Doppellesung in der Galerie

Ein zweistimmiger Erfahrungsbericht von Magdolna Keel und Hanna Meister. Beide haben in der Edition Unik ihre Bücher geschrieben.

Hanna Meister und Magdolna Keel haben am 7. September eine Doppellesung in Eigenregie durchgeführt. Die Lesung fand in der Galerie Dorfzentrum in Killwangen statt.

Magdolna Keel: Gross war meine Freude, als mir am 9. Mai 2017 im Rahmen eines Apéros der Edition Unik mein erstes eigenes, gedrucktes, gebundenes Buch überreicht wurde! Dass ich als Kunstmalerin auch noch schreiben kann, war für mich eine Entdeckung. Während 17 Wochen der Fertigstellung meiner Lebensgeschichte dachte ich immer wieder: «Wird es mir gelingen, den mit Fotos illustrierten Text, termingerecht der Edition Unik abzugeben?»

Und jetzt halte ich tatsächlich das Buch meiner Erinnerungen 1940-2017 in den Händen! Bei der feierlichen Übergabe der Bücher konnte ich endlich auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Biografie-Schreibprojekts kennenlernen. Es waren etwa 50 glückliche «frischgebackene» Autorinnen und Autoren da, die einander zum gelungenen, persönlichen Buch mit Freude gratulieren konnten. Und schön, jetzt sind wir Alumni geworden!

Eine Teilnehmerin, Hanna Meister, las für uns eine Episode aus ihrem frisch gedruckten Buch vor. Ich war sehr beeindruckt, nicht nurvon ihrem Text, sondern auch von ihrer gekonnten Vortragsweise! Spontan frage ich sie, ob wir zusammen eine Doppellesung aus unseren Büchern in meiner Galerie machen könnten. So entstand unser gemeinsames Projekt.

Wir verschickten also Einladungen. Eine Journalistin von der Limmatwelle meldete sich für ein Gespräch mit uns. In der Folge veröffentlichte sie einen ganzseitigen Artikel mit Foto über unser Schreibprojekt bei der Edition Unik.

Das Interesse an unserer Doppellesung war sehr gross. Am 7. September drängten sich dann die angemeldeten Zuhörer in unsere Lesung, es waren alle Plätze besetzt! Nach der Lesung offerierten wir im Garten einen Apéro und es fand eine Diskussion statt.

Am meisten hat man sich darüber gewundert, wie es möglich sei, ein Buch in 17 Wochen zu schreiben! Nun, es ist möglich, wir sind der Beweis!

 

Hanna Meister: Dass mich Magdolna Keel nach meiner Lesung an der Schlussveranstaltung unseres Schreibprojekts angesprochen hatte, überraschte und freute mich sehr. Sie fragte mich, ob ich in nächster Zeit mit ihr eine Lesung in ihrer Galerie in Killwangen machen würde. Natürlich war ich da gerne dabei! So planten wir die Veranstaltung zusammen für den 7. September. Da die Platzzahl beschränkt war, mussten sich die Besucherinnen anmelden. Schön war, dass die Anmeldungen sehr ausgeglichen bei uns ankamen: Die eine Hälfte ist von Magdolnas und die andere Hälfte von meinem Freundeskreis.

Der Abend war dann ein richtiges Fest – bei schönem Spätsommerwetter mit einem Apéro im Garten und der Lesung im wunderbaren Ambiente der Galerie von Magdolna Keel. Für mich ist die Begegnung mit Magdolna ein grosses Geschenk. Wir haben uns gefunden, wir verstehen uns und die Zusammenarbeit gestaltete sich ganz einfach und unkompliziert. Am Abend der Lesung erlebte ich interessante Menschen, es gab gute Gespräche und vor allem berührende Wiedersehen mit Menschen aus dem Aargau, die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Und einige zeigten sich interessiert an dem Projekt der Edition Unik.Nie hätte ich gedacht, dass das Schreiben meines autobiografischen Buches so vieles in Bewegung bringen würde! Vielen Dank an die Edition Unik – und auch an Magdolna Keel!

