Das alte Haus mit seinen Tücken

Ein Gastbeitrag von Pia Tschupp. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben, die Geschichte «das alte Haus…» ist darin erschienen.

Fotos: zvg.

Fotos: zvg.

Das Brennholz kommt aus dem nahen Wald. Für den Kachelofen mag ich die «Bürdeli» gerne selber machen. Stecken und Reisig in 80 cm lange Stücke sägen oder hauen, auf dem Wellenbock einspannen, mit Schnüren binden, trocknen lassen. Das Geheimnis dieser uralten Heizmethode mit «Bürdeli» ist nicht endgültig gelüftet.

 

Die kleinen Fenster lassen eine Lichtdurchflutung der Wohnräume nur bedingt zu. Die Zimmereinteilung ist willkürlich und weist auf ein Generationenhaus hin.  Die angebaute Scheune bietet weit mehr Raum als der bewohnte Teil.

Der Bach mit seinen Allüren hat es schon geschafft, über die Ufer zu treten und den Keller zu fluten. Schwimmende Weinflaschen.

Im Winter versuchen die Marder immer wieder, Unterschlupf zu finden in der wohligen Dachisolation. Letzten Frühling – ich war in New York – hat sich ein Bienenschwarm im hohen Kamin verirrt, wo er nach einem Kälteeinbruch nicht hat überleben können. Mäuse fühlen sich in den Zwischenwänden wohl, bis die Quartierkatzen dem Gewusel und der Nagerei ein Ende bereiten. Auch Spinnen mögen das bäuerliche Ambiente.

Erfahrungen – eine Ehemalige erzählt

Letzte Woche fand die zweite Netzwerkveranstaltung in der Herbstrunde der Edition Unik statt. Gast war die Ehemalige Suzanne Schrade, die von ihren Erfahrungen beim Schreiben Ihres Buches in der Edition Unik berichtet hat.

Diese Netzwerkveranstaltungen sind exklusiv für unsere aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzipiert, finden zwei Mal pro Runde statt und dienen vor allem dem Austausch der Teilnehmenden untereinander. Dabei werden Fragen diskutiert, die zum einen die Technik betreffen, etwa: Wie gehe ich mit Bildern um? Kann wirklich nur eine Bilddatei pro Kapitel eingefügt werden? Wie lege ich ein Vorwort an? Und was genau ist bei der Edition Unik eigentlich ein «Klappentext»?

Die Bücher der Edition Unik (Foto: Joëlle Kost)

Die Bücher der Edition Unik (Foto: Joëlle Kost)

Zum anderen geht es um inhaltliche Fragen und den persönlichen Erfahrungsaustausch. So erzählt Suzanne Schrade etwa, dass sie keine umfassende Biographie geschrieben, sondern sich vielmehr auf einzelne Episoden konzentriert habe. Ähnlich wie bei der Journalistin und Edition Unik Beirätin Klara Obermüller ist dabei eine Aneinanderreihung von Ereignissen entstanden, die für Schrades Werdegang bedeutend sind.

Sie erzählt auch, wie sie das Schreiben selbst erlebt hat und wie sie dabei vorgegangen ist. Zum Beispiel hatte sie sich entschieden, jene Personen, die im Buch beschrieben werden, gar nicht erst um Erlaubnis zu fragen. Suzanne Schrade betont aber auch, dass sie nie im Hinblick auf eine grössere Öffentlichkeit geschrieben, sondern dass sie stets daran gedacht habe, das Buch ihren Liebsten als «Erinnerung a min 80igschte» zu schenken. Ist es geplant, das Buch später zu publizieren, so müsse man wohl anders vorgehen.

Wichtiger Helfer: das Handbuch (Foto: Joëlle Kost)

Wichtiger Helfer: das Handbuch (Foto: Joëlle Kost)

Auch lobt Suzanne Schrade die drei Phasen und fühlte sich mit dem Schreibprogramm Edition Unik App wohl, die eben diesen Prozess abbildet. Sie schätzte auch die Möglichkeit, Bilder einzufügen, verweist aber gleichzeitig darauf, dass die Bücher, die in der Edition Unik entstünden, nun mal keine Bilderbücher seien, sondern auf den Text fokussierten. Besonders hilfreich sei für sie schliesslich das Handbuch gewesen, allerdings habe sie eine Weile gebraucht, bis sie dies erkannte. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: «Ich nehme an, Sie wissen, wovon ich rede, wenn ich sage, dass ich das Handbuch erst spät als wertvollen Begleiter erkannte.»


