschaftliches Bedürfnis. Sie tut dies aber in einem sehr alten Medium, dem Buch. Es braucht also eine gute Mischung von Frische und von Altbewährtem. Nicht nur, weil ich gerne gute Bücher gestalte, sondern auch, weil ich hier neue Akzente setzen konnte, war ich von Anfang an begeistert vom Projekt.
 
FF: Ich erinnere mich an unser erstes Gespräch, in dem ich sagte, wir bräuchten ein Signet, um als Herausgeber von Büchern wahrgenommen zu werden. Diese Bücher stellte ich mir in ganz traditionellen Farben von dunkelblau, dunkelgrün und dunkelrot vor. Aus dem Signet hast du einen Elefanten, aus den Farben eine Reihe frischer Pastelltöne gemacht. Wie kam es dazu?
AM: Die Farben, die du im Sinn hattest, erinnerten an alte Atlanten, dicke Wälzer in angestaubten Regalen. Die Bücher, die in der Edition Unik entstehen, sind aber hochaktuell, beschreiben das Leben ihrer Autorinnen und Autoren, werden von ihnen verschenkt und nicht ins Regal verbannt. Dafür brauchte es eine Farbpalette, dievorsichtig genug ist, den Inhalt nicht zu übertünchen, aber doch eine ganz eigene Wirkung entfaltet. Damit wird die Einzigartigkeit der Bücher, die ja anders sind und sein sollen als Bücher, die man im Laden kauft, unterstrichen.
 
FF: Und der Elefant? 
AM: Auf das Signet sind wir besonders stolz. «Avoir une mémoire d’éléphant» sagen wir im Französischen, wenn jemand ein exzellentes Gedächtnis hat. Die Edition Unik ist so etwas, wie dieses «exzellente Gedächtnis»: Der Elefant steht als Symbol für den Erfahrungsschatz, der mit ihr geborgen wird. Und das Wort «unik» macht ihn so einzigartig wie jedes Buch. Aber das Wichtigste ist: Man schmunzelt über ihn. Er ist sympathisch und verleiht den manchmal schweren Büchern etwas Leichtes.

FF: Du hast das Farbschema schon erwähnt. Da ging es uns ja darum, jedem einzelnen Buch einen besonderen Auftritt, aber auch der Edition Unik als Ganzes ein einheitliches Erscheinungsbild zu schenken. Den Teilnehmenden wird eine definierte Farbauswahl angeboten, aus der sie eine Farbe für ihr Buch auswählen können. Wie geht es da weiter?
AM: Das Prinzip bleibt bestehen. Die Farben im Pilotprojekt haben gut funktioniert. Sie sind einfach, aber doch speziell: Als Einbandfarben etwas aussergewöhnlich und so eigen wie die Bücher selbst. Die Palette der Farben entwickeln wir nun entlang den Projektrunden weiter. Das heisst, dass es immer vier Farben gibt; und drei davon sind identisch zur vorherigen Runde. Weil aber immer andere Menschen mitmachen, soll sich auch etwas ändern: Eine neue Farbe kommt hinzu.
 
FF: Wie funktioniert das genau für die nächste Schreibrunde?
AM: Beim letztem Mal gab es den Einband in den Farben Orange, Türkis, Lachs und Grau. Nun wird das Orange durch Flieder ersetzt. Obwohl eigentlich dreiviertel der Farben gleich bleiben, ergibt sich doch sofort ein ganz neuer Eindruck.
 
FF: Weisst du schon, wie die Entwicklung nach der nächsten Runde weitergeht?
AM: Ich weiss es schon, aber ich verrate es noch nicht. Nur so viel: Erstens haben wir genügend Farben entwickelt, um die Edition Unik langfristig weiter zu begleiten. Zweitens müssen wir all diejenigen enttäuschen, die auf eine Valentinsfarbe gehofft haben: Knallrot passt leider nicht so gut ins Konzept.
 
FF: Wir freuen uns auf die weitere Arbeit mit dir und euch. Herzlichen Dank für das Gespräch!