Die Doppellesung mit Magdolna Keel und Hanna Meister war ein voller Erfolg. So erfolgreich, dass Magdolna Keel gleich noch eine Lesung anhängt: Details dazu finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Informationen zur Galerie Dorfzentrum entnehmen Sie den Websites www.magdolnakeel.com und www.magdolnakeel.ch.

Klara Obermüller: Gast der Edition Unik

Die Journalistin und Autorin Klara Obermüller war Gast an der Netzwerkveranstaltung der Edition Unik. Es haben sich rund 40 Teilnehmende der Herbstrunde 2017 eingefunden, um sich untereinander und mit Klara Obermüller über das Schreiben auszutauschen.

«Den Prozess des Erinnerns und Aufschreibens habe ich als geistiges Abenteuer erlebt: faszinierend und erhellend zugleich – für mich. Und für andere?» Klara Obermüller steigt mit einem Auszug aus der Einleitung zu ihrem Buch Spurensuche – Lebensrückblick in zwölf Bildern in den Nachmittag ein und erzählt, was sie zum Schreiben des Buches bewegt hat.

Ein Auslöser sei der Umzug gewesen, «ein Umzug vom Grossen ins Kleine.» Das Aufräumen und Reinemachen habe sie dazu angehalten, innezuhalten und zurückzublicken. Manchen Teilnehmenden der Edition Unik mag es mit der Herangehensweise ähnlich gehen; was aber gewiss die meisten von ihnen beschäftigt, ist die Frage nach dem Umgang mit dem Zeitdruck: Eine Projektrunde der Edition Unik dauert jeweils 17 Wochen, dabei folgt sie einem dreistufigen Prozess.

Die Kapitel haben das Schreiben erleichtert, weil so ein Kapitel immer mal fertig ist.
— Klara Obermüller

Vom Umgang mit dem Zeitdruck

Klara Obermüller gibt sich überzeugt, dass auch sie ihre Zwölf Bilder in diesen 17 Wochen hätte schreiben können. Sie sei allerdings immer wieder durch laufende Aufträge unterbrochen worden. Beim Schreiben aber ist es wichtig, in den «Flow» zu kommen, das bestätigen Schreibende immer wieder. Klara Obermüller führt zudem aus, dass ihr das Arbeiten in den «Bildern», also den zwölf Kapiteln ihres Buches, geholfen habe. So sei immer mal wieder ein Kapitel fertig geworden.

Es kann sich also durchaus lohnen, das eigene Schreibprojekt zu hinterfragen und allenfalls in Teilprojekte zu unterteilen. In vergangenen Runden der Edition Unik haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ähnliche Erfahrungen gemacht, einige von ihnen schreiben nun ihr zweites oder drittes Buch in der Edition Unik – ein tolle Erfahrung für die Schreibenden und ein wunderbares Lob für das Schreibprojekt!

Vom Umgang mit lebenden Personen

Eine Frage, die viele Teilnehmer/innen der Edition Unik umtreibt, hat auch Klara Obermüller beschäftigt: Wie geht man mit heiklen Schilderungen lebender Personen um? Klara Obermüller rät hier zu einem offenen Umgang mit den Texten und erzählt, dass sie entsprechende Stellen den betroffenen Personen zur Prüfung gegeben habe. Nur so habe sie – auch für sich selbst – sicher sein können, dass die Publikation kein Problem sein würde.

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Es gibt keine universell gültigen Richtlinien für den Umgang mit heiklen Inhalten, leider. Aber es gibt so etwas wie eine Faustregel: Je schwerwiegender der Vorwurf, desto grösser ist das Risiko potentieller Konsequenzen für die Schreibenden. Es empfiehlt sich, die eigenen Texte einer kritischen Prüfung zu unterziehen, etwa indem sie guten Freunden vorgelegt werden. Klara Obermüller ist denn auch der Meinung: «Gute Freunde sind kritische Freunde.»