Antworten auf die Fragen aus der Einführung oben

  • Wie gehe ich mit Bildern um?
    Bildmaterial kann in die Edition Unik grundsätzlich eingebracht werden, dies ist aber mit Einschränkungen verbunden: Die Bilder werden alle schwarzweiss gedruckt und es gibt keine Möglichkeit, die Bilder in der Edition Unik App zu bearbeiten, da das Layout automatisiert ist.
  • Kann wirklich nur eine Bilddatei pro Kapitel eingefügt werden?
    Ja. In der Edition Unik entstehen Bücher, die den Fokus auf den Text legen und nicht auf die Bilder.
  • Wie lege ich ein Vorwort an?
    Ein Vor- und/oder Nachwort lässt sich ganz einfach anlegen, und zwar wie ein Kapitel. Es gibt keinen dafür vorgesehenen Platz.
  • Und was genau ist bei der Edition Unik eigentlich ein «Klappentext»?
    Der Klappentext ist in der Edition Unik jener Text, der hinten aussen auf dem Buch erscheint. Anders als beim Vorwort gibt es hier einen vorgeschriebenen Platz und damit verbunden auch eine entsprechende Eingabemöglichkeit in der App. Das Erstellen eines Klappentextes ist optional.

Weitere Antworten finden Sie in der Rubrik Fragen.

Edition Unik Café bei Zürich liest

Vom Leben in einem ganz besonderen Quartier, dem Umgang mit Traumata und dem Alltag jugendlicher Männer: Am Edition Unik Café vom 29. Oktober 2017 haben drei Alumni der Edition Unik aus ihren Büchern vorgelesen.

Diese drei sind Pia Tschupp, Sonja Casutt und Jürg Vogel – sie alle haben mindestens eine Person mitgebracht, die mit einer anderen Geschichte auf das Gelesene antwortet. Rund 50 Besucherinnen und Besucher haben sich an diesem letzten Sonntag im Oktober eingefunden, um den persönlichen Geschichten zu lauschen.

Ein gut besuchtes Edition Unik Café im Karl der Grosse (Bild: Arlette Graf)

Ein gut besuchtes Edition Unik Café im Karl der Grosse (Bild: Arlette Graf)

Geschichten so unterschiedlich wie berührend
Den Anfang macht Pia Tschupp, die unter anderem vom «Müliquartier» im Fricktal berichtet, wo sie bald die Hälfte ihres Lebens verbracht hat – und wo sie auch heute lebt. Begleitet wird sie von einer Nachbarin, die ebenfalls aus Tschupps Buch vorliest. Fragmente aus der Lesung werden ab nächsten Freitag in losen Abständen im Journal veröffentlicht.

Später erzählt Sonja Casutt von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die von Ärzten und Kliniken, viel Frust und Leid, aber auch von Liebe und Hingabe geprägt sind. Sie leidet seit ihrer Jugend an dissoziativen Krampfanfällen, wusste aber eine lange Zeit nicht, was mit ihr los war. Das hat sich auch auf ihre Kinder ausgewirkt, was schnell deutlich wird, etwa als Casutts Tochter mit einem selber geschriebenen Text auf das Vorgelesene antwortet. Sonja Casutt hat ihr Buch inzwischen via book-on-demand herausgebracht. Details sind im Bericht «Warum» zu finden.

Den Abschluss macht Jürg Vogel, der seinen Vater mitgebracht hat. Die beiden lesen humorvolle, spitzbübische Geschichten aus der Adoleszenz Vogels vor – ein herrlicher Abschluss für einen berührenden Sonntagnachmittag. Zwei Anekdoten von Jürg Vogel sind im Journal der Edition Unik bereits erschienen, und zwar «Französischprüfung» und «Snuff».

Edition Unik Cafés und Lesungen
Weitere Gelegenheiten, den Alumni und aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Edition Unik zuzuhören, finden Sie in unserem Veranstaltungskalender. Das nächste Café findet übrigens statt am 19. November ab 11 Uhr im Kloster Dornach.

Snuff

Ein Gastbeitrag von Jürg Vogel. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben, die Anekdote «Snuff» ist darin erschienen.

Grossvater Wetli war eine eindrückliche Person. Stattliche Postur, konservative Ansichten und eine liebenswürdige Ausstrahlung. Geprägt durch die Entbehrungen der Kriegsjahre, riet er mir immer wieder, mir einen stattlichen Bauch zuzulegen. Danach sei ich bereit, Bundesrat zu werden. Wir Enkel liebten unseren Opa, mit dem wir auch gerne spielten. Wenn die Nachbarn im unteren Stock versuchten, unser Treiben mit Klopfen gegen die Decke zu beenden, war es der Grossvater höchstpersönlich, der mit heftigen Fusstritten klar zeigte, dass er sich nicht dreinreden liess. Mein Bruder und ich waren irgendwo Mitte zwanzig, als wir von Opa nach Hause eingeladen wurden. Er wollte uns etwas zeigen. Das war meine erste und letzte Lektion in der Applikation von Schnupftabak. Er holte seine Dose Snuff und eine Holzvorrichtung, mit der wir den Schnupftabak in die Nase schleudern konnten. Wir mussten das Gerät exakt platzieren, wozu ein befestigter Spiegel diente. Nach einigen Versuchen und noch mehr Niesern, erklärte uns der Grossvater dann zu erwachsenen Männern. Zumindest aus seiner Sicht.