Von der richtigen Sprache

Wie blumig, wie nüchtern, wie detailliert, wie reduziert ein Text geschrieben sein soll, hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Etwa davon, wie und wo er erscheint, welchen Zweck er erfüllt und – nicht zuletzt – davon, was den Schreibenden gefällt. Klara Obermüller rät etwa, auf schmückende Beiwörter nach Möglichkeit zu verzichten, möchte sie aber keineswegs verbieten. Denn sobald sie dem Text Mehrwert verleihen, so sind diese Wörter mehr als schmückendes Beigemüse, sie sind dann Stilmittel und informative Bereicherung.

Vom Finden des Titels und anderen Buchdetails

Klara Obermüller erzählt weiter, dass ihr Titel Spurensuche ein Glücksfall gewesen sei, denn er sei schon von Anfang an da gewesen. Aus ihrer Praxis wisse sie aber, dass derlei Details meist ganz am Schluss gesucht und gefunden würden. Gerade die Wahl eines Titels sei selten einfach und erfordere oft mehrere Schritte und Überarbeitungen. Begonnen hat Klara Obermüller übrigens mit dem Schreiben der Kapitel und nicht etwa mit der Einleitung, die sei erst ganz zum Schluss ihres Buches entstanden.

Vom öffentlichen Interesse

Wann ihr der Gedanke an die Veröffentlichung ihrer Spurensuche gekommen sei und wie man überhaupt wissen könne, wer sich für den eigenen Text interessiere, wird Klara Obermüller abschliessend gefragt. Sie erzählt, dass eine Veröffentlichung des Manuskripts eigentlich erst dann zum Thema geworden sei, als mehrere Freunde darauf hinwiesen, dass ihre Spurensuche spannend, interessant und auch relevant sei.

Klara Obermüller betont, dass das Schreiben wichtiger gewesen sei als die Veröffentlichung. Denn beim Schreiben habe sie gespürt, wie « die Dinge ins Lot kamen», während sie das «geistige Abenteuer des Erinnerns und Aufschreibens» unternahm.

 

Buchdetails
Titel: Spurensuche – Ein Lebensrückblick in zwölf Bildern
Autorin: Klara Obermüller
ISBN: 978-3-905795-42-4
Herausgeber: Xanthippe
Jahr: 2016

Erinnerungen 1940-2017

Ein Textfragment aus dem Werk von Magdolna Keel, sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.

Krieg, Bombenalarm, russische Soldaten

Ich erlebte den zweiten Weltkrieg als Vierjährige. In meinen Erinnerungen an den Krieg tauchen Bilder auf: Auf dem Nachhauseweg von den Grosseltern: Meine Mutter schiebt den Kinderwagen. Darin liegt mein kleiner Bruder. Ich laufe nebenher. Plötzlich Bombenalarm! Hunderte Flugzeuge fliegen mit ohrenbetäubendem Lärm über uns! Wie schützt eine Mutter ihre Kinder vor Bomben mitten auf der Strasse? Sie umarmt mich fest, und beugt sich schützend über den Kinderwagen! Als könnte sie uns vor dem Bombenabwurf retten oder bewahren

Meine Mutter, der Mond und die Sterne

Als der Krieg zu Ende war, musste meine Mutter mit zwei kleinen Kindern irgendwie überleben. Unser Vater war nämlich während vier Jahren im Kriegsgefangenenlager in der Sowjetunion. Durch das Rote Kreuz konnte uns Vater auf einer vorgedruckten Karte ein paar Zeilen schreiben. So wussten wir wenigstens, dass er lebte, und wo er gefangen war. Wann würde er wohl zurückkehren?

Unsere Mutter sagte uns Kindern: «Schaut zum Himmel hinauf, seht ihr dort oben den Mond und die Sterne? Der Vater, gefangen in Russland sieht denselben Mond und dieselben Sterne, wie wirDas war Mutters Kommunikation mit ihrem Mann!

Als ich 1948 die dritte Klasse in der Volksschule besuchte, war mein Vater aus seiner beinahe vierjährigen Kriegsgefangenschaft in Sowjetrussland, entlassen worden. Wieder zu Hause in seiner Heimat, musste sich mein Vater in die neue politische und gesellschaftliche Situation eingliedern und sich in ihr zurechtfinden. Es kam ihm zu Gute, dass er in seiner Jugend eine Lehre als Holzschnitzer absolviert hatte. So konnte er in einem staatlichen Betrieb für Herstellung von Möbeln in antikem Stil Anstellung finden.

Bild: zvg

Bild: zvg

Degen, Raspel, Mund-zu-Mund Werbung

Jeder besass sein persönliches Werkzeug. Das waren scharfe Meissel, welche die Handwerker noch vor dem Krieg gekauft hatten. Allmählich jedoch waren die Meissel abgestumpft oder wurden ganz und gar unbrauchbar. Im kommunistischen planwirtschaftlich organisierten Ungarn fehlten aber oft wichtige Waren. So wurden auch keine neuen Werkzeuge für Holzschnitzer und Bildhauer hergestellt. Im ganzen Land konnte man keinen Meissel auftreiben. Mein vielseitig begabter Vater konnte sich aber helfen. Er kaufte auf dem Flohmarkt alte, ausgediente Raspeln und Degen. Mit Hilfe eines kleinen Gasbrenners, erhitzte er sie, hämmerte und schmiedete sie flach, und formte wunderschöne neue Meissel! Der Griff entstand aus alten Stuhlbeinen. Seine Meissel sahen ganz perfekt aus.

Selbstverständlich wollten jetzt alle Holzschnitzer-Kollegen ebenfalls neue Arbeitsinstrumente haben! So begann mein Vater in unserem winzigen Keller, Meissel zu produzieren. Er stellte sie, je nach Wunsch, in verschiedenen Grössen, mit spitzigeren oder rundlicheren Krümmungen her. Auch das «Produzieren» war verboten. Eigeninitiative war ein Verbrechen in der Diktatur und so musste er sehr vorsichtig sein. Doch durch Mund-zu-Mund-Propaganda wussten bald alle Holzschnitzer und Bildhauer in Ungarn, dass man bei meinem Vater Meissel nach Mass bestellen konnte.

Der Wink mit dem Zaunpfahl

Wie aus einem Tisch voller Notizen, Briefen und Fotos ein eigenes Buch wurde, lesen Sie im Bericht der Basler Zeitung.

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Die Edition Unik Teilnehmerin Rosmarie Schneider erzählt im Gespräch mit der Zeitung, warum sie sich zum Aufschreiben ihrer Geschichte entschieden hat – und wie ihr die Struktur der Edition Unik dabei geholfen hat.

Den ganzen Bericht finden Sie in unserer Rubrik «Medien».

Edition Unik Café bei Zürich liest!

Was bedeutet es, über das eigene Leben zu schreiben? Wie wirken die eigenen Geschichten auf Kinder, Enkel, Freunde, Bekannte, eine interessierte Öffentlichkeit?

Foto: Zürich liest

Foto: Zürich liest

Wir laden Sie ein, diesen und anderen Fragen am Edition Unik Café während des Festivals «Zürich liest» auf den Grund zu gehen.

Drei Alumni der Edition Unik lesen am Sonntag, 29. Oktober ab 15 Uhr, im Karl der Grosse, Zürich, aus ihren Büchern vor und treten auch mit dem Publikum in den Dialog. Wir sind stolz darauf, dass 2017 die Edition Unik das erste Mal mit einem Lese-Café bei «Zürich liest» vertreten ist und freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!

Das Edition Unik Café findet statt:

Wann? Sonntag, 29.10.17, ab 15 Uhr
Wo? Karl der Grosse, Zürich

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos; die Platzzahl ist beschränkt, es wird um frühzeitiges Eintreffen gebeten. Details entnehmen Sie unserem Veranstaltungskalender oder dem Programm vom «Karl».